Dinja van Liere und Frederic Wandres liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen in Hagen

HAGEN a.T.W. – Horses and Dreams meets Japan Sports Edition 2021

Dinja van Liere und Hermes 2021 in Hagen (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Dinja van Liere und Hermes heißen die Sieger im CDI4*-Grand Prix, der Kürqualifikation bei Horses & Dreams meets Canada. Frederic Wandres musste sich geschlagen geben. Semmieke Rothenberger wurde Fünfte.

Die Niederländerin Dinja van Liere und Hermes haben sich mit Piaffen ihren Platz in der Weltspitze erobert. Mit Bewertungen von 8,3 in den ersten beiden Piaffen und einem starken Schritt (7,6), der den Namen verdiente, blieben sie voll im Erwartungshorizont. In den Übergängen und für die Passage am Schluss gab es vereinzelt sogar Neunen.

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Das Angaloppieren war ein beherzter Sprung in den Außengalopp. Das war genau der Moment, der letztendlich eine 78 vor dem Komma in der Endabrechnung vereitelte. Die resolute Niederländerin hatte den Easy Game-Sohn aber schnell wieder bei sich und punktete auch im Galopp in Zickzack-Traversalen, Serienwechseln und Pirouetten. Wobei der Hengst durchgängig mit unruhigem Schweif ging und in den Trabverstärkungen ins Laufen kam.

Mit Passage-Piaffe-Passage auf der letzten Mittellinie konnte sie dann noch einmal Bewertungen von 8,0 bis 9,0 einsammeln. Mit 77,913 Prozent stieß das Paar aus den Niederlanden damit den bis dahin in Führung liegenden Frederic Wandres noch vom Thron. Chefrichter Christoph Umbach (LUX) bei C gab sich salomonisch. Bei ihm gab es zwei Sieger, van Liere und Wandres, beide mit 76,957 Prozent. 15,5 Punkte trennten die Siegerin von ihrem Verfolger.

Routiniers punkten, van Liere gewinnt

Die einzige Kombination aus dem deutschen Olympiakader in dieser Prüfung, Frederic Wandres und Duke of Britain, sind ein eingespieltes Paar, das seine Routine voll auszuspielen wusste. Vorm Galopp zeigte die die Zwischenwertung 77,5 Prozent. Da lagen die beiden bis dahin besten Piaffen der Prüfung, Übergänge zwischen Piaffe und Passage, die durchgängig deutlich über Acht beurteilt wurden und ein entspannter, fleißig schreitender starker Schritt hinter den beiden.

In den Passagen wünschte man dem 15-jährigen Diamggio-Sohn mehr Abdruck im Hinterbein. Das Seitenbild des Pferdes war während der gesamten Prüfung so, wie es sein soll. Das Genick oben, die Nase an der Senkrechten, die Verbindung leicht. Die Serienwechsel zählten zu den Highlights im Galopp. 77,239 Prozent waren es am Ende – Platz zwei.

Danish Dynamite

Der Däne Daniel Bachmann-Andersen ist  bereits championatserprobt. Er weiß aber auch: Wenn er in seiner Heimat bei den Weltmeisterschaften in Herning im August im Team dabei sein will, dann muss er liefern. Sein Marshall-Bell war 2021, gerade neun Jahre jung, bereits im Finale der Europameisterschaften am Start. Seitdem ist der Dunkelfuchs nur ein Turnier gegangen, im Februar in Herning.

In den Passagen (zumeist mit Bewertungen um die 7,5) erinnert Marshall-Bell stark an seinen väterlichen Großvater Don Schufro. Das etwas „zuckige“ Schwingen unter den Körper, wie man es auch manchmal bei Weihegold sah, ist aber wesentlich gleichmäßiger geworden als noch im letzten Jahr. Ein Höhepunkt der gesamten Prüfung mit insgesamt 20 Startern: Die zweite Piaffe – ausbalanciert und an feiner Hand. Hier gab es zwei Neunen für den Zehnjährigen. Auch die Übergänge gelangen richtig gut. 7,3 gab es für den starken Schritt..

Zweier- und Einerwechsel waren auf von besserer Machart (7,9). Dazu kommt, dass Bachmann-Andersen genauso gefühlvoll wie präzise reitet. Im letzten starken Trab fehlte ein bisschen Energie. Mit 76,261 Prozent erzielte das Dänen-Duo nur wenige Zähler weniger als bei der bislang besten Beurteilung des Paares in einem Grand Prix (76,366 bei der EM in Hagen).

Mit Dark Legend kam die Britin Charlotte Fry als letzte Starterin ins Viereck. Der Rappe ging hoch aufgerichtet, wirkte aber nicht unzufrieden. In der Piaffe blieb er an der Stelle, stützte aber auf der Vorhand. Insgesamt wirkte der Ritt gefälliger als man das Paar schon erlebt hat. In der zweiten Piaffe kam es zu ein paar leichten Stockungen. Bei dieser Kombination wünschte man sich, dass die Kruppe in den Lektionen mit dem höchsten Versammlungsgrad sich zumindest andeutungsweise senken und der niederländische Wallach mehr bzw. überhaupt Last auf dem Hinterbein aufnehmen würde. Gehorsam und im Prinzip lektionssicher aber nicht ganz fehlerfrei (Einerwechsel) absolvierte Dark Legend die Aufgabe. In der letzten Piaffe erreichte er kaum die geforderte Trittzahl. Mit 75,544 Prozent landete die Kombination auf Rang vier.

Das Wochenende der Rothenberger-Geschwister

Lange Zeit in Führung gelegen hatte Semmieke Rothenberger mit Flanell. Die U25-Europameister und Sieger im Piaff Förderpreis 2021 waren das zweite Mal in einem internationalen „langen“ Grand Prix unterwegs. In Le Mans hatten sie im Februar noch nicht ganz die 72 Prozent erreicht, im frühlingshaften Hagen waren es heute 73,152 Prozent. Das ist schon eine respektable Note, aber es hätten noch ein paar Prozent mehr sein können, da dem Paar mehrere teure Fehler unterliefen, die sie aber durch einige besser als „gut“ gelungene Lektionen wieder kompensieren konnten. Während die Zickzack-Traversalen und die 15 Einerwechsel (beide mit Multiplikationsfaktor zwei in der Wertung) missglückten, gab es viele Achten und auch eine Neun für Passagen und die Zweierwechsel des eleganten Paars.

Insgesamt wirkte die Apache-Tochter reifer, auch wenn die Piaffen noch lebhafter und die Übergänge noch selbstverständlicher werden müssen, um jenseits der 75 Prozent zu landen. Flanell stand sicherer vor den treibenden Hilfen der dezent einwirkenden Reiterin und trug sich besser als noch im Vorjahr.

Die Ergebnisse finden Sie hier.