SPRINGEN Enttäuschendes Aus: Kein deutscher Springreiter im Finale

Bester vorm Finale

(© Pauline von Hardenberg)

Ein einziger Abwurf von Cornet d’Amour an einem Oxer warf Daniel Deußer, den letzten deutschen Springreiter mit Finalchance, auf Platz sechs zurück und damit aus dem Finale der besten Vier mit Pferdewechsel. Das ist aber auch ohne deutsche Beteiligung prominent besetzt, von der Weltcupsiegerin bis zum Olympiasieger.

Nach dem A-Kurs machte sich noch verhaltener Optimismus im deutschen Lager breit, mit einer sicheren Nullrunde setzte sich Daniel Deußer auf Platz vier und war damit schon fast im Finale, eine Nullrunde im B-Kurs vorausgesetzt. Daraus wurde nichts, ein Abwurf am drittletzten Hindernis, ein Steilsprung vor der dreifachen Kombination (Triplebarre, Steil, Steil), der nur dieses einzige Mal einen Fehler verursachte, erschlug alle Medaillenhoffnungen und warf Deußer auf Platz sechs zurück. Das deutsche Lager versank in Deprissionen. „Es ist sicher keine Katastrophe, Sechster bei einer WM zu werden, aber die Enttäuschung ist zunächst mal groß“, so Deußer knapp.

Nur Marcus Ehning war sichtlich glücklich mit der herrlichen Nullrunde, mit der sich der elfjährige westfälische Landbeschäler Cornado v. Cornet Obolesky aus Caen verabschiedete und auf Platz zehn endete. Ein hervorragendes Ergebnis für den Championatsdebütanten. Auch der 19-jährige Ire Bertram Allen, der Überraschungssieger des ersten Tages, kann mit Platz sieben mehr als zufrieden sein, seine Kannan-Tocher Molly Malone musste gestern nur einen Zeitfehler hinnehmen, blieb ansonsten Null.
Beachtlich auch die Runden von Scheich Ali bin Khali Al Thani aus Katar auf der von seinem Trainer Jan Tops erworbenen Holsteiner Stute Vienna Olympic v. Cassini-Contender, die siebenjährig noch unter Daniel Deußer ging, der nur im allerletzten Kurs zwei Abwürfe hinnehmen musste, ansonsten fehlerfrei oder mit lediglich einem Abwurf aus dem Kurs kam. Platz 14 von 153 Reitern ist die beachtliche Ausbeute.

Im Finale werden morgen vier Reiter antreten, die alle seit Jahren im internationalen Sport eine Rolle spielen. Ein tolles Quartett, leider ohne Deutschland. In Führung mit 4,08 Punkten, und schon Meister, wenn es keinen Pferdewechsel gäbe, ist der Franzose Patrice Delaveau auf dem zwölfjährigen Selle Français Hengst Orient Express v. Quickstar-Le Tot de Semilly. Im ganzen Verlauf der WM hat der Hengst nur einen einzigen Fehler, im zweiten Umlauf des Nationenpreises, kassiert. Delaveau stand unter immensem Druck der begeisterten Anteilnahme der französischen Zuschauer, und das wird morgen auch so sein. Die erste Runde kostete die 21.000 Zuschauer, geschätzt über 90 Prozent davon Franzosen, Nerven: Häufig wich der Hengst von der Linie ab, mehr als einmal musste Delaveau drücken und auf die Sprungkraft seines Pferdes vertrauen.

Weltmeisterlich von der ersten Runde an ritt die US-Amerikanerin Beezie Madden auf Cortes v. Randel Z, mit 4,16 Punkten bisher Zweite. Sie war schon in Aachen 2006 beim Pferdewechsel dabei, wo sie am Ende Zweite hinter Jos Lansink wurde. Sie ist also die einzige mit Finalerfahrung und wird sich heute abend einige Videos von den anderen Pferden angucken, wie auch Rolf-Göran Bengtsson, bisher mit 4.34 Punkten Dritter. „Ich werde versuchen, so viel wie möglich, auch per Video, über die anderen Pferde erfahren“, sagte er. Von Anfang an einer der überragenden Reiter dieser Spring-WM hing seine Finalteilnahme nach einem groben Fehler des Holsteiner Hengstes Casall am seidenen Faden. „Er hat ja die Stange nicht nur leicht berührt, sondern einen richtigen Fehler gemacht, deswegen war ich etwas besorgt, was er am nächsten Oxer machen würde. Ob er da wieder so komisch abspringt, aber zum Glück blieb er bei mir.“

Jeroen Dubbeldam, Olympiasieger 2000 aus den Niederlanden, hatte seine Finalträume schon begraben, er begann den Tag von Platz zwölf aus. Ich musste auf die Fehler der anderen warten, das ist nicht sehr nett, aber so war es nun mal. Seine Vorbereitung nimmt er locker: „Ich habe die anderen Tage immer viel gegrübelt, heute abend lieber etwas weniger“, sagte Dubbeldam, der vor drei Tagen bereits mit der niederländischen Equipe Mannschaftsweltmeister geworden war.

Parcourschef Fréderic Cottier war am Ende hoch zufrieden mit dem Ergebnis: „Die vier Reiter, hier sitzen, wurden nicht ausgelost. Es sind vier große Champions, die sich aus fast 160 Startern herauskristallisiert haben. Die haben am besten dem Druck standgehalten, denn viele Fehler wurden aufgrund des Drucks gemacht, unter dem die Reiter standen.“ Zu seinen Plänen für den Parcours morgen sagte Cottier: „Es gibt genaue Vorschriften, ich werde also nichts Neues erfinden. Es sind acht Sprünge, aber für die Pferde, die ja viermal gehen müssen, ist es dennoch ein Marathon.“

Für Diskussionen vor allem im deutschen Lager sorgten Ludger Beerbaum und Christian Ahlmann verzichten auf den Rest der WM“ href=“https://www.st-georg.de/?p=46799″>der Rückzug von Ludger Beerbaum und Christian Ahlmann von der dritten Wertung. Beerbaum, als 30. gerade noch reingerutscht und damit praktisch ohne Finalchance, wollte seiner Stute Chiara nicht noch zwei schwere Runden zumuten. „Dafür hatte ich das Gefühl, war sie nicht fit genug“, so Beerbaum, der unter dem Jubel der Zuschauer in fließendem Französisch vor der zweiten Runde den Veranstaltern seinen Respekt im Stadioninterview gezollt hatte.

Ahlmann auf Codex One mit 5,32 Punkten weniger als ein Springfehler vom vierten Platz entfernt, gab an, er hätte auf die Fehler der anderen warten müssen. Das hätte sich, wie das Beispiel Dubbeldam zeigt, durchaus lohnen können. In der kommenden Woche wird der Sieger im Großen Preis von Aachen versuchen in Calgary im Grand Slam noch einen draufzusetzen und 500.000 Euro als Zusatzprämie zu gewinnen. „Ich kann das einerseits verstehen, andererseits bin ich sehr unglücklich über die Situation und wäre hier lieber mit allen vier Reitern angetreten. Aber die Entscheidung muss letztlich jeder Reiter selbst treffen“, sagte Bundestrainer Otto Becker. Der bleibt noch in Caen, wird morgen beim ZDF als Interviewpartner zu hören sein. Der Rest ist schon auf der Autobahn, das Unternehmen WM 2014 ist Geschichte.

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