OS-Körung: 2021: 20 Hengste in Oldenburg gekört, sechs prämiert

OS-Körung-2021

Szene von der Körung des Springpferdezuchtverbandes Oldenburg International 2021 (© www.st-georg.de)

Bei der OS-Körung sind die Urteile gefallen. Beim Springpferdezuchtverband Oldenburg International wurden 20 Hengste gekört, sechs davon wurden prämiert. Die Hengste stammten von 18 Vätern aus sieben Linien.

Unterschiedliche Typen, unterschiedliche Abstammungen, unterschiedliche Talentschwerpunkte: Bei der OS-Körung gab es Pferde diversen Zuschnitts. 36 Hengste waren beim Springpferdezuchtverband Oldenburg International erschienen, 20 erhielten die Zuchtzulassung.
Mit sieben Nachkommen war Cor de la Bryère als Stammvater unter den neu gekörten Hengsten federführend. Das verdankt einer der Gründungsväter der Holsteiner Zucht vor allem dem Belgier Cornet Obolensky. Zwei seiner Söhne wurden gekört. Außerdem erhielten auch ein Sohn von Comme il faut und ein großer Rappe v. Comme Prévu ein positives Körurteil.

Auf Almé (über Jaloubet K, Quick Star und Mister Zinedine), Landgraf (Lord Pezi (2), Lord Fauntleroy) und Nimmerdor (Heartbreaker, Halifax und Hickstead White) gingen je drei, auf Capitol zwei (Colman und Cooper) zwei Hengste zurück. Ein Diamant de Semilly-Sohn und ein Dallas-Sohn (Darco) komplettierten das Lot der „Glücklichen“ bei der OS-Körung.

OS-Körung: Oldies sind Goldies

Auffällig waren, wie viele „Klassiker“ auf der Vaterseite auftauchten. Tiefgefriersperma macht es möglich, dass Lord Pezi, Quick Star, die Nummer eins der Springhengste der Weltzuchtrangliste des WBFSH Chacco-Blue und andere Granden des internationalen Springsports nun – teilweise Jahrzehnte nach ihren aktiven Zeiten – mit zweieinhalbjährigen Jumpern in der züchterischen Zukunft vertreten sind.
Generell war viel internationale Genetik vertreten, die meisten Hengste waren aber beim Springpferdezuchtverband Oldenburg International registriert. Drei Holsteiner, ein Belgier, ein Niederländer und ein Westfale bekamen die Zuchtzulassung ausgesprochen.

Prämienhengste der OS-Körung 2021

Brauner v. Cascdaello-Quilot-Ramiro, Z.: Patricia Maier, Sprockhövel, OS

Manchmal muss man einfach auch noch die vierte Generation der Hengste im fallenden Pedigree nennen: Almé komplettiert hier eine Abstammung eines besonderen Hengstes. Der Braune Cascadello-Sohn stach aus dem ersten Ring klar heraus. Das war allerdings auch nicht sonderlich schwer. Schon als er in die Bahn kam, schien er sagen zu wollen: Hallo, hier bin ich. Die Angeber-Attitude ließ den Galopp im Freilaufen etwas wenig geschmeidig erscheinen. Im Verlauf des Springens wurde der Cascadello-Sohn dann von Runde zu Runde lockerer in der Oberlinie. Vermögen und Kraft zeigte er im Überfluss. Man hätte sich gewünscht, dass er auch das letzte Drittel des Sprungablaufs so geschmeidig absolviert hätte, wie Absprung und Flugphase. Als es am Ende dann über die Endabmessung des Oxers ging, zeigte der Braune seine ganze Klasse.

Brauner v. Chacco-Blue-Fetiche du Pas, Z.: Marc Wens, BEL-Wortel, OS

Ein Chacco-Blue – und was für einer! Viel hat dieser zweijährige Braune von seinem großartigen Erzeuger. Nicht nur Farbe und Aussehen, sondern auch die Art, seine Vorderbeine überm Sprung „zusammenzufalten“. Ehrgeiz hat der Junghengst, Saft! So viel, dass es später sicherlich auch für lange Parcours reichen dürfte. Und neben seinem Vater kann dieser Prämienhengst der OS-Körung 2021 auch noch auf eine besondere Mutter verweisen: Dalida van de Heffinck v. Fetiche du Pas ist auch Mutter des unter Lorenzo de Luca erfolgreichen Halifax van het Kluizebos.

