DM Balve 2017 – Deutsche/r Meister(in) Springreiten: Simone Blum

Reitsport, Pferdesport

Erinnerungen an den Sommer: Simone Blum und Alice auf dem Weg zum Deutschen Meister-Titel in Balve 2017. (© von Korff)

2016 war sie noch die Championesse der Amazonen, nun tritt Simone Blum in die großen Fußstapfen von Meredith Michaels-Beerbaum.

Die Deutsche Meisterschaft im Springreiten endeten mit einer Sensation: Erst zum zweiten Mal gelang es mit Simone Blum einer Frau, in der „gemischten“ Meisterschaft den nationalen Titel zu gewinnen. Die erste war Meredith Michaels-Beerbaum im Jahre 2008 gewesen. Die 28-jährige Simone Blum, die im vergangenen Jahr Deutsche Meisterin bei den Springreiterinnen geworden war, zog es auf Anraten von Bundestrainer Otto Becker vor, ihren Titel in der offenen Konkurrenz zu verteidigen und das gelang ihr zu ihrer eigenen Überraschung souverän und sicher. Lediglich 0,25 Zeitstrafpunkte aus dem ersten Umlauf der ersten Wertung am Freitag schlugen am Ende für Blum und die zehnjährige Askari-Tochter Alice (Zuchtverband Deutsches Sportpferd) zu Buche; in den vier schweren Viersterne-Kursen der beiden Wertungen fiel keine einzige Stange.

„Ich war sehr aufgeregt, aber ich habe versucht, das mein Pferd nicht merken zu lassen. Vor der letzten Runde dachte ich: Wir haben drei tolle Nullrunden hingelegt, alles, was jetzt noch kommt, ist obendrauf.“ Obendrauf kam vor allem ein unfreiwilliges Bad im Wassergraben, denn die Podiumsnachbarn Holger Hetzel (Silber) und Rolf Moormann (Bronze) ließen alle Gentlemen-like Zurückhaltung vermissen und beförderten die neue Meisterin erbarmungslos ins kalte Nass. Auch sportliche Gleichberechtigung hat halt ihren Preis.

„Ich habe mit Alice ein absolutes Ausnahmepferd“, sagte Blum. „Sie ist der Star unseres Stalles. Balve ist ihr Platz, es lief perfekt für uns. Die Parcours von Frank Rothenberger waren knifflig, aber schön gebaut. Anspruchsvoll aber fair.“ Auf den Frage, ob ein Ausnahmepferd wie Alice nicht Begehrlichkeiten wecke, konnte Simone Blum sagen: „Das Pferd gehört uns, und meine Eltern wollen es nicht verkaufen.“ Vater Jürgen Blum, früher ein internationaler Vielseitigkeitsreiter, darf übrigens nicht vor Ort sein, wenn die Tochter ein wichtiges Turnier bestreitet. „Er bringt mir einfach kein Glück, aber ich glaube, er bleibt auch gerne zuhause.“

Der Kukuk hat’s dann doch nicht geholt

Mit ihrer makellosen Runde im B-Parcours der zweiten Wertung konnte Simone Blum den bis dahin führenden Christian Kukuk gewaltig unter Druck setzen. Er hatte den Sieg noch in der Hand. Sein Arbeitgeber Ludger Beerbaum war eigens angereist, um seinen Stalljockey zu coachen. Mit dem wie ein wahres Weltpferd springenden westfälischen Schimmelhengst Colestus v. Cornet Obolensky ritt Kukuk, bis dahin noch mit dem Idealergebnis von null Fehlern, als letzter Starter ein. Doch die Nerven hielten nicht, am vorletzten Sprung gab es einen Abwurf, einen weiteren am letzten Hindernis. Mit insgesamt acht Fehlerpunkten endete Kukuk auf Rang elf.


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Wiederholungstäter zwei …

Die Silbermedaille ging wie 2015 an den 57-jährigen Holger Hetzel auf dem 13-jährigen Holsteiner Limbus-Sohn Legioner, auch er ohne Abwurf in allen vier Kursen, aber mit 0,75 Strafzeitfehlern belastet. „Ich habe sehr gezielt auf die DM hingearbeitet“, sagte Holger Hetzel, „mein Pferd ist sensationell gesprungen. Ich hatte ja zwei Pferde am Start, und das war ein ganzes Stück Arbeit, vier schwere Kurse an einem Nachmittag. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste.“

… und drei

Die Bronzemedaille sicherte sich wie schon 2012 Rolf Moormann, diesmal auf dem zehnjährigen hannoverschen Stolzenberg-Sohn Samba de Janeiro. Seine vier Strafpunkte hatte er im ersten Parcours am Freitag gesammelt, von da ab blieb alles liegen. „Ich habe Samba langsam aufgebaut, er ist erst relativ spät, erst mit sieben Jahren in den Sport gekommen. Ich hatte vor, unter die ersten zehn zu kommen, die Bronzemedaille ist natürlich phantastisch.“

Gleichauf mit Moormann, mit vier Punkten auf dem Konto, lag Marco Kutscher auf der elfjährigen Chacco Blue-Tochter Chaccorina, Sieger der ersten Wertung. Aber für die Meisterschaftswertung zählte laut Reglement am Ende das bessere Tagesergebnis der zweiten Wertung, und das hatte mit einer schnelleren Zeit im B-Kurs Rolf Moormann, sodass für Kutscher Rang vier blieb.

Wulschner ist Prüfungssieger

Sieger der zweiten Wertung, die ja getrennt von der Meisterschaft gerechnet wird, war Holger Wulschner auf dem zwölfjährigen Holsteiner Casall-Sohn Cha Cha Cha, einer von vier Doppelnullern, mit der schnellsten Zeit im B-Kurs. Ingesamt reichte es Wulschner nach zwei Abwürfen in der ersten Wertung für Rang 10. Von ursprünglich 42 Reitern waren 17 im letzten Kurs noch dabei. Der Championatskader fehlte bis auf Marco Kutscher und Patrick Stühlmeyer bei dieser DM völlig, da zur selben Zeit das lukrativere Global Champions Springen in Cannes ausgetragen wurde.

Beckers Beste Damen

Besonders erfreut war Bundestrainer Otto Becker über das gute Ergebnis der beiden Reiterinnen Laura Klaphake, Amazonen-Meisterin, und Simone Blum. Beide werden in Aachen starten dürfen. „Zur Zeit werden ja die Karten neu gemischt“, sagte er. „Bewährte Paare sind weggefallen, jetzt müssen wir sehen, wer neu kommt oder wer von den Alten wiederkommt.“

Viel Lob erhielt das Veranstalter-Team um Rosalie von Landsberg-Velen für eine weitere Deutsche Meisterschaft, bei der alles stimmte, der Boden, die Bedingungen für Reiter und Pferden und die Gastfreundschaft der Grafenfamilie Landsberg. „Wenn man hier gewinnt, erfahren es alle“, sagte Simone Blum. Die Deutsche Meisterschaft ist mindestens bis zum Jahr 2020 in Balve festgeschrieben. „Wir sind unendlich dankbar und freuen uns jedes Jahr auf diese Meisterschaft“, sagte Holger Hetzel.

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  1. Andreas Apsel

    Super Leistung von Simone Blum und ihrer Askari-Stute, alle Achtung vor der Leistung von Holger Hetzel, sehr unglücklich für Christian Kukuk und Colestus.
    Auch sehr gute Leistung von Michael Kölz und FST Dipylon und Daria (immerhin schon 19 Jahre alt).


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