München: Dorothee Schneider mit einer Handvoll Siegen – Isabell Werths ‚Johnny’ rehabilitiert sich im Grand Prix Special (UPDATE: mit Video)

Isabell Werth und Don Johnson

(© Isabell Werth und Don Johnson)

Auch am Tag drei des Dressurfestivals bei der Pferd International in München-Riem gab es in der Dressurarena kein Vorbeikommen an Dorothee Schneider – fünf Starts, fünf Siege! Optimaler hätte die Bilanz für die Dressurausbilderin aus dem rheinland-pfälzischen Framersheim nicht ausfallen können.

In souveräner Weise und völlig unangefochten sicherte sie sich mit dem leichtfüßig und überaus korrekt vorgestellten, neunjährigen Hannoveraner Wallach Showtime v. Sandro Hit-Rotspon mit 74,698 Prozent den Sieg in dem Kurz-Grand Prix und damit zugleich die Qualifikation für das Finale des Louisdor-Preises, der Serie für neun- bis elfjährige Nachwuchs-Grand-Prix-Pferde. „Drei super Grundgangarten, energisch abfußende Piaffen – bei diesem Pferd konnte ich keinen Schwachpunkt finden. Showtime liefert eine perfekte Show,“ kommentierte Dr. Dieter Schüle die Vorstellung des neunjährigen Braunen und sprach dabei aus, was alle Zuschauer dachten.
Ebenfalls für das Finale im Dezember in der Frankfurter Festhalle qualifizierte sich das zweitplatzierte Paar Hendrik Lochthowe und der neunjährige, dunkelbraune KWPN-Hengst Meggle’s Boston v. Johnson-Partout, der ebenfalls hervorragende Grundqualitäten inklusive eines sehr raumgreifenden, gelassenen starken Schritts und gut gesetzten, taktreinen Piaffen für den Grand-Prix-Sport besitzt. Er muss jedoch noch den Mittelweg zwischen einem etwas zu frischen Eindruck in der Einlaufprüfung, wo er Dritter war, und einem eher etwas zu braven in der Qualifikation zum Finale finden (69,674).
Wie die beiden erstplatzierten Pferde wird sich sicherlich auch die gleichaltrige, bayerische Stute Novia v. Stedinger-Alabaster mit ihrer Reiterin Victoria Michalke, der Münchner Trainingspartnerin von Hendrik Lochthowe, im internationalen Grand-Prix-Sport schnell wieder finden (68,558).

Wie schnell sich Dorothee Schneider auf fremde Pferde einstellen und sie zum Strahlen bringen kann, stellte die Mannschafts-Zweite der Olympischen Spiele von London in der Prix St. Georges Special-Prüfung mit Pferdewechsel, die nach Art eines Studententurniers seit Jahren in München-Riem ausgetragen wird und sich großer Beliebtheit bei den Zuschauern erfreut, in beeindruckender Weise erneut unter Beweis. In der ersten Runde musste sie gegen den WM-Dritten von 2010 Steffen Peters antreten. Der Deutsch-Amerikaner musste den 15jährigen Fuchshengst Rammazzotti als Erster vorstellen. Während der gebürtige Rheinländer, seit Jahren der Topstar der amerikanischen Dressurszene, die fünfminütige Eingewöhnungsphase dazu nutzte, den Ramino-Sohn stärker zu versammeln und aufs Hinterbein zu setzen und ihn in den Galopp-Pirouetten, laut seiner Besitzerin und Reiterin Alexandra Maier seine Schwachstelle, zu verbessern, setzte Dorothee Schneider ihre Ankündigung um und holte in der Vorbereitungszeit erst einmal Schwung. Eine Maßnahme, die sich lohnen sollte, denn der Fuchshengst entwickelte eine vermutlich zuvor in diesem Maße noch nicht gezeigte Gehfreude. Am Ende kam Dorothee Schneider mit gut siebzig Prozent ins Finale. Gleich dreimal die St. Georg Special-Aufgabe bewältigen musste der elfjährige, dunkelbraune Trakehner Wallach Pommery TSF, nachdem das ursprünglich für Kristina Sprehe und Jessica von Bredow-Werndl für die erste Runde eingeplante Pferd sich in der ungewohnten Dressurarena zu ängstlich gezeigt hatte. Der leichtfüßig wirkende, aber nach Bekunden der drei Konkurrentinnen und seiner Besitzerin Erin Raili recht triebige Trakehner kam mit allen drei ‚Fremdreiterinnen’ im Sattel über siebzig Prozent und siegte mit der als letzte Starterin angetretenen Dorothee Schneider mit 77 Prozent.


Im CDI5* Grand Prix Special, dem B-Finale der World Dressage Master Tour, zeigte Isabell Werth nach ihrem verpatzten Grand Prix-Ritt des Vortages was in ihrem Mannschafts-Europameister Don Johnson wirklich steckt. Mit 74,902 Prozent und großem Punktabstand siegte die fünffache Dressur-Olympiasiegerin aus Rheinberg deutlich. Hatte ihr 13-jähriger Hannoveraner Wallach am Vortag noch aufgemuckt und sich einen Bocksprung erlaubt, zeigte er sich im Special wieder von seiner besten Seite. „Heute war Don Johnson wieder hundertprozentig bei mir“, freute sich Isabell Werth. Auch die zweitplatzierte Valentina Truppa (ITA) zeigte sich mit ihrem Spitzenpferd Eremo del Castegno, mit dem sie schon einmal das A-Finale der WDM-Serie in München gewonnen hatte, gegenüber dem Grand Prix deutlich verbessert und wurde mit 71,686 Prozent Zweite. Platz drei (70,569) ging an die Warendorferin Carola Koppelmann mit Deveraux.

 

Carola Koppelmann und Sandiego

Carola Koppelmann und Sandiego (© Carola Koppelmann und Sandiego)

Hoffnungsvolle Nachwuchspferde gab es im St. Georg Special, der Einlaufprüfung zur Nürnberger Burg-Pokal-Qualifikation, zu sehen. In dieser Prüfung setzte sich der achtjährige Sandiego vorgestellt von Carola Koppelmann vor Kristina Sprehe mit Fürst Fugger durch. Im U25-Grand Prix der WDM NextGen-Tour gewann die Niederländerin Jill Huybregts mit Zamacho Z.

Birgit Popp