Hagen: Isabell Werths Emilio mit dem Grand Prix seines Lebens

Pferd, Reiten, Dressur, Grand Prix

Die Hallensaison endete mit einem Highlight für Isabell Werth und die Freiluftsaison beginnt mit einem eben solchen. So, wie Emilio sich heute in Hagen bei den Horses and Dreams präsentierte, muss Weltcupsiegerin Weihegold sich warm anziehen.

Die letzte Gruppe des mit insgesamt 23 Paaren besetzten Grand Prix für den Special heute in Hagen hatte es in sich – hier folgte ein Highlight auf das nächste. Pünktlich für den Auftritt des Paares Isabell Werth/Emilio lugte die Sonne durch die Wolken. Und gestrahlt hat heute auch Emilio, der nun zwölfjährige Westfale v. Ehrenpreis.

Im starken Trab flog er nur so los. Die Traversale nach links war noch etwas flüssiger als die nach rechts. Das Halten vor dem Rückwärtsrichten war lehrbuchreif, das Rückwärtsrichten selbst etwas schleppend. Als Werth das nächste Mal auf die Diagonale einbog, wusste Emilio anscheinend schon, was kommt. Es kam etwas Spannung auf und dadurch ein Taktfehler gleich zu Beginn des starken Trabs. Aber Emilio fing sich sofort und trabte weiter als sei nichts gewesen. Die Piaffen und Passagen waren schon immer seine Stärke, aber die Mühelosigkeit und das Gleichmaß in diesen Lektionen suchten heute ihresgleichen. Im versammelten Schritt an der kurzen Seite vor den Richterhäuschen kam dann noch einmal ein wenig Spannung auf. Aber es gelang Isabell Werth die Tour bis zum Anpassagieren zu retten. Wieder folgte eine ganz starke Piaffe-Passage-Tour. Das Angaloppieren daraus war mit leichtem Widerstand, die Zweierwechsel danach aber gerade und sicher nach vorne durchgesprungen. Auf exakte Zick-Zack-Traversalen folgten Einerwechsel, für die Werth zu Recht vier Achten erhielt. Im starken Galopp konnte Isabell Werth Emilio richtig schicken, die Pirouetten waren das nächste Highlight: vollkommen ausbalanciert und auf kleinstem Kreis. Danach brachten die beiden ihre Mission mit einer fantastischen Schlusslinie zu Ende. Für die letzte Piaffe gab es von Susan Hovenaars bei B sogar eine 10. Alles in allem gab es 81,326 Prozent für das Paar und jeder einzelne Punkt war verdient.

Isabell Werth war sichtlich zufrieden mit ihrem Auftritt und bestätigte später: „Das war in der Tat Emilios bislang bester Grand Prix. Er konnte heute an die Leistung von ’s-Hertogenbosch anschließen. Das hatte ich gehofft. Ich kann seine Qualitäten nun herausreiten und die Wechseltouren haben sich sehr verbessert.“

Wobei es für den Wallach schon eine Umstellung gewesen war von der Halle an die frische Luft. „Wir haben ihn in den letzten Tagen bewusst nicht früh morgens geritten, sondern wenn schon etwas los war, um ihn mit der Atmosphäre zu konzentrieren. ,An‘ war er heute trotzdem, aber das ist ja auch gut so!“

Bei einem Emilio in dieser Form muss Weihegold aufpassen, dass aus der „Nummer 1b“ im Stall, wie Werth Emilio mal bezeichnet hat, nicht plötzlich die Nummer eins wird. Das Potenzial dazu hat er. In Hinblick auf die Weltreiterspiele dürfte das noch spannend werden. Aber hier lässt Isabell Werth noch alles offen: „Ich bin froh, dass Emilio sich so weiterentwickelt hat und kann ja nur glücklich darüber sein, zwei starke Waffen im Stall zu haben, ein Pferd, das Weihe auf Augenhöhe begegnen kann. Jetzt werden beide Pferde über Balve auf Aachen vorbereitet und dann werden wir sehen.“

