„Happy Athelete“?

Was man einem Pferd im Training abverlangen darf, ohne es vom glücklichen zum unglücklichen Athleten zu machen, wird heftig diskutiert. Aber das Problem ist keineswegs nur im Spitzensport präsent, auch der Freizeitreiter muss sich kritisch damit beschäftigen, woran er erkennen kann, ob sich sein Pferd wohl fühlt. Dr. Ulrike Thiel, die in den Niederlanden das Institut für hippische Sportpsychologie und Equitherapie Hippo Campus betreibt, hat sich Gedanken zum von der FEI propagierten Begriff „Happy Ahlete“ gemacht.

Ich beobachte meine Pferde nicht nur während der Arbeit, sondern auch in der Zeit dazwischen. Meine Pferde leben in einer Gruppe, dabei kann man Verhaltensmuster besser beobachten als bei Einzelhaltung im Stall. Zum Beispiel:
• Wie kommt das Pferd nach der Arbeit auf die Weide oder den Paddock zurück?
• Ist es müde, aufgeregt?
• Muss es sich nach dem Training in der Weide durch Bewegung oder Aggression an anderen Pferden abreagieren?
• Zieht es sich zurück oder sucht es den Kontakt?
• Lässt es sich gerne zur Arbeit holen? Kommt es von sich aus und drängt sich geradezu vor oder bleibt es abwarten stehen und zeigt mir etwa durch Zögern oder Wegdrehen an, dass es eigentlich keine Lust hat?
• Wie steht es vor und nach dem Training auf dem Putzplatz?

Viele Reitanfänger erleben Pferde nie in natürlicher Umgebung und können deswegen ihren Blick für das natürliche Verhalten nicht schulen. Das gilt auch für das Reiten selbst. Leider erlebt der normale Schulpferdereiter selten ein sich unter dem Reiter losgelassen und zufriedenen bewegendes Pferd. Meist sieht er Schulpferde, die sich mit dem Unvermögen des Reitschülers arrangieren müssen. Auch im Spitzensport  sieht man Bilder, die von Harmonie und „Happiness“ des Pferdes weit entfernt sind. Und so können sehr hartnäckige Missverständnisse darüber entstehen, wie ein zufriedenes in Harmonie mit seinem Reiter befindliches Pferd aussieht.
Sie könnten häufig vermieden werden, wenn wir uns besser in die Psyche des Pferdes hineinversetzten und seine Körpersprache besser verstehen en könnten, ohne das Pferd dabei zu vermenschlichen. Viele Menschen tun ihrem vielgeliebten, teuren Pferd, für das sie Geld, Zeit und Energie opfern, einiges an, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Das Wissen über diese Mechanismen und Prozesse kann sich der Ausbilder beim therapeutischen Reiten zu nutze machen, da Pferde durch ihr sehr gut entwickeltes soziales „Gespür“ unsere wahren Impulse sehr genau wahrnehmen. Sie spüren instinktiv, was jemand tatsächlich meint und will. Pferde fühlen versteckte Aggression, Unsicherheit und Dominanzstreben genauso wie Entspannung, Sicherheit und vollständige Zuneigung reagieren deutlich darauf.
Es gibt viele Gründe, die das Verhältnis von Mensch und Pferd trüben können. „Negative“ Signale des Pferdes werden etwa als persönliche Abneigung gedeutet und Versuche des Pferdes, sein eigenes Gleichgewicht bewahren, zu können als vorsätzlich böswillige Versuche interpretiert werden, dem Reiter zu schaden oder „ihn auszuprobieren“. Man hört dann häufig auch: „Wie undankbar! “ oder „Er will nicht für mich arbeiten“. Außerdem ist es für den Menschen als Spezies, gerne alles unter Kontrolle hat, schwer zu akzeptieren, dass das Pferd – im Gegensatz zum Menschen als  Flucht und Bewegungstier konzipiert – aus menschlicher Sicht eben nicht hundertprozentig kontrolliert werden kann.
