Gutes Heu für Pferde: ideale Herstellung, optimale Qualität

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Wenn die Gräser blühen, ist es Zeit zu mähen, um nährstoffreiches Heu zu gewinnen. (© St.GEORG)

Säen, mähen, trocknen, pressen – fertig! Im Prinzip ist es einfach, gutes Heu zu produzieren. Aber die industrielle Landwirtschaft ist nicht unbedingt auf Pferdeheu eingestellt.

„Gutes Heu erkennt man an seinem aromatischen Duft“, steht im Lehrbuch. Aber: Staubfreies, gutes Heu für Pferde ist mancherorts so rar wie Erdbeeren im gleichnamigen Joghurt. Wer gutes Heu ernten will, muss rechtzeitig die Weichen dafür stellen. Als Einsteller in einem Pensionsbetrieb hat man kaum Einfluss auf die Entstehung des Raufutters. Aber interessant sind die Eckdaten, die zu gutem Heu führen, allemal.

Heu für Pferde säen: die Mischung macht’s

Die Grünflächen, die für die Heugewinnung vorgesehen sind, müssen frei von Giftpflanzen sein – Jakobskreuzkraut ist auch getrocknet hoch giftig! – und die Saatmischung, die bei Nach- oder Neueinsaat zum Einsatz kommt, sollte auf die Bedürfnisse von Pferden ausgelegt sein. Gräser, die Wiederkäuern wie Kühen und Schafen gut bekommen, sind für Pferde mitunter ungeeignet.

Guido Schmitz ist in erster Linie Geschäftsführer eines Unternehmens, das bei Osnabrück mit Landmaschinen handelt. Mit Heutrocknung hat er sich in seinem Berufsleben häufig und intensiv beschäftigt. Seitdem aber im eigenen Stall die Pferde für Frau und Kinder stehen, hat Schmitz eine Vision: ideales Heu, er ist quasi ein Heu-Sommelier. Er hat Grasmischungen ausprobiert, Bodenproben analysiert und auf Reisen geguckt, welche Bedingungen wo vorherrschen. So arbeitet er eng mit einem landwirtschaftlichen Betrieb direkt an der Ostsee zusammen. Anderer Boden, anderes Klima, Seebrise statt Münsterländer Landluft – das bedeutet auch anderes Gerät von der Saat bis zur Ernte.

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Heu für Pferde: Ernten mit Bedacht

Grassaat will gut behandelt sein. Einfach nur auf den Boden werfen und warten, was wächst, reicht nicht aus. Düngung und Vorbereitung des Bodens vor der Einsaat sind von den regionalen Gegebenheiten abhängig. Gemäht wird, wenn der Großteil der Gräser blüht. Je nach Standort kann es mehrere Ernten geben, wobei der „erste Schnitt“ das nährstoffreichste Heu liefert.

Um gutes Heu zu bekommen, muss man schon beim Mähen mit Bedacht vorgehen. „Eine Schnitthöhe von acht Zentimetern verhindert, dass Wurzelballen oder Erde mit in das gemähte Gras geraten“, sagt Guido Schmitz. Heutzutage kommen häufig Lohnunternehmer bei der Heuernte zum Einsatz. Viele mit der Devise: Zeit ist Geld. Mit schwerem Gerät, mitunter hoher Geschwindigkeit und tief eingestelltem Mähwerk geht’s zur Sache. Hier sollte ein Umdenken stattfinden. Tatsächlich will ein Grashalm nicht nur umgesäbelt werden. Ein „Scheibenmähwerk mit Walzenaufbereiter“ ist der Tipp von Fachmann Schmitz. So werden die Knoten, also die dickeren Stellen, an denen sich einige Gräser verzweigen, schon mal etwas platt gedrückt. Dann kann die an dieser Stelle gespeicherte Feuchtigkeit entweichen.

Die Feuchtigkeit bereits beim Pressen der Ballen so gering wie möglich zu halten, ist oberste Bürgerpflicht. Werden die Halme beim Mähen bereits „geschreddert“, können Sand und Mikroben eindringen. Daraus gutes Heu zu bekommen, wird schwierig. Auch beim Wenden und Schwaden, dem „Anhäufeln“ in langen Reihen vorm Pressen, sollte nur Gerät zum Einsatz kommen, das es zu vermeiden weiß, dass Verunreinigungen durch Erde, beispielsweise von den Zinken am Heuwender aufgewirbelt, in das Gemähte gelangen. „Heumachen ist Sorgfaltspflicht“, ermahnt Schmitz die Landwirte, denen es oft nicht schnell genug gehen kann. Ein Landwirt an der Ostsee war erst zögerlich. „Acht Zentimeter hoch schneiden, vorsichtig und mit Bedacht wenden – wozu der ganze Aufwand?“ Als ein großer Sportstall in der Nachbarschaft nach einem Testballen sofort die Jahresernte einkaufte, war das Zögern Geschichte, der Betrieb hatte neue, glückliche Kunden gefunden.