Frauenpower in Aubenhausen

von Korff

Jessica von Bredow-Werndl und Zaire bei den Horses and Dreams 2018. (© von Korff)

Einen schöneren Satz hätte Bundestrainerin Monica Theodorescu Jessica von Bredow-Werndl nach ihrem zweiten Platz auf der 14-jährigen KWPN-Stute Zaire v. Son de Niro wahrscheinlich gar nicht sagen können: „Die Stute hat schon über den Winter eine sehr konstante Leistung gezeigt und die konnte sie auch heute wieder abrufen.“

Denn die Konstanz, die war es, die Zaire bei allem Talent bislang immer etwas fehlte. Die Stute ist hoch sensibel, und auch heute gab es zu Beginn der Prüfung ein paar Angstmomente, als Zaire im starken Trab auf die Ecke bei H zukam. Aber dann fing sie sich und wurde von Lektion zu Lektion sicherer und besser. Auch bei ihr sind die Passagen Spitze – ganz im Gleichmaß, fleißig und wie die gesamte Prüfung vorbildlich in der Anlehnung. Die Piaffen sind ebenfalls fleißig und taktrein, könnten vielleicht noch eine Idee erhabener werden, wenn die Stute sich noch mehr loslässt. Am Reiten liegt es jedenfalls nicht. Wie korrekt die Stute gearbeitet wird, sieht man z.B. auch in den Trabverstärkungen mit deutlicher Rahmenerweiterung und von hinten nach vorne entwickelt.

Leider schwankte Zaire in den Zweierwechseln ziemlich und die Einer zwar alle sicher durchgesprungen, doch hier kamen offenbar wieder Spannungen auf, denn die Stute machte sich im Rücken etwas fest. Aber alles in allem war das eine gute Runde, die mit 75,696 Prozent bewertet wurde.

Auch Jessica von Bredow-Werndl hält sich bedeckt, was ihre WEG-Pläne anbelangt. Aber eines ist sicher: „Ich bin heiß darauf, es ins Team zu schaffen!“ Ansonsten freue sie sich über die Qualität ihrer beiden Stuten. Denn neben Zaire hat sie in Hagen ja auch noch Dalera BB dabei, das Pferd, die Louisdor Preis-Siegerin, von der von Bredow-Werndl sagt: „Ein ganz heißes Eisen im Feuer.“ Ihr fehle es noch an Prüfungsroutine, darum will die Mutter eines noch nicht ganz einjährigen Sohnes vor Balve noch nach München fahren.

Cosmo hat es „spannend“ gemacht

von Korff

Sönke Rothenberger und Cosmo – trotz zahlreicher Spannungsmomente auf Rang drei im Grand Prix der Horses and Dreams 2018 in Hagen. (© von Korff)

Mit Spannung erwatet worden war der Auftritt von Sönke Rothenberger und Cosmo. Und spannend wurde es dann auch. In jeder Hinsicht. Der nun elfjährige KWPN-Wallach v. Van Gogh hatte heute seinen ersten großen Auftritt seit den Europameisterschaften in Göteborg, wo er bekanntlich neben Mannschaftsgold zwei Einzelsilbermedaillen gewann.

Eigentlich hätte Cosmo im spanischen Toledo sein erstes Turnier nach dieser langen Pause gehen sollen, aber das Turnier fiel buchstäblich ins Wasser. So war Hagen nun Premiere. Cosmo hat über den Winter an Muskulatur gewonnen und nichts von seinem Charme eingebüßt.

