Weltcupfinale Dressur: Graves gewinnt Quali, Deutsche auf Plätzen zwei bis vier

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Deutsche Reiterinnen auf den Plätzen zwei bis vier im Grand Prix beim Weltcupfinale 2018 oin Paris. (© www.paulinevonhardenberg.com)

Laura Graves (USA) hat den Qualifikations-Grand Prix beim Weltcupfinale gewonnen. Isabell Werth und Weihegold wurden nach Fehlern in der Galopptour Zweite. Jessica von Bredow-Werndl und Dorothee Schneider landeten auf den Plätzen drei und vier.

„Freitag, der 13.“, sagt Isabell Werth zu ihrem Grand Prix beim Weltcupfinale in Paris. Und „C’est la vie, wir sind doch in Frankreich.“ Dann zuckt sie die Achseln, das „Sch.-Wort“ kann hören, wer genau hinhört. Teure Fehler in der Galopptour kosteten der Nummer eins der Welt heute die Punkte, die Werth mit Weihegold gerne gehabt hätte. Platz zwei, 78,261 Prozent. Es ist das erste Mal nach dem CHIO Aachen 2017, dass Isabell Werth und Weihegold in den direkten Vergleich zu Laura Graves und Verdades treten. Und das Ergebnis ist ein 1:0 für die Kombination aus den USA, denen es bereits in Aachen einmal gelungen war, Werths Sieg zu vereiteln. Damals wie heute waren es Fehler der Oldenburger Stute, die Graves zu ihrem Vorteil nutzen konnte.

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Laura Graves und Verdades (USA) Weltcupfinale 2018 in Paris

Erst das Weltcupfinale, dann die Weltmeisterschaft

Graves‘ Wallach war sehr „an“. Der mächtige Braune ist ein Energiebündel. Und das kann auch zum Nervenbündel werden. Jedoch: Verdades blieb fehlerfrei. Spannung begleitete den gesamten Ritt. „Aber“, so die Reiterin, diese Energie sei eben auch „hilfreich“. Graves ist nicht der emotionalste Mensch der Welt. Mit klarer Stimme sagt sie, sie sei stolz auf eine persönliche Bestleistung, blicke jetzt nach vorne, „nach morgen und in Richtung des Rest des Jahres“. Eine Mannschaftsmedaille soll es in Tryon werden, wo in den USA im September die Weltreiterspiele stattfinden sollen. Eines verrät sie schon: „Es wird das letzte große Event sein für Verdades.“ Zu persönlichen Zielsetzungen schweigt sie. Der Fokus liegt auf morgen, auf dem Finale, das in der Kür entschieden wird. Bis zum September, bis Tryon, könne noch viel passieren. Ihr Credo bis dahin: weiterarbeiten wie zuvor.

Seitdem ich ihn habe, arbeiten wir an der Entspannung, vielleicht kommt sie ja noch eines Tages

Laura Graves hat den Wallach selbst ausgebildet. Nach heute ist sie die Gejagte, hat Isabell Werth im Rücken. „Ich weiß genau, dass sie morgen noch härter kämpfen wird als heute.“ Aber das sei auch gut so, Druck mache sie besser, sagt die 30-Jährige. „Dafür bin ich hier“.

Bei den Piaffen des Florett As-Sohns konnte man Angst haben, dass er gleich unter die Hallendecke fliegen würde, soviel Dampf hatte Verdades auf dem Kessel. Einer der Gründe: Die Qualifikationen in den USA finden draußen statt. In Florida ist grüne Saison, wenn in Europa Schnee und Eis herrschen und die Prüfungen in der Halle stattfinden. Reithallen sind also etwas befremdlich für Verdades. Hohe Bewertungen erzielte der Wallach in der Galopparbeit, vor allem in den fliegenden Galoppwechseln und den Pirouetten. Einigkeit herrschte bei den Richtern, den Siegesritt gesehen zu haben. Die Bewertungen lagen zwischen 83,57 Prozent (Francis Verbeek, NED, bei K) und 79,13 Prozent (Dr. Evi Eisenhardt bei E).

