Ingrid Klimke gewinnt Bronze in der Vielseitigkeit

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Ingrid Klimke und Hale Bob, Tryon WM 2018 (© Pauline von Hardenberg/FEI/st-georg.de)

Mit einem fehlerfreien Ritt im abschließenden Springen hätte Ingrid Klimke Weltmeisterin der Vielseitigkeitsreiter werden können. Bis zum letzten Sprung war sie auf Spur, dann fiel die Stange – Bronze. Neue Weltmeisterin ist Rosalind Canter, die mit der britischen Equipe auch Mannschaftsweltmeisterin wurde. Das deutsche Team landete auf Platz fünf.

13 Hindernisse, 16 Sprünge lagen im großen Stadion in Tryon zwischen Ingrid Klimke und ihrem größten Erfolg als sie gegen 13.15 Uhr Ortszeit einritt. „Bobby“, offiziell SAP Hale Bob OLD, trabte mit gespitzten Ohren in die Runde. Overnight Leader, Pole Position nach dem Geländeritt vom Samstag. Wegen des Sturms Florence war aus dem 3-day-event ein Viertage-Vergnügen geworden. Das Springen wurde einen Tag nach hinten verlegt.

Einen Zeitfehler hätte sich das Paar erlauben dürfen. Mehr aber auch nicht. Bobby wirkte frisch, hatte aber an einigen Sprüngen schon zu Beginn des Parcours etwas Glück. Einmal schickte ihn Ingrid Klimke „auf groß“ über die Bogenmauer, deren blauen Elemente häufig fielen in diesem Parcours, zu dem 70 Starter angetreten waren. Übrigens ohne Anzeigetafel im Stadion – eine weitere Episode in dem Buch „Die Tribute der Pannenspiele von Tryon“. Mögen auch einige Stangen gewackelt haben, es blieb alles liegen. Zunächst. Doch dann, am letzten Sprung, Hindernis 13, touchierte Bobby eine weitere Stange. Diesmal war das Glück der Tüchtigen dem deutschen Paar nicht mehr hold.

Klimke verliert Gold am letzten Sprung

„Wahrscheinlich hätte ich etwas mehr treiben müssen“, so Klimkes erste Selbstanalyse nach dem Ritt. Kurt Gravemeier, der ehemalige Bundestrainer der Springreiter, der Klimke sonst auf dem Abreiteplatz unterstützt hatte, habe ihr gefehlt. „Aber das Team hat mir sehr geholfen“. Marcus Ehning war mit ihr den Kurs abgegangen, Sandra Auffarth hatte sie auf dem Abreiteplatz unter<stützt. Einzelbronze bei der Weltmeisterschaft, das ist immer noch der größte WM-Erfolg in Ingrid Klimkes Karriere. Der WM-Titel nach dem Sieg in der Europameisterschaft im vergangenen Jahr – es wäre zu schön gewesen. „Ich bin trotzdem happy, Hauptsache wir haben eine Medaille mit nach Hause gebracht.“ Und die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio ist den Deutschen sicher. Das war das ausgegebene Minimalziel.

Pauline von Hardenberg

Ehrenrunde mit der Bronzemedaille: Ingrid Klimke und Hale Bob, WM Tryon 2018 (© Pauline von Hardenberg)

Doppelgold für Großbritannien

Zuvor hatte die Britin Rosalind Canter mit Allstar B, 1,3 Strafpunkte hinter Klimke auf Rang zwei nach dem Gelände, ihren mächtigen niederländischen Hengst v. Ephebe For Ever fehlerfrei über den Parcours gebracht. Canter dankte unter anderem dem britischen Teamcoach Chris Bartle. Der habe ihren Stil zu reiten nachhaltig verändert. Seit zwei Jahren trainiert die neue Weltmeisterin intensiver mit Bartle.

Gold war der britischen Equipe zu diesem Zeitpunkt bereits sicher. Mit 88,8 Minuspunkten rangierten sie knapp vor den Iren, 93,0. Deren Schlussreiterin Sarah Ennis, Dritte vorm Springen, hatte einen Springfehler mit Stellor Rebound verzeichnet. Bitter für sie, Rang fünf, Glück für ihren Teamkollegen Padraig McCarthy, der seinen im Stil eines irischen Jagdpferdes gehaltenen Mr. Chunky, also „Herr Moppelchen“, fehlerfrei über den Kurs gebracht hatte. Die brachte ihm schlussendlich die Silbermedaille ein. McCarthy ist eigentlich Springreiter, hat unter anderem im Stall von Max Hauri und bei Rolf Göran Begtsson geritten. Zweitbeste Britin war Piggy French, die es im Parcours spannend gemacht hatte: Mindestens sechsmal berührte der Fuchs Quarrycrest Echo die Stangen, aber nur eine fiel, Platz zehn (31,8).

Pauline von Hardenberg

Vielseitigkeits-WM 2018. Silber: Padraigh McCarthy (IRL), Gold: Rosalind Canter (GBR), Bronze: Ingrid Klimke (GER). (© Pauline von Hardenberg)

Vierter in der Einzelwertung wurde der Australier Andrew Hoy (29,8) mit dem Angloaraber Vassily de Lassos. Dieser Jaguar Mail-Sohn war spätestens nach dem CCIO3* von Aachen in aller Munde. Ein Gummiball mit Einstellung und Mut, der mit gespitzten Ohren mühelos über den Kurs galoppiert war. Auch dressurmäßig kann sich der Fuchs gut darstellen. Neun Jahre ist er jung und Hoy, der vor 39 Jahren das erste Mal in Burghley gewonnen hat, und entsprechend viel Erfahrung mit Pferden hat, wollte ihn zunächst gar nicht haben. In der Box ist Vassily etwas speziell, braucht eine 24-Stunden-Gesellschaft an seiner Seite. Mehrfach war der Wallach Hoy angeboten worden, doch der Australier hatte stets angelehnt. Aber im vergangenen Jahr war er dann überzeugt. Im Mai 2017 kam das Pferd in die Somerby Stables.

