Achtung, giftig! – Giftpflanzen für Pferde

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Giftpflanzen für Pferde sind oft auf den ersten Blick nicht erkennbar. Die giftigen Pflanzen können aber überall lauern. (© www.galoppfoto.de)

Am Wegesrand, in Stallnähe oder sogar auf der Weide – Giftpflanzen für Pferde können überall lauern. Wir haben eine Übersicht zu den giftigsten Pflanzen zusammengestellt und bei welchen Signalen Sie besser den Tierarzt rufen sollten.

Er sieht hübsch aus, wird mit Vorliebe auf Höfen gepflanzt und macht auf den ersten Blick keinen giftigen Eindruck: der Buchsbaum. Doch die Pflanze ist giftig für Pferde. Und auch in Maiglöckchen ist schneller gebissen worden, als man als Pferdebesitzer gucken kann. Wir haben eine Übersicht zu den Giftpflanzen für Pferde zusammengestellt.

Giftige Pflanzen senden Warnsignale in Form eines bitteren Geschmacks oder eines typischen Geruchs aus und halten Tiere damit normalerweise vom Verzehr ab. Aus Langeweile oder Gier nach Grünzeug missachten Pferde diese Warnsignale gelegentlich und fressen giftige Pflanzen trotzdem.

Welche Pflanzen sind giftig?

Es gibt in unseren Breiten rund 450 giftige Pflanzen, doch weil immer mehr exotische Pflanzen in Gärten und Parks Einzug halten, kommen ständig neue dazu. 

Wann sind Pflanzen giftig?

Die Toxizität der Pflanzen ist nicht immer gleich. Sie hängt ab von der Jahreszeit, Witterung, Sonneneinstrahlung, Bodenbeschaffenheit, Düngung, Parasitenbefall usw. Bei einigen Wiesenpflanzen wie der Herbstzeitlosen oder dem Jakobskreuzkraut bleiben die toxischen Inhaltsstoffe auch im Heu aktiv.

Wie erkennt man eine Vergiftung bei Pferden?

Da der Magen-Darm-Trakt von Pferden sehr empfindlich ist, kann es bereits bei der Aufnahme geringer Pflanzenmengen zu Vergiftungserscheinungen kommen. Die Anzeichen einer Vergiftung sind vielfältig und reichen von einem veränderten Verhalten, über Schwitzen, Schaum vor dem Maul, Speichelfluss, Atemnot, Zittern, Durchfall und Koliken bis hin zu zentralnervösen Störungen wie Zuckungen, Krämpfen, Gleichgewichtsstörungen, erweiterten Pupillen und zu schneller oder zu langsamer Herztätigkeit.

Was tun bei einer Vergiftung?

  • Ist der Vergiftungsverdacht begründet, sofort den Tierarzt rufen!
  • Vermeintliche Giftquelle sicherstellen und für den Tierarzt aufheben.
  • Bis zum Eintreffen des Tierarztes darf das Pferd nichts mehr fressen, aber Wasser trinken so viel es will.
  • Pferd führen oder in eine dick eingestreute Box stellen, um die Verletzungsgefahr bei einem Krampfanfall oder einer Kolik zu vermindern.

Wie wird eine Vergiftung behandelt?

Ist die Giftquelle bekannt, wird der Tierarzt geeignete Behandlungsmaßnahmen (Magenentleerung, Verabreichen von Aktivkohle usw.) einleiten. Weiß man nicht, womit sich das Pferd vergiftet hat, beginnt ein oft mühsames Abklären, zum Beispiel, indem der Mageninhalt untersucht wird.

Wie beugt man Vergiftungen vor?

  • Sie sollten als Reiter und Pferdebesitzer die wichtigsten Giftpflanzen erkennen können und vermeiden, dass Ihr Pferd davon frisst.
  • Lassen Sie Ihr Pferd beim Ausritt nicht unkontrolliert an unbekannten Zweigen, Ästen und Pflanzen naschen.
  • Nehmen Sie fachliche Beratung in Anspruch bevor Sie neue Pflanzen in der Umgebung des Stalls pflanzen oder Holz für einen Zaun kaufen.

Giftpflanzen für Pferde

Die Pflanzenarten sind unterteilt in stark giftig bis sehr stark giftig. Angefangen mit den stark giftigen.