Harmonie im sozialen Umfeld:
Pferde wollen eigentlich nur eines: So harmonisch wie möglich in ihrem sozialen Umfeld ihre natürlichen Bedürfnisse befriedigen. Sie halten sich innerhalb der Herde gerne an die Anweisungen des Bosses oder ranghöherer Kollegen, da diese sehr klar, ohne Wertung und funktionell sind. Dies auch im Zusammenspiel mit dem Menschen, wenn es ihm gelingt, in seinen Anweisungen ebenso klar, funktionell und wertfrei zu sein. Als Reitlehrerin erlebe ich häufig, wie Reiter ihrem Pferd menschliche Motive andichten und leider auch häufig die Signale falsch interpretieren oder auf sich selbst beziehen. Kein Pferd zieht am Zügel um seinem Reiter das Leben schwer zu machen oder steht nicht still, wenn es sich aufregt, um es den Reiter zu ärgern.“ Häufig tut das Pferd deswegen nicht, was der Reiter erwartet, weil es einander widersprechende oder unklare Hilfen erhält und nicht versteht, was es tun soll. Oder es ist (noch) nicht imstande das zu tun, was von ihm verlangt wird. Da das Pferd aber sehr sozial und harmonisch eingestellt ist, können solche Missverständnisse Unsicherheit bis psychischen Stress beim Pferd verursachen.
Unsere Chance als Reiter ist es, Partner im Bewegungsspiel zu werden, das Pferde gerne in der Gruppe pflegen, und das zu ihrem täglichen Lebensritual gehört. Schließlich muss ein Fluchttier sich permanent fit und beweglich halten. Vom Boden aus ist es meist leichter, zu einer Kommunikation zu kommen, da wir Menschen dann mit beiden Beinen geerdet sind (also auch niemand mit uns weglaufen kann), und wir nicht so sehr mit unserer eigene Körperbeherrschung zu kämpfen haben. Als körperorientierter Therapeut weiß ich, wie schwierig der psychomotorische Lernprozess des Reiters ist. Es gilt, seine eigene Asymmetrie (Rechts- oder Linkshändigkeit) zu überwinden, sein eigenes Körperschema neu zu eichen und das Eingehen auf die Bewegung eines anderen zu lernen. Er muss seine instinktive Angst vor der Bewegung des Pferdes überwinden Wir alle wissen, wie viel Überwindung es uns kostet, loszulassen und zu entspannen, wenn wir selbst aus Angst erstarrt auf dem Pferd klemmen und das Pferd dann ebenso reagiert.
Reiten lernen bedeutet darum auch immer wieder zu lernen, mit Frustrationen umzugehen, da Pferde auf unser Unvermögen, es nicht in seinen Bewegungen zu stören oder ihm etwas aufzwingen zu wollen, was es nicht leisten kann, manchmal sehr heftig reagieren. Dann sollen häufig alle mögliche Techniken abhelfen. Reitsportgeschäfte sind voll von Hilfszügeln, abenteuerlichen Gebissen und anderen Hilfsmitteln). Wenn man gut reiten will gibt es aber nur einen Weg, nämlich die Arbeit an der eigenen Psychomotorik Sitzschulung und die richtige Einstellung dem Pferd gegenüber. Verschiedenste Strömungen, wie Natural Horsemanship, Tellington T-Team und andere sind auf der Suche nach  Harmonie entstanden. Häufig führt das zu einem Streit zwischen den Methoden, der eigentlich nicht sinnvoll ist. Denn man kann auf Basis von Natural Horsemanship genauso harmonisch oder unharmonisch mit dem Pferd zusammenwirken wie auf klassisch traditioneller Basis.
Wir merken können sehr direkt merken, ob das Pferd sich wohl fühlt bei dem, was wir tun, bei einer Dressurprüfung, beim Freilaufen im Viereck, beim Longieren oder bei einem Ausritt stattfindet. Wenn wir verstehen, was das Pferd uns mit seiner Körpersprache erzählt und welche Stimmungen an bestimmte Körperhaltungen und Bewegungen gekoppelt sind, dann sagt uns das meist sehr genau, was wir richtig und was wir verkehrt gemacht haben. Da Pferde sich in Bewegung und Körperhaltung mitteilen ist es wichtig Ver-Spannung, Ent-Spannung und An-Spannung zu unterscheiden und zu erkennen wann Bewegung fließt und wann sie irgendwo blockiert ist. Man könnte sagen – so wie ein Pferd sich fühlt so bewegt es sich und auch andersrum so wie es bewegt wird, so muss es sich auch fühlen. Dies kann man vom Boden aus sehen und vom Sattel aus sehr direkt fühlen. Voraussetzung für diese Harmonie ist, dass das Pferd sich in einem ausgeglichenen psychischen Zustand befinden kann. Mit anderen Worten, dass es geistig und körperlich im Gleichgewicht ist.
