10 Dinge über die Trakehner Goldstute Dalera, Olympiasiegerin mit Jessica von Bredow-Werndl

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Dreamteam: Jessica von Bredow-Werndl und Dalera (© von Korff)

2018 auf ihre sportlichen Ziele mit der Trakehner Stute Dalera BB angesprochen, erklärte Jessica von Bredow-Werndl, die wolle sie „nicht so direkt ausformulieren“. Aber da klang schon an, die Bayerin längst wusste, was für ein Juwel sie da im Stall hat. Und das nicht nur im sportlichen Sinn.

1.     Vom Nobody zur Olympiasiegerin und zum Trakehner Aushängeschild

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Am Ziel aller Träume – Jessica von Bredow-Werndl und Dalera (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Trakehner Freunde sagen, diese Pferde hätten eine besondere Verbindung zu ihren Menschen. Dalera ist Jessis erster Trakehner. Aber dass die beiden eine besondere Verbindung haben, ist für jedermann offensichtlich. Kommentator Carsten Sostmeier philosophierte während ihrer Kür: „Das ist wie eine gegenseitige Liebeserklärung zwischen Reiterin und Pferd.“ Und Monica Theodorescu erklärte: „Jessica UND Dalera, das geht nicht einzeln, das gehört unbedingt zusammen.“

Daleras Werdegang war eher unkonventionell. Bundeschampionat, WM junger Dressurpferde – die große Jungpferde-Bühne hatte die Easy Game-Tochter ausgelassen. Doch ihr Talent wurde früh von Beatrice Bürchler-Keller entdeckt, die die Stute dann achtjährig und etwa auf M-Niveau Jessica von Bredow-Werndl anvertraute, die für die Schweizerin zu dem Zeitpunkt ja auch schon einen Unee ritt und einen Ferdinand BB ausbildete.

Bis sie zehnjährig war, lief Dalera sozusagen unter dem Radar. Und dann gewann sie in Frankfurt den Louisdor-Preis und jeder sprach plötzlich ihr als potenziellem Championatspferd. St.GEORG schrieb: „Deutschlands Dressurzukunft sieht gut aus“. Was sich spätestens in den letzten zwei Tagen quasi als Prophezeiung entpuppt hat. Nun ist Dalera Doppelolympiasiegerin.

Es war das erste Jahr, in dem Dalera zum „Trakehner Pferd des Jahres“ gekürt wurde. Den Titel hat sie nun quasi abonniert.

Jessica UND Dalera, das geht nicht einzeln, das gehört unbedingt zusammen

Bundestrainerin Monica Theodorescu

 

2.     Spot on Dalera!

von Korff

Der erste große Erfolg: Sieg im Louisdor-Preis 2017.

2017 hatte Dalera ihren ersten ganz großen Auftritt, als sie beim Frankfurter Festhallenturnier den Louisdor-Preis gewann. Besonders beeindruckend waren schon damals Piaffe und Passage bei der Stute. Aber auch noch etwas anderes: Auch als Zuschauer konnte man spüren, dass die Atmosphäre in der Frankfurter Festhalle Dalera unheimlich war. Aber sie vertraute ihrer Reiterin. Bei aller Unsicherheit fiel sie nicht eine Sekunde aus der Rolle. Jeder, der mit Pferden zu tun hat, weiß, dass das nicht nur eine reiterliche Leistung ist, sondern vor allem auch etwas mit Horsemanship zu tun hat.

Von Schüchternheit kann bei Dalera heute keine Rede mehr sein. Im Gegenteil! Sie scheint das Rampenlicht regelrecht zu genießen. Und auch das trägt zu der besonderen Ausstrahlung dieses Paares bei.

 

3.     Erste 10 für Sitz und Einwirkung dank Dalera

Pauline von Hardenberg

Ab ins Viereck: Jessica v. Bredow-Werndl und Dalera, EM Rotterdam 2019 (© Pauline von Hardenberg)

Hoch sensibel sei ihre Stute, sagt Jessica von Bredow-Werndl. Deshalb müsse sie ihren Körper in der Prüfung auch zu 100 Prozent unter Kontrolle haben. Dalera, die Sensible, registriert alles, jede unwillkürliche und womöglich falsche, aber eben auch jede richtige Hilfe. So entsteht Leichtigkeit und das ist es, was den ganz besonderen Zauber dieses Paares ausmacht.

