DM Riesenbeck: Zweiter Titel für Philipp Weishaupt

RIESENBECK – Int. Deutsche Meisterschaften Springen 2020

Philipp Weishaupt sprang mit Asathir zum Titel bei den Deutschen Meisterschaften der Springreiter 2020 in Riesenbeck. (© Stefan Lafrentz)

Zum zweiten Mal nach 2009 wurde Philipp Weishaupt in Riesenbeck Deutscher Meister im Springreiten. Nach zwei makellosen Runden auf der 13-jährigen Asathir in den beiden Drei-Sterne-Qualifikationen‚ ging er mit null Fehlerpunkten – und damit idealen Voraussetzungen – in das Finalspringen der zwölf Besten, diesmal auf Vier-Sterne-Niveau.

Als letzter Starter durfte Philipp Weishaupt sich gleichwohl keinen Abwurf erlauben. Nur 1,25 Punkte hinter ihm lauerte Maurice Tebbel mit dem elfjährigen Diarado-Lord Lancer-Sohn Don Diarado, der mit der Silbermedaille um den Hals zum ersten Mal bei den Senioren auf dem Treppchen stand. Dritter wurde der Sieger von 2018, Mario Stevens auf dem Lord Pezi-Nachkommen Landano, der zwar auch fehlerfrei blieb, aber aus den Qualifikationen 4,5 Strafpunkte mitbrachte. Marcus Ehning auf dem 17-jährien, sehr frisch und sportlich wirkenden Warendorfer Landbeschäler Cornado v. Cornet Obolensky-Acobat I konnte auch mit einer Nullrunde eine Medaille nicht mehr retten, 5,50 Minuspunkte standen aus den Vorrunden zu Buche – Platz vier.

Philipp Schulze-Topphoff auf der zehnjährigen westfälischen Schimmelstute Concordess, vor dem Finale mit 1, 75 Punkten noch in Titelnähe, fiel nach zwei Abwürfen quasi wieder vom Treppchen. Enttäuschend endete die Meisterschaft auch für Titelverteidiger Felix Haßmann und seinen 15-jährigen Cayenne v. Claudio-Ramirado, der als bester Deutscher in der ersten Wertung so vielversprechend begonnen hatte. Mit insgesamt 15 Fehlerpunkte, davon zwei Abwürfe im Finale, wurde er Zwölfter.

Volle Konzentration auf die Meisterschaft

Stefan Lafrentz

Das Podium bei den Deutschen Meisterschaften der Springreiter 2020 (v.l.n.r.): Maurice Tebbel, Philipp Weishaupt und Mario Stevens. (© Stefan Lafrentz)

„Natürlich hatten wir uns hier zuhause einiges vorgenommen“, strahlte Philipp Weishaupt nach seinem Sieg. „Wir hatten uns gut vorbereitet, aber alle anderen natürlich auch.“ Normalerweise sei die Deutschen Meisterschaft von Vier- und Fünfsterne-Turnieren umgeben, diesmal habe man sich voll konzentrieren können. Die Diamant de Semilly-Tochter Asathir steht ihm in der Zukunft weiter zur Verfügung, bisher musste er sie zwischendurch immer wieder ihrem saudischen Besitzer Kamal Abdullah Bahamdan überlassen. „Sie ist wirklich ein außergewöhnliches Pferd, das weiß jeder aus der Branche. Im nächsten Jahr, das könnte was werden,“ sagt er wohl auch im Hinblick auf Tokio 2021. Aber das ist noch weit weg. Kommenden Dienstag wird Weishaupt erstmal wieder im Sattel seiner Vierjährigen beim Late Entry-Turnier in Riesenbeck sitzen. „Das macht genauso viel Spaß, die jungen Pferde auszubilden.“

Stefan Lafrentz

Maurice Tebbel und Don Diarado (© Stefan Lafrentz)

Maurice Tebbel hatte nach seinem Abwurf in der ersten Wertung schon nicht mehr mit einer Medaille gerechnet und freute sich, dass er am Ende das Feld von hinten aufrollen konnte. „Ich hätte nie gedacht, dass es für Platz zwei reicht.“ Wie fast alle lobte er den neuen Modus dieser DM mit zwei Fehlerzeit-Springen und einem Finale, bei dem bei Fehlergleichheit um die Medaillen hätte gestochen werden müssen. „Dadurch, dass man von Anfang an auf die Zeit achten muss, wurde das Starterfeld ein bisschen aufgemischt“.

