Weltcupsieger Sandro Boy stellt Siegerhengst bei Holsteiner Körung 2017

Holsteiner Siegerhengst 2017: Sandro Junior v. Sandro Boy

Holsteiner Siegerhengst 2017: Sandro Junior v. Sandro Boy (© www.holsteiner-verband.de)

26 Hengste wurden bei der Holsteiner Körung zur Zucht zugelassen. Sieben erhielten eine Prämie. Der Publikumsliebling wurde Siegerhengst, ein Holsteiner mit Oldenburger Vater. Das Blut des Casall war stark vertreten. Generell gab es aber eine größere genetische Varianz als in früheren Jahren.

Die sieben Prämienhengste der Holsteiner Körung 2017 gehen zum Großteil auf den legendären Franzosen Cor de la Bryère zurück. 49 Jahre nach der Geburt des Anglonormannen ließen sich fünf der Prämienhengste in der väterlichen Linie auf „Corde“ zurückverfolgen: zwei Cornet Obolensky-Söhne, ein direkter Casall-Sohn und zwei Casall-Enkel. Ganz vorne standen aber Söhne von Sandro Boy und Uriko.

Holsteiner ohne Casall undenkbar

Insgesamt fand sich unter den 26 gekörten Hengsten achtmal Casall-Blut, vier Söhne und vier Enkel wurden gekört. Sechs direkte Casall-Nachkommen und allein 13 Enkel von Rolf Göran Bengtssons Erfolgspferd zur Körung zugelassen worden. Sieben davon stammten von Cascadello I ab (zwei erhielten eine Zuchtzulassung). Sein Vollbruder Cascadello II stellte erstmals einen Sohn zur Körung.

Dass in der Holsteiner Zucht in den vergangenen Jahren vermehrt auch nicht holsteinisch gebrannte Hengste zum Einsatz gekommen sind, ließ sich auch in der Vielfalt der Blutlinien des Körlots 2017 ablesen. 61 Hengste aus 14 Blutlinien (Ladykiller xx aufgeteilt in Lord und Landgraf) waren erschienen. Über die unterschiedlichen Zweige waren die Stempelhengste Cor de la Bryère und Almé am häufigsten vertreten.

Es war ein starker Jahrgang, der sich präsentierte. Viele sehr gut springende Hengste zeigten sich in der Holstenhalle – übrigens alle ohne Streichkappen oder anderen Beinschutz an den Hinterbeinen. Das tat, wie schon bei den Hannoveranern in Verden, dem Springen keinen Abbruch – im Gegenteil. Auch wenn es vielleicht ein paar Hengste weniger waren, die ihre Hinterhand extrem in die Luft warfen, so konzentrierten sich die Junghengste nicht auf die störenden Elemente an den Hinterbeinen. Sondern viel mehr auf das, was vor ihnen stand und was es zu überwinden galt. So konnte die Kommission eher das Naturtalent des Pferdes als die Trainingsbeflissenheit der Hengstvorbereiter bewerten. An die Spitze des siebenköpfigen Prämienlots stellte die Körkommission einen braunen Alleskönner, vom Publikum vom ersten Tag an gefeiert, Sandro Junior. Sein Vater ist eines der erfolgreichsten Springpferde des vergangenen Jahrzehnts, der Oldenburger Sandro Boy.

Holsteiner Siegerhengst Sandro Junior v. Sandro Boy-Singulard Joter

Camen Eissfeldt, Sparrieshoop ist die Züchterin des neuen Champions. Aufgewachsen ist der Braune namens Sandro Junior bei Harm Thormählen, auch Züchter der diesjährigen Derbysiegerin Zera. Sandro Junior ist ein komplettes Pferd, das immer alles richtig gemacht hat an den Tagen in der Holstenhalle. Er trabte dynamisch und elastisch, zeigte sich im Galopp gut ausbalanciert und sobald der einen Sprung sah spitzte er die Ohren und sprang in jeder Runde lehrbuchhaft. Rund überm Hindernis, mit schnellen Reflexen, vermögend und vor allem: souverän! Man hatte den Eindruck, vor einem Pferd zu stehen, das um seine Klasse weiß, so mühelos meisterte er unaufgeregt die an ihn gestellten Aufgaben.

Damit hat die Körkommission einen Siegerhengst ernannt, dessen Vater nicht den Holsteiner, sondern den Oldenburger Brand trägt. „Fremdblut“ heißt das im Züchterjargon der Holsteiner, die erst seit diesem Jahr mit „Holstein Global“ eine zweite, weniger stark auf ausschließlich Holsteiner Genetik ausgerichtete Zuchtbuchstrategie anbieten. Wobei Vater Sandro Boy, Weltcupsieger unter Marcus Ehning, ein halber Holsteiner ist: Sein Vater Sandro ist ein Halbblüter v. Sacramento Song xx, war unter Franke Sloothaak erfolgreich in internationalen Springen und gründete über seinen Enkel Sandro Hit eine der meist verbreiteten Hengstlinien der aktuellen Dressurzucht. Sandro Junior wurde auf der Auktion für 260.000 Euro nach Niedersachsen verkauft. In welchen Stall wurde zunächst nicht offiziell verlautbart.

