20 Jahre Totilas – Geburtstagsgruß und Erinnerung an die Kür zum WM-Gold

Mit seiner künftigen Trainerwahl sind viele nicht einverstanden: Matthias Rath mit Totilas.

Totilas und Matthias Alexander Rath 2011 in Wiesbaden. (© www.rauphoto.de)

Von den einen als „Wunderhengst“ verehrt, von den anderen eher kritisch betrachtet – an dem KWPN-Hengst Totilas schieden sich die Geister. Doch eines kann ihm niemand absprechen: Wo immer er auftrat, sorgte er für Schlagzeilen. Selbst, wenn er nicht auftrat. Heute wird er 20 Jahre alt.

Seinen ersten internationalen Auftritt hatte Totilas in Verden. Fünfjährig vertrat er die Niederlande bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde unter Jiska van den Akker und belegte Platz vier. Ein Jahr später wechselte der Rapphengst den Reiter. Edward Gal übernahm die Zügel. Der Beginn einer großen Karriere.

Nach drei Jahren gewannen sie die niederländischen Meisterschaften 2009. In der Grand Prix Kür vergaben die Richter 86,700 Prozent. Mit der niederländischen Mannschaft ging es noch im gleichen Jahr zu den Europameisterschaften nach Windsor. Im „Garten“ der Queen wurde Totilas das erste Pferd, das für eine Grand Prix-Kür über 90 Prozent erhielt, ein Rekord, den sie noch im selben Jahr bei der Weltcup-Etappe in London überbieten konnten. Hier gab es 92,30 Prozent für das schwarze Piaffier-Wunder, das die Gemüter spaltete. St.GEORG titelte damals „Willkommen im Zirkus“ ob der exaltierten Vorhand ohne korrespondierendes Hinterbein des Gribaldi-Sohnes. Andere sahen in ihm eben den „Wunderhengst“.

Eines dürfte jedoch unstrittig sein: Totilas hatte eine besondere Aura. Und die ließ niemanden kalt. Fragt man einen Nicht-Reiter in der Fußgängerzone – von dem „Wunderhengst Totilas“ haben die meisten schon mal etwas gehört. In Scharen pilgerten die Menschen zum Dressurviereck, wenn Totilas auftrat. Selbst die Springreiter wollten ihn sehen.

Die Ära Totilas/Gal war allerdings nur eine kurze. 2010 führten sie das Team Oranje zu Mannschaftsgold bei den Weltreiterspielen in Kentucky und sicherten sich gleich noch die beiden Einzeltitel. Das war der letzte gemeinsame Auftritt der beiden. Zum Jahreswechsel erwarb Paul Schockemöhle den Hengst, einer der spektakulärsten Pferdedeals aller Zeiten.

Neuer Reiter Rath

Neuer Reiter wurde Matthias Alexander Rath. Doch so richtig lag kein Segen auf der Partnerschaft. Die ersehnte Einzelmedaille beim ersten gemeinsamen Championat in Rotterdam, Niederlande (ausgerechnet!), blieb aus. Der Olympiastart in London fiel aus, weil Matthias Alexander Rath an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt war. Danach fiel Totilas immer wieder verletzungsbedingt aus, konnte weder bei den Europameisterschaften in Rotterdam, noch bei den Weltreiterspielen in Cain an den Start gehen. Trainiert wurden die beiden inzwischen von Sjef Janssen, dem Ehemann von Anky van Grunsven. Er war engagiert worden, als Matthias Alexander Rath zunehmend Probleme mit dem Hengst bekommen hatte.

Totilas‘ letzter Championatsauftritt waren die Europameisterschaften 2015 in Aachen. Die Sonne stand hoch am Himmel, als Totilas das Viereck betrat, das anlässlich des Championats im großen Springstadion aufgebaut worden war. Die Ohren gespitzt schien Totilas mit jeder Faser die Aufmerksamkeit zu genießen, die ihm zuteil wurde. Wie ein König kam er daher. Doch schon beim ersten starken Trab ging ein Raunen durchs Publikum – der Hengst ging hinten sichtlich ungleich, trat mit einem Bein kürzer.

Die Richter läuteten aber nicht ab. Rath ritt weiter, das Gemurmel auf den Tribünen wurde lauter. Nun waren die Ohren nicht mehr gespitzt. Immer wieder kam der Hengst zu tief. Schließlich war die Aufgabe zu Ende. Das Bild des Pferdes bei der letzten Grußaufstellung, das sein verletztes Hinterbein schonte und den Kopf hängen ließ, dürfte jedem Pferdefreund im Gedächtnis geblieben sein. Es war ein unwürdiges Ende der Karriere dieser großen Pferdepersönlichkeit, die den großen Auftritt liebte und sichtlich genoss.

Rentner

Seitdem ist der Hengst im Deckeinsatz. Er wird auch noch geritten, wie Mitbesitzerin Ann-Kathrin Linsenhoff, die Stiefmutter von Matthias Alexander Rath, um Weihnachten herum per Video auf Facebook die Welt wissen ließ. Sie saß selbst im Sattel und Totilas demonstrierte, dass er nichts verlernt hat. Heute ist er nun offiziell 20 Jahre alt. Mögen ihm noch viele glückliche Jahre als aktiver Rentner vergönnt sein! Verdient hat er es!

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