Frankreich: Olympiasieger auf der Bronzeposition

Bester Reiter der Equipe Tricolore wurde Thibaut Vallette. Der im schwarzen Dress des Cadre Noir startende Lieutenant Colonel wurde mit Qing du Briot Sechster. Ihm, wie seinem an siebter Position im Einzelklassement rangierten Landsmann Nicolas Astier, war ein Springfehler unterlaufen. Astiers Dunkelbrauner Vinci de Vigne war am Einsprung der dreifachen Kombination hinten zu flach gesprungen. Er war als Einzelreiter in Tryon. Die Mannschaft der Franzosen gewann Bronze (99,8). Die Überraschung stellte das japanische Team dar, Platz vier. Toshiyuki Tanaka wurde mit Tama d’Allou 15. Yoshiaki Oiwa, vor Ort trainiert von Dirk Schrade, landete mit dem Holsteiner Calle v. Christo auf Rang 20.

Tim Price sorgte mit 31,2 Minuspunkten, Platz acht, für das beste Resultat der Neuseeländer. Die KWPN-Stute Cekatinka machte am überbauten Wassergraben einen Fehler. Das Team von der Südhalbkugel, hoch eingestuft im Vorfeld, wurde am Ende Siebte. Da Japan als Gastgeber sich nicht für Olympia qualifizieren muss, rücken die Neuseeländer nach.

Das deutsche Team im Umbruch

Die deutsche Equipe war als Führende nach der Dressur ins Gelände gegangen. Nach dem traumhaften Kurs, den Captain Mark Phillips auf dem Areal eines alten Golfplatzes erstellt hatte, fand sie sich an Position fünf wieder. Ein ungewohntes Gefühl. „Normalerweise sitze ich hier nicht allein, sondern mit meinen Teamkollegen“, sagte Ingrid Klimke bei der Pressekonferenz nach dem Cross Country. Als Over Night Leader war sie vor die Presse gebeten worden. Es war ein junges, ein anderes Team im Vergleich zu der Rio-Truppe vor zwei Jahren. Zwei Pferde neun-, eines zehnjährig. Ingrid Klimkes Hale Bob als amtierender Europameister und Badminton-Zweiter der Routinier der Equipe und Kai Rüders Colani Sunrise mit zwölf Jahren im besten Alter. Michael Jung, der nie ohne Medaille von den Championaten der letzten neun Jahre nach Hause gekommen war, hatte absagen müssen. Damit war eine Ankerposition im Team vakant. Außerdem war in Rio auch noch Christopher Bartle als Trainer für Deutschland in Aktion. In Tryon konnte er sich die Goldmedaille als Coach des Mannschaftsweltmeisters umhängen lassen.

Die Einzelplätze, drei, 28, 33, 39 und in der Mannschaft immerhin noch Rang fünf – das war nicht das, was die erfolgsverwöhnten deutschen Buschreiter erwartet hatten. Immerhin garantiert das Mannschaftsergebnis die Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Dibo mit Debütantin gut unterwegs

Zwei neunjährige Pferde waren im deutschen Aufgebot nach North Carolina geflogen. Viamant du Matz mit Sandra Auffarth, die nach zwei Verweigerungen im Wasser aufgab, und die Hannoveraner Stute Corrida. Andreas Dibowski wurde als zweitbester Deutscher 28. (43,5). War sie auch Gelände nicht in der Zweit gewesen, so zeigte die Hannoveraner Stute v. Contendro-Espri, im Parcours eine souveräne Runde. Mühelos und sicher, da sah nach mehr aus.

Frisch galoppierte auch Kai Rüder mit Colani Sunrise durchs Stadion. Ein sicherer Ritt, kein Moment des Zweifels. Als er fehlerfrei und deutlich in der Zeit die Ziellinie passierte, ballte er die Siegesfaust. Mit 47,4 Minuspunkten, Platz 33, schloss der Fehmarner damit die Weltmeisterschaften ab. Die Dressur ordentlich, aber im Gelände, beim Anstieg aus dem Golfplatz im Tal hinauf auf das Niveau des Stadions, war die Luft raus aus Colani Sunrise. Zu viele Zeitfehler hatten das Bild des fehlerlosen Geländekurses getrübt.

Julia Krajewski lieferte das Streichergebnis. Nach der Dressur hatte sie geführt, im Gelände kam es dann zu dem Vorbeiläufer in den Arrow Heads, Pfeilspitzen, wo die Deutsche Meisterin vier statt fünf Galoppsprünge versucht hatte. Im Parcours kamen dann noch zwei Springfehler hinzu. Ein Mauerkasten an den das Paar zu dicht herangekommen war, fiel. Dann noch eine weiter Stange. 56,3 Strafpunkte in der Endabrechnung für das Paar, das in dieser Saison so brillant unterwegs gewesen war. Sei es in Marbach, Bramham, oder Aachen.

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