„Dalera verdanke ich meine erste 10,0 im Sitz“, sagte Jessi einst im Gespräch mit St.GEORG. „Ich habe keine Hilfe gesehen“, begründete Dr. Evi Eisenhardt ihre Benotung damals. Das, was das Ziel eines jeden Reiters sein sollte. Dieses denkwürdige Protokoll hatte es 2018 in München gegeben, kurz bevor die beiden zum ersten Mal für Deutschland ein Championat bestritten, die Weltmeisterschaften in Tryon. Hier gab es das erste Mannschaftsgold. Das zweite folgte 2019 bei der EM in Rotterdam. Und nun in Tokio.

 

4.     Vierte Trakehner Dressur-Olympiasiegerin

Dalera ist die vierte Trakehner-Dressurolympiasiegerin seit 1912 und die zweite für Deutschland. Die erste ist nun 85 Jahre her und kam von Kronos unter Heinz Pollay. Zuvor hatte 1924 schon Piccolomini unter Ernst Linder Ehre für die Pferde mit dem Elchschaufel-Brand eingelegt, als er in Paris Gold für Schweden holte. Und die letzte Dressur-Goldmedaille eines Trakehner Pferdes ist nun fast 50 Jahre her. 1972 gewann Pepel mit Elena Petuschkowa im Sattel den Titel für Russland.

 

5.     Und jetzt? Richtig. Abschalten!

Dalera ist nicht nur super sensibel, sondern auch sehr schlau, sagt ihre Reiterin. Außerdem sei sie eigentlich eine „ziemlich coole Socke, die alles richtig machen will“.

Kein Wunder – schließlich hat sie in Aubenhausen auch 7 Tage die Woche ein äußerst abwechslungsreiches Programm, bei dem vor allem auch Ausritte und jeden Tag Weidegang eine große Rolle spielen.

Womöglich ist das auch der Grund, für das, was Cheftrainerin Monica Theodorescu so an der Stute schätzt: dass sie unheimlich gut abschalten und regenerieren kann. Beispiel. Gefällig? Zu den Ritualen des Paares gehört es, dass Jessica von Bredow-Werndl zwar eine Pflegerin auf dem Turnier hat, aber einflechten tut sie selbst. Und Dalera? Die chillt derweil. Ohne Halfter …

 

6.     Hochleistungskuschlerin

Toffi

Jessica von Bredow-Werndl und Dalera (© Toffi)

„Ich hatte noch nie ein so verschmustes Pferd wie Dalera!“, sagt von Bredow-Werndl. „Sie vereinnahmt einen richtig.“ Was der Stute ziemlich leicht fallen dürfte mit ihren 1,80 Meter Stockmaß. Gegen so eine Kuschelattacke von oben lässt sich wohl nicht viel ausrichten. Außer zurückzuschmusen.

 

7.     Fünfgängerin

Als Fünfgänger hat Otto-Normal-Reiter ja meistens Isländer abgespeichert (auch wenn es da noch ein paar mehr gibt). Aber Dalera hat auch einen Extra-Gang, sagt ihre Reiterin: „Die Piaffe ist wie eine eigene Grundgangart für Dalera. Dabei entspannt sie.“

 

8.     Berühmte Verwandte und große Schwester

Dalera ist eine Tochter des Easy Game, jenem Gribaldi-Sohn, der beispielsweise auch den Trakehner Stempelhengst Millennium zeugte, der nicht nur in der Population der Ostpreußen großen züchterischen Einfluss hat. Und Gribaldi zeugte ja beispielsweise auch einen gewissen Totilas …

Muttervater Handryk wiederum ist ein Sohn des Halbblüters Van Deyk. Dieser wunderschöne Fuchs war Dorothee Schneiders erstes selbst ausgebildetes Grand Prix-Pferd. Er ist 2018 im stolzen Alter von 34 Jahren gestorben. Dorothee Schneider trägt ein Armband aus seinen Schweifhaaren als Glücksbringer mit sich.

