Darmkolik: Die häufigste Kolikform bei Pferden

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Wichtig beim Futter zur Darmsanierung beim Pferd: In welchem Verdauungsabschnitt wirkt es noch? (© Lucie Deinzer St.GEORG)

Eine Darmkolik ist die häufigste Form der bei Pferden auftretenden Koliken. Die neun Arten, die am meisten vorkommen haben ganz unterschiedliche Ausprägungen, obwohl sie alle eine Störung im Pferdedarm anzeigen.

Der Verdacht Kolik steht fest. Dass es sich um eine Darmkolik handelt ist sehr wahrscheinlich. Jetzt gilt es schnell herauszufinden, um welche Form der Kolik es sich handelt. Eine vergleichsweise harmlose Krampfkolik, die sich mit Medikamenten oft lösen lässt wäre gut. Im schlimmsten Fall kann es aber auch ein Dünndarmverschluss oder eine Darmeinklemmung sein. Und das würde eine eine Operation unausweichlich machen.

Die Arten der Darmkolik im Überblick

Eine Kolik kann immer individuell viele verschiedene Ursachen und Symptome haben. Die meisten Kolikfälle, die bei Pferden auftreten, haben – unabhängig vom Auslöser – allerdings ihren Ursprung im Darm. Circa 70 Prozent betreffen dabei den Dickdarm und etwa 30 Prozent den Dünndarm. Bei manchen Varianten ist eine Kolikoperation in einer Pferdeklinik oft nicht zu umgehen. Es sollte dabei auch abgeklärt werden, ob eventuell ein Magengeschwür wiederkehrende Koliken auslöst. Die häufigsten Formen der Darmkolik sind:

1) Verstopfungen im Dickdarm

Mögliche Ursachen:

Meistens sind hierbei Haltungsfehler bzw. Fehler beim Pferdefutter als Ursache zu suchen (beispielsweise zu wenig Heu, zu viel Stroh, zu wenig Wasser). Überfressen und schlechtes Kauen kommen ebenso in Frage (regelmäßig Zähne kontrollieren!).

Seltener vorkommend, aber auch möglich, sind Abszesse, die sich durch schädliche Bakterien bilden. Diese sammeln sich im Darm an und lösen die Darmkolik aus (möglich, aber selten z.B. Druseerreger, die keine typischen Drusesymptome ausgelöst haben, aber dennoch im Körper verblieben sind). Zu den ungewöhnlichen Ursachen zählen bei Stuten beispielsweise auch Blutergüsse nach Fohlengeburten, die sich dann abkapseln.

Achtung: Dickdarmkoliken verlaufen manchmal milde und können sich über Tage hinziehen. Zwischendurch gibt es Phasen, in denen das Pferd beschwerdefrei, aber dennoch nicht gesund ist. Der Krankheitsverlauf kann kompliziert sein, allerdings sind die Heilungschancen gut. Problematisch hingegen sind Dickdarmentfernungen, da das Pferd hier jeden Zentimeter für die Verdauung braucht.

2) Verstopfungen im Dünndarm

Mögliche Ursachen:

Hier findet sich häufig falsches Futter als Auslöser (z.B. Rasenmäher- Gras). Aber auch Fettgeschwulste, die sich am Gekröse (Netzgewebe, an dem der Dünndarm in vielen Windungen in der Bauchhöhle aufgehängt ist) sammeln und den Dünndarm einschnüren, können diese Variante der Darmoklik verursachen. Spulwürmer oder natürliche Engpässe im Darm sind ebenfalls möglich.

Bei dieser Art von Koliken muss recht häufig operiert werden, dann jedoch stehen die Heilungsaussichten recht gut.

3) Krampfkolik

Mögliche Ursachen:

Hier sind die Ursachen wieder sehr vielfältig. So kommen oft Stress, eine Futterumstellung, Magengeschwüre oder Parasiten in Frage. Diese Form der Darmkolik kann im Anfangsstadium spontan wieder abklingen oder durch entsprechende Maßnahmen und Medikamente durch den Tierarzt gestoppt werden.