Panikphase zwei
Pferde sind Fluchttiere, die in sehr hoch entwickelten sozialen Verbänden zusammenleben, voneinander lernen, und die miteinander durch Bewegungsimpulse und Körperhaltung kommunizieren. Diese Struktur d steckt heute noch in jedem Pferd, ob Shetlandpony oder Spitzendressurpferd.
Eigentlich – und das klingt uns Reitern nicht gut in den Ohren – sind Pferde nicht dazu geschaffen, geritten zu werden. Stärker noch, ein Objekt auf seinem Rücken signalisiert einem Pferd instinktmäßig, dass „Panik Phase zwei“ angesagt ist. Denn sobald ein Raubtier auf seinem Rücken gelandet ist, dann hat das Pferd in Phase 1 nicht gut genug aufgepasst, die Zeichen seiner Sinnesorgane (Geruch, Auge,  Gehör) nicht gut genug gedeutet und ist nun gezwungen von seinem Verhaltensrepertoire für solche Fälle – Flüchten – umzusteigen auf das nächstfolgende Verhalten – sich Wehren. Das bedeutet den Angreifer durch den entsprechenden Körpereinsatz  abzuschütteln.
Also steht im Grunde ein starker Instinkt dem Gerittenwerden entgegen. Agressive Tierschützer fordern deswegen, dass das Pferd eigentlich nicht geritten werden sollte. Dem entgegen  aber stehen eine ganze Menge andere Fähigkeiten des Pferdes, die es ihm möglich machen mit dem Menschen auf dem Rücken sich auf einen Bewegungsdialog einzulassen, der zu erstaunlichen harmonischen Erlebnissen für Pferd und Mensch führen kann. Man denke an eine gelungene Aufführung der Spanischen Reitschule, einer schönen Dressuraufgabe, harmonisches Holzrücken im Wald oder manche zirzensischen Lektionen.
Da das Pferd als soziales Herdentier überaus bereit ist, sich anzupassen, geht seine Bereitschaft, sich vom Menschen etwas bieten zu lassen trotz der Kraft, über die es verfügt, erstaunlich weit. Jeder, der ein junges Pferd auf humane und verantwortungsvolle Weise angeritten hat, weiß, wie schnell und bereitwillig Pferde bemüht sind, sich anzupassen und mitzumachen. Über die Jahrhunderte haben sich Menschen respektvoll mit diesem Phänomen beschäftigt.
Das Pferd wurde und wird gerade wegen dieser Eigenschaften leider aber auch ausgebeutet und misshandelt. Immer noch werden Pferde „eingebrochen“ und arbeiten unter Zwang und Angst. Aber es haben sich auch Methoden entwickelt, die es möglich machen,  das Pferd einfühlsam mit Freude und Spaß an der Sache zum Tanzpartner des Menschen zu machen.
Natürlich behält auch das weit ausgebildete Pferd, das gelernt hat, seinen Reiter zu akzeptieren, seine natürlichen Instinkte. Es kann daher immer wieder zum Aufflammen des Panikinstinktes kommen. Je besser Pferd und Reiter aufeinander eingespielt  und der Reiter in der Lage ist, kontrolliert und mit Gefühl körperlich zu kommunizieren, desto mehr ist der Reiter imstande, dem Pferd auch  körperlich und psychisch die Sicherheit zu geben, die es etwa bei der Begegnung mit in seinen Augen gefährlichen Situationen benötigt um  nicht in Panik zu geraten und sich entspannt  mit seinem Reiter weiterzubewegen.