Dunkelfuchs v. Conthargos-Casall-Cassini I, Z.: Hans-Jürgen Heitmann, Dinklage, OS

1,71 Meter groß und vom Scheitel bis zur Sohle ein Hengst. Der Dunkelfuchs, dessen Ursprünge im Holsteiner Stamm 4025 (Olympiasiegerin Classic Touch) zu finden sind, hatte die Übersicht von Anfang an. Und das nicht nur wegen seiner hünenhaften Gestalt. Im Habitus stets souverän, guckte er gut hin, sprang sicher durch den Körper. Aufgrund seiner Größe zählte er im Sprungablauf nicht zu den spritzigsten der Kandidaten bei der OS-Körung, er hätte manchmal auch noch etwas mehr hinten „öffnen“ können. Aber sein zu jederzeit wohl überlegtes Springen unterstrich seine Klasse.

Schimmel v. Cornet Obolensky-Cassini I-Contender Thomas Koch, Haltern am See, OS

Der schon etwas reifere der zwei gekörten Cornet Obolensky-Söhne bockte zunächst fröhlich und bei den ersten Sprüngen schmiss er die Hinterhand verdächtig hoch in die Luft, Marke Handstand. Von Mal zu Mal sprang er losgelassener, die Sprünge wirkten, je höher es wurde, natürlicher mit großem Selbstverständnis.

Dunkelbrauner v. Dallas-Balou du Rouet-Lancer III, Z.: Heinrich Ramsbrock, Menslage, WESTF

Ein Hengst! Im Stand und in der Bewegung. Selbstverständlich auch am Sprung. Vater Dallas vereint das Blut seines Großvaters Darco mit Heartbreaker und Mr. Blue. Der Dunkelbraune hatte die Souveränität gepachtet. Runde für Runde sprang er, sich augenscheinlich seiner Klasse bewusst, gut durch den Körper. Schnelle Reflexe komplettierten den guten Sprungablauf. Mit 1,64 Meter Stockmaß war dieser Westfale einer der Kleinsten. Was ja nicht heißt, dass er nicht später bei den ganz Großen mitmachen kann.

Der größte gekörte Hengst war übrigens ein Sohn des Comme Prévu aus der Zucht von Gerd Sosath. 1,78 Meter war der Rappe, ingezogen auf die Landor S-Großmutter Fureida aus dem Sosath’schen Heida-Stamm groß.

Brauner v. Lord Pezi-Ustinov-Contender, Z.: Arndt Schwierking Barver, OS

Ein Kraftpaket mit einer Ahnenlinie, in der immer wieder bis 1,60 Meter Springen erfolgreiche Pferde sich die Klinke in die Hand geben. Dieser Prämienhengst der OS-Körung mit gleich mehreren Weltcup-Finalisten im Pedigree, kam, sah hin und sprang. Mit viel Respekt vor den Stangen, stets durch den Körper. Ein echtes Powerpaket mit Kraft für alles, was man ihm irgendwann in den Weg stellen wird. Hintergrund ist hier der Holsteiner Stamm 1916 (Derbysiegerin Carassina, Chika’s Way u.a.).

Ein weiterer Sohn des Lord Pezi, im Styling blutgeprägter als sein prämierter Halbbruder, wurde gleichfalls gekört. Er gehört der Böckmann Pferde GmbH und stand nicht zum Verkauf.

Was fiel auf bei der OS-Körung?

„Vogelfutter“ hatten einige Hengste gefressen. Am meisten von dieser „Flügel verleihenden“ Mahlzeit schien ein Schimmel v. Cartogran zu sich genommen zu haben. Nach verkrampften Gewaltsätzen wurde er der Bahn verwiesen. „Heute leider nicht zu beurteilen“, ließ Zuchtleiter Bernhard Thoben verlauten. Ein gutes Signal. Traurig, dass es immer noch sein muss. Andere Hengste kamen im Verlauf des Springens zu einem natürlicher anmutenden Springen nachdem sie sich am Anfang auch auffällig vor den Stangen geekelt hatten.
Promi-Verwandtschaft kann unterschiedliche Gesichter haben: Ein Sohn des Halifax vh Kluizebos, dessen Großmutter eine Halbschwester zu Patrice Delaveaus (FRA) Lacrimoso ist, sprang wie ein wendiger Gummiball.

Aus dem ersten Jahrgang des Hengstes Jaloubet K waren zwei Hengste erschienen. Typmäßig sahen sich die beiden unwahrscheinlich ähnlich. Beide etwas länger, beide waren beim Verteilen von Halsmuskulatur (noch) nicht zu üppig bedacht worden. Beide sprangen mit ganz viel Vermögen. Interessant: Jaloubet ist über seine Mutter Krista v. Polydor Halbbruder zu Christian Ahlmanns Weltcupsieger Taloubet.

Morgen wird der Siegerhengst ab 10 Uhr bestimmt. Die Auktion ist für 14.30 Uhr angesetzt.