Stefan Lafrentz

Mario Stevens und Landano OLD (© Stefan Lafrentz)

Bronzemedallist Mario Stevens freute sich besonders, dass er auf einem selbstgezogenen Pferd saß. „Das ist eine unglaubliche Leistung für unsere Familie, zumal Landano nach einer Verletzung in Neumünster im Februar eine lange Pause hatte und jetzt dreimal null ging. Unglaublich.“

Der Blick geht Richtung Olympia

Auch Bundestrainer Otto Becker war mehr als zufrieden. Er sprach von „sensationellem Sport“ in den beiden Zwölfer-Finals. Die Tatsache, dass das Gros der Pferde im Laufe des Turniers immer besser sprang, rechnete er auch Parcourschef Peter Schumacher an. Die Kurse waren technisch anspruchsvoll und hoch, aber nicht übertrieben, sodass Null- und Vierfehlerritte die Ergebnislisten dominierten. Für Becker war es auch ein Test für die kommende Saison, die ja eine olympische sein soll. Allerdings hatten die Reiter des Olympiakaders ihre Top-Pferde nicht mitgebracht. „Deswegen hoffen wird, dass wir im Februar oder März ein paar Turniere reiten können, damit die Paare fit sind, wenn es wieder los geht.

Am Ende konnte sich Hausherr Ludger Beerbaum über das viele Lob freuen, das ihm von allen Seiten entgegengebracht wurde. Immerhin hatte er 230.000 Euro Preisgeld zusammengebracht und auch sonst alles getan, um auch ohne Zuschauer eine würdige Meisterschaft auszurichten. „Wir hatten außergewöhnlichen Sport in einer ungewöhnlichen Atmosphäre. Trotz der strengen Reglementierung durch die Hygienevorschriften freuen wir uns wirklich, in einem international hochkarätigen Feld zwei Deutsche Meister gekürt zu haben.“

Lynch gewinnt Großen Preis von Riesenbeck

Stefan Lafrentz

Der Ire Denis Lynch gewann mit Chopin’s Bushi das CSI3*-Springen von Riesenbeck – und damit rund 18.000 Euro Preisgeld. (© Stefan Lafrentz)

Der Große Preis von Riesenbeck, zugleich zweite Finalqualifikation für die Deutsche Meisterschaft im Springreiten, ging an den Iren Denis Lynch auf den KWPN-Wallach Chopin’s Bushi v. Contendro II. Mit 64,02 Sekunden blieb er der Schnellste der 15 Reiter, die den Kurs von Peter Schumacher fehlerfrei meisterten. Da es kein Stechen gab in dem auf Dreisterne-Niveau ausgeschriebenen Grand Prix mit Hindernissen bis 1,55 Meter, musste von Anfang an sehr flott geritten werden.

„Es war ein anspruchsvolles Springen“, sagte Lynch nach seinem Sieg, „aber ich habe ein schnelles, erfahrenes und intelligentes Pferd. „Ich habe ihn gut vorbereitet, damit er heute schnell rennt.“ Das tat Bushi dann auch. Bereits in den letzten Wochen überzeugte er durch seine gute Form, der Aufstieg begann nach dem Weltcup-Sieg im Januar 2020 in Leipzig. In Lynch scheint Bushi nun seinen Meister gefunden zu haben, dieser ist bereits der siebte Reiter, der den Dunkelbraunen international vorstellt. Er bekommt jetzt eine Weihnachtspause mit wenigen Sprüngen, viel Weidegang und Spazierenreiten. „Er muss sich mental wohlfühlen, dann gibt er alles“, ist Lynch überzeugt.

Anderthalb Sekunden mehr als der Sieger (0/65,42) benötigte Maurice Tebbel auf dem elfjährigen Diarado-Sohn Don Diarado, als bester Deutscher auf Platz zwei, gefolgt von fünf Landsmännern, die sich alle für die Finalrunde am Nachmittag der zwölf Besten qualifizieren konnten. Auch die Olympiakaderreiter Daniel Deußer und Christian Ahlmann waren am Ende nicht mehr dabei. Beide hatten allerdings auch nicht ihre ersten Pferde mit.

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