Werth: „Das war so nicht geplant“

Isabell Werth begann mit einer Prüfung á la Weihegold. Starker Trab mit Siebenen, eine ausdruckstarke Traversale nach links, dann hohe Prozentzahlen für die Passagen und eine Zehn von Chefrichterin Maribel Alonso für die erste Piaffe. Dann das Angaloppieren, die Stute drängte über die äußere Schulter, drohte rechts statt links anzugaloppieren. „Sie war einfach heiß“, gibt eine überraschte Isabell Werth zu. Die routinierte Reiterin rettete sich noch durch die Zweierwechsel, die aber gerade zu Beginn der Diagonalen zu wenig nach vorn gesprungen waren. Aber dann kam der „Freitag, der 13.-Faktor“ voll zum Tragen. Umspringen im starken Galopp, ein ungeplant früher Wechsel in den Zickzacktraversalen, dann auch noch ein Ausfall in den 15 fliegenden Wechsel von Sprung zu Sprung – die letzten beiden Lektionen mit Faktor zwei in der Wertung. So etwas ist richtig teuer. „Morgen reite ich in dem anderen Abreitezelt ab, mit fehlte die lange Linie, auf der ich noch einmal richtig Gas geben konnte vor der Prüfung“, verriet die Titelverteidigerin ihr Konzept für das Kürfinale. Um 14 Uhr beginnt die Entscheidung in der Arena in Paris-Bercy am Ufer der Seine. Eine Triumph wie in Omaha 2o17 ist das Ziel.

Gefragt, ob es die richtige Entscheidung war, „Weihe“ den Vorzug zu geben und Emilio, die Nummer zwei der Welt, zuhause zu lassen, konterte die Weltranglistenerste mit einem „klassischen Werth“:

Wenn ich Emilio zuhause anrufe, sagt er, tja, dein Fehler.

„Außerdem“, so Werth, „werden wir dann morgen zeigen, dass es die richtige Entscheidung war.“

Jessi: „Hoffe, dass ich auf Rang drei bleibe“

Äußerst wach zeigte sich Jessica von Bredow-Werndls Unee BB. Beim Herumreiten ums Viereck vor Prüfungsbeginn startete der Rapphengst einmal in der Ecke bei M durch. „Da hatte er richtig Angst.“ Aber von Bredow-Werndl, die bereits zweimal, 2015 und 2016, Dritte im Weltcupfinale war, nutzte die Energie. Unee war gut vor den treibenden Hilfen, immer wenn er versuchte, sich ein bisschen eng zu machen und nicht hundertprozentig ans Gebiss heranzuziehen, gelang es ihr in einem Trabtritt oder einem Galoppsprung die Haltung wieder zu verbessern.

Sie ist das erste Mal mit Pferd in Paris. „Ich war neugierig, meine Eltern waren vor 20 Jahren beim Weltcupfinale und hatten mir viel von der Halle erzählt.“ Für den Gribaldi-Sohn wird es definitiv das letzte Weltcupfinale seiner Karriere sein. „Und ich hoffe, dass ich den dritten Platz halten kann.“ 11,5 Punkte Vorsprung hatte die Bayerin auf die Pfälzerin Dorothee Schneider – bei sieben Richtern. Als „Hallenchampionat“ sitzen auch beim Weltcupfinale sieben Juroren rund ums Viereck. Bei v. Bredow-Werndl reichten die Platzziffern von drei bis sechs und die Bewertungen von 77,5 bis 73,8 Prozent.

Dorothee Schneider knappe Vierte

In den aufbrausenden Applaus nach Laura Graves‘ 81-plus-Runde musste Dorothee Schneider mit ihrem Mannschaftseuropameister Sammy Davis jr. in die Arena kommen. Auch wenn man es dem hochbeinigen San Remo-Sohn von außen nicht ansah, schien ihn der Beifall doch etwas länger als von der Reiterin gewünscht zu beschäftigen. Bei der Grußaufstellung piaffierte der bayerische Wallach kurz an. Ansonsten lieferten die beiden eine Runde voller Harmonie mit sehr guten Piaffen und Passagen. Schwachpunkt bleibt der Schritt. Aber Dorothee Schneiders Ausbildung lässt den Wallach so losgelassen durch die Diagonale schreiten, dass er wirklich sein Optimum präsentieren kann und Siebenen dafür bekommt. Am Ende der Prüfung, beim Abwenden auf die Mittellinie galoppierte Sammy Davis jr. kurz an, das ahndeten die Richter aber nicht wirklich. Die anschließende Passage ritt Dorothee Schneider daraufhin nicht mit vollem Ausdruck.

Bundestrainerin Monica Theodorescu hatte den Daumen oben. „Platz zwei bis vier, da können wir ja wohl zufrieden sein. Mit den Fehlern heute konnte Isabell nicht gewinnen.“

Die weiteren Platzierten: Gal mit Fehlern und Bonus

Fünfter wurde der Schwede Patrik Kittel, dessen Stute Deja man mehr Selbsthaltung wünscht, und Balance in den schwankenden Piaffen. Platz sechs ging ebenfalls nach Skandinavien. Der Däne Daniel Bachmann-Andersen ritt den profilierten Deckhengst Zack des Blue Hors-Gestüts, Zweiter in Neumünster im Februar, auf 74, 13 Prozent. 18 Punkte trennten ihn von Kittel. In den ersten beiden Piaffen zeigte er die unterste Grenze der geforderten 12 bis 15 Tritte, wenn überhaupt. Aber insgesamt ist das Paar weiterhin auf dem Weg nach oben.