Aus Daleras Mutterstamm gingen z.B. auch das internationale Springpferd Der Dürer TSF (u.a. Michael Jung) und der im Busch erfolgreiche Der Dante TSF hervor (ebenfalls Michael Jung). Mit anderen Worten: Leistung wurde Dalera in die Wiege gelegt. Eine kluge Anpaarungsentscheidung hatte ihre Züchterin Silke Druckenmüller da getroffen. Und das nicht nur einmal.

Nachdem Züchterin Silke Druckenmüller mit Dalera ein solcher Volltreffer gelungen war, ließ sie die Mutter Dark Magic noch zweimal vom Easy Game-Sohn Millennium besamen. 2013 kam Dallenia zur Welt, die wie auch Dalera ihre ersten Turniererfahrungen in Jungpferdeprüfungen unter dem Sattel von Verena Sammer sammelte und inzwischen mit der Luxemburgerin Kristine Möller in der schweren Klasse unterwegs ist.

Der 2015 geborene Dallenio hingegen ist direkt in die Fußstapfen der großen Schwester getreten. Er gehört der Aubenhausen GbR der Geschwister Benjamin und Jessica von Bredow-Werndl und war jüngst mit Benni Werndl bei der Olympiasichtung in Kronberg Zweite in der Dressurpferdeprüfung Klasse M wurden und sich fürs Bundeschampionat qualifizierten.

Der jüngste Spross der Dark Magic ist ein Vollbruder zu Dalera und hört auf den Namen Dalerion. Er sollte eigentlich 2018 als Fohlen über die Auktion in Neumünster gehen, wurde dann aber zurückgezogen und anschließend an Beatrice Bürchler-Keller verkauft. Für seine Karriere ist also ebenfalls gesorgt.

 

9. Daleras Kür-Musik – eine Eingebung

2015 hatte sich Jessica von Bredow-Werndl mit Unee für das Weltcup-Finale in Las Vegas qualifiziert. Doch vor dem Abflug entwickelte der Hengst eine Kolik. Aus der Traum von der Stadt der Träume. Jessi flog trotzdem. Auf dem Weg schaute sie sich im Flieger einen Film an:  La La Land. Und wusste: Diese Musik ist die, die eines Tages Daleras Kür-Musik werden soll! Kaum war das Flugzeug gelandet, rief sie ihre Kür-Produzentin Nicole Pendzich an und bat sie, La La Land für Dalera zu blocken. Wohlgemerkt, die Stute war damals achtjährig und von Grand Prix war noch keine Rede. Aber wie gesagt, Jessica von Bredow-Werndls Motto mag eher Machen denn Reden sein, aber für sich ahnte sie früh, dass sie mit Dalera ein Pferd für ganz oben im Stall stehen hat.

 

10.  Ein geliebtes Kind hat viele Namen

Zur Welt kam Jessica von Bredow-Werndls Erfolgsstute im Jahr 2007 als Dalera. Inzwischen heißt sie offiziell TSF Dalera BB. Das „TSF“ steht für „Trakehner Sportpferde-Förderung“, den Trakehner Förderverein. Darüber bekommen zum einen Trakehner Züchter finanzielle Beihilfen, zum anderen werden Reiter mit talentierten Trakehnern unterstützt, etwa durch Trainingseinheiten bei namhaften Ausbildern.

Pauline von Hardenberg

Die zwei Damen hinter „Jessi“ und Dalera: Micaela Werndl und Beatrice Bürchler-Keller (© Pauline von Hardenberg)

Das „BB“ bei Dalera steht für ihre Besitzerin, Beatrice Bürchler-Keller. Die Schweizerin war als Fünf-Sterne-Richterin auf den größten Turnieren der Welt im Einsatz. Bis mit dem Hengst Unee ihre Partnerschaft mit Jessica von Bredow-Werndl begann und die beiden so richtig durchzustarten begannen. Da entschied sich Beatrice Bürchler-Keller konsequenterweise, ihr Richteramt niederzulegen, um potenzielle Interessenkonflikte von vornherein zu vermeiden.

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