Hannoveraner Körung Dressur 2022: 31 gekörte und neun prämierte Hengste

Hannoveraner Körung Dressur 2022

Die Niedersachsenhalle in Verden bei der Hannoveraner Körung Dressur 2022 (© www.st-georg.de)

Bei der Hannoveraner Körung der Dressurhengste erzielten 31 Hengste ein positives Körurteil. Einem Kandidaten wurden die Vatertierqualitäten zwar attestiert, aber die Hoden waren noch nicht ausreichend entwickelt. Die Zeit wird aus ihm den 32. „gekörten“ machen. Neun Hengste wurden prämiert, auffällig viele junge Väter fanden sich in den Abstammungen der Hoffnungsträger für den Pferdezuchtverband, der in diesem Jahr sein 100. Jubiläum gefeiert hat.

Hengste, die auf zehn Stammväter zurückgingen, konkurrierten bei der Hannoveraner Körung Dressur um die Zuchtzulassung. Streng genommen sind es neun. Aber Furioso II war über den Zweig des Florestan (mit neun Nachfahren) und den des Niederländers Jazz (fünf) vertreten. Außerdem geht Zack (So Unique, Sezuan, Secret …) auf Mexico zurück, den Vollbruder von Furioso II. Die Bolero-Linie brachte nicht nur zehn Hengste auf das Verdener Parkett, es wurden auch vier Hengste (zwei v. Bon Courage, zwei v. Bonds) prämiert.

Besonders stark war Ladykiller xx vertreten, vor allem über Krack C  (Vivaldi, Valdiviani, Vivaldos, Vitalis, Valverde, V-Plus). Zwölf Hengste dieser Blutführung waren vor Ort. Sechs davon dürfen nun decken, einer davon als Prämienhengst.

Hannoveraner Dressur Körung: Körquote 57 Prozent

55 Hengste erschienen am dritten Tag der Hannoveraner Dressurkörung noch zum Freilaufen. 64 waren im Katalog verzeichnet. Einige waren noch im Verlauf der Körung in der Niedersachsenhalle ausgefallen.

Die auffälligste Neuerung jenseits des um etwas nach hinten verschobenen Zeitpunkts betraf die Kopfbedeckungen. Dass in Hannover die Körkommissare, in diesem Jahr neben Zuchtleiter Ulrich Hahne waren das Heike Kemmer, Hans-Heinrich Meyer zu Strohen, Hannes Baumgart und Anja Rietbrock als „Präsidiumsmitglied“ für den Dressurbereich, mit Melone erscheinen wie anno Tobak, ist nichts Neues. Schließlich blickt der Verband auf 100 Jahre Tradition zurück. Doch die Hengstführer und die zahlreichen Helferinnen und Helfer, die mit der Peitschenführung betraut sind während des Freilaufens, gingen nicht mehr „oben ohne“. Sie trugen Helme. Zumindest fast alle, die in der Bahn erschienen.

Neun Hengste wurden aus den 31 gekörten noch gesondert herausgestellt. Ein Hengst verfügte noch nicht über Hoden, die ihn körfähig sein ließen. Die Qualität dieses Lord Europe-Licosto-Sohns stand aber einer Zuchtzulassung nicht im Weg, betonte Zuchtleiter Ulrich Hahne. Der Rappe verfügte über viel Abdruck im Trab und Galopp und ging auch guten Schritt.

Prämienhengste der Hannoveraner Dressur Körung 2022

Nr. 1 Dunkelfuchs v. Bon Courage-Compliment (Z.: Heiko Bormann, Winsen)

Ein Hengst, der vom Typ her das frühe Aufstehen – das Freilaufen begann um acht Uhr – rechtfertigte. Höhepunkt des Dunkelfuchses war der schwungvolle Trabablauf. Die Kraft des aktiv abfußenden Hinterbeins, die in einer Bergauftendenz, freilaufend wie auch an der Hand im Trab, mit viel Schulterfreiheit mündete. „Vornehm mit lockeren Bewegungen“, bilanzierte Zuchtleiter Ulrich Hahne. Im Galopp geringfügig zum Trab abfallend. An der Longe suchte der Hengst nach der Balance, die er nicht immer auf dem Kreisbogen zu finden vermochte.

