Körung Westfalen: 700.000 Euro-Hengst, Sieger v. For Romance und Cornet Obolensky

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Die drei besten Dressurhengste der Westfalenkörung 2017. (© www.westfalenpferde.de)

70 Hoffnungsträger standen im Katalog der westfälischen Reitpferdekörung 2017. 67 traten an, einer wurde während der Veranstaltung zurückgezogen. 26 waren aus anderen Zuchtgebieten nach Münster gereist, davon zehn aus den Niederlanden, acht aus Oldenburg (OL und OS), vier aus Hannover sowie zwei aus Dänemark und je einer aus Holstein, Frankreich und Zangersheide. Von den 44 gezeigten Dressurhengsten erhielten 24 ein positives Körurteil. Von den 23 Springhengsten wurden 16 gekört.

Die Dressurhengste

Unangefochtener Siegerhengst der Körung in Westfalen war ein unverkäuflicher For Romance-Sohn aus einer Mutter v. Lauries Crusador xx-Donnerhall. Züchter des Hengstes ist Matthias Böckermann, ausgestellt wurde er von Wilhelm Holkenbrink, bei dem er auch Station beziehen wird. Der Rappe überzeugte nicht nur mit Schick und Charme, sondern vor allem mit einem sehr guten Hinterbein, das in jeder Phase aktiv unter den Körper arbeitete. Bei aller Elastizität und natürlichen Kadenz bewegte der Rappe sich sehr locker und benutzte seinen gesamten Körper. Er kommt aus einem Stamm, der schon diverse Grand Prix-Pferde wie auch gekörte Hengste hervorgebracht hat. 2018 wird er unter dem Namen Fashion in Black im Katalog der Hengststation Holkenbrink auftauchen.

Zum Reservesieger ernannte die Körkommission mit Zuchtleiter Wilken Treu, Gerd Könemann, Heinrich Plaas-Beisemann, Michael Settertobulte und Theo Lohmann einen der zwei Apache-Söhne im Lot: die Katalognummer 1 aus der Verbandsprämienstute Hofurstinels v. Hotline-Sunny Boy-Partout. Aan den Stegge in den Niederlanden hatte die Anpaarungsidee und Thomas Berger vom Gestüt Allerhop stellte den hübschen Braunen aus. Vielleicht hätte man sich die Halsung eine Idee länger gewünscht. Pluspunkte waren das aktive Hinterbein, der solide Schritt und der generelle Habitus des Youngsters, der sich mit viel Übersicht präsentierte. Für 140.000 Euro fand der Reservesieger ein neues Zuhause auf dem Gestüt Fohlenhof. Einen Namen hat er auch schon: Arcachon. Der Züchtername mag übrigens dem einen oder anderen bekannt vorkommen – Aan de Stegge ist auch der Züchter des Trakehner Siegerhengstes Kaiser Milton, der zunächst für 320.000 Euro an den Klosterhof Medingen verkauft wurde, was nun aber wegen Lahmheit des Pferdes rückgängig gemacht werden soll.

Das Beste seiner Elternteile vereint der 2. Reservesieger in sich, der auf den Namen Escalito getauft wurde: ein Sohn des Escolar aus einer Holsteiner Mutter v. Conello-Carpaccio-Lavall, gezogen von Silvia Palster in Horstmar und ausgestellt durch das Gestüt Sprehe in Löningen. Elastisch, kraftvoll, beweglich, stets bergauf und dabei noch ein super Schritt und bildschön – viel mehr kann man von einem Dressurhengst kaum erwarten. Zumal der Mutterstamm für Leistung steht und nicht nur diverse gekörte Hengste für die Holsteiner Zucht geliefert hat, sondern auch international erfolgreiche Sportpferde für den Parcours. Als das Körurteil verkündet wurde, brandete begeisterter Applaus auf. Da dürfte der Klosterhof Medingen, der den Hengst für 185.000 zusammen mit dem Fohlenhof ersteigerte, schon jetzt einige interessierte Züchter auf der Warteliste haben, wenn der Neue denn erstmal seinen Leistungstest abgelegt hat.

Prämie und Preisspitze

Bei den Dressurhengsten wurden neben den drei Erstrangierten noch sieben weitere Youngster prämiert. Das sind die folgenden:

Egal welcher Verband, keine Körung mehr ohne Millennium. Der in Münster war einer, der bei Heike und Werner Pleines in Uedem zur Welt kam. Die Mutter ist die Staatsprämienstute Lorime P v. Lord Loxley-Lancer II-Ramiro. 2015 war der Youngster für 26.000 Euro über die westfälische Fohlenauktion an das Gestüt Sprehe verkauft worden. Das stellte den Rappen nun auch aus. Schon allein aufgrund seiner beachtlichen Größe von 1,75 Meter Stockmaß war der Schwarze eine Erscheinung. Aber auch sonst legte er einen geradezu königlichen Habitus an den Tag. Beim Freilaufen trabte erhabenen Schrittes durch die Halle mit viel Go, Takt und Geschmeidigkeit. Er bewegte sich stets in Balance und schien seinen Auftritt regelrecht zu genießen. Am Ende avancierte er zur 700.000 Euro-Preisspitze und soll künftig auf dem Gestüt Bonhomme seinem Halbbruder Morricone Gesellschaft leisten.

