Vom Traum, den eigenen Pferdestall zu bauen

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Einen eigenen Pferdestall zu bauen erfordert zuerst eine gute Planung (© www.slawik.com)

Einen eigenen Pferdestall zu bauen oder sogar eine ganze Reitanlage, davon träumen viele. Aber so eine Maßnahme will gut geplant sein. Denn gerade im Bereich des Stallbaus sind die Bauvorschriften streng und das Projekt will wohl durchdacht sein, damit die Bedürfnisse sowohl der Pferde als auch der Menschen berücksichtigt werden.

Würden Sie Ihr Pferd fragen, welche Haltung ihm am liebsten ist, wäre die Antwort recht simpel: „Eine Weide mit Unterstand und Kumpels sowie regelmäßigem Fressen.“ Damit werden die natürlichen Bedürfnisse des Pferdes wie Licht, Luft, Sozialkontakte und Bewegung voll erfüllt und das sollte auch Berücksichtigung finden, wenn man einen Pferdestall bauen möchte.

„Doch Pferde werden in der Regel nicht gefragt, sondern die Besitzer“, betont der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Reitanlagen und Stallbau in der Pferdehaltung, Georg Fink. „Und der Mensch interpretiert die Bedürfnisse des Pferdes oft ganz unterschiedlich.“

Entwicklungen und Trends im Pferdestallbau

Ein Trend ist jedoch eindeutig erkennbar: „Luftiger, heller, natürlicher“, so der Diplom-Agraringenieur. „Artgerechte Haltung und Bewegungsställe werden immer stärker verlangt. Konventionelle Innenboxen ohne Außenfenster werden so gut wie gar nicht mehr nachgefragt. Der Mindeststandard ist eine Box mit Fenster, darunter sollte es nichts mehr geben. Besser noch mit Paddock – oder gleich die Gruppenhaltung, das sind die Trends“, berichtet Fink aus der Praxis seines Planungsbüros.

Er berichtet von einem Pferdestall in Süddeutschland, bei dem 20 Innenboxen leer stehen, aber eine Warteliste für Paddockboxen und die Gruppenhaltung besteht. Und die können dann auch hochpreisig sein – in stadtnahen Regionen sind Boxenpreise zwischen 500 und 600 Euro durchaus üblich, für Gruppenhaltung 300 bis 350 Euro pro Monat. Der Bau und Umbau von Anlagen boomt – auf Süddeutschland bezogen vor allem in den Gegenden rund um München, Frankfurt, Karlsruhe, Stuttgart. Eben da, wo das Geld sitzt und der Raum knapp ist. Das ist im Norden nicht anders.

Wer einen Pferdestall bauen will, sollte sinnvoll planen

Während in der Schweiz bereits 27 Prozent aller Pferde in Gruppenhaltungen leben, ist diese Form in Deutschland noch deutlich weniger vertreten. „Angefangen hat die Offenstallhaltung mit mehreren Pferden und frei zugänglichem Auslauf durch Ursula Bruns in den 70er-Jahren. In den 80er-Jahren ging es dank der Laufstall-Arbeitsgemeinschaft voran, doch erst in den letzten fünf, sechs Jahren stieg die Nachfrage danach enorm an“, berichtet Fink. Inzwischen beträgt der Anteil ein Drittel seiner Auftragslage. Er stellt fest: „Nicht nur Freizeitreiter fragen diese Haltungsformen nach, auch Sportreiter.“

Anlagenbesitzern, die einen Umbau beabsichtigen oder Investoren, die eine neue Reitanlage planen, rät er im ersten Schritt zu einer Standortanalyse. „Jeder, ob Landwirt, Verein oder Investor, sollte einen Bestandsplan erstellen. Darin sind alle Gebäude mit ihren Maßen aufgestellt. Dann sollte kritisch geprüft werden, welche Gebäude wie nutzbar sind. Mit einbezogen werden müssen Aspekte wie die Deckenhöhe, Türen, Ausläufe, Klimaverhältnisse und die Frage: Wo ist die Sonnenseite, wo die Wetterseite?“

Ferner erklärt Fink: „Noch zu erstellende Elemente wie Reithalle, Außenplatz, Weiden und Paddocks müssen in die Planung mit einbezogen werden. Da das recht umfassend ist, kann ich nur empfehlen, sich von professionellen Reitanlagen-Planern beraten zu lassen.“

Immer mehr Stallbau-Firmen bieten einen Pool aus Architekten, Statikern und Ingenieuren an. Auch die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen nach Tierschutzgesichtspunkten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) bieten gute Anhaltspunkte.

