BuCha 2019: Start-Ziel-Sieg für Saniola bei den vierjährigen Stuten und Wallachen

Bundeschampionate 2019

Saniola, unter Nicole Wego Bundeschampionesse der vierjährigen Stuten und Wallache 2019. (© www.equitaris.de/Gesina Grömping)

Als Siegerin der Qualifikation war Saniola mit Nicole Wego ins Finale mit Fremdreitertest der vierjährigen Stuten und Wallache beim Reitpferde-Bundeschampionat 2019 eingezogen. Als Bundeschampionesse verließ sie den Ort des Geschehens.

Schon seit 2018 gibt es bei den dreijährigen Reitpferden keinen Fremdreitertest mehr, dafür werden bei den Vierjährigen alle Pferde noch einmal von einem reitenden Richter angefühlt – und zwar nicht mehr im Rahmen eines zweiten Auftritts am Finaltag wie bisher, sondern direkt im Anschluss an die Prüfung unter dem eigenen Reiter. Die Rolle Unparteiischen im Sattel hatte dieses Jahr Laura Strobel übernommen, die ja selbst schon zu den Medaillengewinnern auf dem Reitpferdeviereck beim Bundeschampionat zählte.

Eine 8,8 hatte die Hannoveraner Stute Saniola v. San Amour-Fürst Romancier (Z.: Gestüt Lewitz, B.: Hof Kasselmann) unter Nicole Wego in der Qualifikation von den Richtern erhalten, eine 8,8 war auch die Note, die sie zur Bundeschampionesse 2019 machte.

Die Stute hat viel von ihrem Vater San Amour mitbekommen, sowohl optisch als auch hinsichtlich des Bewegungsablaufes. Am Anfang der Prüfung hatte sie im Trab noch etwas Probleme, ihren Takt zu finden, fing sich dann aber, als es ans Aussitzen ging und bewegte sich dann schon sehr ausbalanciert. Viel Fleiß und Energie kennzeichnen die schwunghaften Gangarten, wenngleich die Stute beim Tritte Verlängern auch etwas eilig wurde. Das sahen auch die Richter so, merkten aber an, dass das im Verlauf der Prüfung besser wurde, und gaben eine 8,5.

Ein Highlight bei der Stute ist der Galopp – immer im Bergauf mit weitem Durchsprung, einem schnellen äußeren Hinterbein und bereits sehr sicher auf dem Hinterbein ausbalanciert. 9,5 lautete hier die Bewertung.

Der Schritt steht den schwunghaften Grundgangarten qualitativ in nichts nach: klar geregelt, gut durch den Körper mit gutem Vor- und Übertritt, 9,0.

Die Benotung für die altersgemäße Erfüllung der Skala der Ausbildung wird im Finale von Richtern und dem jeweiligen Fremdreiter zusammen vergeben. In der Qualifikation hatte es hier noch eine 9,5 gegeben für Saniola, diesmal wurde es ein glattes Sehr gut. Peter Olsson, der für die Richter kommentierte, lobte Losgelassenheit, Stellung und Biegung sowie die bereits sicher ausgeprägte Selbsthaltung.

Für eine Typnote über 8,0 hätten die Richte sich eine etwas harmonischere Anbindung der Hinterhand gewünscht. Aber alles in allem lobten sie den „modernen Stutentyp“ von Saniola, die schließlich mit der Schärpe des Bundeschampions vom Platz trabte.

Silber an Dark Diamond HM

Auch auf den Medaillenplätzen hat sich im Vergleich zur Qualifikation nichts getan. Die Silbermedaille ging nach Westfalen, an Dark Diamond HM v. Dante Weltino-Londonderry aus der Zucht und im Besitz der Familie Stuhldreier, vorgestellt von Wibke Hartmann-Stommel.

Dark Diamond ist ein hoch sympathisches Pferd, aufmerksam, willig, stabil in der Anlehnung, bereits sehr gut ausbalanciert mit fleißigem Hinterbein, Gummi und Elastizität. Ein rundum solides gutes Reitpferd, das in allen Bereichen eine 8,5 erhielt und dank der 9 im Trab am Ende eine 8,6.