Viel Sonne, gutes Heu

Wer Heu einfahren will, hofft auf mehrere sonnige Tage zum Mähen, Wenden, Schwaden und letztendlich Ballenpressen. Liegen die Halme aber zu lange der Sonne ausgesetzt, können sie verbrennen. Sie werden braun und verlieren an Nährstoffen. Hochwertiges Heu lässt sich mit anderem Aufwand per Heutrocknung gewinnen. Das ist etwas kostenintensiver, die Qualität aber um ein Vielfaches besser (s. Infokasten weiter unten). Heu wird dann in einer Halle mit warmer Luft getrocknet. Schmitz‘ Firma Burdorf hat 2019 den Innovationspreis bei der Equitana gewonnen für ein Verfahren, das es ermöglicht, 26 Rundballen u. a. auf einem Sattelschlepper gleichzeitig mit einem Warmluftgebläse zu trocknen. Das Gras kann dann schon relativ schnell nach dem Mähen gepresst werden, so dass keine mikrobiologischen Prozesse auf dem Feld einsetzen, die der Qualität des Heus nach längerer Lagerung schaden würden.

Das A und O für die Lagerung der Ballen: Nicht der dunkle , unbelüftete Heuboden ist der optimale Ort, sondern Hallen oder Böden, die gut belüftet sind. Und auch Licht ist von Nöten. „Dunkelheit verstärkt mikrobielle Prozesse“, erläutert Heu-Spezi Schmitz. Und die böse Überraschung, wenn der Traum vom „so schönen Heu“ vom letzten Sommer beim Öffnen des Ballens buchstäblich zu Staub zerfällt.

Heutrocknung  – für’s ideale Heu

Methoden gibt es mehrere. Der Vorteil: Hygienischer kann man Heu nicht produzieren, auch wenn es etwas energie- und kostenintensiver ist. Eine Feuchtigkeit von zwölf Prozent oder weniger soll es sein. Wie viel Feuchtigkeit im bereits getrocknetem Gras noch steckt, zeigt die preisgekrönte Rundballentrocknung: Ein herkömmlicher Rundballen (Durchmesser 1,25 Meter) wiegt vor der Trocknung 360, nach 24 Stunden (Bild unten links) nur noch zwischen 290 und 300 Kilogramm. Im umgebauten Auflieger sorgt ein Warmluftgebläse (Bild unten rechts) für die Trocknung. Guido Schmitz hat auch energiesparendere Varianten, Con­tainer, in denen Quaderballen zum Trocknen mit Warmluft, beispielsweise aus Abwärme von Biogasanlagen, gelagert werden. Solarstrom kann zum Einsatz kommen.

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Bild 1: Nach 24 Stunden Trocknung hat ein herkömmlicher Rundballen zwischen 40 und 50 Kilo Gewicht verloren. (© St.GEORG)

Schmitz sieht im Know-how von Saat bis Heutrocknung die Zukunft. „Es gibt großes Interesse, von großen Gestüten.“ Derzeit experimentiert er mit ätherischem Öl, das während des Trocknungsprozesses dem Heu beigefügt wird. Das tötet Bakterien ab, hat eine konservierende Wirkung und wird gerne gefressen. Schmitz ist optimistisch, so evtl. Futter nicht optimaler Qualität im Nachhinein noch „updgraden“ zu können. Die Versuche mit bewusst feucht geregneten Ballen stimmen zuversichtlich.

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Bild 2: Zu sehen ist das selbst gebaute Gebläse, dass auf einem Sattelschlepper angebracht die Möglichkeit bietet, 26 Rundballen innerhalb von 24 Stunden zu trocknen. (© St.GEORG)

Unser Experte

Guido Schmitz

beschäftigt sich beruflich schon lange mit Heutrocknung. Als privat ein hustendes Pony hinzukam, wurde der Geschäftsführer von Burdorf Landmaschinen zum Heu-Pionier. Heute ist das Pony hustenfrei.

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Guido Schmitz (© St.GEORG)

Janne Baumann, Laura Becker, Jan Tönjes, Kerstin Wackermann, Dominique Wehrmann

  1. Helmold Baron von Plessen

    Hochinteressanter, sehr lesenswerter Artikel ueber die Heuwerbung fuer Pferde. Angefangen von der Saatmischung, ueber die Aussaat, die bei der Pflege und Mahd erforderlichen Maschinen und Geraete, den optimalen Maehzeitpunkt – zeitig zu Beginn der Bluete – nach dem alten Lehrsatz. Hin bis zur Heuwerbung und Lagerung bis zum Verfuettern. Alles ist anschaulich und gut verstaendlich vorgetragen. Man kann Herrn Schmitz zu seiner ueber viele Jahre, durch intensive Beschaeftigung mit der Materie gereiften Arbeit nur gratulieren und der Redaktion des St.Georg, zur Veroeffentlichung. Solche Anregungen, von versierten Fachleuten verfasst, koennen gar nicht oft genug erscheinen. Danke !


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