Einen Pferdestall bauen, den sonst keiner hat

Vor jeder Planung steht die Marktanalyse. Und da kommt es darauf an, was in der Gegend bisher angeboten wird. Wenn man einen Pferdestall bauen will, besteht die Kunst also darin, genau die Anlage zu errichten, die Kunden anzieht.

Und das kann so gehen: „Schauen, was vorhanden ist. Und das machen, was es noch nicht gibt“, rät Fink, der ein Freund der Nischenpolitik ist.

Ein Beispiel aus der Praxis: „Vor einigen Jahren wollte ein Betrieb im Großraum Freiburg eine neue Anlage errichten. Damals gab es dort keinerlei Ställe mit Paddockboxen oder Gruppenauslaufhaltung. Die Skepsis war entsprechend groß, genau auf diese Zweige zu setzen. Doch der Inhaber hatte Mut genug und inzwischen läuft sein Betrieb besser als die anderen – restlos ausgebucht“, berichtet Fink.

Gut laufende Reitanlagen müssen zwei Komponenten verbinden: Die möglichst artgerechte Haltung fürs Pferd und den Komfort für Reiter. „Oasen der Freizeitgestaltung“, das sei das Geheimnis einer gut ausgelasteten Reitanlage, so Fink. „Die moderne Anlage muss heute weit mehr bieten als vor 30 Jahren. Das beginnt bei der Ausstattung von sanitären Anlagen, Umkleiden, Aufenthaltsräumen bis hin zur Gastronomie, Seminarräumen für Lehrgänge und Spielmöglichkeiten für Kinder“, berichtet er.

Isolierte Reithallen, in denen auch im Hochsommer bei angenehmen Temperaturen statt im Sauna-Schwitzkasten gearbeitet werden kann, werden immer stärker verlangt. „Mehr und mehr setzen sich Hallen durch, die auf einer Seite offen sind oder über absenkbare Fenster verfügen. Mehr Qualität und Komfort für Pferd und Reiter zählt und bindet Kunden an die Anlage.“ Und auch für den Stallbetreiber gibt es immer mehr Annehmlichkeiten wie die automatische Entmistung, Fütterungsanlagen, ja sogar Einstreuanlagen und Computertechnik im Stall.

In der Planung an ein gutes Stallklima denken

Bevor man beginnt, den eigenen Pferdestall zu bauen, sollte man in der Planung einige Punkte durchdenken. Um ein angenehmes Stallklima zu schaffen, sollte zunächst auf die Temperatur geachtet werden. Die Temperatur im Stall sollte ähnlich der Außentemperatur sein. Extreme wie zu heiß oder zu kalt sollten allerdings abgemildert werden. Die Luftfeuchtigkeit sollte dabei bei etwa 60 bis 80 Prozent
 liegen. Die gute Luft ist für die Gesundheit der Pferde unerlässlich. Dafür braucht es eine gute Luftzirkulation ohne Zugluft.

Pro Pferd wird ein Luftraum von ca. 28 bis 40 Kubikmetern pro Pferd benötigt. Der 
Staub- und Keimgehalt sollte möglichst gering gehalten werden. Wenn Ammoniakgeruch wahrgenommen wird, ist der Gehalt dieses Schadgases zu hoch. Im unteren Bereich der Wände und der Tür verbessern kleine Schlitze oder Gitter den Luftaustausch.

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Ein Umbau benötigt Zeit und kann dann wunderbar Tradition und moderne Pferdehaltung verbinden. (© www.toffi-images.de)

Mindestmaße für die Pferdebox

  • Wer einen Pferdestall bauen will, muss einige wichtige Maße einhalten. Das Pferd braucht Platz. Und zwar gilt für Pferdeboxen: mindestens die doppelte Widerristhöhe im Quadrat!
  • So kann man also den Mindestplatz für eine Pferdebox wie folgt errechnen: (2xWiderristhöhe) bei 1,68 Meter Stockmaß => etwa 11m2, also mindestens 3,50 mal 3,20 Meter. Je mehr Platz das Pferd hat, desto besser. Das Pferd muss sich problemlos hinlegen und umdrehen können, ohne eingeengt zu werden.

