CIC3* Marbach: Jung weiter an der Spitze

Linda Balz

Butts Lennox unter Michael Jung (© www.equistock.de)

Michael Jung und Butts Lennox haben ihre Spitzenposition nach dem Geländetag verteidigt. Aber es war ein Kopf-Kopf-Rennen. Dicht auf den Fersen liegt ihm Felix Etzel. Und Felix Vogg hat die Konkurrenz mit Weile hinter sich gelassen.

Ohne Probleme absolvierte Michael Jungs Dreisterne-Debütant Lennox den CIC3*-Geländekurs in Marbach. Mit gespitzten Ohren galoppierte der neunjährige Sunlight xx-Sohn energiegeladen über die Strecke. Lediglich am Tiefsprung 12a zögerte er kurz. Michael Jung ritt am Ende noch nicht alles heraus und nahm 8,4 Zeitfehler in Kauf – gerade so viele, dass er weiter in Führung bleibt, sowohl im Gesamtklassement als auch in der Wertung des Berufsreiterchampionats der Vielseitigkeitsreiter (46,2). Lennox sei ein talentiertes Pferd mit viel Blut, sagt der Reitmeister, und er solle jetzt erst einmal Erfahrung in den großen Prüfungen sammeln. Jung kennt den Wallach seit rund drei Jahren. Lennox war beim Bundeschampionat und bei der Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde am Start und in den vergangenen Jahren siegreich bis auf Zwei-Sterne-Niveau. Im Fokus mit ihm hat Jung die Europameisterschaft im August. „Lennox hat mir heute von Anfang an ein gutes Gefühl gegeben. Ich bin zuversichtlich, was die nächsten Prüfungen angeht.“ Morgen fällt im Springen die Entscheidung. Michael Jung bleibt realistisch: „Ich habe mit Lennox ein sehr guckiges Pferd unter dem Sattel, der nicht immer null geht.“

Umso spannender, weil ihm Felix Etzel in der Zwischenwertung des CIC3* im Nacken sitzt. Das 23-jährige B-Kadermitglied gab sich mit dem neunjährigen Hannoveraner Bandit im Gelände kämpferisch. Nach der Dressur lag das Paar auf Platz zwei, im Gelände hätten sie sich vier Sekunden über der Bestzeit erlauben dürfen, um die Führung zu übernehmen – es wurden fünf Sekunden und damit weiterhin der zweite Platz mit einem hauchdünnem Abstand von 0,1 Minuspunkten (46,3). Felix Etzel bildet Bandit seit vier Jahren aus und war im letzten Jahr in Wiesbaden und Vairano (ITA) auf Dreisterne-Niveau am Start. Unter dem Sattel habe Bandit eine tolle Entwicklung hingelegt, so der Reiter. „Im Umgang ist er allerdings ein Schlawiner – daher auch sein Name, der ist durchaus wörtlich zu nehmen.“

Sein Dressurergebnis ins Ziel gebracht hat der Schweizer Felix Vogg mit seinem Routinier Onfire. Mit dem mittlerweile 15-jährigen Vollblüter fegte der 26-Jährige nur so über den Kurs und blieb mit der schnellsten Runde (6.05 Minuten) als einer von nur zwei Teilnehmern innerhalb der erlaubten Zeit von 6.08 Minuten. Von Platz sieben nach der Dressur konnte er sich so auf den dritten Platz des CIC3* nach vorne arbeiten (48,2). Im Berufsreiterchampionat rangiert Vogg, der national für einen deutschen Reitverein startet, nun auf Platz zwei.

Ebenfalls eine tolle Zeit legte die bayerische Junge Reiterin Tina Krüger mit der elfjährigen rheinischen Stute Dolce Mia hin. Lediglich drei Sekunden über der erlaubten Zeit überquerte das Paar aus dem U21-Bundeskader die Ziellinie (50,8). Die zweite Reiterin, die in der Zeit bleiben konnte, war die Belgierin Lara de Liederkerke-Meier, die insgesamt drei Pferde an den Start gebracht hatte, mit dem franzöischen Hengst Averouge des Quatre Chenes v. Vert et Rouge – Platz fünf in der Zwischenwertung (51,6). Josefa Sommer liegt mit Hamilton auf dem sechsten Platz (52,4) gefolgt von Julia Mestern mit Grand Prix, die nach einigen Zeitfehlern im Gelände 54,6 Minuspunkte auf dem Konto hat und damit im Berufsreiterchampionat momentan auf dem Bronzerang liegt.

Kursdesigner Gerd Haiber hat den Reitern und Pferden auf einer 3500 Meter langen Strecke 25 Aufgaben gestellt. Neu hinzugekommen waren unter anderem ein mächtiger Bilderrahmen, durch den die Teilnehmer hindurchspringen mussten, ein überbautes Wasser inklusive Eulenloch sowie ein neu gestalteter Wasserkomplex. Es gab keine Zwischenfälle bzw. Stürze und nur wenige Verweigerungen – insgesamt acht – die sich auf der Strecke verteilten. Die größte Schwierigkeit stellte der Aussprung der Hinderniskombination 6a und b dar, einem Gewölbetrapez, hier stoppten drei Pferde. Anna Siemer, Neunte nach der Dressur, gab nach Sprung sechs auf, weil Butts Avondale ein Hufeisen verloren hatte. In der Bestzeit die Ziellinie zu überqueren, war einmal mehr eine der größten Klippen. Der Einsatz von Gerd Haiber wurde am Rande des Turnieres eine besondere Anerkennung entgegengebracht. Er ist seit 20 Jahren verantwortlich für den Geländebau in Marbach und wurde für sein Engagement mit der Silbernen Ehrenmedaille der Landeskommission Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Morgen beginnt um 14 Uhr die letzte und entscheidende Teilprüfung des CIC3*.
Alle Ergebnisse finden Sie hier.