Pferdespielzeug: von Spielball bis Knabberholz

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Bei der Pferdehaltung in der Box können Spielbälle und Lecksteine schmackhafter Zeitvertreib sein (© www.slawik.com)

Spielzeug fürs Pferd? „So ein Quatsch“ ist oft der erste Gedanke. Aber zusätzlich zu artgerechter Haltung kann Pferdespielzeug den Alltag versüßen und etwas Abwechslung der anderen Art bieten. Von verschiedenen Bällen über Knabberkram – die Liste ist lang.

Dabei muss es auch nicht immer gleich das neuste High-Tech Spielzeug sein, es gibt auch natürliches Pferdespielzeug, wie beispielsweise Knabberhölzer. Allerdings: Ein bunter Spielball in der Lieblingsfarbe des Besitzers und mit leckerem Apfelduft fürs Pferd, etwas in der Art findet sich mittlerweile häufig.

Aber nicht nur in Pferdeboxen oder im Paddock bietet sich unterschiedlichstes Pferdespielzeug an, gerade im großen Auslauf oder auf der Weide lässt ein überdimensionaler Spielball manche Pferde zu richtigen Fußballern werden. Auch Pferden kann Spielzeug Spaß machen.

Beschäftigung für Pferde: Spielzeug

Viele Pferdebesitzer wollen der Langeweile und der Entstehung von Verhaltensstörungen mit einem Spielzeug vorbeugen oder ihren Vierbeiner in der Box oder auf dem Paddock gut beschäftigt wissen. Ob und was an Pferdespielzeug sinnvoll ist, darüber lässt sich sicherlich streiten. Einige Hersteller werben beispielsweise damit, dass ein Spielzeug die mentale Zufriedenheit steigere. Kritiker hingegen bemängeln, dass manche Pferde solche Spielzeuge oft gar nicht gerne nutzten oder dass Knabbern am Kunststoff schädlich sei.

Typisches Spielzeug für Pferde

Die Angebotspalette von Pferdespielzeug ist ziemlich groß – wer die Wahl hat, hat die Qual:

So gibt es gibt beispielsweise ganz einfache Spielbälle aus Gummi in unterschiedlichen Größen. Kleine, die in jede Box und jedes Paddock passen und wahlweise mit oder ohne Griff ausgestattet sind. Wer vermeiden möchte, dass sein Pferd den Ball in in seinem Stall herumschleudert oder andere Pferde trifft, der kann diese Spielbälle auch einfach aufhängen. Frei hängende Bälle können so angestubst und hin- und her geschaukelt werden, ohne dass andere Pferde gestört werden. Diese Spielbälle in kleiner bis mittlerer Größe gibt es sogar wahlweise mit dem Duft von Apfel, Karotte, Banane und anderen Pferdeleckereien.

Dazu gibt es auch Spielbälle, bei denen ein Lecksteinhalter intergriert ist. Meistens sind diese Kombinationen auch zum aufhängen in der Box oder zur Montage an der Boxenwand zu bekommen. Hierfür gibt es ebenfalls diverse Geschmacksrichtungen der Lecksteine, die von dem klassischen Salzleckstein bis zu Kirsche und Lakritz reichen.

Die großen „Fußbälle“ sind besonders in Auslauf und Weide beliebt. Wer schon einmal Pferde im Auslauf Fußball spielen gesehen hat, der weiß, dass das offensichtlich auch Pferden Spaß macht.

Dann wird auch noch unterschiedliches Spielzeug angeboten, das mit Leckerlies befüllt werden kann. Hier ist der typische Leckerlieball recht verbreitet, der beim hin- und herkullern auf den Paddockplatten die Leckerlies „verliert“. Dadurch animiert dieser befüllte Ball das Pferd dazu ihn fortlaufend vor sich herzu schieben, um an die begehrten Leckereien zu kommen.

Am Ende kommt es sicherlich auf den Spieltrieb und die Persönlichkeit des Pferdes an, ob und welches Pferdespielzeug am liebsten genommen wird – Hier hilft ganz einfach: ausprobieren.