Für die Höhe gilt: mindestens 2,50 Meter für ein durchschnittlich großes Pferd. Gruppenhaltungsställe müssen entsprechend höher angelegt sein.

Trennwände im Pferdestall

Pferde sollten möglichst freie Sicht zu ihren Nachbarn und auf die Stallgasse haben. Zur Stallgasse hin offene Boxen finden sich auf immer mehr Reitanlagen. Die Pferde können mit dem Nachbarn in Kontakt treten und sind insgesamt zufriedener, so dass das Risiko von Verhaltensstörungen reduziert wird.

Der untere Bereich der Boxenwand ist ca. 1,30 Meter hoch und geschlossen. Als Materialien verwendet man hier meistens Hartholz (z.B. Eiche, Lärche, Robinie ohne Rinde), schlagfeste Sperrholzplatten oder Bambus.

Kaum eine andere Pflanze der Welt wächst so schnell wie Bambus und hat so viele positive Eigenschaften: Bambus ist umweltschonend, robust, schlag- und verbissfest. Im Gegensatz zu anderem Holz ist das Bambusrohr eine hohle Stange, die nach der Ernte in Lamellen aufgespalten und weiterverarbeitet wird.

Die Boxenwand oberhalb des geschlossenen Bereichs kann mit Gitterstäben versehen werden. So sind Sicht- und Schnupperkontakt gegeben und die Luft kann besser zirkulieren. Bei den Stäben muss der Abstand beachtet werden, der kleiner als fünf (bei Fohlenhaltung maximal zwei) oder größer als 30 Zentimeter sein sollte. Dies Abstände sind wichtig, damit das Pferd nicht mit Hufen oder Kopf steckenbleibt bzw. der Kopf gefahrlos hindurch passt. Das Material der Gitterstäbe muss stabil sein.

Boxenboden und Boxentür

Der Boden der Pferdebox soll widerstandsfähig, eben und rutschfest sein. Rauer Ortbeton oder Betonverbundsteinpflaster sind leicht zu verlegen und zu reinigen. Allerdings braucht man bei diesem Untergrund ausreichend Einstreu. Auch Gussasphalt oder Ziegelpflaster eignen sich als Boden für eine Pferdebox. Gummimatten oder Kunststoffplatten bieten Halt und die Pferde legen sich gerne hin. Nachteile: Diese Varianten verschleißen schneller und die Reinigung ist aufwändiger.

Die Boxentür muss mindestens 1,20 Meter breit sein. Sie soll aus Sicherheitsgründen von der Stallgasse aus gesehen nach links zu öffnen sein, damit der Mensch sich zwischen Pferd und Tür befindet, wenn er es hineinführt. Häufig wird eine Schiebetür verwendet.

Eine Boxentür mit einfachem Riegel ist schnell zu öffnen – auch für Pferde. Daher müssen Boxenverschlüsse drei Voraussetzungen erfüllen: Das Pferd soll die Boxentür nicht selbst öffnen können, der Verschluss muss von innen und außen einfach zu handhaben sein und er darf nicht klemmen. Das ist vor allem im Notfall wichtig, damit beispielsweise auch ein Feuerwehrmann schnell helfen kann. Für den Alltag ist es wichtig, dass die rechte Hand frei ist, so dass der Verschluss also mit links zu bedienen sein sollte. Die Tür sollte auch im unteren und oberen Bereich gesichert sein, damit kein gefährlicher Spalt entsteht, in dem ein Pferdehuf stecken bleiben kann.

Das Fenster zum Hof

Ein Fenster in der Box verbessert nicht nur den Luftaustausch, es bringt auch mehr Licht in den Stall. Die Lichtverhältnisse im Stall und draußen sollten ungefähr gleich sein. Die Fensterfläche pro Pferd sollte mindestens einen Quadratmeter betragen und eine Beleuchtungsstärke: von mindestens etwa 60 bis 80 Lux ergeben. Zum Vergleich: Ein Sonnentag bringt etwa 100.000 lx und eine Zimmerbeleuchtung etwa 500 lx. Zusätzlich kann das Pferd durch das Fenster seine Umwelt beobachten und am Geschehen teilnehmen.