Vater Bon Courage stellte mit sechs Söhnen das größte Kontingent im Lot der 64 ausgesuchten Köranwärter.

Nr. 3 Brauner v. Bon Courage-Lauries Crusador xx (Z. Heinrich Ötting, Diepenau)

Der zweite prämierte Bon Courage-Sohn – ähnlich schön wie die Nr. 1, nur in braun gehalten. Einer der wenigen Hengste aus einer Halbblut-Mutter. Lauries Crusador xx steht hier als Muttervater verzeichnet. Mit viel Knieaktion im Vorderbein ausgestattet. Im Galopp gut ausbalanciert beim Freilaufen, wünschte man ihm noch etwas mehr Kraft im Hinterbein in einigen Phasen. Wobei er im Trab aktiv hoch fußte. Schub ist also da, Tragkraft bringt die reiterliche Ausbildung. Das „Gleichmaß“ der Bewegung habe die Körkommission überzeugt, erläuterte Ulrich Hahne.

Nr. 12 Brauner v. Bonds-Dante Weltino (Z.: Marietta Kappelhoff-Dorenkamp, Beckum)

Bonds, der bei Beatrice und Jens Hoffrogge in Dosten zuhause ist (und über die es in der Dezember-Ausgabe des St.GEORG eine Homestory gibt), stellte vier Hengste, von denen drei gekört wurden. Und zwei Söhne des Oldenburger Siegerhengstes wurde prämiert. Der Braune hat auch sonst einen gewissen Anteil Oldenburger Gene: Muttervater Dante Weltino, das Olympiapferd von Therese Nilshagen (SWE), und Rohdiamant folgen im Pedigree. Der Bonds-Sohn, den Gestüt Blue Hors aus Dänemark nur zur Körung und nicht zum Verkauf nach Verden geschickt hatte, trabte kraftvoll und schwungvoll durch den Körper. Im Galopp kam der Hengst trotz seiner Größe gut mit dem knappen Platz zurecht. Dabei zeigte er sich gut ausbalanciert. Im Schritt war der Takt stets sicher, in punkto Raumgriff und die Gelassenheit war noch Luft nach oben. Das „harmonische Seitenbild“ stellte Zuchtleiter Hahne in seinem Körkommentar heraus.

Nr. 13 Fuchs v. Bonds-For Romance (Z.: Friederike Pelzer, Steinhorst)

Schmal und jugendlich – und das ist ja alles andere als ein Makel! – zeigte sich der zweite Prämienhengst v. Bonds. Äußerst elastisch trabte dieser mit einem Stockmaß von 1,72 Meter erschienene Fuchs im Rund. „Leichtfüßig“, nahezu lautlos deutete dieser Fuchs an, was noch an Potenzial in ihm schlummern dürfte. Seine neue Heimat ist das Landgestüt Celle.

Nr. 31 Dunkelfuchs v. For Romance-Franziskus (Z.: Berzthold Schoemaker, Emlichheim)

Der Stall Helgstrand darf sich über diesen Prämienhengst freuen. Interessant zu sehen, wie bei diesem Dunkelfuchs der Hengst Alabaster, der sich in der Abstammung des Muttervaters Franziskus findet, hier in Sachen Typprägung durchgeschlagen ist. Ein „besonderes Pferd“, befand Zuchtleiter Hahne. Was bei diesem Hengst besonders auffiel: Das sehr hoch abfußende Hinterbein in jeder Grundgangart.