Die Holsteiner Prämienhengste 2017

Im vergangenen Jahr stellte der auf den Franzosen Papillon Rouge zurückgehende Uriko den Siegerhengst.

2017 stammt der Reservesiegerhengst von diesem Holländer v. Untouchable-Lavito ab: Uno ist ein modern aufgemachter, hochbeiniger Brauner, der viel Präsenz mitbringt und sicher sprang.  Züchterisch besonders interessant: Er ist aus demselben Stamm (890) gezogen wie Casall. Die Urgroßmutter von Uno ist Casalls Großmutter. Mütterlicherseits folgt der Hengst Colman als Muttervater. Er ist auch der Erzeuger von u.a. L.B. Convall, Philipp Weishaupts Aachen-Sieger von 2016 und Gewinner des zum Rolex Grand Slam zählenden Turniers in Spruce Meadows. Uno wechselte für 96.000 Euro in Haupt- und Landgestüt Marbach.

Zum zweiten Reservesiegerhengst wurde Cardin v. Casall-Cassini-Con Air ernannt. Ein Holsteiner wie aus dem Bilderbuch. Hellbraun, viel Hals, räumende Galoppade – und ein Pferd, dem das Springen in die Wiege gelegt worden ist und das Spaß daran hat. Mühelos und souverän sprang er bei jeder Höhe, immer so, als wolle er fragen, ob das alles sei. Kraftvolles Springen und ein harmonischer Körper, den der Hengst zu jeder Zeit gut zu verwenden wusste, unterstrichen den positiven Gesamteindruck noch einmal. Deutsche Interessenten erwarben ihn für 220.000 Euro.

Auf dem Grönwohldhof, wo der Jahrhunderthengst Donnerhall gewirkt hat, ist der Prämienhengst Cassitaro v. Casaltino-Cassaro aufgewachsen. Die Farbe hatte er sich wohl bei seinem prominenten Boxenvorgänger abgeschaut. Das prädestiniert ihn nicht unbedingt zu einem Springpferd, aber dieser sehr geschmackvolle Dunkelfuchs konnte über den Hindernissen vor allem durch seine Vorsicht überzeugen. Er gelangte für 60.000 Euro nach Italien.

Ein weiterer Prämienhengst aus dem „Casall-Stamm“ 890 war der von dem Schweizer Manfred Birchler gezogene Schimmel Caruso Bello v. Casadello-Carry. Ein hochbeiniges Pferd mit gutem Trab und Galopp, das überm Sprung hinten sehr gut „auf machte“ und am Oxer stets souverän sprang. Auch er ging gen Bella Italia für 65.000 Euro.

Der Belgier Cornet Obolensky, selbst mit knapp 60 Prozent Holsteiner Genen ausgestattet, passt gut nach Holstein. Das bewiesen seine sieben Söhne, von denen vier gekört wurden. Zwei schafften es in Prämienlot, Corniolo v. Cornet Obolensky-Quadros, gezüchtet von der Witt Pferdezucht stand nicht zum Verkauf. Zumindest „lümmelhaft“ war das Auftreten von Can Tici v. Cornet Obolensky-Canto, den sein Besitzer Reiner Schmitz, Wachtberg, ebenfalls nicht zum Verkauf gemeldet hatte.

Die weiteren gekörten Holsteiner Hengste 2017

Mit dem Selbstbewusstsein eines Hengstes, eines Deckhengstes, kam der Schimmel Balvenie v. Baracuda-Clearway, ein Enkel des unlängst verstorbenen Weltpferdes Baloubet du Rouet in die Holstenhalle. Er wurde für 45.000 Euro über die Auktion verkauft und soll in Deutschland bleiben.

Der Braune Covilus v. Casall-Contender sprang Vermögend und wird das in Zukunft in der Ukraine tun, dorthin wurde er für 65.000 Euro veräußert. Anfangs trabte Calasco v. Casall-Quidams Rubin nach jedem Sprung anstatt flüssig weiter zu galoppieren. Doch im Verlauf des Freispringens konnte er sich immer mehr steigern, sein Sprungablauf wurde harmonischer und sein Vermögen stand zu keiner Zeit in Frage. Belgier erwarben ihn für 45.000 Euro. Der großrahmige Casamba v. Casall-Heraldik xx sprang vermögend und wurde für 52.000 Euro nach Polen zugeschlagen. Cascador Air v. Cascadello-Con Air hatte in der Machart viel von seinem Vater, 87.000 Euro war er Interessenten aus der Slowakei wert.