Schon beim Hereinreiten inspizierte der Braune jede Ecke, blieb aber gehorsam bei seinem Reiter. Noch. Die beiden begannen ganz stark mit einer korrekten Grußaufstellung, einem starken Trab, in dem der Reiter nun mehr zum Nachgeben kommt und die Rahmenerweiterung zulassen kann. Es hagelte Neunen. Dann die Traversalen – mehr kreuzen geht nicht. Doch als es in der Linkstraversale auf H zuging, sah Cosmo offenbar ein Gespenst. Oder das Kamel, Symbol für „Horses and Dreams meets the Royal Kingdom of Jordan„, auf der blauen Wand, die das Dressurviereck abschirmt. Jedenfalls hätte er gerne auf dem Absatz kehrt gemacht, wenn sein Reiter ihn gelassen hätte. Aber den Gefallen tat er ihm nicht.

Die beiden bekrabbelten sich wieder. Ein Spannungstritt vor dem Übergang von der Passage in die Piaffe war sicherlich noch ein Nachhall des Schreckmoments. Der starke Schritt gelang verhältnismäßig sicher. Die federnde Passage im Anschluss entlockte dem Richter bei E, Henning Lehrmann, eine 10. Die Piaffe daraus war dann zunächst sehr im Vorwärts. Erst die letzten Tritte gelangen auf der Stelle. Aber wie! Kraftvolles, taktreines und fleißiges Abfußen bei reeller Lastaufnahme. Das sieht man selten in der Qualität.

Das Angaloppieren aus der Passage ist eine von Zuschauern gerne unterschätzte Schwierigkeit. Bei Rothenberger und Cosmo gehörte diese Lektion heute zu den Highlights. Nach sicheren Zweierwechseln sollte eigentlich der starke Galopp kommen. Aber bei X scheute Cosmo, sprang um und der Reiter hatte Mühe, ihn wieder zurückwechseln zu lassen. Das kostete Punkte. Und so richtig fanden die beiden dann auch nicht mehr in Tritt. Die erste Pirouette war noch gut. Aber in der zweiten sprang Cosmo zwei Sprünge hinten beidbeinig. In der letzten Trabtour zeigte er dann aber noch mal, was er kann.

Alles in allem erhielt das Paar 75,261 Prozent. Das Fazit des Reiters: „Er war heute viel zu frisch. Ich kam gar nicht zum Reiten. Und mir sind heute selber viele Fehler passiert, die hoffentlich bis morgen behoben sind.“ Denn morgen steht der Special auf dem Programm. Ja, es ärgere ihn schon, dass es nicht auf Anhieb geklappt hat, gab Rothenberger zu. Für Monica Theodorescu war das allerdings wenig überraschend. „Das ist überhaupt kein Beinbruch. Mir ist es lieber, da ist noch ,Room for improvement‘, wie die Richter es unters Protokoll schreiben, als dass schon alles ausgereizt ist!“

Die weiteren Platzierten

Die Bundestrainerin vergaß in ihrem Fazit auch nicht, den Ritt von Fabienne Lütkemeier und Fabregaz lobend zu erwähnen. Der hühnenhafte bayerische Florestano-Sohn zeigte heute eine fehlerfreie Runde mit Highlights. Vor allem in den Wechseltouren. Mit 74,478 Prozent wurden die beiden Sechste.

Dazwischen schoben sich zwei schwedische Paare auf die Plätze vier und fünf. Patrik Kittel stellte heute die erst zehnjährige in der Schweiz gezogene Well Done de la Roche vor, eine Tochter des Fürstentraum. Bislang hatte Kittel mit der Stute die ganz große Konkurrenz gemieden. Ihr erstes internationales Grand Prix Turnier ging Well Done de la Roche im Mai 2017 in Compiègne. In Brno und in Falsterbo waren die beiden schon siegreich gewesen. In Darmstadt-Kranichstein wurden sie zweimal Zweite. Und beim CDI5*Genf belegten sie schon einmal Rang drei und Rang vier. Heute wurden sie mit 74,457 Prozent Vierte.

Dahinter landete Therese Nilshagen auf dem Oldenburger Hengst Dante Weltino v. Danone mit 73,587 Prozent. Der Rappe hatte echte Highlights wie z.B. den starken Galopp und die Pirouetten. Allerdings kam er im Verlaufe der Aufgabe recht tief und etwas hinter die Hand.