Gabriele Pochhammer aus Göteborg: Der Arzt ohne Grenzen, Schampus satt und Siegerehrungsbestechungen

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Cosmo war ein Musterknabe bei der Siegerehrung der Mannschaftseuropameisterschaft in Göteborg. Aber er hatte ja auch Papa Sven, seinen treuesten Fan, an seiner Seite. (© Pauline v. Hardenberg)

Gabriele Pochhammer über einen Retter in der Not, die Betreuung von Philipp Weishaupt, Champagnerfeten und die verkannte Prinzessin.

Erste Runde Nationenpreis. Die Temperatur ist um gefühlte zehn Grad gesunken, alle rennen und holen ihre Jacken und Mäntel. Das war’s wohl mit dem schwedischen Sommer. Wenn das so weitergeht, ist Mannschaftsarzt Manne Giensch wieder der Mann der Stunde, um Erkältungen in den Griff zu kriegen. Er ist von Strzegom gleich hierher geeilt. In der Pressestelle bei uns Journalisten war er noch nicht, um Erste Hilfe mit Tablettenverteilen und Blutdruckmessen zu leisten. Wir vermissen ihn direkt.

Die Reihenfolge der Starter hat sich für heute komplett geändert, erst die Einzelreiter, dann die sieben schlechteren Teams, dann die zehn besten Teams. Zu denen gehören zum Glück auch die Deutschen als Siebte. Naja die Medaillen sind wohl futsch.

Auf der Tribüne sitzt Ludger Beerbaum als fröhlicher Urlauber. Er kümmert sich um seinen Bereiter Philipp Weishaupt. „Zwanzig Minuten am Tag, einmal muss das Adarenalin hochgehen, sonst wär’s ja direkt ein bisschen langweilig.“

Rückblick auf den Dressurtriumph

Auch Madeleine Winter-Schulze, Mäzenin von Ludger Beerbaum und Isabell Werth, sitzt auf unserer Tribüne, von der aus man den besten Blick hat. Gestern Abend gab es ja noch ordentlich was zu feiern und am Ende auch genug Schampus zum Anstoßen. Der war ja erst ein bisschen knapp. Madeleine Winter Schulze hat ja bekanntlich Weihegold für Isabell angepachtet, auf jeden Fall reicht der Vertrag bis zu den Weltreiterspielen im nächsten Jahr in USA.

Bei der Siegerehrung fehlte übrigens ein Pferd, Cassidy, der Fuchs der Dänin Caterine Dufour wurde diskret herausgeführt, er hat’s wohl nicht so mit Musik und Applaus. Cosmo auch nicht, aber das nützte gestern mal nichts. Sönkes Vater Sven Rothenberger führte ihn während der ewig dauernden Siegerehrung herum und bestach ihn pausenlos mit kleinen Leckereien. Man erinnere sich, in Rio ließ Cosmo die Sau raus und haute den Pfleger mit dem Vorderhuf vor den Kopf. Bei der Ehrenrunde in Göteborg benahm er sich aber sehr gut, vor allem, wenn er vorne galoppieren durfte. Immerhin gab es eine, dass ist ja bei Dressurprüfungen längst nicht mehr die Regel.

Darf man vorstellen? Die Prinzessin!

Bei der Pressekonferenz präsentierten sich sechs strahlende Frauen aus Dänemark, die vier Reiterinnen plus Equipechefin und Trainerin. Letztere, eine blonde junge Frau, wurde von der Moderatorin gefragt: „Und wer sind Sie eigentlich?“ Nathalie zu Sayn-Wittenstein, Die Mannschaftsbronzemedaillengewinnerin von Hongkong 2008 und Nichte der dänischen Königin, trainiert seit einiger Zeit die Dressurreiterinnen ihres Landes. Dass es gleich zur Silbermedaille reichte, habe sie nicht überrascht, sagt sie.

Heute hatten die Dressurpferde Pause, es wurde vor allem gesprungen. Nicht weniger als 17 Teams plus Einzelreiter aus neun Ländern ist am Start, die Leistungsbreite zwischen der besseren und der anderen Hälfte ist enorm. Das Championat hat offenbar nichts von seiner Faszination für die Reiter verloren, jedenfalls nicht für die breite Masse. Schon eher für ein paar Top-Stars, die mit zwei Runden bei der Global Champions Tour mehr verdienen als hier in einer ganzen Woche. Wer kein Pferd hat, das den Marathon von fünf schweren EM-Runden wegsteckt, verzichtet lieber. Im deutschen Team fehlen ja bekanntlich die Routiniers Daniel Deusser und Christian Ahlmann, weil sie aktuell kein geeignetes Championatspferd zur Verfügung haben. Sie sind auch nicht mehr im Kader, weil sie die Athletenvereinbarung nicht unterschrieben haben, was bedeutet, dass sie nicht unter das intensive Dopingkontrollverfahren des DOSB fallen. Vor allem die Trainingskontrollen entfallen, und das ist dem einen oder anderen vielleicht nicht unlieb.


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