Knabberhölzer als natürliches Pferdespielzeug

Pferdeverhaltensforscherin Dr. Margit Zeitler-Feicht empfiehlt Knabberhölzer in Form von Zweigen und Ästen für Pferde: „Es handelt sich dabei um eine artgemäße Form der Beschäftigung.“ Sie entspreche dem arttypischen Nahrungsaufnahmeverhalten eines Pferdes. Die Expertin legt aber großen Wert darauf, dass ein Stück Holz kein Hauptnahrungsmittel ist, sondern hauptsächlich der Beschäftigung dient, ob in der Box oder im Auslauf. Vor allem eignet es sich bei Pferden mit Gewichtsproblemen. „Diese Pferde haben dann auch in den vier Stunden, in denen sie nichts zu fressen haben, eine Beschäftigung.“

Genauso sieht es Tierärztin Franziska Bockisch von der Universität Leipzig. „Pferde, die zu dick sind, sind mit einem Baumstamm oder dicken Ästen gut beschäftigt. Anstatt die ganze Zeit Stroh zu fressen, können sie an dem Holz nagen und auch ihren Spieltrieb ausleben, das ist super.“ Nach ihren Erfahrungen werde anderes Pferdespielzeug, wie zum Beispiel ein Ball, schnell langweilig. Von süßen Lecksteinen mit verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Kirsche, Apfel oder Erdbeere, die ebenfalls der Beschäftigung dienen sollen, hält sie wenig: „Zum einen sind sie oft sehr zuckerhaltig und auf der anderen Seite schnell aufgefressen. Das Holz können die Pferde hingegen über eine längere Zeit bearbeiten, ohne dass es zu einer erhöhten Energieaufnahme kommt.“

Dr. Margit Zeitler-Feicht spricht sich ebenfalls gegen industrielle Produkte aus. Süße Lecksteine könnten wegen ihres Zuckergehalts Stoffwechselerkrankungen begünstigen. Bälle sind ihrer Meinung nach allenfalls Spielzeug, aber keine Beschäftigung auf längere Sicht, da sie nicht arttypisch sind.

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Bei Knabberhölzern sollte man sorgfältig auswählen und insbesondere auf Sorte und Rinde achten. (© Peter Jobst - Fotolia)

Geeignete Holzarten

Wer sich für Knabberholz als Pferdespielzeug zur Beschäftigung entschieden hat, sollte sich zuvor gründlich damit auseinandersetzen, welche Holzsorte er auswählt. „Am besten 
ist man mit heimischen Hölzern, vor allem Obsthölzern beraten“, erklärt die Veterinärmedizinerin Franziska Bockisch. Ihrer Erfahrung nach fressen Pferde sehr gerne Weide und Holz von Mirabellenbäumen. Auch Haselnuss, Birke und Buche (ohne Bucheckern, die sind giftig!) werden gern genommen. Pappel-Holz ist geeignet, allerdings mag nicht jedes Pferd die Rinde. Genau diese ist aber bei den Hölzern für die Pferde normalerweise das Objekt der Begierde.

Daher sollte man bei der Auswahl des Holzes auch auf die Beschaffenheit der Rinde achten, die von Baum
 zu Baum verschieden ist. Je schwieriger sich die Rinde lösen lässt, desto länger sind die Pferde in der Regel damit beschäftigt. Insbesondere dickere Rinde von alten Bäumen ist hart und bietet Knabberspaß für längere Zeit. Junges Holz hingegen wird mitunter sehr schnell geschält, weil die Rinde noch nicht so fest sitzt. Ist sie abgeknabbert, wird das Holz erfahrungsgemäß für die Vierbeiner schnell uninteressant.

Achtung: Lignin und ätherische Öle

Die Rinde besteht zu 20 bis
 30 Prozent aus Holzstoffen, dem 
Lignin, bei Nadelhölzern ist 
der Anteil meist etwas höher.
 Dabei handelt es sich um ein 
sogenanntes phenolisches
 Makromolekül, das in die 
pflanzliche Zellwand eingelagert
 wird und dadurch die Verhol
zung der Zelle bewirkt. Daher
 wird es auch als Gerüstsubstanz
bezeichnet.

