Zangersheide: Eckermanns Chao Lee ist Weltmeisterin der sechsjährigen Springpferde, Bronze für Kutscher und Policeman bei den Siebenjährigen

48775622516_43c14a36b7_k

Die selbst gezogene Chao Lee verhalf Katrin Eckermann zu ihrem ersten Titel bei den Weltmeisterschaften der jungen Springpferde in Zangersheide. (© FEI)

Dass die Rheinländer Stute Chao Lee etwas ganz besonderes ist, weiß man spätestens seit dem Bundeschampionat 2018, wo sie souverän zum Titel der Fünfjährigen sprang. Bei den Weltmeisterschaften der jungen Springpferde in Zangersheide demonstrierte sie nun, dass sie nicht nur schön, sondern auch schnell kann.

Bei den Weltmeisterschaften der jungen Springpferde in Zangersheide werden im Gegensatz zum Bundeschampionat alle Titel über Fehler und Zeit vergeben. Schließlich ist das ja auch das, was später im großen Sport zählt. Als die rheinische Comme il faut-Chacco Blue-Tochter Chao Lee 2018 Bundeschampionesse wurde, ging es noch nach Noten. 2019 wurde es Silber bei den Sechsjährigen in Warendorf. Schon da ließ Chao Lee keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie auch das Zeug für große Stechen hat. Und heute sprang das „Familienpferd“ mit zwei strafpunktfreien Runden und der Spitzenzeit von 40,64 Sekunden zur Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft.

Ein Familienpferd ist Chao Lee deshalb, weil sie von Otmar Eckermann gezogen wurde und auch immer noch in seinem Besitz steht, und weil Tochter Katrin Eckermann eben ihre Reiterin ist. Die 29-Jährige nach ihrem Erfolg:

„Ich habe letztes Jahr angefangen sie zu reiten. Sie macht ihre Sache immer fantastisch und ich bin so glücklich, eine Weltmeisterin zu haben, die wir dann auch noch selbst gezogen haben. Ich freue mich unheimlich für meinen Vater und bin stolz, weil er so hart arbeitet und für mich ist das das beste Pferd der Welt!“

Silber ging nach Irland an die Cardento-Diamond Serpent-Tochter MHS Cardenta (Z.: Olive Clarke, B.: Bravo Hughes Ltd.) unter Irlands Jungpferde-Spezialist Michael Pender. Die beiden mussten sich um exakt eine zehntel Sekunde geschlagen geben.

Deutlich langsamer unterwegs als die beiden an der Spitze war das Paar auf Rang drei: der Belgier Jeroen Appelen im Sattel des BWP-Hengstes Nero de Semilly N. v. Diamant de Semilly-Lord Z aus der Zucht von Ludwig Neyt. Sie erreichten das Ziel in 43,54 Sekunden.

Weitere deutsche Plätze

Von ursprünglich  265 (!) Sechsjährigen traten heute 39 im Finale an. 16 erreichten das Stechen. Davon schafften fünf eine weitere fehlerfreie Runde und das einzige Pferd, das mit vier Fehlern schneller war als die Siegerin, wurde auch von Katrin Eckermann geritten: die Westfalen-Stute Cala Mandia v. Capistrano-Valentino aus der Zucht von Ludger Wigger-Pieper und im Besitz von Christian Glanemann. Sie wurde Sechste.

Noch davor konnte sich mit Harm Lahde auf dem Selle Francais-Wallach Desperado v. Diamant de Semilly-Lux Z an fünfter Stelle ebenfalls ein Deutscher platzieren. Christian Ahlmann hatte gleich zwei Pferde ins Stechen gebracht. Mit dem OS-Wallach Luke Lemon v. Lord Pezi Junior-Cornet Obolensky (Z. u. B.: Antonius Schulze-Averdiek) hatte er einen Abwurf, die Zeit reichte für Rang neun. Mit dem belgischen Quality Time-Baloubet du Rouet-Sohn Nachito vd Ketse (Z.: Steven van Overmeire, B.: Equus Marl GmbH) war mit 41,07 Sekunden zwar schnell unterwegs, hatte aber acht Fehler auf dem Konto. Damit waren die beiden nicht mehr im Geld.

Zwei Paare gab es, die das Stechen nur aufgrund eines Zeitfehlers verpassten, beide kamen aus Deutschland. Das war zum einen Maurice Tebbel auf dem OS-Wallach Copin’s Boy, der ihm zusammen mit seinem Kumpel Guido Klatte Jun. gehört und von Stephan Remmel gezogen wurde. Copin’s Boy ist ein Sohn des einst unter Marcus Ehning erfolgreichen Copin van de Broy aus einer Levisto-Mutter.

Nummer zwei der Ein-Fehler-Kandidaten war der Holsteiner Hengst Chubakko v. Connor-Colman, den Christian Kukuk für die Ludger Beerbaum Stables und Mit-Besitzer L. Egentenmeier vorstellte. Züchter ist hier Wolfgang Soehner.