Stark giftige Pflanzen

Buchsbaum (Buxus sempervirens)

Buchsbaum

Toxizitätsgrad: stark giftig, 700 bis 900 Gramm Blätter sind tödlich

Vorkommen: als Hecke in Gärten, Parks, selten im Laubwald

Symptome: Kolik, starker Durchfall, Taumeln, Bewegungsstörung, zentrale Krämpfe, Schluckbeschwerden, Koma, Tod durch Atemlähmung

 Eiche (Quercus robur)

Eiche

Toxizitätsgrad: stark giftig, Pferde reagieren empfindlich auf die in Eicheln, Blättern und Rinde enthaltene Gerbsäure

Vorkommen: weit verbreiteter Waldbaum

Symptome: Apathie, Kolik, erst Verstopfung dann Durchfall, gelbe Schleimhäute, Ödeme, Schwäche, Tod durch Nierenversagen

 Gundelrebe (Glechoma hederacea)

Gudelrebe

Toxizitätsgrad: stark giftig, auch im Heu, in größeren Mengen tödlich (32% im Grünfutter)

Vorkommen: Wiesen, Wälder, Gebüsche, Zäune, Mauern

Symptome: Große Pupillen, Schweißausbruch, Muskelzittern, beschleunigte Atmung, Schleim und Schaum aus Mund und Nase, Husten, Herzrasen, bläuliche Schleimhaut, Fieber, Appetitlosigkeit, Tod durch Herzstillstand

 Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus)

Kirschlorbeer

Toxizitätsgrad: stark giftig, 0,5 bis 1 Kilogramm auf einmal aufgenommene Blätter sind tödlich

Vorkommen: Parkanlagen und Gärten, als Hecken

Symptome: Speicheln, beschleunigte Atmung, Taumeln, Schleimhäute zuerst hellrot, dann bläulich, zentrale Krämpfe, Festliegen, Tod durch Atemlähmung, im Extremfall Tod innerhalb von Sekunden

Rot-Ahorn (Acer rubrum)

Rotahorn

Toxizitätsgrad: stark giftig

Vorkommen: Parkanlagen, Gärten

Symptome: Apathie, braune oder bläuliche Schleimhäute, Herzrasen, gelbe Lederhaut (das Weiße des Auges), Kolik, Fieber oder Untertemperatur, beschleunigte Atmung, Hufrehe, weiße Schleimhäute, blutiger Urin

 Rhododendron (Rhododendron sp.)

Rhododendron

Toxizitätsgrad: stark giftig

Vorkommen: Zierstrauch in Gärten und Parkanlagen, wild nur im Hochgebirge (als ungiftige Alpenrosen)

Symptome: Speicheln, Kolik, Durchfall oder Verstopfung, zentrale Krämpfe, beschleunigte Atmung (Tod durch Atemlähmung)

 Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)

Pfaffenhütchen

Toxizitätsgrad: alle Pflanzenteile stark giftig, besonders die Früchte

Vorkommen: Waldränder, Hecken, Gebüsche, Parks, feuchte schattige Orte

Symptome: Kolik, Verstopfung, Herzrasen, Tod durch Herzversagen (innerhalb weniger Tage nach Fressen von Zweigspitzen möglich)

Wolfsmilch (Euphorbia sp.)

Wolfsmilch

Toxizitätsgrad: stark giftig, auch im Heu

Vorkommen: Wegränder, trockene Wiesen, Äcker, Waldlichtungen, Gärten

Symptome: Kolik, blutiger Durchfall, blutiger Urin, Muskelzittern, Taumeln, Krämpfe, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufkollaps, bei Augenkontakt starke Horn- und Bindehautentzündung

Sehr stark giftige Pflanzen

Akazie (Robinia pseudoacacia)

Akazie

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, schon geringe Mengen (150 g Rinde) können zum Tod führen

Vorkommen: Gärten und Parkanlagen, Wälder

Symptome: Kolik, Ausfallserscheinungen des zentralen Nervensystems, Hufrehe, Tod

Aronstab (Arum maculatum)

Aronstab

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig

Vorkommen: schattige, feuchte Laubwälder, unter Hecken

Symptome: Unruhe, Speicheln, allgemeine Schwäche, Fieber, Bewegungs- und Atemstörungen, Durchfall, Darmlähmung, Tod nach 24 Stunden möglich

Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)

blauer Eisenhut

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, tödliche Dosis 200 bis 400 Gramm

Vorkommen: feuchte Wiesen,

Hochgebirgswiesen,  Gebirgswälder, Ufer, in Gärten

Symptome: Speicheln, Kolik, Durchfall, zentrale Krämpfe, Herz-Rhythmus-Störungen, Tod durch Herz- und Atemlähmung.

Goldregen (Laburnum anagyroides)

Goldregen

Toxizitätsgrad: ganze Pflanze sehr stark giftig, besonders die Samen in den bohnenähnlichen Hülsen

Vorkommen: Gärten und Parkanlagen

Symptome: Kolik, Schweißausbruch, beschleunigte Atmung, zentrale Krämpfe, Koma, Tod

Fingerhut (Digitalis sp.)

