DM-Balve Dressur: Die Monster-Mega-Überraschung – Dorothee Schneider ist deutsche Meisterin in der Kür!

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Isabell Werth und Emilio: Das erste Mal die Kür geritten, Feuerprobe unter Live-Bedingungen   Foto: www.balve-optimum.de/Schupp (© Schupp)

Um die Bronzemedaille gab es eine ganz knappe Entscheidung, am Ende war es Isabell Werth, die mit Emilio auf 84,075 Prozent kam. „Der junge Mann im Team hat sich ja als Gentleman erwiesen“, sagte Werth mit Blick auf Sönke Rothenberger, 21, der mit dem neunjährigen Cosmo das jüngste Pferd der Konkurrenz gesattelt hatte. Showtime, Emilio und Cosmo waren alle 2015 Preisträger des Otto-Lörke-Preises als Deutschlands beste Nachwuchs-Grand Prix-Pferde. Am Ende trennten Emilio und Cosmo 25 Hundertstel Punkte. Beide, Emilio und Cosmo, waren noch nie Kür gegangen, beide Programme waren erst kurz vor den Meisterschaften fertig geworden. „Ich habe die Choreographie noch gar nicht mit ihm geritten, ich wollte ihn nicht durcheinander bringen“. Der Westfale begann gleich mit einer nahezu perfekten 360-Grad-Piaffe-Pirouette gleich auf der ersten Linie. Die Musik ist ganz viel Beethoven, die fünfte Sinfonie, die Ode an die Freude („Freude schöner Götterfunken“), dazu eine italienische Arie, Puccini, „Un bel di vedremo“ aus „Madame Butterfly“. Michael Erdmann hat die Musik zusammengestellt. Der Ehrenpreis-Sohn zieht das Programm voll durch: Starker Trab dann gute Passagen, Traversalen, dann Piano zum Schritt, dazu die Mondscheinsonate. Einen Fehler gibt es als der Wallach bei der Rückführung aus dem starken Galopp vor der doppelten Pirouette lässt der Braune zwei Einerwechsel einfließen, „da fehlte etwas die Kraft nach den Tagen“, entschuldigt Isabell Werth diesen Fehler nur zu gerne. Sie konnte nur ein Pferd in der Prüfung reiten, weswegen Weihegold, mit der sie gestern die Deutsche Meisterschaft im Grand Prix Special gewonnen hatte, heute Pause hatte.

Ein Paar Sambatrommeln (für Bundestrainerin Monica Theodorescu übrigens keine musikalische Option für Rio: „wir haben da keine südamerikanischen Richter sitzen“) unterstützen Beethovens Klänge, immer mal wieder, auch die 17 Einerwechsel. Und am Schluss passagiert Werth mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht einhändig nach einer 360-Grad-Piaffe-Pirouette auf die Richter zu. Schlussgruß, 84,08 Prozent.

Auf zarte Untermalung durch Streicher und Piano setzt das Musikprogramm, das Sönke Rothenberger und Cosmo durch ihre Kür begleitet. Der niederländische Wallach zeigt einen harmonischen Ritt, die erste Piaffe ist noch klar im Vorwärts, später wird der Van Gogh-Sohn mehrere Piaffen am Punkt zeigen. In den Passage-Traversalen hätte man sich etwas mehr Biegung gewünscht. Während der starke Schritt nicht für Höchstnoten reicht, ist es eine Freude, die fliegenden Galoppwechsel zu sehen. Die Zweier- und die Einerwechsel reitet Rothenberger frisch nach vorn, der Braune springt sie herrlich bergauf, mühelos und mit viel Ausdruck. In den Pirouetten sieht man aber dann doch, dass Cosmo, obwohl schon einiges an Turnierkilometern auf dem Buckel, eben erst neun Jahre jung ist. Beide Pirouetten sind sehr groß, schon bei der Einleitung wünscht man sich, wie schon in den beiden Vorprüfungen, eine bessere Einleitung. Da müsste der bewegungsstarke Cosmo – im starken Trab und Galopp geht ein Raunen durch die Menge – einfach noch mehr unter seinem Reiter sein. Die Note für das Kürdebüt: 84,05, Platz vier. Und ein Geburtstagsgeschenk für Sönkes Mutter Gonnelien, die ja selbst 1996 eine Mannschaftssilbermedaille bei Olympischen Spielen gewonnen hat.