Auch Stroh und
 Heu enthalten Lignin. „Es ist
 der Nährstoff, der für das Pferd
 nicht verdaulich ist“, erklärt die
 Tierärztin. Nimmt das Pferd
 zu viel Lignin auf, kann es zu
 Verstopfungskoliken kommen.
 Franziska Bockisch hat anhand 
der Bedarfsempfehlung von
 Stroh errechnet, wie viel Rinde 
ein Pferd pro Tag theoretisch 
fressen darf, ohne dass gesund
heitliche Schäden zu erwarten
 sind. „Orientiert man sich am
 Ligningehalt von Stroh, bei dem 
die Entstehung einer Verstop
fungskolik wahrscheinlich wird,
 sollte ein ausgewachsenes 500
 Kilogramm schweres Reitpferd am Tag maximal ein Kilogramm Nadel- oder Laubholz fressen“, erklärt die Expertin. „Allerdings spielt die Gesamtration dabei eine Rolle.“

Das bedeutet: Steht das Pferd auf Stroh und bekommt Heu, nimmt es durch das Raufutter bereits Lignin zu sich. Entsprechend sollte man die Menge des Holzes begrenzen: „Ein halbes Kilogramm Holz ist aber unbedenklich“, so Bockisch. Bei Nadelgehölzen (Tanne, Fichte) sollte jedoch darauf geachtet werden, dass es nicht zu einer Aufnahme größerer Mengen von Nadeln kommt. Diese könnten sich im Darm anschoppen, wenn sie nicht richtig gekaut werden. „Zudem enthalten die Nadeln ätherische Öle, die in seltenen Fällen Schleimhautreizungen im Pferdemaul und dem Magen-Darm-Trakt hervorrufen können und für Pferde mit Leber- oder Nierenproblemen problematisch sein können“, erklärt Bockisch.

Ungeeignete und giftige Hölzer

Auch von Esche, Erle und Eiche rät sie ab: Die Rinden enthalten besonders viele Gerbstoffe, sogenannte Tannine, die Schleimhautreizungen und Koliken auslösen können. Grundsätzlich giftig sind für Pferde unter anderem Tuja (Lebensbaum), Eibe, Robinie (Pseudo-Akazie), Buchsbaum, Sadebaum, Liguster, Akazienarten und Walnuss. Letztere enthalten Gerbsäuren, die eine Hufrehe auslösen können. In Tuja sind es im Besonderen 
die ätherischen Öle, die zu Magen-Darm-Entzündungen, Krämpfen, Leber- und Nierenschädigungen führen können. Ebenfalls haben auch geschützte Baumarten nichts in der Pferdebox oder dem Paddock zu suchen.

Von der Rosskastanie rät Franziska Bockisch ebenfalls ab: „Es gibt dazu kaum wissenschaftliche Daten, für Pferde sind jedoch Fälle mit Schleimhautreizungen und Koliken beschrieben.“ Zur Vorsicht rät sie auch bei Ahorn. Man sollte sich sicher sein, dass es sich nicht um eine Bergahorn-Art handelt. Dessen Samen stehen im Verdacht, die atypische Weidemyopathie auszulösen. „Wir wissen nicht, ob die Aufnahme von Rindenholz gleiche Wirkungen haben kann“, erklärt Bockisch.

Wenn man sich unsicher sei, solle man lieber die Finger von dem betreffenden Holzstück lassen. In der Regel lassen zwar erfahrene Pferde giftiges Holz unberührt liegen, da solche Arten meist bitter schmeckende Stoffe enthalten. Aber darauf kann man sich nicht verlassen. Gerade junge Pferde bzw. Fohlen fressen es eher, da sie unbedarfter sind.

Das Alter des Holzes entscheidet

Wenn man seinem Pferd einen Zweig mit Blättern oder Früchten in den Pferdestall hängt, sollte bei Pferden mit gesundheitlichen Problemen auch das Alter des Holzes beachtet werden. „Junge Triebe sind energiereich, das 
ist grundsätzlich kein Problem. Ich würde es nur keinem Pony füttern, welches an Hufrehe 
oder an dem Equinen Metabolischen Syndrom erkrankt ist. Ein ausgewachsenes Stammholz ist 
in diesem Fall besser geeignet“, so Bockisch.