Gelegentlich ruft der Reiter selbst den Panikinstinkt „Hilfe, Raubtier auf dem Rücken“ hervor. Etwa wenn er dem Pferd wehtut (im Maul, durch unsensible Einwirkung der Hand, in den Rücken fallen, Klemmen mit dem Beinen) oder auch dadurch, dass er das auf Gleichgewicht orientierte Fluchttier aus dem Gleichgewicht bringt. Dieses Gefühl erzeugt beim Fluchttier Pferd Unwohlsein bis Stress. Erlebt das Pferd andererseits den Reiter als jemandem, der sich bemüht, ihm beim Suchen des gemeinsamen Gleichgewichtes behilflich zu sein, dann ist es zu erstaunlichen Dingen bereit, um zu unterstützen. (Ich habe Pferde erlebt,  die sich und Ihre Reiter aus nahezu ausweglosen Situationen im Parcours zu retten wussten und dabei sehr zufrieden wirkten)
Die  klassischen Reitkunst trägt man diesen Eigenschaften des Pferdes Rechnung, indem sie vom Reiter Sitz und Hilfen fordert, die das Pferd nicht stören oder ihm Schmerzen zufügen. Man bringt das Pferd darüber hinaus in der Bewegung in Körperhaltungen, die ihm helfen, sein Gleichgewicht zu finden und sich wohl zu fühlen. Dadurch kann  das Pferd sich besser entspannen und den Menschen auf seinem Rucken nicht nur er-tragen, sondern merkt auch noch, dass er ihm hilft, sich besser bewegen zu können durch Geraderichten, Gewicht auf die Hinterhand verlagern und den Rücken zum Aufwölben zu bringen. Hierzu hat man die natürlichen Bewegungs- und Ausdruckmuster des Pferdes studiert und setzt diese auch sehr zielgerichtet in der Ausbildung und im Training ein. Gerät das Pferd in eine andere als die natürliche „Wohlfühlhaltung“, dann ist das mit körperlichem und psychischem Stress verbunden. Aus dem Gleichgewicht wird ein Pferd auch gebracht, wenn es in eine Körperhaltung gezwungen wird, in der es den Reiter nicht ohne extra Bemühungen tragen kann.
Beispiel weggedrückter Rücken:
Das Beispiel des weggedrückten Rückens illustriert die Zusammenhänge zwischen psychischem und körperlichem Stress des Pferdes sehr deutlich. Ein Pferd drückt in der Natur den Rücken nach unten und reißt Kopf und Hals hoch (Unterhals) hoch, sobald es sich in Gefahr wähnt.  Das passiert auch unter dem Reiter,  etwa wenn im Gelände ein lauter Traktor auftaucht. Der weggedrückte Rücken ist daher sehr eng assoziiert mit der Mobilisierung von Panikreaktionen im Nervensystem. Das Pferd bereitet sich darauf vor, auf seine Angst adäquat durch Flucht zu reagieren. Das äußert sich körperlich aber auch psychisch..
Reitet man ein Pferd längere Zeit mit weggedrücktem Rücken, etwa weil der Reiter im Maul stört, schlecht sitzt oder der Sattel nicht passt, dann bedeutet das für das Pferd neben dem Schmerz im Rücken und der langfristigen Abnutzung auch einen permanenten psychischen Stress. Das Pferd ist in ständiger Alarmbereitschaft und nicht zu körperlicher und psychischer Entspannung imstande, da es diese Körperhaltung mit Fluchtverhalten assoziiert. Dadurch kann es sich auch nicht auf seinen Reiter konzentrieren und auch weniger gut lernen, da lernen mit positivem Erleben verbunden sein muss, um zu funktionieren. Kann Reiter die Ursache nicht abstellen, dann verspannt sich das Pferd zusehends, geht nicht mehr taktrein, wodurch sein Gleichgewicht noch weiter gestört wird.  So entsteht ein Teufelskreis, der beinahe nicht mehr zu durchbrechen ist. Eigentlich befindet sich  das Pferd permanent psychisch und physisch auf oder nahe an der Flucht.