For Romance hatte zwei Söhne nach Münster-Handorf geschickt, nicht nur den Siegerhengst, sondern auch noch einen Hannoveraner aus einer Fürst Nymphenburg-Samarant-Mutter, gezogen von Christa und Ludger Welling in Wietmarschen, ausgestellt von Mathieu Beckmann. Die Bewegungen des Braunen mit dem typisch charmanten Gesicht seines Vaters grenzten an Exaltiertheit. Gefallen hat aber, wie der Hengst seinen Rücken benutzte, sowohl beim Freilaufen als auch am Sprung. 400.000 Euro lautete der offizielle Zuschlagspreis. Das neue Zuhause liegt laut Verbandsmitteilung in Rheinland-Pfalz.

Das Bolero-Blut war in diesem Jahr zweimal vertreten, einmal durch einen direkten Belissimo M-Nachkommen, der nicht gekört wurde, und einmal durch einen Enkel über Benicio. Letzterer, ein Hannoveraner, erhielt eine Prämie, ein mit 1,64 Meter Stockmaß nicht zu großer, eleganter Dunkelfuchs aus einer Dancier-Weltmeyer-Mutter, die mit Fürstenball auch schon den gekörten Falihandro gebracht hat. Züchterin ist Madonna Hedberg, Australien, Aussteller war auch hier Mathieu Beckmann. Der Hengst gefiel durch sein aktives Abfußen und viel Takt. Vielleicht könnte er sich mehr durch den Körper bewegen. Aber er hatte viele Fans, die ihm großen Applaus spendeten. Für offiziell 170.000 Euro erwarb ihn das Landgestüt Warendorf.

Das F-Blut des Florestan war auch dieses Jahr wieder prominent vertreten. Neben den For Romance-Söhnen wurde auch ein Oldenburger Sohn des Flanell aus einer Mutter v. Laurentio-De Niro-Landadel prämiert (Z.: Johannes Tönnies, Vechta, A.: Dressurstall Sandbrink GmbH). Der recht schwere Fuchs überzeugte mit viel Takt und Elastizität. Er sprang auch sehr geschickt, war aber in Sachen Typ nicht der modernste Hengst des Jahrgangs. Aus seinem direkten Mutterstamm kommt übrigens auch die Erfolgsstute Lady Weingard von Markus Beerbaum und Jörne Sprehe. Für 120.000 Euro fand der Fuchs neue Besitzer in den USA.

Ein weiterer Oldenburger F-Prämienhengst war die Katalognummer 25 v. Follow Me- Sir Donnerhall-Florencio. Er wirkte noch sehr jugendlich und bewegte sich auch mit großer Unbekümmertheit durch die Halle. Seine Beweglichkeit ermöglichte es ihm, sich in jeder Phase auszubalancieren. Zudem zeigte er sich bemerkenswert taktsicher. Und wenn seine neuen Besitzer in Bayern Springambitionen haben sollten, dann sind sie mit ihm auch nicht schlecht beraten – den Blumenschmuck in der Halle übersprang der Hengst gleich zweimal als In-Out-Kombination und auch in der Reihe stellte er sich sehr geschickt an. 180.000 Euro lautete der Zuschlagspreis auf der Auktion.

Und dann war da auch noch ein direkter Sohn des großen Florestan, diesmal ein Westfale, den Marianne Böckenhoff in Raesfeld aus der Jazzmine v. Jazz-Weltmeyer-Roncalli xx gezogen hat. Sie war auch Ausstellerin und hatte allen Grund, stolz auf ihr Zuchtprodukt zu sein. Der Dunkelbraune war eine echte Erscheinung, 1,70 Meter Stockmaß, ganz viel Übersicht, locker im Ablauf, dabei seinen Körper gebrauchend und immer im Bergauf. Der Hengst erhielt Szenenapplaus und war später Käufern aus NRW 87.000 Euro wert.

Von den zwei Vitalis-Nachkommen in der Kollektion erhielt der in den Niederlanden gezogene mit der Johnson-Houston-Mutter eine Prämie, der andere mit einer Dancier-Mutter war mit 200.000 Euro der teuerste nicht prämierte Gekörte. Der prämierte Vitalis-Sohn maß gerade mal 1,63 Meter, wurde aber groß, sobald er sich federnd, kadenziert, mit viel Abdruck und deutlich bergauf in Bewegung setzte. Dazu scheint er über eine grenzenlose Schulterfreiheit zu verfügen. Weniger überzeugt hat der Schritt, der zwar sicher im Takt war, aber recht begrenzt im Raumgriff. Der Hengst gehört Helen Langehanenberg und Wilhelm Berning in Besitzergemeinschaft und stand nicht zum Verkauf.

Die Springpferde

www.westfalenpferde.de

Der Springsieger und die beiden Reservisten der Westfalen-Körung 2017.