Nr. 44 Rappe v. Le Formidable-Destano (Z.: Johann Martens, Uplengen)

Einer, vielleicht der, „Trab-König“ dieser Hannoveraner Dressurkörung. Ein hübscher Rappe mit keckem Blick, dessen Vater, der niederländische Siegerhengst Le Formidable, über dessen Vater Bordeaux, den Erzeuger von Frederic Wandres Bluetooth, mit ins Spiel bringt. Der Trabablauf des Junghengstes war geprägt von kraftvollem Abfußen, von Takt und Elastizität. Der Galopp konnte im direkten Vergleich nicht ganz mithalten. Auf dem Schrittring kam der Hengst nicht zur für eine abschließende Bewertung nötigen Losgelassenheit.

Nr. 47 Brauner v. Rock Springs-San Remo (Z.: Kai Ehlers, Freiburg)

Ein Publikumsliebling, der ebenfalls im Trab seinen Höhepunkt hatte. Vor allem sein Schwung und Takt wussten zu begeistern. Im Galopp stellte er sich ebenfalls als ein großliniges (Stockmaß 1,73 Meter!) Dressurpferd. Es mag seiner Größe geschuldet sein, dass er im Hinterbein im Galopp nicht so viel repetierte wie andere. Im Schritt reichte er nicht an das im Galopp und vor allem im Trab Gezeigte heran. An der Longe habe dieser Sohn aus dem ersten Jahrgang des Hannoveraner Reitpferdechampions Rock Springs „begeistert“, unterstrich Ulrich Hahne.

Nr. 48 Rappe v. Secret-Don Darius (Z.: Johann und Dorothea Schröder, Kirchlinteln)

Secret darf nicht fehlen auf deutschen Körveranstaltungen. Und der Baden-Württemberger steht ja nahezu in Rufweite von Verden entfernt. Sein Sohn aus dem Mutterstamm des Hengstes Weltmeyer ist das, was man eine „Erscheinung“ nennt. Nahezu ein Quadratpferd mit stolz erhobenem Haupt. Er trabte so, wie man das von einem „Secret“ erwartet und der Galopp sei „herausragend“, freute sich Zuchtleiter Ulrich Hahne.

Nr. 57 Brauner v. Valdiviani-Belissimo M (Z.: Ulla Kazorke, Essen)

Ein Rheinländer im Prämienlot! Valdiviani v. Veneno stellte seinen ersten Jahrgang. Drei Hengste waren angereist, alle wurden gekört. Der Braune mit einer ganz besonderen Mutter wurde prämiert. Herrlich geschmeidig im Trab, mit schnellem und gut repetierendem Hinterbein im Galopp, dazu einer der Besten im Schritt. Seine Mutter Bohemian Rhapsodie v. Belissimo M war unter Kira Wulferding im Finale des Nürnberger Burg Pokal erfolgreich. Die Großmutter Rhapsodie Queen ging Grand Prix unter Isabell Werth.

Und sonst so?

Apropos Isabell Werth. Die Olympiasiegerin war als Züchterin erfolgreich. Ein Valdiviani-Carabas-Sohn wurde gekört. Ein praktischer Fuchs, elastisch, in jeder Phase geschlossen, der mit seinem Körper gut umzugehen wusste.

Lottie Frys Weltmeisterhengst Glamourdale stellte einen gekörten Hengst, den das Gestüt Blue Hors nach Verden gebracht hatte.

Ebenfalls nicht zum Verkauf stand ein So Unique-Sohn aus der Zucht von Andreas Meyer, Plech. Nicht nur wegen seines hellen Schweifhaars stach dieser Hengst ins Auge. In Trab und Galopp trumpfte er schon jetzt auf. Im Schritt sah man immer wieder Momente, die klar machten: Das, was er in Verden zeigt in dieser Atmosphäre der Hannoveraner Körung Dressur, das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Auch interessant

Weitere Infos zu den Hengsten der Hannoveraner Körung Dressur auf der Homepage des Hannoveraner Verbands.