Die Russin Inessa Merkulova und der Trakehner Mister X piaffierten nicht mehr wie zu früheren Zeiten, aber immer noch sehr gut und das Gesamtbild der beiden im Viereck ist angenehm ruhiger geworden, Platz sieben, 74,114 Prozent. Achte wurde die beste Niederländerin. Madeleine Witte-Vrees und Cenin, die in Omaha 2017 ihr Weltcupfinale-Debüt gegeben hatten, verfehlten knapp die 74-Prozent-Marke. Das Maul des Fuchses war nicht immer geschlossen. Das galt für viele Pferde, vor allem die nicht platzierten.

Dass der Niederländer Edward Gal immer noch bei den Richtern einen Totilas-Bonus genießt, zeigte die Beurteilung seines Ritts mit Nachwuchshoffnung Zonik. Der Däne ist übrigens ein Sohn des Sechstplatzierten Zack. Der Hengst ist ein Hingucker, weil er nicht nur schön ist, sondern auch die Vorderbeine gewaltig in die Luft bekommt. Dazu hat er auch einen sehr guten Schritt. Stellt man sich das Pferd sicherer in den Lektionen und gleichmäßiger im Bewegungsablauf vor, reift da ein Pferd mit Potenzial heran.

Aber die Rückentätigkeit ist ein echtes Problem. Alle Lektionen, die diese Selbstverständlichkeit der Ausbildungsskala besonders abfragen, offenbaren diesbezüglich eklatante Schwächen. Beim Halten stand der Hengst mit weit herausgestelltem Hinterbein (dafür zwei Achten), das Rückwärtsrichten weder im Takt noch im Fluss (6 bis 6,5), starker Trab mit viel Kandareneinwirkung, tollem Vorderbein und auch den Hinterbeinen hoch in der Luft – aber ohne erkennbare Rahmenerweiterung (mehrfach 8,5), in den Piaffen findet sich das noch junge, 10 Jahre alte Pferd nicht immer. Die Folge: Takt und Balanceprobleme. Der Schritt ist schreitend und groß, ein Highlight. Statt anzugaloppieren aus der Passage fiel der Hengst in den Schritt (im Schnitt ca. 6,5). In den fliegenden Galoppwechseln zu zwei Sprüngen taucht das Pferd zum Ende der Diagonalen ab, die Einerwechsel begannen gut, aber am Ende hörte der Hengst auf. Vor der zweiten Pirouette sprang er um. In den Pirouetten selbst, eng gewendet, wünschte man sich, dass der Charakter des Galoppsprungs deutlicher erhalten bliebe. Trotzdem noch ein Endergebnis von 73,785 Prozent. Mit einer Varianz von 72,8 bis 75,6 Prozent.

Enttäuschend verlief der erste Auftritt einer Reiterin von den Philippinen bei einem Weltcupfinale. Ellesse Tzinberg mit Triviant, die in den USA beheimatet sind und dort schon Kürergebnisse bis 72 Prozent erzielt haben, hatten einen schwarzen Tag. Kaum etwas klappte, 58,291 Prozent versagten der Reiterin die Teilnahme am Kürfinale. Dafür müssen Teilnehmer mindestens 60 Prozent im Grand Prix geritten haben.

Und wer Lust hat: Hier können Sie unseren Podcast hören:

Ergebnisse Grand Prix Weltcupfinale 2018, Paris.
(Platziert wurden 8 Teilnehmer)

1.Laura Graves/VerdadesUSA81,413 %
2.Isabell Werth/WeihegoldGER78,261 %
3.Jessica v. Bredow-WerndlGER75,668 %
4.Dorothee Schneider/Sammy Davis jr.GER75,311 %
5.Patrik Kittel/DejaSWE74,689 %
6.Daniel Bachmann-Andersen/ZackDEN74,130 %
7.Inessa Merkulova/Mister XRUS75,115 %
8.Madeleine Witte-Vrees/CeninNED73,975 %
9.Edward Gal/ZonikNED73,758 %
10.Belinda Weinbauer/Söhnlein BrillantAUT70,357 %

Weitere Ergebnisse aus Paris finden Sie hier.

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