Wiesbaden: First Romance vor Superb im Special, Facilone und Amanyara M zum Louisdor-Preis, „Düses“ letzter Tanz

Der nächste Sieg für Dorothee Schneider und First Romance beim Pfingstturnier vor dem Wiesbadener Schloss, diesmal allerdings kamen Isabell Werth ganz dicht an die beiden heran. Außerdem sind die Louisdor-Tickets vergeben. Und gestern Abend flossen Tränen, als die Siegerin ihren langjährigen Erfolgspartner mit einem Sieg verabschiedete.

Als vorletztes Starterpaar betraten Dorothee Schneider und First Romance das Viereck vor dem Wiesbadener Schloss. Der zwölfjährige Württemberger DSP-Wallach v. Fürst Romancier begann stark! Ganz kadenziertes, natürliches Traben mit engagiertem, hervorragend herangeschlossenem Hinterbein, stets im passenden Rahmen, die Nase leicht vor der Senkrechten, die Ohren gespitzt. Die Traversalen zu beiden Seiten gleichmäßig gestellt und gebogen bei weitem Kreuzen und ohne den leisesten Schwungverlust. Die Wechsel zwischen Passagen und starkem Trab akzentuiert. Die Abgrenzungen zwischen den Trabtempi ganz klar erkennbar. Einmal stutzte „Roman“ kurz beim Aufnehmen vor der Ecke. Da hatte er wohl mal wieder etwas entdeckt, was auch ganz interessant zu sein schien. Aber er bleibt inzwischen hundertprozentig bei seiner Reiterin und macht den Eindruck, als mache ihm das Ganze richtig Spaß.

Der Schritt war vom Moment des Durchparierens an losgelassen schreitend mit deutlicher Dehnung an die Hand und auch in der Versammlung ganz sicher im Takt. Die erste Piaffe aus dem versammelten Schritt war diagonal und mit guter Lastaufnahme, allerdings etwas hektisch. Da hätte man sich mehr Erhabenheit, mehr Schwingen gewünscht. Beim Übergang in die Passage kam er dann auch kurz aus dem Takt, rettete sich in den Galopp, aber Schneider fing ihn nach zwei Sprüngen sofort wieder ein und hatte ihn wieder bei sich. Die zweite Piaffe legte sie dann etwas mehr im Vorwärts an. Mehr Schwingen hätte man sich auch hier gewünscht, aber dafür war der Takt ganz sicher gegeben und die Übergänge fließend.

Beim Angaloppieren aus der Passage galoppierte den ersten Sprung links an, wechselte aber sofort in den geforderten Rechtsgalopp, so dass das kleine Versehen kaum auffiel. Die Galopptraversalen dann wie die im Trab: geschmeidig gestellt und gebogen zu beiden Seiten und beim Richtungswechsel, dabei ganz sicher vor den treibenden Hilfen.

Die Zweierwechsel gelangen sicher, könnten vielleicht noch eine Idee energischer nach vorne-oben herausgesprungen über mehr Boden gesprungen werden. Das war auch das Problem in den Einerwechseln. Da schien „Roman“ den neuen Wechsel schon ansetzen zu wollen, obwohl der vorherige noch nicht zu Ende gesprungen war, mit der Folge, dass er sich verhaspelte und Fehler machte (die im Special allerdings nicht mehr doppelt zählen, wie im Grand Prix).

Aber die beiden ließen sich nicht irritieren. Nach einer gelungenen Linkspirouette folgten ja noch mal neun Einer auf der Mittellinie. Hier war lediglich der mittlere einmal hinten kurz. Die Rechtspirouette danach dann wieder gut gesetzt und ausbalanciert. Vielleicht hätten beide noch eine Idee kleiner ausfallen können.

Die Schlusslinie zelebrierte das Paar dann nochmal richtig. Unter begeistertem Applaus verließ ein entspannter und sichtlich zufriedener First Romance das Viereck. Ergebnis: 74,936 Prozent.

Superb dicht dran und mehr

Das reichte, um die bis dato in Führung liegende Superb von Isabell Werth noch abzufangen. Die hatte gestern im Grand Prix nicht ihren besten Tag gehabt. Heute lief es deutlich besser. Das begann schon bei der Grußaufstellung, die heute gut geschlossen war und während der die Stute zum Halten kam. Beim Antraben schlichen sich zwei drei Spannungstritte ein, aber das hatte Werth schnell wieder im Griff. Der starke Trab der Stute ist energisch und schwungvoll. Sie könnte noch besser von hinten herangeschlossen sein. In der Linkstraversale verkantete sie sich wieder leicht, kreuzte aber weit und blieb vor den treibenden Hilfen.

In der ersten Passage-Starker Trab-Passage-Tour begeisterte das Federn der erst zehnjährigen Rappstute, wenngleich man sich die Hinterhand auch hier deutlicher herangeschlossen wünschte und das Genick etwas stabiler in der Selbsthaltung. Die zweite Traversale war geschmeidiger hinsichtlich Stellung und Biegung, gleichwohl verlor die Stute leicht den Drive nach vorne und wurde dadurch geringfügig eng. Auch die zweite Passage-Starker Trab-Passage-Tour bestach durch den Schwung und die Elastizität, die die Stute mitbringt. Beim Übergang zum Schritt brauchte sie ein paar Meter, um in die Dehnungshaltung zu kommen, marschierte dann aber losgelassen und mit großzügigem Raumgriff los. Im versammelten Schritt hielt man kurz die Luft an, da war sie wieder kurz vorm Anzackeln. Aber dann kam ja auch schon die erste Piaffe.

