Stuttgart: Isabell Werth und Weihegold mit mehr als 84 Prozent im Grand Prix

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Gratulation für Isabell Werth und Weihegold zum Grand Prix Sieg für die Weltcup-Kür in Stuttgart 2016. (© in.Stuttgart)

Isabell Werth und Weihegold lieferten im Grand Prix für die Weltcup-Kür bei den Stuttgart German Masters eine Vorstellung, die mit einem der höchsten Ergebnisse bewertet wurde, die es je für einen Grand Prix gab.

Okay, die Multichampions und Halter aller Rekorde, Charlotte Dujardin und Valegro, waren recht regelmäßig in solche Notensphären eingetaucht. Aber ansonsten haben bislang nur Matthias Rath und Totilas 2014 in Perl-Borg einen Grand Prix abgeliefert, der höher bewertet worden war als der heutige von Isabell Werth und Weihegold. Die beiden haben in Stuttgart schon wieder eine neue Grand Prix-Bestmarke erklommen: 84,340 Prozent. Und das, obwohl sie auch schon in Lyon mehr Punkte bekamen als je zuvor.

Pi, Pa und Pi vom Feinsten

Dabei war Weihegolds Vorstellung heute nicht einmal makellos gewesen. Eher kleine Störungen denn Fehler gab es in der zweiten Piaffe und in den Einerwechseln als Weihegold jeweils heftig schnaubte, aber nicht aus dem Tritt kam. Vor dem Angaloppieren aus der Passage gab es ein kleines Missverständnis. Da schien Weihegold zu ahnen, was kommt und ihrer Reiterin zuvorkommen zu wollen. Die konnte das mit ihrer ganzen Routine aber retten. Einen echten Schnitzer gab es nur auf der Schlusslinie, wo die Stute vor dem Punkt zum Halten kommen wollte. Doch dem gegenüber standen unglaublich engagierte, federnde Passagen und Piaffen (bis auf die Zweite) wie aus dem Lehrbuch. Ganz offensichtlich hat Weihegold noch einmal einiges an Kraft zugelegt. Auch die Pirouetten kann man sich schöner kaum vorstellen. Die Zweierwechsel waren wunderbar gerade nach vorne gesprungen. Und überhaupt hatte man den Eindruck, dass Weihegold richtig Spaß an der Sache hatte. Vielleicht ging ihr in der letzten Passage einfach ein wenig die Kraft aus.

Platz zwei für Despi

Super durchlässig und gehorsam präsentierte sich Mannschaftsolympiasieger Desperados. Der 15-jährige Rappe und seine Reiterin boten einmal mehr ein Bild von großer Harmonie, gepaart mit Kraft und Eleganz. Manko: In den Passagen griff das rechte Hinterbein zeitweise weniger weit vor als das linke.  Vor allem auf der Schlusslinie war das deutlich zu sehen. In den Zweierwechseln hatte man schon bei der Einleitung den Eindruck, dass der Hengst sich etwas spannte. Er kam leicht auf die Vorhand, wurde etwas eng und am Ende passierte dann der zu erahnende Fehler: Desperados baute eine Einerwechsel ein. Auf die schien er nur gewartet zu haben, denn als die an der Reihe waren, spielte er seine ganze Klasse aus. Alles in allem kamen die Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele von Rio auf 79,140 Prozent und wurden von den Richtern unisono auf den zweiten Platz gesetzt.

Überraschung an dritter Stelle

Rang drei ging nach Großbritannien, an den vierten Mann im britischen Olympiateam von Rio: Spencer Wilton auf dem von Carl Hester ausgebildeten Super Nova II. Der ungemein elastische Dunkelbraune zeichnete sich durch eine sehr konstante Anlehnung aus, wirkte aber mitunter etwas umweltorientiert, beispielsweise in der ersten Piaffe. Die zweite gelang deutlich besser. Die Zweierwechsel gelangen sicher, aber hätten etwas deutlicher nach vorne angelegt gewesen sein können. Dasselbe bei den Einerwechseln. Nach einer super Linkspirouette schien Super Nova II in der nach rechts erneut etwas Interessantes gesichtet zu haben, so dass er kurzzeitig hinter die treibenden Hilfen kam. Und auch er wollte gerne schon vor G Aufstellung zum letzten Gruß nehmen. Alles in allem fehlte bei aller unübersehbarer Qaulität des 13-jährigen De Niro-Sohns heute etwas die Selbstverständlichkeit bei den beiden, gut zu sehen auch am beständig pinselnden Schweif des Wallachs. 74,980 Prozent lautete am Ende das Ergebnis.

Der dritte De Niro-Sohn

Der Grand Prix von Stuttgart zeigte einmal mehr auf recht beeindruckende At und Weise, warum De Niro die Nummer eins der Weltrangliste der Dressurvererber ist: Er stellte ein Fünftel der Teilnehmer, und die rangierten hintereinander an zweiter, dritter und vierter Stelle.

Der an vierter Stelle rangierte De Niro-Sohn war Fabienne Lütkemeiers D’Agostino. Die beiden Mannschaftsweltmeister von 2014 tanzten frisch wie eh und je durch die Prüfung, der nun 16-jährige Wallach geschmeidig, elastisch und ohne große Lektionsfehler. Piaffen sind eben nicht unbedingt die Stärke des Fuchses. Da zeigt der etwas unruhige Schweif an, dass er sich wirklich anstrengen muss. Aber das tut er eben auch, kämpft sichtlich für seine Reiterin, fußt eifrig ab und ist unerschütterlich im Takt – auch in den Übergängen. Die maximal herausgerittenen Verstärkungen standen stellvertretend für etwas, das sich durch die gesamte Prüfung zog: das große gegenseitige Vertrauen des Paares. Die beiden kennen sich einfach verdammt gut. Warum diese Prüfung weniger gut bewertet wurde wie die des Briten Spencer Wilton bleibt wohl das Geheimnis der Richter. Aber es war auch knapp: 74,820 Prozent gab es.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

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