Grundsätzlich sollte man auch darauf achten, dass das Holz intakt ist, nicht splittert und sich nicht bereits im Zersetzungsprozess befindet. Dann ist es oft mit für das Pferd schädlichen Schimmelpilzen und oder Bakterien besiedelt. Sorgen um die Pferdezähne muss man sich hingegen aus der Sicht von Franziska Bockisch nicht machen: „Dentin ist das härteste Material, das man im Pferd finden kann. Ich habe keine Sorge, dass sich die Zähne am Holz unphysiologisch abnutzen.“

Befestigung des Knabberholzes

Hat man sich für ein Stück Holz oder einen Zweig entschieden, sollte man ihn nicht einfach in die Box bzw. den Auslauf legen, sondern sicher befestigen. Ansonsten steigt zum Beispiel beim Wälzen die Verletzungsgefahr. Legt man das Knabberholz lose ins Paddock, den Auslauf oder beispielsweise auf freie Flächen im Aktivstall, so kann das Knabberholz unter Umständen wegrutschen oder an andere Stellen, wie Wälz,- Schlaf,- oder Futterplatz getragen werden, wo es dann ein Verletzungsrisiko darstellen kann. Dr. Margit Zeitler-Feicht rät, die Hölzer so an der Boxenwand oder im Auslauf zu befestigen, dass sie wie Äste von einem Baum hängen und die Pferde daran zupfen können. „Diese Rupfbewegung hat für Pferde eine höhere Attraktivität.“ Genauso sei es beim Grasen: Pferde fressen Gras auch lieber, wenn sie es selber rupfen können, als wenn sie es geschnitten serviert bekommen.

Wer einen Pferdestall bauen will, der kann auch auf solche zusätzlichen, speziellen Befestigungsmöglichkeiten für Knabberhölzer, Äste und Zweige achten.

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Kein Pferdespielzeug ersetzt den sozialen Kontakt zu Artgenossen und gegenseitige Fellpflege. (© www.slawik.com)

Arttypische Pferdebeschäftigung

Die beste Beschäftigung in jeder Art der Pferdehaltung – und besser als jedes Spielzeug – sind für das Herdentier Pferd immer noch seine Artgenossen. Die Fellpflege mit dem Nachbarpferd über den Paddockzaun steigert das Wohlbefinden. Im Optimalfall können die Pferde ihrem sozialen Bedürfnis uneingeschränkt in einem Offenstall, im gemeinsamen Auslauf oder der Weide nachgehen. Für zusätzliches Wellness­Feeling können auch alte Bürsten oder Besen an der Wand montiert werden, an denen sich das Pferd schubbern kann (wichtig: sichere Befestigung!).

Eine weitere, natürliche Beschäftigungsquelle: Raufutter (ein Kilogramm Heu je 100 Kilogramm Körpergewicht, ein 600 Kilogrammpferd braucht also mindestens sechs Kilogramm Heu am Tag). Um die Fressdauer zu verlängern, können Heunetze oder Heuraufen verwendet werden. Außerdem kann Futterstroh angeboten werden (Obergrenze 0,8 Kilogramm je 100 Kilogramm Körpergewicht beachten). Auf diese beiden natürlichen Beschäftigungsquellen setzt unter anderem auch die Haltungsform des sogenannten Paddock Trail.

Ob also letztendlich ein quietschbunter Gummiball, ein schmackhafter Leckstein oder ganz klassisches Knabberholz gewählt wird – es gilt trotzdem immer: dadurch wird kein Artgenosse ersetzt. Artgenossen und ausreichend freie Bewegung gehören zu den wichtigsten Grundbedürfnissen.

Wohl aber kann einem Pferd im Stall, auf dem Paddock oder im Auslauf mit solchem Spielzeug und Knabberkram die Zeit zusätzlich versüßt und etwas andere Beschäftigung angeboten werden.

 

© Texte St.GEORG

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