Stuttgart: 13. Master-Titel für Isabell Werth, zweiter mit Emilio

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Isabell Werth und Emilio auf dem Weg zu ihrem zweiten gemeinsamen German Master-Titel. (© in.Stuttgart)

Vier Starts, vier Siege – kein Wunder, dass Isabell Werth sagt, sie liebe es, bei den Stuttgart German Masters zu reiten. Heute holte sie ihren 13. Masters-Titel und den zweiten in Folge mit Emilio.

Zehn Jahre jung ist der Westfale Emilio v. Ehrenpreis-Cacir AA. 2015 wurde er noch mit dem Otto-Lörke Preis für das beste Nachwuchs-Grand Prix-Pferd ausgezeichnet. Seit Juli war er kein Turnier mehr gegangen. Und trotzdem präsentierte sich Emilio in Stuttgart bereits wieder wie ein alter Hase. Zumindest heute. Im Grand Prix seien schon noch einige „Haker“ gewesen, räumte Isabell Werth ein. Und sie gab auch zu: „Da haben wir Glück gehabt. Belli war ein bisschen sauer.“ Belli bzw. Anabel Balkenhol hatte nämlich mit Rang zwei Vorlieb nehmen müssen, obwohl ihr Dablino sich in der Form seines Lebens befindet. Übrigens hatten auch die Zuschauer beim Spectator Judging Balkenhol vor Werth. Das wollte sie im Special wieder gerade rücken, hatte Isabell Werth angekündigt. Gesagt, getan.

Von Anfang an präsentierte Emilio sich heute im Special hoch konzentriert, ganz stabil, aber federleicht in der Anlehnung und mit beispielhafter Taktsicherheit und Elastizität. Durchlässiger und fließender können die Übergänge Passage-Starker Trab-Passage nicht gezeigt werden. Beim Durchparieren dehnte der Wallach sich sofort willig und losgelassen an die Hand heran. Das Anpiaffieren aus dem versammelten Schritt gelang problemlos. Sofort war der Takt da. Der Wallach piaffierte eifrig und nahm reell Last auf. Aus der Piaffe folgte problemlos der Übergang in eine ähnlich erhabene und energische Passage, aus der heraus er sich genauso leicht wieder zurückführen ließ in die Piaffe. Immer war der Takt da, ein Tritt glich dem anderen, wie ein Uhrwerk.

In der Galopptour schien zunächst leichte Spannung aufzukommen. In den Zweierwechseln kam der Wallach leicht auf die Vorhand, aber Isabell Werth konnte die Diagonale noch retten. Doch zu Beginn der Einerwechsel passierte dann tatsächlich ein Fehler als Emilio zwei Wechsel nicht mitsprang. Aber das konnte den Gesamteindruck in keinster Weise trüben. Unter dem Strich gab es 79,999 Prozent und einen überragenden Sieg. Um es mit Isabell Werth zu sagen:“Ich denke, es ist uns gelungen, den Grand Prix wieder gerade zu rücken.“

Platz zwei für Dablino

So musste Anabel Balkenhol sich mit ihrem Dablino auch heute mit Rang zwei zufrieden geben. Wobei der 16-jährige De Niro-Sohn in der Tat auch heute fantastisch ging – kraftvoll, voller Energie und mit ganz viel Ausdruck. Nach der bekannten Schwäche im Schritt schloss sich eine sehr gute erste Piaffe an, aus der er super in die Passage kam. Beide Piaffen waren eine Idee zu sehr im Vorwärts. Dafür war der Takt absolut unerschütterlich. Fantastisch gelang der Auftakt der Galopptour mit schnurgeraden gut nach vorne durchgesprungenen Wechseltouren und winzig kleinen Pirouetten. Bestechend während der gesamten Vorstellung auch hier: die weiche, stete Anlehnung und der allgemeine Eindruck großer Losgelassenheit und Zufriedenheit. Die 76,431 Prozent waren mehr als verdient. Anabel Balkenhol strahlte und winkte völlig zu recht ins Publikum, während Dablino gelassen unter dem Jubel der Zuschauer aus der Bahn schritt.

„Ich glaube, Dablino war noch nie so gut wie jetzt. Vielleicht kommt das auch mit der Gelassenheit, die man selber bekommt, je älter ein Pferd wird und je mehr man zusammenwächst. Es macht einfach nur Spaß mit ihm!“ Genauso wirkte das auch auf die Zuschauer.

 

Die Zukunft hat schon begonnen

Platz drei ging wie schon im Grand Prix an Fabienne Lütkemeier und ihren lackschwarzen erst neunjährigen Florestano-Sohn Fabregaz. Der hoch elastische in Bayern gezogene Rappe hat eigentlich keine Schwäche. Einzig im Schritt könnte er etwas mehr losmarschieren. Zumindest heute. Was noch fehle, sei der Feinschliff, sagt Fabienne Lütkemeier. Das darf ja auch sein mit neun Jahren. Man sieht das beispielsweise in den Piaffen. Fabregaz hat offensichtlich Talent für diese Lektion, aber sie lässt sich in der Aufgabe noch nicht immer perfekt am Punkt abrufen. So machte Fabregaz bei der ersten Piaffe aus dem versammelten Schritt heraus auch erst einmal einen kleinen Hüpfer nach vorne, war dann aber wieder bei der Reiterin. Sehr gut gelang die Galopptour. 74,020 Prozent erhielt das Paar unter dem Strich.

„Meine Mutter und ich, wie sind superstolz wie er sich entwickelt hat“, schwärmte Fabienne von dem selbst ausgebildeten Wallach. Und „stets hoch motiviert“ sei er außerdem. Das sieht man! Da hat die Reiterin mitunter noch ganz schön was zu tun, um Fabregaz bei sich zu behalten. Aber auch das wird ganz sicher mit besagtem Feinschliff kommen. Von diesem Paar dürfte man noch einiges hören, denn an Ausdruck, natürlicher Kadenz  und Talent für Piaffe und Passage mangelt es dem Rappen nicht!

Alle Ergebnisse aus dem Grand Prix Special finden Sie hier.

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