Nisse Lüneburg siegt im 90. Deutschen Spring-Derby

Hamburg – 90. Deutsches Spring- und Dressur Derby 2019

Derbysieg Nummer drei für Nisse Lüneburg: Mit Cordillo gewann er das 90. Deutsche Spring-Derby 2019 (© www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz)

Zwei Reiter schafften es mit Nullfehlerritt Nr. 158 und 159 ins Stechen. Dort war Shane Breen mit Can Ya Makan gut. Aber Nisse Lüneburger und der Holsteiner Cordillo waren besser. Für Lüneburg war es der dritte Derbysieg. Sandra Auffarth wurde Dritte.

Nisse Lüneburg hat auf dem elfjährigen Holsteiner Cordillo v. Corrido-Candillo das 90. Deutsche Spring-Derby in Hamburg vor dem Iren Shane Breen auf Ca Ya Makan v. Canturo gewonnen. Für den 30-jährigen Holsteiner war es der dritte Derbysieg nach 2012 und 2014, jeweils mit Calle Cool. Die Entscheidung fiel erst im Stechen der beiden Reiter, die als einzige mit den Nullfehlerritten Nummer 158 und 159 den Traditionskurs verlassen hatten.

Mit 30 der dritte Sieg im Deutschen Spring-Derby

„Ich hatte gesehen, dass Shanes Pferd schneller ist als meins. Condillo ist nicht so grundschnell und bei dem Wetter musste ich ihn auch ganz gut motivieren. Aber ich wusste auch, dass er mich nicht hängen lassen würde.“ Die Derbyvorbereitung habe diesmal vor ungefähr drei Monaten begonnen. „Es war ja klar, dass das Derby das Ziel ist, da galoppiert man schon mal mehr.“ Und in einer Hinsicht lief die Vorbereitung auch anders als die Male zuvor. Stichwort: Wall – was sonst? „Ich war auf dem Turnier in Harsefeld und da habe ich gesehen, dass Jörg Peper sich einen Wall gebaut hat. Da habe ich gefragt, ob ich zum Üben kommen kann.“ Peper stimmte sofort zu. „Und dann bin ich da erstmal zu Fuß hoch und hab gedacht, Mann, der ist echt hoch.“ Ganz ähnlich wohl auch der Gedanke von Cordillo. „Der packt alles an, aber als er dann da oben an der Kante stand, da hat er 15, 20 Sekunden auch überlegt. Nicht gescheut, aber nachgedacht.“ Dann aber ging der Holsteiner auch diesen Wall mutig hinab, Klein Flottbek konnte kommen.

Der Ire Shane Breen wollte vor allem ohne Abwurf bleiben. Entsprechend war die Zeit, die er vorgelegt hatte, 54,71 Sekunden, nicht zu schwer zu unterbieten – falls alle Stangen oben bleiben. „Ich habe mein Pferd heute ein bisschen hängen lassen“, sagte der Ire.

Eigentlich ist er superschnell. Ich glaube, ich war bei allen Derbys auf diesem Globus schon mal Zweiter.

Der Ire Shane Breen über seine eingeschränkte Freude über Platz zwei im 90. Deutschen Spring-Derby

Fehlerfrei zu bleiben gelang Nisse Lüneburg mit der Abgeklärtheit des erfolgreichen Derbyreiters sozusagen mühelos. Der Wallach im Besitz von Lüneburgs Arbeitgeber Stall Magdalenenhof, vielleicht nicht der Grundschnellste, galoppierte sicher und unbeirrt über den Stechparcours, die Zeit (53,52) reichte. „Cordillo hat einen Wahnsinnscharakter, schon als er am Dienstag das erste Mal auf den Platz kam, blieb er völlig ruhig. Im Charakter bekommt er eine zehn.“

Böse Klippe: Sprung 13 im Deutschen Spring-Derby

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Nisse Lüneburg und Cordillo über dem Birkenoxer beim 90. Deutschen Spring-Derby 2019 (© www.sportfortos-lafrentz/Stefan Lafrentz)

