Westfälisches Pferdestammbuch: Vorsitzender Johanshon fordert Transparenz bei Hengstkörung von anderen Verbänden

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Gestern Abend fand im Westfälischen Pferdezentrum Münster-Handorf die Delegiertenversammlung des Westfälischen Pferdestammbuchs statt. Ein Thema waren die „Unregelmäßigkeiten bei den Hengstkörungen“.

Ralf Johanshon, der Vorsitzende des 8000 Mitglieder starken Westfälischen Pferdestammbuchs e.V., sprach vor den rund 100 Delegierten und erklärte, „die westfälische Transparenz gegen Unregelmäßigkeiten bei den Hengstkörungen, die über die Zuchtzulassung entscheiden“, müsse auch für andere deutsche Zuchtverbände gelten. Johanshon weiter: „Alles andere führt zu undurchsichtigen Marktverhältnissen mit Wettbewerbsnachteilen für uns. Das nehmen wir nicht hin.“

2018 war der westfälische Reservesieger Vaderland v. Vitalis positiv auf das Beruhigungsmittel Acepromazin getestet worden. Ihm wurde daraufhin das Körurteil abgesprochen, er durfte aber zur Nachkörung antreten und erhielt dann doch die Zuchtzulassung.

Satzungsänderung

Das Westfälische Pferdestammbuch hatte seine Präventionsmaßnahmen nach diesem Vorfall verschärft. Noch unter dem damaligen Geschäftsführer und Zuchtleiter Wilken Treu wurde eine entsprechende Satzungsänderung verabschiedet. Darin wurde festgelegt, dass im Falle einer positiven Medikationsprobe ein Disziplinarverfahren eingeleitet wird, das von einem eigens eingerichteten Schiedsgericht geleitet wird. Bei einem Vergehen haben sowohl Hengsthalter als auch Ausbilder mit Geldbußen zu rechnen, die gestaffelt sind – 5000 Euro beim ersten Fall, 10.000 Euro beim zweiten und 15.000 Euro beim dritten.

Ferner wurde beschlossen, dass nun alle gekörten Hengste getestet werden. Wobei im Dokument „Tierärztliche Untersuchung“ zur Hauptkörung der Reitpferdehengste unter Punkt 5 wörtlich vermerkt ist: „Nach Bekanntgabe des Körurteils kann nach jedem Ring von den gekörten Hengsten und den zur Auktion gemeldeten, nicht gekörten Hengsten eine Medikationsprobe entnommen werden.“ Es ist also weiterhin ein Kann und kein Muss.

Ungeachtet dessen gab es 2019 einen weiteren positiven Medikationsfall bei der Westfälischen Hauptkörung, diesmal den Siegerhengst v. Dream Boy betreffend, der bei der Auktion nach der Körung für 1,9 Millionen Euro in den Besitz von Helgstrand Dressage wechselte. Auch er wurde beim erneuten Vorstellen gekört.

Ehrungen

Aber es ging bei der Delegiertenversammlung nicht nur um das Thema Medikation und Körungen. Wie jedes Jahr wurden auch besonders erfolgreiche Züchter als „vorzügliche Werbeträger“ geehrt. Der Hengstaufzüchterpreis ging an Norbert van Laak. Christa Dahlkamp wurde als Reitpony-Züchterin des Jahres ausgezeichnet. Bernd Richter, bei dem unter anderem Martin Fuchs‚ Europameister Clooney zur Welt kam, wurde als Züchter des Jahres im Bereich Großpferde geehrt. Im Breich sonstige Rassen konnte der Kaltblutzüchter Heinrich Meyer zu Hücker sich über die Anerkennung seines Verbands freuen. Die gab es auch für Franz-Josef Schulte im Busch für seinen „unermüdlichen Einsatz bei den vielen Veranstaltungen des Westfälischen Pferdestammbuchs“.

Eine Sonderehrung wurde dem Tierarzt und begeisterten Züchter Dr. Lutz Ahlswede zuteil, aus dessen Stall fünf gekörte Hengste sowie sieben Staatsprämienstuten hervorgingen und der sich zudem über viele Jahre im Vorstand des Westfälischen Pferdestammbuchs engagiert hat. Aus dem wurde er nun verabschiedet und für seine Verdienste unter anderem von Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im westfälischen Landwirtschaftsministerium, gelobt. Dr. Ahlswede habe sich „große Verdienste um den Tierschutz erworben“. Ahlswede erhielt zudem die Gustav-Rau-Medaille der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Silber.

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