Untersuchung bestätigt tierschutzwidriges Verhalten am Landgestüt Warendorf

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Landgestüt Warendorf (© Pia Kemper)

Das fürs Landgestüt Warendorf zuständige Umweltministerium NRW hatte eine Untersuchungskommission eingesetzt, die sich mit den Vorfällen im April beschäftigen sollte, bei denen unter der Aufsicht der damaligen Leiterin Kristina Ankerhold Pferde angeblich nicht tierschutzgerecht gearbeitet wurden. Besagte Untersuchungskommission hat die Vorwürfe nun bestätigt.

Die Untersuchungskommission der im April an der Deutschen Reitschule gefilmten Vorgänge setzte sich zusammen aus der Landestierschutzbeauftragten Dr. Gerlinde Dehn, Dr. Sylvia Heesen als Leiterin des Referats Tierschutz, dem Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NRW, Dr. Ralf Unna, sowie Dr. Andreas Franzky, dem Vorsitzenden der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und dem Pferdesport, besonders der Vielseitigkeit eng verbunden.

Diese vier kamen laut der Warendorfer Lokalzeitung „Die Glocke“ zu folgendem Schluss: „Das in Rede stehende Training war nicht mit den Leitlinien zum Tierschutz im Pferdesport vereinbar.“ Mehr noch, sie geben die Empfehlung: „Die im Landgestüt praktizierte Ausbildung soll vorsorglich allgemein auf den Prüfstand gestellt werden, da zumindest zum Zeitpunkt der Videoaufzeichnungen Hinweise auf eine mangelnde Sensibilität im Umgang mit und in der Ausbildung von Pferden vorliegen.“

Kristina Ankerhold, die ehemalige Leiterin des Landgestüts unter deren Aufsicht die gefilmten Ereignisse ja abgespielt hatten, hatte auf eigenen Wunsch um Versetzung gebeten. Was Ankerholds Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeht, berichtete Dr. Sylvia Heesen gestern dem Umweltausschuss in Düsseldorf neben dem Fazit von ihr und ihren Kommissionskollegen auch ihre generellen Eindrücke, die sie bei ihrem Besuch im Landgestüt gewonnen hatten. Und die sind sehr positiv.

Man habe sich die Hengste vorführen lassen, darunter auch einen, der auf dem besagten Video zu sehen war. Heesen sagt: „Wir haben gesehen, dass die Mitarbeiter professionell und vorbildlich arbeiten.“ Deshalb kommt sie zu dem Schluss, dass es kein „grundsätzliches Problem mit dem Tierschutz“ gebe.

Rechtliche Konsequenzen

Neben der vom Umweltministerium eingesetzten Kommission beschäftigen die Vorfälle auch das zuständige Veterinäramt in Warendorf. Dort hat man nach der Anzeige und Sichtung des Materials ein ordnungsrechtliches Verfahren eingeleitet. Da ein solches Verfahren aber einige Zeit in Anspruch nimmt, hat das Ministerium eine eigene Kommission eingesetzt.

Maßgeblich für die Frage, ob und wenn ja, welche Konsequenzen das Ganze haben wird, sei aber die Beurteilung durch das Veterinäramt, betonte die Umweltministerin Nordrhein-Westfalens, Ursula Heinen-Esser. Eine denkbare ordnungsrechtliche Maßnahme wäre es zum Beispiel, ein Bußgeld zu verhängen. Wenn das von den Betroffenen nicht akzeptiert werden würde, würde der Fall vor Gericht landen.

Paddocks für die Hengste und mehr

Zum Tierschutz gehört bekanntlich auch die artgerechte Haltung. Auch in dieser Hinsicht soll sich in Warendorf nun etwas tun. Auf 1800 Quadratmetern sollen elf Paddocks für die Hengste gebaut werden. Ferner entsteht derzeit eine neue Reithalle in den Maßen 30 mal 68 Meter und es soll noch eine Führanlage gebaut werden.

2026 feiert das Landgestüt NRW 200. Geburtstag. Bereits beim Antrittsbesuch des nun bestellten Interimsleiters, Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann, war betont worden, wie hoch man die Bedeutung des Landgestüts für die Region und das Land einschätze. In dieses Bild passt auch die Initiative des Umweltministeriums, einen Prozess „Zukunftsperspektive Landgestüt“ in die Wege zu leiten, bei dem laut Glocke „grundsätzliche Fragen zur zukünftigen Ausrichtung und Positionierung“ der Traditionseinrichtung geklärt werden sollen.

Stimmen zum Thema

Im Rahmen der gestrigen Sitzung des Umweltausschusses meldeten sich auch Vertreter anderer Parteien zu Wort. Annette Watermann-Krass von der SPD fand es beispielsweise „verwunderlich“, warum nicht auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) an der Arbeit der Untersuchungskommission beteiligt worden sei. Das wäre aus ihrer Sicht „essenziell für eine transparente Aufarbeitung“ gewesen.

Und Norwich Rüße von den Grünen sprach vom Landgestüt Warendorf als einem „Kleinod ländlicher Kultur“, das einen „absoluten Vorbildcharakter“ haben müsse. In dieser Hinsicht sei die zunächst angedachte Zusammenarbeit mit dem dänischen Pferdehändler Andreas Helgstrand „befremdlich“. Rüße wörtlich: „Ich finde es mehr als verwunderlich, dass man ausgerechnet mit einem der umstrittensten Reiter der Szene eine Zusammenarbeit angestrebt hat.“

Die Angelegenheit Helgstrand, so kündigte die Umweltministerin Ursula Heinen-Esser an, werde von Dr. Bottermann noch einmal „komplett aufgearbeitet“ werden. Auch die Frage, wieso Ankerhold sich überhaupt die Ausbildung der Hengste übernommen hat, werde noch einmal thematisiert werden.

Überhaupt gehe es nun auch darum zu schauen, welche „Strukturen im und um das Landgestüt“ dazu geführt haben, dass nun die zweite Leiterin in Folge vorzeitig aus dem Amt geschieden ist, betont Heinen Esser.

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  1. Roland S.

    Das Verfahren gegen die ursprüngliche Leiterin Susanne Schmidt würd eingestellt. Manche sagen, sie wurde Opfer einer Intrige. Vielleicht bekommt Sei eine weitere Chance? Über ihre fachliche Eignung gab es ja nie Zweifel.

  2. Carmen Fischer

    Nun, da ich nie ein Video gesehen habe, kann ich mir auch kein Urteil bilden…..aber ich würde gerne, also warum hört man nur 2. Stimmen ohne die Quelle zu sehen.
    Ich komme mir vor wie in der Corona Affaire, ich soll den Meinungen von „Experten“ glauben, ohne die Rohdaten zu erfahren.
    Das läuft nicht, werte Damen und Herren. Ich glaube keinem „Experten“ mehr.
    Ich möchte die Beweise sehen!


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