Wie auf den meisten Körplätzen präsentierten sich auch in Westfalen sowohl die Dressur- als auch die Springpferde „hinten ohne“, also ohne jeglichen Beinschutz, um mögliche Manipulationen der Hinterhand zu vermeiden. Dennoch hatte man den Eindruck, dass manche Springpferde so „gut vorbereitet“ waren, dass sie sich weigerten, auch nur in die Nähe der Freispringgasse zu kommen. Hatte man sie dann doch mit vereinten Kräften auf Spur gebracht, lieferten sie derart verkrampfte Sätze, dass ihr natürliches Talent nicht zu beurteilen war.

Aber es gab auch andere. So z.B. der Cornet Obolensky-Montender-Cento-Sohn aus der Zucht der ZG Rudde und ausgestellt von Ansgar Westrup in Havixbeck. Er wurde zum Siegerhengst Springen auserkoren. Er überzeugte nicht nur am Sprung mit blitzschnellen Reflexen, wunderbarer Technik und vermögendem Abdrücken sondern auch in der Bewegung. Zudem war er ein echter Hingucker mit seinem fast schwarzen Fell und dem hellen Langhaar. Er wechselte anschließend über die Auktion für 155.000 Euro auf das Gestüt Ligges.

Ein Typ Marke Lieblingspferd war auch der Reservesieger, ein bunter Brauner v. Cristallo-Contender-Lorenz aus der Zucht und im Besitz von Dr. Axel Schürner von der Gestüt Gut Neuenhof KG. Aus seinem Mutterstamm kommt eine schier unendliche Liste erfolgreicher Pferde und die Vollschwester des Hengstes, St.Pr.St. Cristalies, war 2010 Siegerstute der Westfälischen Eliteschau. Cashmere heißt der nächste erfolgreiche Spross dieser Dynastie und er stand nicht zum Verkauf. Dabei hätte es sicher einige Interessenten gegeben. Der Hengst sprang mit hervorragender Technik und erweckte den Eindruck, dass seinem Vermögen keine Grenzen gesetzt sind. Was ihn noch wertvoller macht: Er ist das letzte Fohlen seiner Mutter Novice. Die verstarb nach seiner Geburt und das kleine Waisenfohlen hatte das riesengroße Glück, dass eine der anderen Zuchtstuten des Gestüts Neuenhof ihn bereitwillig adoptierte. Nun ist aus dem armen Waisenkind ein ganzer Kerl geworden.

For Pleasure-Cornet Obolensky-Ramiro’s Son lautet die viel versprechende Blutkombination des 2. Reservesiegers Springen, gezogen und ausgestellt von Kai Ligges. Der Braune sprang vielleicht nicht mit der allerletzten Bascule, ließ aber bei beinahe jedem Satz locker 30 bis 50 Zentimeter Platz zwischen sich und den Stangen. Hinzu kam eine exzellente Beintechnik. Aus seinem Stamm kommt unter anderem auch Mario Stevens’ international erfolgreicher Little Pezi v. Lord Pezi sowie Captain Amerika von Felix Haßmann. Offiziell ist der Hengst mit 55.000 Euro Verkaufspreis ausgezeichnet. Tatsächlich hat das Gestüt Ligges ihn zurückgekauft. Er wird also in seiner Heimat sein züchterisches Debüt geben.

Prämiert wurden noch zwei weitere Hengste, der eine, ein Quasimodo Z-Polydor-Damokles-Argwohn-Sohn, wurde von Gretel Schulze-Buxloh gezogen und von Mathieu Beckmann ausgestellt. Man wünschte dem Braunen eine etwas schönere Oberlinie mit nicht ganz so hohem Schweifansatz, aber am Sprung war er in seinem Element. Jedenfalls meistens. Einmal zögerte er, machte einen Galoppsprung mehr, sprang doch noch und landete dann quasi auf der hinteren Oxerstange. Beim nächsten Versuch sprang er wieder flüssig und mit viel Luft. Mit 220.000 Euro war er bestbezahlter Springer. Auch hier hieß es, verkauft nach Europa.

Die fünfte Prämie bei den Springhengsten ging an einen weiteren Cornet Obolensky-Sohn, diesmal aus einer Mutter v. Numero Uno-Couleur Rubin-Walldorf. Der Schimmel aus der Zucht von Silvia Palster und ausgestellt durch die Besitzergemeinschaft Stumpf war vor zwei Jahren als Fohlen über die Auktion beim Turnier der Sieger verkauft worden. Er überzeugte mit gutem Typ, einem großem, freundlichen Auge, elastischen Bergaufbewegungen und vermögendem Springen. Vielleicht könnte er hinten etwas mehr öffnen. Für 80.000 Euro fand er ein neuen Zuhause in Rheinland-Pfalz.

Statistik

Die 29 verkäuflichen gekörten Hengste kosteten im Mittel knapp 116.000 Euro. Für die zehn nicht gekörten verkäuflichen Hengste legten die Käufer auf der Auktion im Durchschnitt 25.800 Euro an. Der Gesamtumsatz der Auktion lag bei 3,617 Millionen Euro.

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