Nochmal L-Blut auf der Mutterseite

Wenn es in diesem Reitpferde-Finale etwas gab, was in züchterischer Hinsicht ins Auge stach, dann war es, dass drei Pferde das Blut des Celler Vollblüters Lauries Crusador xx auf der Mutterseite führten, zwei davon gewannen eine Medaille.

Denn neben Dark Diamond, deren Muttervater Londonderry ja ein direkter „Laurie“-Sohn ist, führt auch der Bronzemedaillengewinner Costa Brava diesen Veredler über seine Mutter im Pedigree. Costa Brava ist ein Sohn des Christ aus einer Mutter v. Londontime-Donnerschwee-Compliment. Er ist also ein Ururenkel des Lauries Crusador xx.

Zur Welt kam der Hannoveraner Costa Brava auf dem Branken Hof. Inzwischen gehört der schicke Rappe der Exclusive Equest S.L., für die Kira Wulferding ihn vorstellte. Taktsicher, losgelassen, fleißig und mit gutem Raumgewinn in allen drei Grundgangarten gab es hier überall eine 8,5. Aufgrund seiner Bereitschaft, stets „gut bis sehr gut“ mitzuarbeiten, erhielt er im Bereich Durchlässigkeit sogar eine 9,0. Zusammen mit der 8,0 für den Typ und die Qualität des Körperbaus kam er auf deine Endnote von 8,5.

Die weiteren Platzierten

Die Medaillenränge knapp verpasst hatte mit einer 8,4 die rheinische Vivaldi-Sandro Hit-Tochter Vanity Fair aus der Zucht der ZG Wencek und im Besitz der Rhenania Pferde GmbH. Sehr schön vorgestellt wurde die Fuchsstute von dem Portugiesen Carlos Manuel Valerio Caetano.

Die höchste Trabbewertung des Tages (9,5) hatte die fünftplatzierte Westfalen-Stute Scarlett O’Hara erhalten. Die Tochter des inzwischen kastrierten Scuderia war über Muttervater Laurentianer das dritte Pferd mit Lauries Crusador xx-Blut auf der Mutterseite. Züchter und Besitzer von Scarlett O’Hara ist Winfried Albers, im Sattel saß Kira Wegmann. Das gerade Vorderbein der Stute mag vielleicht nicht der heute modernen Vorstellung von „Knieaktion“ entsprechen, aber wenn es gepaart mit so viel Schulterfreiheit, Losgelassenheit, Balance, Elastizität, Fleiß, Takt und naturgegebener Kadenz daherkommt wie bei Scarlett O’Hara, kann man die Richter sehr gut verstehen, die von „bedeutender Trabarbeit“ sprachen. Zudem begeisterte die Stute mit ihrem auch von außen erkennbaren Eifer. Die Ohren immer gespitzt drehte sie ihre Runden, schien aber trotzdem jederzeit aufmerksam den Hilfen ihrer Reiterin zu lauschen. Vielleicht war sie für ihre vier Jahre schon eine Idee zu hoch eingestellt.

Das galt auch für das Pferd auf Rang sechs, den in Bayern gezogenen DSP-Wallach Danny Cool v. Danciano-Sandro Hit (Z.: Christine Sappl), der unter Lisa Horler ging. Der Rappe steht noch sehr in der Entwicklung, ist schmal und leicht. Aber wenn er sich in Bewegung setzt, begeistert er mit leichtfüßiger Erhabenheit, einer natürlichen Bergauftendenz und raumgreifenden Bewegungen in allen Grundgangarten. Auch bei ihm hätte man sich allerdings einen etwas flacheren Hals aus dem Widerrist heraus gewünscht in der Aufgabe.

Finalist Nummer sieben war der viertplatzierte der Qualifikation: der Holsteiner Quaterback-Carpaccio-Sohn Quiraz (Z.: Anja Nygaard), den Markus von Holdt präsentierte. Der sympathische Braune zeichnet sich durch einen guten Grundschwung und Raumgriff in allen Grundgangarten aus, neigte allerdings (noch?) dazu, gelegentlich mit der Hinterhand auszuweichen und im Galopp breit zu werden. 8,0 lautete die Endnote, Platz sieben.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.