Dr. Werner Schade gegen Hannoveraner Verband: Shivering-Hengst führte zur Kündigung

Hannoveraner Verband-Dieta-Denkmal

(© www.st-georg.de)

Fortführung vermutlich im Januar: Noch ist keine Entscheidung in der Klage von Dr. Werner Schade gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, den Hannoveraner Verband gefallen. Im Prozess wurde nun aber erstmals klar, was zu der außerordentlichen fristlosen Kündigung des ehemaligen Geschäftsführers und Zuchtleiters geführt hat: Vorkommnisse um einen wegen Shivering reklamierten Hengst der Körung 2018.

Vorm Arbeitsgericht Verden war gestern Prozessauftakt. Dr. Werner Schade hatte gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber geklagt. Der Hannoveraner Verband hatte Schade im Mai außerordentlich fristlos gekündigt. Dem waren turbulente Monate vorausgegangen, in denen unter anderem eine Strukturkommission etabliert wurde. Sie soll klären, wie der der größte deutsche Warmblutzuchtverband zukünftig arbeiten wird. Dies betrifft vor allem auch die Größe des Vorstands. Außerdem ist bereits beschlossen, dass Hannover mittlerweile Geschäftsführung und Zuchtleitung nicht mehr nur mit einer Person besetzen. So war vor kurzem bekannt geworden, dass der bisherige Zuchtleiter des Westfälischen Pferdestammbuchs, Wilken Treu, zukünftig als Geschäftsführer in Verden fungieren wird.  Uli Hahne ist seit der Trennung von Dr. Schade bereits Zuchtleiter in Hannover.

Vorgehen mit Shivering-Hengst von Körung 2018 wird Dr. Schade zur Last gelegt

Die außerordentliche fristlose Kündigung im Mai war für viele Beobachter überraschend gekommen. Die Frage, was konkret den Vorstand des Hannoveraner Verbandes zu dieser drastischen Freisetzung bewegt hat, war bislang ungeklärt. Mit dem gestrigen Prozessauftakt vor dem Arbeitsgericht Verden ist dies nun klar. Schade wird seitens des Hannoveraner Verbandes zur Last gelegt, bei der Reklamation eines 2018 gekörten Hengstes eigenmächtig gehandelt zu haben. Das berichtet die Kreiszeitung Verden.

Demnach soll ein Hengst, der für 120.000 Euro nach Norwegen verkauft wurde, wegen des Shivering-Syndroms reklamiert worden sein. Die Skandinavierin habe den Hengst spontan gekauft. Deshalb habe sie sich im Vorfeld nicht über den Gesundheitszustand des Rappen informiert. Sie habe den Hannoveraner in Dänemark auf einer Hengststation decken lassen wollen. Anders als in Deutschland sind in Dänemark Hengste, die an der Zitterkrankheit leiden, nicht für die Zucht zugelassen. Deswegen sei der Hengst reklamiert worden. Da es sich bei der Norwegerin, deren Name nicht genannt wurde, um eine gute Kundin in Verden handelte, habe der Vorstand der Reklamation zugestimmt. Dr. Werner Schade soll während diverser Telefonate mit Vorstandsmitgliedern und auch mit Verbandspräsident Hans-Henning von der Decken den Vorfall diskutiert und ein entsprechendes Schreiben verfasst haben. Unter dieses habe er dann eine Faksimile-Unterschrift von der Deckens gesetzt.

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Von der Decken sagte lt. der Kreiszeitung vor Gericht aus, Schade habe den Vertrag nur „grob umrissen“. Er habe das Schriftstück aber noch „schwarz auf weiß“ sehen wollen. Schade hingegen sagte dem Gericht, er sein „in dem festen Glauben gewesen, das Einverständnis zum Abschluss des Vertrages zu haben“. Daraufhin sei das Schreiben mit der Faksimile-Unterschrift nach Skandinavien geschickt worden. So sei auch in anderen Fällen zuvor in durchaus rechtlich bindenden Angelegenheiten vorgegangen worden.

Schade kämpft um seinen guten Ruf

Der vorsitzende Richter Dr. Klaus Rinck hatte die beiden streitenden Parteien zunächst gefragt, ob ihnen an einem Vergleich gelegen sei. Im Raum stand ein „sehr gutes Zeugnis“ für Schade sowie eine Zahlung von 100.000 Euro. Diese Idee quittierte Schade mit einem Kopfschütteln. Seine Anwältin machte deutlich, dass es ihrem Mandanten vor allem um eine Wiedergutmachung seines Rufes ginge. Das Verfahren soll vermutlich Anfang kommenden Jahres fortgeführt werden.

 

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