Handelt man in diesem Fall zu spät, kann es zu Darmverschlingungen und -verlagerungen, Gekröserissen etc. kommen.

4) Gaskolik

Mögliche Ursachen:

Primär wird die Gaskolik durch blähende Futtermittel verursacht (z.B. Rasenmähergras, Mais, Rüben, Kartoffeln, Brot). Sekundär kann diese Darmkolik allerdings als Folge eines Darmverschlusses auftreten.

Bei primärer Ursache sehen die Heilungschancen aber sehr gut aus.

5) Sandkolik

Bei einer Sandkolik sammelt sich oft über mehrere Monate Sand im Dickdarm an und wird von dort aus aufgrund des Gewichtes nicht mehr weitertransportiert.

Mögliche Ursachen:

Die Ursachen hierfür können sehr unterschiedlich sein. So sind Magenprobleme, Langeweile, eventuell auch Mineralstoffmangel zu beobachten. Aber auch abgegraste Weiden, so dass die Pferde „aus Versehen“ Sand fressen, stehen im Blickpunkt der Ursachensuche.

Große Sandmengen im Darm können dazu führen, dass sich der Dickdarm verdreht – es muss operiert werden.

6) Darmverschluss

Mögliche Ursachen:

Zum Darmverschluss kommt es, wenn der Darm gelähmt oder verkrampft ist, weil die Darmmuskulatur nicht mehr arbeitet. Manchmal können auch Tumore, die sich am Darm ansiedeln und milde Koliken verursachen, den Darmverschluss auslösen. Die Untersuchung erfolgt in dem Verdachtsfall, wenn alle anderen Ursachen ausgeschlossen wurden, mittels eines minimalinvasiven Eingriffs. Dabei schaut man an beiden Seiten der Flanke in zwei Untersuchungen mit einem Endoskop ins Pferd hinein.

Die Heilungschancen sind bei schneller Behandlung recht gut.

7) Darmdrehung/-verschlingung

Mögliche Ursachen:

Die häufigste Ursache für eine Darmverschlingung sind hier in Fehlgärungen im Pferdedarm. Das Verhältnis der „guten“ Darmbakterien, die für die Verdauung des Futters verantwortlich sind (und sozusagen ständig pupsen), kippt zu Gunsten „böser“ Bakterien. Dadurch gast der Darm auf und steigt nach oben, weil er in der Bauchhöhle nicht befestigt ist. Wenn dann noch ein anderer Teil des Darms wegen Überladung absinkt, kann der Darm sich leicht verschlingen. Ursache für das Auftreten eines solchen Missverhältnisses der Bakterien ist meistens schlechtes Futter und Futterumstellung.

Merke: Das Pferd ist KEIN Feinschmecker. Am besten frisst es jeden Tag dasselbe Futter. Bei rechtzeitiger Operation stehen die Heilungschancen gut.

8) Darmeinklemmung

Mögliche Ursachen:

Zu einer Darmeinklemmung kommt es, wenn Lücken in der Bauchmuskulatur oder andere unnatürliche Öffnungen in der Bauchhöhle vorhanden sind. In diesen kann sich der Darm verfangen und dadurch eingeklemmt werden. Bei Hengsten kann ein Abrutschen des Darms in den Hodensack verantworlich sein.

Eine Operation ist unausweichlich.

9) Magenüberladung

Mögliche Ursachen:

Bei dieser Form der Darmkolik sind vor allem Überfressen, Störungen am Magenausgang oder Dünndarmprobleme zu nennen. Bei Dünndarmproblemen kommt es zum Rückfluss der Verdauungssäfte des Dünndarms in den Magen. Weil Pferde sich nicht übergeben können, dehnt der Magen sich aus (bis zu 40 Liter) und kann platzen. Der Futterbrei ergießt sich dann in den Bauchraum und infiziert die Organe, was zum Tod führt.

 

© Info: Verwendung von Texten der Autorin Dominique Wehrmann

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