Weltreiterspiele Tryon 2018

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Luftaufnahme des Tryon International Equestrian Center, wo bei den Weltreiterspielen 2018 Pferdesportgeschichte geschrieben werden wird. (© www.tryon2018.com)

Mannschaftsgold für Deutschland, Michael Jung und Sam Europameister, die Plätze eins bis vier an deutsche Reiter. Mit diesem Ergebnis geht eine Europameisterschaft zu Ende, die bei aller Freude aus deutscher Sicht dann doch eine tragische Heldin hatte: Ingrid Klimke, die mit ihrer nahezu perfekten Dressur (30 Minuspunkte) und ihrem Bilderbuchgeländeritt den Grundstock für das deutsche Teamgold gelegt hat.

Im Parcours ist ihr Hannoveraner Abraxxas ein Wackelkandidat. Diesem Ruf wurde er auch diesmal gerecht, als er als Führender und letztes Pferd in den Parcours kam und sechsmal schlicht und einfach nicht vorsichtig genug sprang. „Sechs um – so schlecht ist er noch nie gesprungen“. 54 Punkte standen nach der Springrunde für Ingrid Klimke zu Buche, Platz elf. Auf dem Abreiteplatz hatte es noch ganz gut ausgesehen. Aber entscheidend ist die Runde im Stadion. Klimke nutzte die Chance auf den großartigen Erfolg der deutschen Vielseitigkeitsreiter zu verweisen: „Mit unseren Bundestrainern Hans Melzer und Chris Bartle haben wir Mannschaftsgold bei der WM in Aachen und den Olympischen Spielen in Hongkong gewonnen und jetzt auch noch den Europatitel“. Hoffentlich, so Klimke, „bleibt ihr uns noch lange erhalten“.
Damit war Michael Jung, der mit seinem Pferd Sam vorher eine Nullrunde lieferte und mit seinem Dressurergebnis von 33,3 Strafpunkten die EM abschloss, neuer Europameister. Er war voll des Lobs – für sein Pferd, „es ist einfach toll, so ein Pferd reiten zu dürfen“, das Gelände und das Publikum. Der Schlussparcours sei schwer gewesen, dass es dennoch so viele Nullfehlerritte gegeben hatte, habe ihn verwundert. Und Sam? „Der fühlte sich frisch an, sprang kraftvoll „, der Rest war sprachlose Freude: Ein breites Strahlen des neuen Europameisters.
Shootingstar Sandra Auffarth, nach ihrem sensationellen Abschneiden beim Vier-Sterne-Event in Luhmühlen erstmals fürs Team nominiert, gelang es ihre Sensationssaison mit der Silbermedaille (37,0) in der Einzelwertung abzuschließen. „Super-Wolle“, ihr Pferd Opgun Luovo, sprang souverän, so dass sie lediglich 1,6 Strafpunkte aus dem Cross zu ihrem Dressurergebnis (35,4) hinzufügen musste. Beim Abreiten hatte unter anderem Stefan Geue beim Aufwärmen geholfen. Der Mann kommt wie Sandra Auffarth aus Ganderkesee und hat schon einmal ein anderes Pferd für den großen Sport vorbereitet, Meredith michaels-Beerbaums Shutterfly. Sandra Auffarth war sprachlos, ihr erstes Fazit: „Da weiß man, dass sich der gamnze Zeitaufwand doch lohnt“. Sie profitierte von dem Pech der zweiten tragischen Gestalt dieser Europameisterschaften: Bis kurz vor dem Ende des anspruchsvollen Parcours hatte die Schwedin Sara Algotsson-Ostholt noch auf der Bronzeposition gelegen. Ihre Stute Wega sprang fantastisch: vermögend, vorsichtig – ein Weltpferd. Doch die letzte Linie, vom Ausgang weg, eine zweifache Kombination aus luftigen Steilsprüngen mit zwei kreisrunden Wassergräben, einer an der linken, der andere an der rechten Seite, wurde der Ehefrau von Frank Ostholt zum Verhängnis. Das Anreiten war nicht ganz harmonisch, die mächtige Schimmelstute kam unpassend zum ersten Sprung, die Stange fiel und die Stute lief am zweiten Sprung vorbei. Acht teure Punkte plus zehn Zeitfehler und die Schwedin schloss die EM, bei der so viele von ihrer Stute, deren Mutter La Faire sie auch schon international erfolgreich geritten hat, auf Platz zwölf.
Dass aber trotzdem eine Einzelbronzemedaille im Hause Ostholt von dieser EM hängt, dafür sorgte Frank Ostholt mit Little Paint und 40 Strafpunkten Dritter der Einzelwertung: fehlerfrei im Parcours, sechs Strafpunkte aus dem Gelände und eine sehr gute Dressur (34,0) sicherten ihm Bronze. Er sei sich im Vorfeld sicher gewesen, dass ein Platz auf dem Podium durchaus im Bereich des Möglichen gewesen sei. Allerdings habe er diesen Platz natürlich nicht auf Kosten seiner Frau gewinnen wollen. „In mir geht es hoch und runter“. Den deutschen Triumph komplettierte Dirk Schrade, der mit King Artus von Platz acht nach der Dressur (36,7) nur sechs Zeitstrafpunkte im Gelände auf die Rechnung bekam (42,7), was ihm den vierten Rang in der Einzelwertung bescherte.
Das sehr gute Abschneiden der Deutschen wurde von Championatsdebütant Bejamin Winter und Wild Thing Z auf Rang 13 (54,6 – ihm gelang eine von insgesamt acht Nullrunden im Cross) und Peter Thomsens 15. Platz auf Barney (56,6) komplettiert.
Das deutsche Mannschaftsgold war trotz des Einbruchs von Abraxxas nicht in Gefahr: 27 Punkte Vorsprung auf die französische Equipe (Donatien Schauly/ Ocarina du Chanois (45,6/Platz 6), Nicolas Touzaint/ Neptune de Sartene (47,1/8.), Stanislas de Zuchowicz/ Quirinal de la Bastide (58,4/17.), der vierte Teamreiter Pascal Leroy war ausgeschieden, Total: 151,1) die Silber vor allem deswegen gewann, weil die nach dem Sturz von Mary King im Gelände noch verbliebenen drei Teamreiter aus Großbritannien jeweils einen Springfehler kassierten. Die Briten gratulierten den Deutschen, die – so Piggy French (mit Jakata 51,2/Platz 9) anerkennend, an diesem Wochenende in „einer eigenen Liga“ unterwegs seien. Auch William Fox-Pitt, als Siebter bester des britischen Teams zollte den Germans Respekt. Er selbst habe sich alle Mühe gegeben, vom Pferd zu fallen, das sei aber so gut, dass es dies im Gelände mehrfach verhindert hätte. „Er hat es geschafft, immer wieder unter mir zu sein, auch wenn ich ganz woanders war“. Mit Cool Mountain hatte er 46,7 Minuspunkte. Mary King, die nach einem dramatisch aussehenden Sturz am Meßmer-Teich ausgeschieden war, war auf der Pressekonferenz bereits wieder guter Dinge und Nicola Wilson (56,7/16.) lobte ihren Opposition Buzz. Für Olympia in London, so einhellige Meinung der Briten, sei man gewappnet und würde die Deutschen genau im Auge behalten.
Alle Ergebnisse finden Sie unter www.luhmuehlen.de oder hier.

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