Fingerhut

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, 25 Gramm trockene (im Heu!) oder 120 bis1 50 Gramm frische Blätter sind tödlich

Vorkommen: Bergwälder, sonnige Hänge, lichte Wälder, Gärten

Symptome: Kolik, blutig-wässriger Durchfall, blutiger Urin, Benommenheit, Muskelzittern, Taumeln, beschleunigte Atmung, Tod durch Herzstillstand

Engelstrompete (Brugmansia suaveolens)

Engelstrompete

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig

Vorkommen: Gärten, Parks, verwandt mit dem sehr stark giftigen Stechapfel, der auch auf Feldern und an Wegrändern vorkommt

Symptome: Erregung oder Benommenheit, Durst, trockene Schleimhäute, große Pupillen, Herzrasen, zentrale Krämpfe, Tod durch Atemlähmung

 Eibe (Taxus baccata)

Eibe

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, schon geringe Mengen (100 bis 200 Gramm Nadeln) können wenige Minuten nach Aufnahme zum Tod führen

Vorkommen: Gärten und Parkanlagen, Wälder

Symptome: Kolik, Zittern, zentrale Krämpfe, Seitenlage, Tod durch Herz- und Atemlähmung

 Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Herbstzeitlose

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, auch noch im Heu

Vorkommen: Feuchte Wiesen, Gärten (selten)

Symptome: Kolik, blutiger Durchfall, Kreislaufversagen

Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea)

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, auch noch in Heu und Silage. Gift kumuliert sich im Körper

Vorkommen: Wegränder, Bahndämme, auf Äckern und feuchten Wiesen

Symptome: Konditionsverlust, Fressunlust,  Kolik, Verstopfung oder blutiger Durchfall, gelbe Schleimhäute, Unruhe, Taumeln, Bewegungsstörung, Blindheit, zentrale Krämpfe, Koma, Tod durch Leberversagen

Maiglöckchen (Convallaria majalis)

Maiglöckchen

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, besonders Blüten

Vorkommen: Laub- und Kieferwälder, Gebüsche, in Gärten

Symptome: Benommenheit, Durchfall, beschleunigte Atmung, Herzrhythmusstörungen, zentrale Krämpfe, Tod durch Herzstillstand

Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre)

SumpfSchachtelhalme

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig in größeren Mengen, auch in Heu und Silage

Vorkommen: Sümpfe, nasse Wiesen, Ufer, verwechselbar mit anderen Schachtelhalm-Arten, die ebenfalls giftig sind

Symptome: Taumeln, Bewegungsstörungen, Muskelzittern, Lähmungen der Hinterhand, Zusammenbrechen, Verenden infolge Erschöpfung

 Oleander (Nerium oleander)

Oleander

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, die tödliche Dosis liegt bei 20 bis 60 g grünen Blättern und bei 10 bis 20 g getrockneten Blättern

Vorkommen: Parkanlagen, Gärten, Wintergärten

Symptome: Kolik, Durchfall, Benommenheit, Muskelzittern, große Pupillen, beschleunigte Atmung, Herz-Rhythmus-Störungen, Tod durch Herzstillstand

 Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)

Tollkirsche

Toxizitätsgrad: ganze Pflanze sehr stark giftig, nicht nur die schwarzen Beeren

Vorkommen: Bergwälder, lichte Laubwälder, Ränder von Waldwegen

Symptome: Erregung oder Benommenheit, Durst, trockene Schleimhäute, große Pupillen, Herzrasen, Krämpfe, Tod durch Atemlähmung

 Seidelbast (Daphne mezereum)

Seidelbast

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, bereits 30 Gramm Rinde können tödlich sein

Vorkommen: Laub-, Nadel- und Mischwälder, in Gebüschen, an Bachufern, in Gärten

Symptome: Kolik, Durchfall, Appetitlosigkeit, Fieber, Bewegungsstörung, Krämpfe, beschleunigte Atmung, Tod durch Herz- und Atemlähmung

 Thuja/Lebensbaum (Thuja sp.)

Thuja (Lebensbaum)

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, besonders gefährlich für trächtige Stuten

Vorkommen: Gärten, Hecken, Dekoration auf Turnieren, ebenfalls giftig sind der sehr ähnliche Sadebaum sowie Zypressenarten 

Symptome: Speicheln, Kolik, Durchfall, Krämpfe (Uteruskrämpfe im letzten Drittel der Trächtigkeit), Tod durch Atemlähmung

 Weißer Germer (Veratrum album)

Weißer Germer

Toxizitätsgrad: sehr stark giftig, auch im Heu

Vorkommen: Alpengebiet, feuchte Wiesen, Lichtungen

Symptome: Speicheln, Kolik, Durchfall, Krämpfe, Herz-Rhythmus-Störungen, Tod durch Herz- und Atemlähmung

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