„Keine besonderen Probleme“, stand im Programmheft über den Sprung Nummer 13 nachzulesen. Außer vielleicht für abergläubische Gemüter. Ein rostrotes Koppelrick, 1,60 Meter hoch, luftig, aber nichts, was Pferde der Derbykategorie nicht öfter mal zu sehen bekommen. Da ist das nächste Hindernis, das berüchtigte Pulvermanns Grab, schon tückischer. Aber für Sandra Auffarth und La Vista, für die wahrscheinlich mehr Daumen gedrückt wurden als für alle ihre Mitstreiter zusammen, wurde  dieses Koppelrick zum Verhängnis. Ganz leicht touchierte die zehnjährige Hannoveraner Stute v. Lordanos das Gatter – das genügte, um es aus den Angeln zu heben. Die Hindernisse vorher und nachher blieben liegen, sogar die weiße Planke hinter dem großen Wall, das Kriterium schlechthin für die Derbyqualitäten eines Pferdes. Hier gab es für Auffarth und La Vista den einzigen kritischen Moment, die Fuchsstute sprang auf halber Höhe vom Wall, strauchelte kurz vor dem 1,60 Meter hohen Plankensprung, riss sich dann zusammen und überwand das weiße Ungetüm ohne Fehler. „Da hat sie gezeigt, was für eine Einstellung und Springvermögen sie hat, dass sie das noch so rausgezaubert hat“, sagte Auffarth.

Wenn sie über den Flüchtigkeitsfehler an Sprung 13 enttäuscht war, ließ sie es sich nicht anmerken. „Ich habe das beste Derbypferd der Welt und bin glücklich mit dem dritten Platz,“ sagte die frische gebackene Pferdewirtschaftsmeisterin. Den verdankt sie ihrer Zeit von 157,67 Sekunden, mit der sie die vier anderen Vierfehler-Reiter hinter sich lassen konnte. Ein wenig seien La Vista vielleicht im Laufe des Rittes die Kräfte ausgegangen, sagte Auffarth nach ihrem Ritt. Bei hochsommerlichen Temperaturen von 31 Grad schwitzten nicht nur die 25.000 Zuschauer, auch den Pferden wurde konditionell einiges abverlangt.

Mit dem Leihpferd auf Platz vier

Vorjahrssieger Matthew Sampson vergab seine Siegchance an demselben verflixten Gatter Nummer 13, alles andere sah auch bei diesem Paar ganz leicht aus. Das Pferd Quality Old Joker hatte er sich von seiner Kollegin Holly Smith geliehen, die an diesem Wochenende in St. Gallen für Großbritannien ritt. Sie war mit dem elfjährigen Iren im vergangenen Jahren Fünfte geworden.

Lange führte Benjamin Wulschner mit der zwölfjährigen Bangkok Girl v. Balou du Rouet die Liste an, ein Fehler an Pulvermanns Grab vermasselte dem Sieger der ersten Qualifikation den möglichen Sieg, Platz fünf.  Bis kurz vor Ende des Parcours sah es aus, als ob auch dem britischen Routinier Nigel Coupe auf dem 16-jährigen Iren Golvers Hill eine fehlerfreie Runde gelingen würde. Die Stange fiel im letzten Teil des Parcours, am Holsteiner Wegesprung, Platz sechs. Der erste Reiter, der mit nur einem Abwurf aus dem Kurs kam, war der Sieger von 2013, Gilbert Tilmann auf dem Zweibrücker Hadjib, am Ende Siebter.

Wie schon in den letzten Jahren zogen die meisten Spitzenreiter es vor, sich das Derby zu sparen. Bis auf Christian Ahlmann, der mit dem Zangersheider Hengst Atomic zwar am Ende mit drei Fehlern nicht ins Geschehen eingreifen konnte. Aber gelohnt hat sich dennoch, bis Sonntag in Hamburg zu bleiben. Atomic, der in der zweiten Qualifikation nur widerwillig den Wall heruntergerutscht war, gab im Derby selbst dann fast so was wie den Musterknaben. Und nächstes Jahr gibt es ja wieder ein Springderby in Klein Flottbek, dann wird der Klassiker, von dem Riders Tour-Chef Paul Schockemöhle sagte, ohne es wäre der Sport ärmer, 100 Jahre alt.

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RANKING DER RIDERS TOUR 2019

(Nach den ersten drei Etappen Horses &Dreams, Redefin und Deutsches Spring-Derby)

1. Nisse Lüneburg GER 22
2. Katrin Eckermann GER 20
2. David Will GER 20
4. André Thieme GER 18
5. Shane Breen IRL 17
5. Tobias Meyer GER 17
5. Julien Anquetin GER 17
5. Alexa Stais RSA 17
9. Sandra Auffarth GER 15
9. Ludger Beerbaum GER 15
9. Harm Lahde GER 15

Nächste Etappe ist das Turnier der Sieger in Münster 1.-4. August 2019

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