Pferdehaltung: modern, artgerecht und individuell

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Pferdehaltung sollte artgerecht und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sein. (© www.slawik.com)

In kaum einem Bereich hat sich so viel getan wie in der Haltung von Pferden. Was vor 20 Jahren noch undenkbar war, ist heute Standard – Paddocks und Sozialkontakt sind selbstverständlich und die Pferde danken es ihren Besitzern.

Von Natur aus braucht ein Pferd Futter, Bewegung und Gesellschaft – nicht mehr.  Artgerecht soll sie sein und modern. Sie soll den Ansprüchen der Pferde und auch der Reiter genügen. Aber welche Pferdehaltung kann das leisten und ist am besten geeignet: Weidehaltung, Einzelbox, Laufstall oder vielleicht eins der Offenstallkonzepte?

Die Frage ist nicht einfach und auch nicht pauschal zu beantworten, da sie immer vom Einzelpferd und der Situation, sowie Lebensgeschichte abhängig ist. „Pferde sind Individuen und selbst, was für die große Masse zutreffen mag, kann für das Einzeltier ganz anders aussehen“, so Dr. Uta König von Borstel von der Uni Göttingen.

Artgerechte Pferdehaltung ist individuell

Bei aller Individualität trifft aber eins auf alle Pferde zu: „Ihr Organismus ist auf bis zu 16 Stunden langsam grasende Fortbewegung und Futteraufnahme angelegt“, berichtet die Wissenschaftlerin. Die Bewegungsmöglichkeit ist in einem Laufstall mit angrenzendem Auslauf oder einem Bewegungsstall natürlich weitaus höher als in einzelnen Pferdeboxen.

„Generell sind solche Systeme oder aber die Weidehaltung mit Unterstand bei entsprechendem Management eindeutig die tiergerechtesten. Selbst wenn es vorübergehende Beeinträchtigungen des Wohlbefindens wie beispielsweise durch starke Hitze oder Rangordnungskämpfe gibt, kommt es in solchen Haltungssystemen normalerweise nicht zur Entwicklung von – aus Tierschutzsicht weit schlimmer zu beurteilenden – dauerhaften Beeinträchtigungen, z.B. Stereotypien wie Koppen oder Weben“, berichtet Dr. König von Borstel weiter.

Dennoch spielen gerade die individuellen Besonderheiten und Eigenschaften des jeweiligen Pferdes eine große Rolle. Wenn Pferde beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen oder auch altersbedingt Probleme mit so einer naturnahen Haltungsform im Offenstall haben, kann es in solch einem Fall für das Pferd angenehmer sein, eine andere Form der Pferdehaltung zu wählen. Zum Beispiel mit einer eigenen Paddockbox und mit ausreichendem Weidegang in passender Gesellschaft.

Im Vordergrund sollte immer das Bedürfnis und das individuelle Wohlbefinden des Pferdes stehen.

Pferdehaltung in der Gruppe

Die „Luxusvariante“ in der Gruppenhaltung ist der Bewegungsstall oder auch Aktivstall. Der Grundgedanke dabei: Die Pferde durch voneinander getrennte Funktionsbereiche zu mehr Bewegung animieren. Bewegungsställe bestehen aus Ruhebereichen, Komfortzonen mit Wälzbereich, befestigten Ausläufen und Laufwegen mit unterschiedlichem Belag.

Das Pferdefutter können sich die die Pferde je nach Art abholen. Entweder wie im Paddock Trail frei Zugänglich an offenen Heuraufen oder im Aktivstall auch individuell an Futterstationen. Über einen entsprechenden Chip, den das Pferd oft als Halsring oder am Beim trägt, wird die jeweilige Ration stündlich an den Kraft- und Raufutterautomaten freigegeben. So erhält jedes Pferd seine individuelle Futterzusammensetzung.

Je nach Ausstattung müssen die Pferde dabei beispielsweise eine längere Strecke vom Heudosierer zur Kraftfutterstation laufen, über Raumteiler einen Umweg nehmen, um von der Tränke zum Wälzplatz zu kommen und können in speziellen Liegeräumen ruhen.

Pferdehaltung in der Einzelbox

Bei der Pferdehaltung im Pferdestall mit Einzelboxen gilt: Abwechslung ist Trumpf.

Es sollte dabei vor allem auf ausreichend freie Bewegungsmöglichkeiten im Auslauf und auf der Weide geachtet werden. Möglichst mit mindestens einem befreundeten Pferd, denn bei schlechten Haltungsbedingungen, Langeweile oder Stress fangen viele Pferde an Verhaltensstörungen zu entwickeln.

Zu diesen Verhaltensstörungen, auch sogenannten Stereotypien, zählen beispielsweise koppen, weben oder ständig mit dem Kopf
 zu schütteln. Diese Stereotypien sind Verhaltensmuster, die sich ständig ohne erkennbare Funktion wiederholen. Sie machen „glücklich“, weil die Tiere dabei Glückshormone (Glucocorticoide) produzieren. Ich koppe und fühl‘ mich gut …

Damit Pferde solche Verhaltensmuster überhaupt nicht erst entwickeln, benötigen sie eine möglichst artgerechte Pferdehaltung mit Licht, Luft, Bewegung und Sozialkontakten, so dass sie viel Abwechslung und Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten bekommen, um ihre natürlichen Bedürfnisse zu befriedigen.

In der Box und im Paddock kann, neben ausreichender Bewegung und Sozialkontakten, zusätzlich Pferdespielzeug wie Bälle, Lecksteine oder Knabberhölzer für Abwechslung und Zeitvertreib sorgen.

 

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