Bronze für Kutscher und Policeman

Noch eine weitere Medaille gab es für ein deutsches Pferd. Bei den Siebenjährigen ritt Marco Kutscher den Hannoveraner Policeman v. Perigueux-Acord II (Z.: Heinz Sprenger, B.: Brigitte Weeke-Therling) auf den Bronzerang in dem 40 Paare starken Feld.

Der Titel ging nach Irland dank Seamus Hughes-Kennedy im Sattel der Z Wellie-Luidam-Tochter Cuffesgrange Cavadora aus der Zucht und im Besitz von Clare Hughes. Silber sicherte sich der Brasilianer Victor Mariano Luminatti auf dem Zengersheider Hengst Cipollini Second Life Z, einem Carthago-Sohn aus einer Mutter v. Kannan-Sandro-Gepard.

Bei den Siebenjährigen waren nur vier Paare zweimal fehlerfrei geblieben. Nummer vier war der von Mathijs van Asten vorgestellte KWPN-Hengst Hotspot v. Hors La Loi II-Nabab de Reve, der anders als die drei vor ihm platzierten Pferde die 40 Sekunden-Marke nicht unterbieten konnte.

Unter den acht Paare, die das Stechen erreicht hatten, war noch ein weiteres deutsches und auch hier handelt es sich um ein prominentes: wieder Katrin Eckermann, diesmal mit der Comme il faut-Acasino-Tochter Daddy’s Destiny, die 2018 Silber beim Bundeschampionat gewonnen hatte. Die beiden waren das schnellste Paar im Stechen, nahmen unterwegs aber zwei Abwürfe mit, Platz sechs. Züchterin der OS-Stute ist Lisa Frohberg, Besitzer Katrin Eckermanns Partner Christian Glanemann.

Der einzige deutscher Reiter, der noch im Geld war – allerdings mit einem Schweizer Pferd –, war Marc Bettinger. Er stellte die siebenjährige Toulon-Tanael du Serein-Tochter Trinity d’I aus der Zucht von Isabel Balitzer-Domon vor (B.: Faye Schoch) und erreichte auch das Stechen, hatte hier allerdings zwölf Strafpunkte, Rang acht.

Silber an „irischen Oldenburger“

Zwar konnte sich kein deutsches Paar unter die Medaillenträger der Fünfjährigen mischen, aber immerhin ein deutsches Pferd: der Oldenburger Hengst Chacco Bay v. Chaccato-Heops aus der Zucht von Alfons Brueggehagen und im Besitz der Hiltrup Sporthorses GmbH sicherte dem Iren Michael Pender seine zweite Silbermedaille dieses Wochenende.

Schneller unterwegs gewesen waren nur Jason Foley und Rockwell RC, eine Kannan-Guidam-Tochter, die wie ihr Reiter von der grünen Insel kommt (Z.: Ronan Byrne, B.: Sean Cubitt). Und das, obwohl er im Stechen ein paar Probleme mit der Lenkung gehabt hatte, wie Foley später erzählte. Nicht ohne Grund: „Ich habe mir vor drei Wochen bei einem Sturz die Schulter ausgekugelt. Ich hatte eigentlich nicht gedacht, dass ich es hierher schaffe, ich hoffe, das Krankenhaus sieht das jetzt nicht. Aber ich dachte, lass es uns versuchen und hatte Glück, dass alles gut gegangen ist.“

Bronze sicherte sich die Britin Emma Stoker auf der Zangersheider Stute Skylandria Z v. Super Trooper de Ness-Indoctro, die eine selbst international erfolgreiche Mutter hat.

Von den deutschen Paare erreichte keines das Stechen. Marc Bettinger hatte mit dem Holsteiner Lake Tahou v. Leovisto-Sandro (Z.: Carsten Lauck, B.: Horizontal Sp. z o.o) ebenso einen Abwurf im Normalparcours wie Maurice Tebbel und der Bundeschampionats-Bronzemedaillengewinner, der OS-Hengst Chacco’s Light v. Chacco’s Son II-Light On (Z.: Ewald Brüggemann, B: Firma Brüggemann, Zuchthof Tebbel).

Acht Strafpunkte wurden es bei Patrick Stühlmeyer und dem OS-Wallach Merando v. Messenger-Diarado aus der Zucht von Harm Oncken und im Besitz von Paul Schockemöhle.

Belgische Meisterschaft an Jos Verlooy

Neben der WM wurde in Zangersheide dieses Wochenende auch die Belgische Meisterschaft der Springreiter ausgetragen. Hier setzte Jos Verlooy einem ohnehin fantastischen Jahr die Krone auf. Nach Mannschaftsgold und Einzelbronze bei den Europameisterschaften in Rotterdam holte er sich nun den nationalen Titel. Diesmal mit Oldenburger Hilfe dank des elfjährigen Verdi-Sohnes Varoune.

Silber ging an Pieter Clemens auf dem ebenfalls elfjährigen Wallach Icarus v. Querlybet Hero, gefolgt von Wilm Vermeir und King Kong d’Avifauna v. Beaulieu’s Think Big.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.