 

Die Plätze fünf bis zwölf im Telegramm:

Hubertus Schmidt und Imperio, Trakehner v. Connery

Auch Hubertus Schmidt zeigt eine neue Kür, auch er wählt Queen. Und er sagt, dass er sich etwas vorgenommen hat, bzw. er lässt es während der Kür sagen sagen: „I want it all, I want it now“. Am Anfang passagiert der wunderschöne Trakehner zu „I want to break free“. Den Auftakt aber stellt ein starker Trab aus der Grußaufstellung dar: „Don’t stop me now“, die Beine fliegen, hinten wie vorne. Toller Übergang: innerhalb der Rechtstraversale vom versammelten Trab in die Passage und auf dem „Rückweg“ andersherum, erst Passage dann versammelter Trab. Das geht nur mit einem zu hundert Prozent durchlässigen Pferd. Im starken Schritt ist der Connery-Sohn voll entspannt. Die beiden zeigen die mit Abstand stärkste ihrer drei Runden in Balve: doppelte Pirouetten, Einerwechsel auf gerader Linien, anschließend Übergang von Zweiern in die fliegenden Wechsel von Sprung zu Sprung – das scheint die neue Kultlektion zu sein. Am Ende eine 90-Grad Wendungs-Piaffe und ein glücklicher Reitmeister aus Ostwestfalen: 79,825 Prozent, Platz fünf.

 

Jessica von Bredow-Werndl und Zaire v. Son de Niro

„Hey Big Spender“ – Shirley Basseys Stimme leitet die neue Kür von Jeesica von Bredow-Werndl und ihrer Stute Zaire ein. Die Bayerin hatte sich entschieden, die junge Stute zu reiten. Unee hatte Pause. Zaire hatte im Grand Prix und Special nicht das gezeigt, was sie kann. In der Kür aber hat sie genau das heute getan: Zum Auftakt Passage und Piaffen „Magic Moments“, Perry Como, das Stück in dem fröhlich gepfiffen wird passt perfekt zu, Bewegungsablauf der Stute, Stücke aus der Zeit der Crooner, der US-Stars wie Frank Sinatra, Big Band, Las Vegas Feeling. Ganz exakt geht die Stute zur Musik, federleicht wirkt alles. Nat King Cole „Unforgetable“ zum Schritt, da zuckt die Stute einmal, wohl wegen der Fotografen. Galopppirouetten doppelt zu „Schicksalmelodie“. Es war die Premiere dieser neuen Kür, die wunderbar zu der leichtfüßigen Stute passt. 78,025 Prozent, Platz sechs

 

Fabienne Lütkemeier und D’Agostino, Hannoveraner v. De Niro

Passage zum Auftakt dazu die Carmina Burana, perfekt im Takt. Die Piaffen im Rhythmus, dazu dezente Trommel. Nach einer Piaffe-Pirouette starker Schritt, Musik passt, perfektes Timing, Kürreiten vom Feinsten! Zweierwechsel und anschließend auch 17 Einerwechsel auf der „einfachen Schlangenlinie“. Auf der Mittellinie dann Übergang von den Zweiern in die schnurgeraden und dynamischen Einerwechsel. Riesenfreude am Ende bei Fabienne Lütkemeier, zu Recht! Der Wallach ist gereift, geht mit Selbstverständlichkeit und die Raumaufteilung dieser Kür ist nach wie vor beispielhaft. 77,7 Prozent, Platz sieben.

