Olympia: Souveräner Auftakt der deutschen Dressurreiter

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Sandro Hit-Sohn Show Star (© Pauline von Hardenberg)

Mit zwei gelungenen Ritten von Dorothee Schneider und Sönke Rothenberger legen die ersten beiden deutschen Reiter den Grundstein für das Mannschaftsgold in der Dressur.

Dorothee Schneider auf Showtime v. Sandro Hit und Sönke Rothenberger auf Cosmo v. Van Gogh setzten sich nach der ersten Hälfte des Grand Prix an die Spitze des Feldes und schufen damit beste Voraussetzungen für einen deutschen Mannschaftserfolg bei Olympia in rio. Damit haben sie an die Leistungen von Aachen wie gehofft angeknüpft, bzw. sich sogar noch gesteigert.

.„Ich bin auf Wolke Sieben“, sagte Dorothee Schneider nach ihrem Ritt. Kurz vor dem Einritt hatte ihr Hannoveraner Showtime einen Moment gescheut, ein beruhigendes Klopfen der Reiterin brachte die Gelassenheit zurück. „Er ist ja so große Stadien noch nicht gewöhnt, aber er blieb bei mir.“  Mit gewohntem Schwung ging Showtime die Aufgabe an, die ersten beiden Piaffen gerieten vielleicht etwas wenig ausdrucksvoll, dafür die Passagen umso brillanter. Für die Schlusspassage auf der letzten Linie zogen die sieben Richter im Schnitt eine 9,5. Die Galoppwechsel gelangen fehlerlos, auch die Traversalen, der Braune blieb allerdings die ganze Zeit über ein wenig eng im Hals. Der einzige Patzer war ein Ausfall nach der Linkspirouette. „Das war mein Fehler“, sagte Schneider, „die Pirouette war einfach zu klein, ich hatte ihn dann nicht mehr vor dem Bein. Es war einfach ein Missverständnis.“ Zwischenzeitlich lagen die Noten bei über 84 Prozent. Das Missverständnis kostete natürlich Punkte, aber mit 80,179 Prozent konnte ihr die Zwischenführung niemand mehr streitig machen.

Bisher an zweiter Stelle liegt Sönke Rothenberger auf dem neunjährigen Cosmo mit 77,329 Prozent. Der 21-jährige Olympiadebütant sollte auf dem jüngsten Pferd der olympischen Dressur eine sichere Runde vorlegen. Das ist gelungen. Cosmo, noch nicht voll ausgeritten in den Verstärkungen, ging ohne Fehler sein Programm. „Ich konnte den anderen den Druck ein wenig von den Schultern nehmen.“ Die Stimmung im Team sei sehr gut, sagte der Wirtschaftsstudent. „Man hat keinen Druck aufgebaut.“ Für den Grand Prix Special am Freitag, nach dem die Mannschaftsmedaillen entschieden sind, hat er sich vorgenommen, „noch ein Schippchen drauf zu legen, die Piaffen etwas spritziger“. In der Tat hatte das Paar in dieser Lektion heute noch ein paar Punkte liegen lassen.

Auch Klaus Roeser, Vorsitzender des Dressurausschusses des Deutschen Olympiadekomitees für Reiterei (DOKR)  fand lobende Worte für die beiden Anfangsreiter. „Das waren zwei tolle Ritte, gerade auch von Sönke. Da fiel uns ein Stein vom Herzen dass er so gut vorgelegt hat.“

Dicht hinter Rothenberger rangiert die Britin Fiona Bigwood mit Othilia vorläufig auf Platz drei mit 77,157 Prozent.  Die elegante Rappstute hat mit Gribaldi denselben Vater wie Totilas, auch eine ähnliche Vorderbeinaktion im Trabe. Schnurgerade Einerwechsel und gute Pirouetten und ausdrucksvolle Passagen standen auf Positivseite, ein mäßiger Schritt und zum Teil sehr nach vorne gerittene Piaffen schlugen bei der in Dänemark geborenen Oldenburger Stute negativ zu Buche.

Parzivals Karriereende?

Vierter ist bisher der Niederländer Edward Gal auf dem Rappen Voice v. De Niro (75,271). Seine Teamkollegin Adelinde Cornelissen musste mit dem 19-jährigen Parzival nach dem ersten Drittel der Aufgabe aufgeben, weil der Fuchs offensichtlich krank war. Er hatte Fieber, nach einem Insektensticke, der seine Backe anschwellen ließ. Der niederländische Teamvet hatte dem trotzdem Start zugestimmt. Die Zunge der einstigen Nummer eins der Welt war nicht zu übersehen.

Gut im Rennen um eine Medaille liegen auch die US-Amerikaner nachdem Kasey Perry Glass mit Dublet, der Überraschung des CDI Compiegne, mit 75,229 Prozent das bislang fünftbeste Ergebnis erzielten.

Morgen geht die zweite Hälfte an den Start, Kristina Bröring -Sprehe mit Desperados um 12.21 Uhr (17.21 MESZ), Isabell Werth mit Weihegold um 15.51 (20.51 MESZ). Die Goldfavoritin Charlotte Dujardin (GBR) auf Valegro startet um14.24 Uhr (19.24 Uhr). Die Entscheidung um die Mannschaftsmedaillen fällt am Freitag nach dem Grand Prix Special, zu dem noch die besten sechs der insgesamt 13 Teams zugelassen ist.

 

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