Blog 1 vom Weltcup-Finale in Paris – Pomp und Pracht zum Auftakt an der Seine

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St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer berichtet vom Geschehen hinter den Kulissen beim Weltcup-Finale 2018 in Paris. (© von Hardenberg)

Das Projekt Weltcup-Finale 2018 ist angelaufen. Wenngleich sportlich noch nicht so viel passiert ist, zu erzählen gibt es schon einiges …

Schwere Damastvorhänge, vergoldete Säulen und Türen, wohin man blickt. Halb und ganz nackte üppige Schönheiten an Wänden und Decken. Wow! Das hatte Stil. Die „Mairie“, das Bürgermeisteramt der Stadt Paris, war der Schauplatz für einen eher prosaischen Vorgang, das Auslosen der Startfolge für Dressur- und Springreiter-Weltcup, erster Treffpunkt der Szene vor dem heute beginnenden Sport. Als Kleidung war gewünscht „elegant“ – bei solchen Anlässen staunt man ja, was manche Leute darunter verstehen. Aber es gab auch tolle Erscheinungen, etwa die philippinische Model-Dressurreiterin Ellesse Tzinberg in einem Traum aus rosa Seide. Bevor man in die Goldenen Säle des Bauwerks aus dem Ancien Regimes, also vor 1789, vordrang, musste eine mit rotem Teppich ausgelegte ziemlich lange Treppe erklommen werden. Trompeter und Posaunisten der weltberühmten Band der Garde Republicaine in blauroter Galauniform mit güldenen Helmen, auf denen lange Federbüsche, wippten, begrüßten jeden Gast mit einem Signal. Isabell Werth, zur Zeit die Doppelspitze der Weltrangliste, Nummer eins mit Weihegold, Nummer zwei mit Emilio, und der Franzose Ludovic Henry zogen die Lose für die Dressurreiter. Der Schwede Henrik von Eckermann und der französische Mannschaftsgoldmedaillengewinner der Olympischen Spiele von 2016, Roger-Yves Bost, taten desgleichen für die Springer.

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Olympiasieger mit der Equipe Tricolore und die „Glücksfee“ bei der Auslosung der Startplätze im Springen: Roger Yves Bost (© www.paulinevonhardenberg.com)

Für die beiden Deutschen lief es bestens: Daniel Deußer und Marcus Ehning starten am Donnerstagabend in der zweiten Häfte, Deußer als 22., Ehning als vorletzter von 37. Reitern. Dieser Platz wurde auch Dressur-Titelverteidigerin Isabell Werth zugelost, Startzeit morgen ist 18.09 Uhr. Jessica von Bredow-Werndl reitet um 17.32 Uhr, Dorothee Schneider um 18 Uhr.

Pferd des Jahres, Reiter des Jahres

Sponsor Longines hatte eine Trophäe für das „Pferd des Jahres“, gestiftet. Sie ging an Stute HH Azur, mit der Vorjahrssieger McLain Ward versuchen will, seinen Titel im Springreiter-Weltcup zu verteidigen. „Asch Asch Azür“ – so klingt das auf französisch.

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Zwei, die sich gut verstehen: Ingmar de Vos, FEI-Präsident und Longines-Marketingchef Juan-Carlos Capelli. (© www.paulinevonhardenberg.com)

Reiter des Jahres wurde der Weltranglisten-Erste Kent Farrington. Nach der Pflicht gab’s die Kür, will heißen, Champagner satt und ein Dreisterne-Buffet. Schon da war Paris mal wieder eine Reise wert.

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Wenn Paris, dann Feinschmecker. Bon Appetit! (© www.paulinevonhardenberg.com)

Podeste und Kontaktverbot

Ab heute geht es also sportlich zur Sache. Die Halle sprüht nicht gerade vor Charme, alles schwarz in schwarz, die Wände, die Sitze, die Bande, nur der helle Sand in der Arena leuchtet hervor. Fotografen, die nicht gerade unter Riesenwuchs leiden, wie unsere Pauline, könnten gerade mal das Näschen über die Bande stecken. Jetzt gibt’s kleine Podeste für die, die nicht ganz so lange Beine haben. Durch unser Pressezentrum paradieren immer wieder Polizisten mit großen Schäferhunden, die nach Sprengstoff schnüffeln. Die Polizisten mögen es gar nicht, wenn man versucht, mit ihren Vierbeinern anzubändeln. Die Sicherheitsvorkehrungen sind in der Stadt, die mehrere Attentate hat durchleiden müssen, logischerweise besonders streng.

Vet-Check-Fazit

Die drei deutschen Dressurpferde, Weihegold von Isabell Werth, Unée von Jessica von Bredow-Werndl und Sammy Davies Jun. von Dorothee Schneider passierten den Vet Check anstandslos. „Wär ja auch noch schöner, wenn wir hier schon zittern müssten“, sagt Bundestrainerin Monica Theodorescu. Isabell hat ihren neunjährigen Sohn Frederik dabei, der die Mama in Atem hält, wenn sie gerade mal nicht auf dem Pferd sitzt oder Interviews gibt.

Augen auf bei der Kleiderwahl!

Frühmorgens beim Vetcheck bekam auch ich schon mein Fett weg. Ich trug meinen korallenroten Mantel, eines meiner Lieblingsstücke, der allerdings bei der deutschen Abordnung Missfallen hervorrief. „Diese Farbe“, stöhnte Co-Trainer Jonny Hilberath. Tatsächlich sehr ähnlich dem Orange der Holland-Fans. „Geht gar nicht.“ Ich hatte mich schon gewundert, warum mich Edward Gal morgens bei der Akkreditierung so freundlich begrüßt hatte. Ein Glück, dass es sich um einen Wendemantel handelt. Also das Teil flugs auf links drehen. Ab sofort gehe ich in schlichtem Beige, nur am Rand blitzt noch die rote Kante. Wenn’s denn hilft!