Dies erkennt man an weiteren Körpersignalen: Die Atmung wird unregelmäßig, das Pferd hyperventiliert manchmal, reißt also die Nüstern auf, die Augen bewegen sich verstärkt. Man sieh das Weiße. Die Ohren wirken sehr unruhig, zeigen nicht freundlich und offen für  Reiter und Umwelt abwechselnd nach vorne und hinten, sondern signalisieren, dass es sich von der Außenwelt abschließen möchte, Das Pferd schwitzt, auch an Stellen, die im Training selbst nicht beansprucht werden. Häufig schlägt das Pferd heftig mit dem Schweif. Die Bewegungen sind zwar aktiv, aber unharmonisch. Sie wirken  hektisch, werden manchmal als „elektrisch“ zu umschrieben. Häufig laufen Bewegungen nicht rund ab, sondern werden hektisch aneinandergereiht. Der Bewegungsfluss ist unterbrochen, selbst wenn das Pferd sich sehr aktiv bewegt. Kennt man das Minenspiel des sich wohl fühlenden, aufmerksamen, aktiven und vertrauensvoll auf seine Umgebung gerichteten Pferdes, dann erkennt man, wenn die Mimik klar signalisiert : „Ich bin irritiert“ bis „Ich bin nahe an der Panik“. Es kann dann auch zum Auskeilen, Bocken  und zu Fluchtreaktionen kommen. Ebenso kann ein Pferd stocksteif stehen bleiben. Ein Physiologe, der den Herzschlag misst, würde feststellen, dass ein permanent erhöhter Herzschlag ohne viel Variationen entsteht, der wiederum dem Pferd Panikbereitschaft signalisiert und es mobilisiert.
Wie sich dieser Stress langfristig auf welches Pferd auswirkt, hängt sehr von seiner körperlichen und psychischen Entwicklung ab. Manche Pferde (meist von Natur geborene Herdenbosse) protestieren, andere werden sehr unsicher und andere ertragen ihr Los dadurch, dass sie sich vergleichbar einem missbrauchten Kind aus ihrem Körper „beamen“ und  weitermachen ohne „anwesend“ zu sein, bis es auch zu körperlichen Auswirkungen kommt. Auch Magengeschwüre bei solchen Reitpferden sind inzwischen nicht mehr selten.
Stress durch Bewegungsimpulse des Reiters:
Ähnliches spielt sich ab, sobald ein Reiter Bewegung erzwingen möchte, sich selbst in der Bewegung steif macht, Stress erlebt und sich verkrampft. Diese kann instinktiv vom Pferd als die Aggression des Raubtieres oder Fluchtbereitschaft des Kameraden erlebt werden, der offensichtlich selbst unsicher geworden ist, was sich natürlich körperlich und psychisch auf das Befinden des Pferdes überträgt. Wenn der Reiter dem Pferd auch noch Schmerzen zufügt oder es an der Bewegung hindert, dann kommen wieder etliche körperliche und psychische Mechanismen in Gang, die einem harmonischen Bewegungsdialog physisch und psychisch im Wege stehen, die sehr klar im Körperausdruck des Pferdes zum Ausdruck kommen. Wenn der Reiter selbst auf einem Turnier unsicher und ängstlich wird und unbedingt gut reiten wollen, kann es passieren, dass er beinahe präventiv hackt und zieht, oder aus Nervosität so verspannt ist, dass er gar keine Bewegungsimpulse mehr rüberbringt. Das Pferd quittiert dieses meist prompt: Es wird hektisch, ängstlich, „ungehorsam“ oder es streikt. Gelingt es dem Reiter, seinen eigenen Stress unter Kontrolle zu bekommen, dann kann man merken, dass das Pferd sich erleichtert wieder entspannt, einen zufriedenen Ausdruck annimmt und mit angenehmen Bewegungen dankt.
Stellt man ein aufgeregtes und dadurch von seinem Reiter abgelenktes Pferd kurzfristig etwas (die Betonung liegt auf etwas) runder und tiefer ein, geht auf die Volte und unterstützt es im taktmäßigen schwingenden entspannten Vorwärtsgehen, dann kann man ihm erleichtern, den Rücken aufzuwölben. Dadurch kann sich das Pferd über die dementsprechende Bewegung auch psychisch wiederfinden kann und wieder auf seinen Reiter konzentrieren. Ist die Aufmerksamkeit und Entspannung wiederhergestellt, kann man wieder normal weiterarbeiten. Das hat nichts mit einer längerfristigen, übertrieben tiefen Einstellung des Pferdes zu tun. In der Geschichte des Reitsportes hat es allerdings auch immer wieder Strömungen und Versuche gegeben, sich das Pferd über erzwungene nicht als natürlich vorgegebene Körperhaltungen und psychisch gefügig zu machen.

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