Trog und Tränke

Trog und Tränke sollten im optimalen Fall diagonal voneinander oder einander gegenüberliegend angebracht sein. Da es für die Verdauung wichtig ist, dass das Pferdefutter genügend eingespeichelt wird, sollte sich der Trog nicht in unmittelbarer Nähe zur Tränke befinden. Darum gilt auch: Niemals Heu unter die Tränke legen! Manche Pferde neigen dann zum „tunken“ des Heus und speicheln das Futter nicht mehr genügend ein. Eine gute und möglichst artgerechte Fütterung mit Heu als Basis, gehört zur Deckung der Grundbedürfnisse des Pferdes und vermindert auch die Gefahr einer Kolik.

Gefahrenquellen ausschalten

◆  Alle Abmessungen einhalten!

◆  Gitterstäbe müssen stabil genug und 
ausreichend verschweißt sein

◆  Keine scharfen Kanten 
(Futtertröge, Türen, 
Tränken…)

◆  Keine herausstehenden 
Nägel, Schrauben, defekte Plastiktröge oder herausgetretene Planken der Trennwand

◆  Fenster, Leuchten, Elektro- und Wasserleitungen sichern

Sebastian Duda - Fotolia

Wer einen Pferdestall bauen will, muss rechtliche Fragen abklären (© Sebastian Duda - Fotolia)

Wer einen Pferdestall bauen will, muss Behördengänge einplanen

Grundsätzlich gilt: Nahezu alle Elemente einer Reitanlage sind genehmigungspflichtig – ganz gleich ob Neubau, Erweiterungen, Umbauten und Nutzungsänderungen von bestehenden Gebäuden. Die Gesetze, die dabei beachtet werden müssen, sind sehr umfassend und auf verschiedene Bereiche aufgeteilt. Grob unterschieden werden dabei bauplanungsrechtliche und bauordnungsrechtliche Vorschriften. Das Bauplanungsrecht, niedergeschrieben im Baugesetzbuch und der Baunutzungsverordnung, zählt zum Bundesrecht. Es regelt, ob auf dem geplanten Grundstück überhaupt eine Reitanlage gebaut werden darf.

Landesbauordnungen beachten

Für das Bauordnungsrecht ist die Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslandes entscheidend. Es regelt die genehmigungsverfahren und bestimmt die Ausführung der geplanten Gebäude – abhängig beispielsweise von Standsicherheit, Feuer- und Tierschutz. Je nach Region können also andere Regeln gelten – beispielsweise gibt es Wasserhaushaltsgesetze, die von den Landeswasserbestimmungen
je nach Bundesland abhängig sind. In bestimmten Regionen darf eine bestimmte Anzahl von Stallplätzen nicht überschritten werden, um die Tierzahl nicht zu erhöhen. Genaue Kenntnisse sind definitiv nötig – und was der Bekannte in Bayern rät, muss längst nicht in Niedersachsen gelten.

Bebauungsplangebiet kennen

Generell fallen Reitanlagen unter „Anlagen für sportliche Zwecke“. Zuerst sollte herausgefunden werden, in welchem Bereich das Grundstück liegt. Jede Gemeinde teilt ihre Gebiete in drei Bereiche ein: Das Bebauungsplangebiet enthält Gebiete mit Bebauungsplänen, der Innenbereich umfasst bereits bebaute Ortsteile und der Außenbereich liegt außerhalb der Bebauungsgrenzen.

  • Fällt das Grundstück in ein Bebauungsplangebiet, gibt es eine Unterteilung in verschiedene Gebiete. Reitanlagen sind nach der Baunutzungsverordnung infolgenden Gebieten zulässig: Allgemeine Wohngebiete, besondere Wohngebiete, Dorfgebiete, Mischgebiete, Kerngebiete und Gewerbegebiete. Ausnahmen können in Kleinsiedlungsgebieten und Industriegebieten erteilt werden. „Die besten Chancen bestehen in Sondergebieten, die der Erholung dienen. Jedoch nur dann, wenn der Pferdesport in den dazu gehörenden „sportlichen Zwecken“ erwähnt ist“, so Fink.
  • Für Innenbereiche ist der Bau zulässig, wenn die Erschließung gesichert ist und das Ortsbild nicht beeinträchtigt wird. Definiert im Baugesetzbuch §34 ist das so: Das Vorhaben ist zulässig, „Wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist…“.
  • Im Außenbereich tritt §35 des Baugesetzbuchs mit diffizilen Bedingungen ein. Unter anderem muss das Grundstück einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb dienen, die Erschließung muss sichergestellt sein, der Bau darf nur einen untergeordneten Teil der Betriebsfläche einnehmen etc. Gewerbliche Betriebe haben es schwerer, Vereinsanlagen ebenfalls. Eine Genehmigung kann nur dann neu ermöglicht werden, wenn die Gemeinde einen Flächennutzungsplan ändert oder neu aufstellt. Bei Bebauungen im Außenbereich kommen meist Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auf den Bauherrn zu – oft muss der gleiche Raum einer versiegelten Fläche an anderer Stelle begrünt werden. Doch Vorsicht: Wir sind in Deutschland. Und da ist sogar die Baumart, die gepflanzt werden muss, festgelegt.

