FAHREN Silber fürs deutsche Team, keine Einzelmedaille

Seit eh und je ein Championatskandidat: Vierspännerfahrer Christoph Sandmann

(© Seit eh und je ein Championatskandidat: Vierspännerfahrer Christoph Sandmann)

Silber mit deutlichem Vorsprung– da wollten wir hin. Wir haben unser realistisches Ziel erreicht“, fasst Georg von Stein das Ergebnis für das deutsche Team bei den Weltreiterspielen zusammen. Auf Gold sind derzeit die Niederländer abonniert (263,19 Punkte), gewannen in der Normandie ihre vierte Weltmeisterschaft in Folge

Bronze ging an die Ungarn (287,29), die sich riesig freuten über ihre erste Medaille bei Weltreiterspielen. Für die deutschen Teamfahrer war es nach dem enttäuschenden dritten Platz beim CHIO 2014 in Aachen eine besondere Genugtuung zu beweisen, dass sie nach den Niederländern die Nummer zwei in der Welt sind (283,56).
Wenig Einfluss auf die Titelvergabe hatte das abschließende Kegelfahren am Sonntag. Weder in der Team- noch in der Einzelwertung änderte sich die Rangfolge nach dem Gelände. Spannend wurde es lediglich zwischen den beiden führenden Fahrern Boyd Exell (AUS) und Chester Weber (USA), als der US-Amerikaner eine Nullrunde vorlegte und damit den Weltmeister unter Druck setzte, kein Ball durfte fallen. Der Australier hielt dem Druck stand, fuhr eine tadellose Nullrunde und bewies wieder einmal seine Position als Nummer Eins in der Welt. Zum dritten Mal in Folge Weltmeister, das ließ ihn etwas vergessen, dass er 2014 in Aachen Chester Weber den Vortritt lassen musste. „Ich bin erleichtert“, gab er nach seinem Sieg zu. Chester Weber, wie bei der WM in Riesenbeck 2012 Vize-Weltmeister, war einer der ersten Gratulanten, als der alte und neue Weltmeister Boyd Exell von seiner Kutsche gestiegen, war. Besonders herzlich fielen die Glückwünsche nicht aus.

Der Niederländer Theo Timmermann gewann Bronze, die erste Einzelmedaille bei Weltreiterspielen für den amtierenden Europameister. Zusammen mit Ijsbrand Chardon und Koos de Ronde bildet er das derzeit unschlagbar scheinende Team aus den Niederlanden. Chardon, Vize- Weltmeister 2010 in Kentucky, in Riesenbeck 2012 auf dem Bronzeplatz, musste sich in Frankreich mit dem undankbaren vierten Platz abfinden. Seit 1990 ist Chardon ohne Unterbrechung bei Weltreiterspielen im niederländischen Team, noch nie ist er ohne eine Medaille heimgekehrt.

Ziel erreicht! Das gilt auch für Christoph Sandmann, Lähden. Fünfter Platz in der Einzelwertung, bester deutscher Einzelfahrer, Gewinn der Silbermedaille mit dem Team das stimmt glücklich! „Fünfter zu sein gefällt mir besser als der vierte Platz in Kentucky. Damals habe ich mich geärgert, heute bin ich total zufrieden.“ Da ärgerten auch die 3,27 Strafpunkte aus dem Kegelparcours nicht mehr.
Jeweils einen Abwurf (beide auch noch am gleichen Hindernis) hatten Georg von Stein und Michael Brauchle zu verzeichnen, die sich allerdings nicht mehr auf den Endstand auswirkten. Platz acht für Stein, der neunte für Brauchle, alle fröhlich, alle zufrieden.

Uni sono wurde der Kegelparcours als zu leicht beurteilt, unter den Top Ten-Fahrern gab es nach Dressur und Gelände keine Positionsänderung mehr. Im Vorfeld hatten sich Fahrer und Trainer Gedanken gemacht um die Geländestrecke, hier wurden im Laufe der Prüfung alle Bedenken zerstreut. Etwas anders verhielt es sich beim Kegelfahren, die Kutschen rutschten doch erheblich mehr als angenommen. „Als die Sonne rauskam hat sie den Boden ausgetrocknet, der Ascheplatz wurde loser, die Kutschen rutschten“, erklärte Michael Brauchle. „Ich hatte das Gefühl, ich bekomme die Kutsche nicht mehr gerade, als ich aus der Wendung kam, es war doch rutschig“, schilderte Christoph Sandmann seine Kegelfahrt. Begonnen hatte das Kegelfahren morgens um acht Uhr, da war es knapp hell und noch recht neblig, der Boden im Kegelparcours also noch etwas feucht. Als die Fahrer um sieben Uhr den Parcours besichtigten war es noch dunkel, einige Lampen leuchteten die Hindernisse notdürftig aus. Diese Besichtigung wird sicher in die Geschichte der Weltreiterspiele in der Normandie eingehen. Ebenso wie die Siegerehrung nach dem Marathon am Samstag, den Christoph Sandmann gewonnen hatte. Weil der Veranstalter die deutsche Hymne leider nicht zur Hand hatte, sprang der Fanclub aus dem Emsland ein und sang lauthals.

Christoph Sandmann freut sich auf die Europameisterschaften 2015 in Aachen. „Dann sind Exell und Weber nicht dabei, da wird die Einzelwertung interessanter. Und natürlich wollen wir auch mal wieder die Niederländer schlagen, wir werden alles dafür tun.“ In Aachen wird wieder wie gewohnt auf Gras gefahren. Der Marathon auf Asche hier in der Normandie war kein Problem, durch die gute Pflege der Piste galten für alle Fahrer die gleichen Bedingungen. Das galt allerdings nicht für die Dressur und das Kegelfahren. „Zu stark änderte sich die Beschaffenheit des Bodens je nach Sonneneinstrahlung“, musste sich der Veranstalter von Weltmeister Boyd Exell kritisieren lassen.

Christine Meyer zu Hartum

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