Anabel Balkenhol und Dablino, Hannoveraner v. De Niro

Lektionen Schlag auf Schlag zum Auftakt: Aus dem Gruß Passage-Traversale, dann Piaffe, die deutlich energischer ausfallen müsste, daraus wieder Passage-Traversale. Wie schon im Grand Prix Special macht Dablino einen richtig guten Eindruck, in den Piaffen ist er allerdings nicht ganz so gut wie gestern, wenngleich die zweite Piaffe etwas lebhafter ausfällt. Die Musik stammt vor allem von Sasha. Zunächst„We can leave the world behind“, im Galopp dann „Take good care of my baby“. Exakte, doppelt gesprungene Pirouetten zur Musik mit super Hankenbeugung. Balkenhol war eine der ersten, die den Wechsel von Einer- zu Zweierwechseln zeigte, sie sind auch weiterhin in ihrem Programm. 77,675 Prozent, Platz acht.

 

Jenny Lang-Nobbe und Loverboy, Holsteiner v. Lorentin

Das Paar aus Baden-Württemberg zeigt seine beste Runde der Tage von Balve. Kooperativer und zufriedener geht der Holsteiner von Dschungelbuch. Höhepunkte sind die fliegenden Galoppwechsel auch die Passagen sind besser als am Freitag und Samstag. Dazu die schön arrangierten Klänge aus dem Dschungelbuch. 75,7 Prozent reichen nicht mehr für die Platzierung, Rang neun.

 

Charlott-Maria Schürmann und Burlington, Hannoveraner v. Breitling

Das übliche orchestrale Streichergeschwurbel, dazu mal etwas Orgel, mal mehr Bass und Cello, nicht immer hat man da eine Lektion vor Augen. Beliebig, aber auch praktisch, kann man doch quasi an jeder Stelle jede Lektion reiten. Die Musik soll wohl mystisch sein. Technisch mehrere gute Ideen: Übergang von einer Piaffe bei C in den sehr schönen starken Schritt, auch sie zeigt die Kombination Zweierwechsel direkt in die Einerwechsel. Insgesamt viele und sehr gut ausgeführte Serienwechsel in der Kür.

74,725 Prozent, Rang zehn.

 

Jan Dirk Gießelmann und Real Dancer, Hannoveraner v. Rubin Royal

Der „Tiger“ Tom Jones mag auch noch so kraftvoll röhren, die erste Piaffe misslingt dem Paar, „Sex Bomb“ zu Traversalen, „Delilah“ zu den Pirouetten – alle Gassenhauer aus Tom Jones’ Glanzzeiten, die lange vorm Geburtstermin des Reiters Hits waren. Nette Choreographie-Idee: Zickzacktraversalen im Galopp von der Viertellinie, beeindruckend geschmeidig, wenn man sich vor Augen hält, dass der Rubin Royal-Sohn mit über 1,90 Meter Stockmaß das wohl größte Dressurpferd im internationalen Sport ist. Am Ende ein Richtungswechsel von der Diagonale im starken Trab auf die Mittellinie und dort Passage zu „Give a little love“. Eine dynamische Runde, bei der die weiteren Piaffen besser als die zum Auftakt gelingen, 74,05 Prozent, Rang elf.

 

Bernadette Brune und Spirit of the Age, Oldenburger v. Stedinger

Taktfehler zum Auftakt im starken Trab, viel Passagen und Piaffen – die erste gleich als Pirouette, unterstützt vom Geigenpizzicato – zum Auftakt. Geige und Piano zum Schritt. Auch zu den Galopppirouetten ein exakter Musikwechsel, Piano und Geige untermalen die Lektion. Feine Hilfen während des gesamten Ritts, zum Abschluss am Ende der Mittellinie eine doppelte Galopppirouette, daraus Übergang in die Passage, dann bei X eine Fächerpiaffe und daraus im starken Trab auf die Richter zu. 72,83, Rang zwölf.

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