Im modernsten Look: Comcord – Vater Comme il faut ist selbst das Produkt zweier Olympiapferde, Cornet Obolensky und Ludger Beerbaums Jahrhundertstute Ratina Z v. Ramiro.

Der mit 1,64 Meter Stockmaß für eingefleischte Holsteiner Züchter eher zu kleine Hengst ist der Prototyp eines modernen, blutgeprägten Pferdes: Geschmeidig im Körper, aufmerksam und wach, ausgestattet mit riesigem Vermögen, blitzschnellen Reflexen, vor allem aber mit dem unbedingten Willen, auf die andere Seite zu kommen. Als er einmal nicht ideal losgelassen wurde und unpassend in die Sprungreihe kam, flog er dennoch souverän über den bestimmt schon 1,30 Meter hohen Oxer. Er wurde für 74.000 Euro in die Schweiz verkauft.

Crockett v. Connor-Contendro war stets kugelrund überm Sprung und das mit blitzschnellen Beinen, auffallend vorsichtig schon bei den ersten, niedrigen Sprüngen. Er blieb für 57.000 Euro in Deutschland. Caivano v. Cornet Obolensky-Contact Me, ein sehr „kerniger“ Schimmel, dem man zur Zeit eine etwas kräftigere Oberlinie gewünscht hätte und der nach jedem Sprung kraftvoll bockte, hatte Züchter Kai Gerken nicht zum Verkauf gemeldet. Aus spanischem Besitz und ebenfalls nicht zu verkaufen: Crack v. Cornet Obolensky-Candillo, der vor allem durch sein Vermögen punkten konnte.

Recht selbstbewusst stellte sich Dargos v. Darcodello-Singulard Joter dar: Der kraftvolle Darco-Enkel stieg mehrfach, sprang mit viel Kraft und Vermögen, für 72.000 Euro wurde er nach Deutschland verkauft. Diago v. Dinken-Casall war einer der jüngsten Hengste, erst Ende Juni geboren. Der sehr hochbeinige Hengst stand noch voll in der Entwicklung, bewegte sich elastisch, nicht nur beim Springen, sondern auch im Trab, für 40.000 Euro blieb er in Deutschland.

Noch jünger war der über Embryotransfer geborene Forino v. For Pleasure-Caretino, ein drahtiger Youngster, dem man den Muttervater Caretino in Gesicht und Halsung ansehen konnte. Der Anfang Juli 2015 geborene Braune stand nicht zum Verkauf und machte am Sprung einen exzellenten Job. Den Kindern des Kannan, dem Furioso II-Enkel, der Olympiasieger Nino des Buissonettes (Steve Guerdat) gezeugt hat, sagt man nach, dass sie ihre Qualitäten nicht unbedingt beim Freispringen zeigen. Kiritan v. Kannan-For Ever Jump (über den Muttervater auf Furioso II ingezogen) machte da keine Ausnahme. Er begann unausbalanciert, nur um dann als es hoch wurde (ca. 140 Meter) richtige Sätze „herauszuhauen“. Er stammt aus der Familie, die auch den international erfolgreichen Catoki hervorgebracht hat (Stamm 4705).

Beim Holsteiner Verband wird Lewine v. Livello-Corrado I, bei Johann Peter Lass, Leck, aus dem Stamm 162 (Cöster/Christian Ahlmann, Carthago, Cascavelle …) gezogen, debütieren. Ein etwas schnelleres Vorderbein hätte die Darstellung von Luxinar v. Lux Z-Quinar, der sehr gut basculierte, perfektioniert, 42.000 Euro sein Preis. Auch er bleibt in Deutschland. Neben dem Reservesieger Uno I wurden noch zwei weitere Uriko-Söhne gekört: United Way v. Uriko-Concerto II hat eine der prominentesten Mütter: Hinter dem Stutbuchnnamen Marassina steckt Carassina, mit der Thomas Kleis 2009 das Deutsche Springderby gewinnen konnte. Dieser mit guten Reflexen springende Braune wird ebenfalls in Elmshorn beim Holsteiner Verband auf seine Zukunft als Deckhengst vorbereitet werden. Und auch Uno II (ET) v. Uriko-Colman, der vier Wochen ältere Bruder des Reservesiegerhengstes, eine Rosse vor seinem dunkelbraunen Bruder Uno geboren und von einer Empfängerstute ausgetragen, wurde gekört. Er wurde für 40.000 Euro über die Auktion verkauft und soll in Deutschland bleiben.

Ein dressurbetonter Hengst wurde auch gekört, ein Quaterback-Carpaccio-Sohn. Der Einzige, der für das Viereck in Frage kam. Außerdem erhielt ein Halbblüter v. Fragonard xx-Chepetto die Zuchtzulassung.

Hier finden Sie die Liste der gekörten Hengste

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