Baubehörden bieten Beratungsgespräche

Lange vor dem ersten „Spatenstich“ sollte deshalb unbedingt geklärt werden, ob eine Baugenehmigung erforderlich ist oder eine Bauanzeige reicht. Kostenlose Beratungsgespräche bieten die Baubehörden an. Fachlich korrekt heißt das „Bauvoranfrage mit Bauvorbescheid nach § 74“. Dasselbe gilt bei geplanten Umbauten. Laut § 35 des Baugesetzbuchs ist das folgendermaßen definiert: „Das Vorhaben dient einer zweckmäßigen Verwendung erhaltenswerter Bausubstanz. Das Gebäude muss geeignet sein, die neue Nutzung ohne intensive (bauliche) Eingriffe aufzunehmen. Die Substanz muss gut sein. Stark geschädigte oder gar ruinöse Gebäude scheiden weitgehend aus, hier gibt es jedoch Sonderlösungen. Die äußere Gestalt des Gebäudes bleibt im Wesentlichen gewahrt. Neue oder veränderte Öffnungen (Fenster und Türen) sind möglich, wo sie erforderlich sind.“

Auf den positiven Vorbescheid folgt der Bauantrag, der von einem vorlageberechtigten Fachmann erstellt werden muss und katasteramtliche Lagepläne, detaillierte Bauzeichnungen, Statiken, Bau- und Betriebsbeschreibungen und vieles mehr enthalten muss. Ein wenig Geduld gehört dazu: Bis ein Bauantrag genehmigt ist, können schon mal einige Monate verstreichen.

Die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten

Schöner, neuer, besser – alles gut, doch finanzierbar muss es bleiben. Unter dem Strich soll schließlich etwas herauskommen. „Vor jeder Bauplanung, Betriebsgründung oder Betriebsübernahme sollte immer eine Wirtschaftlichkeitsberechnung stehen. Auch hier sollte eine kompetente Beratung eingeholt werden“, rät Fink. Sonst kann die Traumanlage schnell im finanziellen Fiasko enden.

Vereinfacht dargestellt werden Aufwändungen und Erträge gegeneinander gerechnet. Die Differenz von beidem ergibt ein Plus oder Minus. Zu den Aufwendungen zählt eine ganze Menge, die nicht unterschätzt werden darf: Pacht- und/oder Zinszahlungen, Reparaturen, Versicherungen, Abschreibungen für Gebäude und Maschinen, Löhne mit Sozialabgaben, Futter, Strom, Wasser, Heizung etc. Die Erträge können hingegen aus folgenden Einnahmen bestehen: Einstellkosten für Pensionspferde, Reitunterricht, Pferdeverkauf und -ausbildung, Dienstleistungen wie Weide- oder Führanlagen-Service, Aufzucht etc. Über Grundkenntnisse in der Betriebswirtschaftslehre sollte jeder Selbstständige verfügen.

Sinnvoll bei Pferdebetrieben mit verschiedenen Schwerpunkten ist eine Aufgliederung der Betriebszweige, beispielsweise in Pensionspferde, Lehrpferde, Unterricht etc. Für jeden Betriebszweig kann dann eine Wirtschaftlichkeit berechnet werden, wofür Einnahmen und Kosten verrechnet werden. Aus diesem Deckungsbetrag sowie den Festkosten des Reitbetriebs wie technische Ausstattung, Gebäude etc. errechnet sich dann der Gewinn der Anlage.

© Info zur Verwendung von Texten der Autoren Sarah Baum, Natalie Demtrøder, Kirsten Stamer und Julia Wentscher

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