Die gelang gut, viel gleichmäßiger als gestern, mit deutlicher Lastaufnahme, elastisch und schwingend auf der Stelle. Der Übergang in die Passage war mit einem größeren Tritt nach vorne verbunden, gelang aber noch. In der zweiten Piaffe schnaubte die Stute einmal hart ab, was sie schon gestern gemacht hatte, wurde dann etwas eng und fußte hinten rechts wieder höher als hinten links. Der schwierige Übergang aus dem Zweitakt der Passage in den Dreitakt des Galopps geriet holperig und Isabell Werth musste einmal energisch einwirken, um den richtigen „Gang“ zu erwischen. Aber das war nur eine kurze Störung.

Die Galopptraversalen zu beiden Seiten gelangen, ebenso die Zweierwechsel. Die waren ausdrucksvoll nach oben vorne über viel Boden gesprungen, ein Highlight. Auch die Einerwechsel fingen gut an, aber beim neunten hörte die Stute auf. Somit hatte auch sie hier einen Punktverlust. Werth lobte sie trotzdem am Ende der Diagonalen. Trotzdem schien die Stute leicht verunsichert, als es zum zweiten „Set“ auf der Mittellinie zwischen den Pirouetten kam. Sie war schon nicht ideal aus der Linkspirouette herausgekommen, sprang hinten einmal beidbeinig, und die Einer waren dann nicht spannungsfrei. Dafür war die Pirouette nach rechts ein Highlight.

Nach dem gelungenen Durchparieren folgte ein raumgreifender Starker Trab. Der versammelte Trab danach war sehr „passagey“. Man merkte, dass Isabell Werth die Stute auf Zug halten wollte vor der letzten Piaffe auf der Mittellinie, wo sie gestern blockiert hatte. Das gelang nur bedingt. Wieder wollte Superb offenbar irritiert aufhören und war nur durch energische Hilfen zum Weiterpiaffieren zu bewegen. Das Ergebnis war, dass sie vorne stützte bzw. kaum abfußte, hinten dafür umso höher. Das wirkte sich auch auf den Übergang in die Passage aus und war teuer. In der Passage wollte die Stute noch einmal früher anhalten, als ihre Reiterin, marschierte dann aber doch weiter bis G. Alles in allem gab es 74,468 Prozent, Rang zwei.

Siegerin Dorothee Schneider freute sich: „Roman hat die Atmosphäre hier mit Bravour gemeistert. Die ein oder andere Unsicherheit war noch drin, aber ich habe wirklich das Gefühl, wir wachsen immer mehr zusammen und er hört mir immer mehr zu. Er kann so genial sein und deswegen freue ich mich sehr über den Sieg heute und auf die Zukunft mit diesem Pferd.“

Isabell Werths Fazit: „Die erste Hälfte der Prüfung war heute wirklich super. Bis zum Angaloppieren. Superb war draußen beim Angaloppieren schon verunsichert. Ich hätte es noch einmal machen sollen“, ärgerte die erfolgreichste Reiterin aller Zeiten sich über sich selbst. Seit sieben Jahren hat sie Superb nun im Stall. Sie kam dreijährig über die Verdener Auktion zu ihr. Werth: „Superb ist in all den Jahren aber nur sechs oder sieben Turniere gegangen und man merkt jetzt, dass noch die gegenseitige Routine und Abstimmung auf dem Turnier fehlt.“ Bei all ihrem Selbstbewusstsein, sei sie doch auch schüchtern in Wiesbaden gewesen. Das Thema Schlusslinie nahm Isabell Werth mit Humor: „Es war nicht schwer, auf der letzten Mittellinie besser zu sein als gestern. Es war aber trotzdem so, dass sie das noch im Kopf mitgenommen hatte. Aber wenn sie mal all ihre Möglichkeiten ausspielt, wird sie ein fantastisches Pferd.“

Die Richter waren sich nicht ganz einig in der Rangierung. Drei Unparteiische hatten Dorothee Schneider und First Romance an der Spitze: Raphael Saleh (FRA) bei E, Christoph Umbach (LUX) bei H und Katrina Wüst bei M. Chefrichterin Dr. Evi Eisenhardt bei S und Mariano Santos Redondo (ESP) bei B hingegen hatten sie „nur“ an zweiter Stelle. Sowohl Eisenhardt als auch Redondo hatten Superb an der Spitze der Wertung. Saleh und Umbach sahen die erst zehnjährige Surprice-Tochter hingegen auf Rang drei. Nur Katrina Wüst ordnete sie dort ein, wo sie dann auch landete, auf Rang zwei.

Allerdings hatte Katrina Wüst Werth und Superb exakt die gleiche Punktzahl gegeben, wie dem Paar, das schließlich an dritter Stelle landete: Nicole Wego-Engelmeyer mit der leichtfüßigen Rheinländer Rappstute Saphira Royal v. San Amour. Sowohl Raphael Saleh als auch Christoph Umbach sahen sie vor Werth und Surprice. Dr. Evi Eisenhardt hingegen hatte das Paar nur auf Rang fünf. Unter dem Strich kamen sie auf 73,809 Prozent.

Damit lagen sie klar vor Juliane Brunkhorst und dem Holsteiner Ampere-Sohn Aperol, bei dem die Bewertungen zwischen 69,681 Prozent (Dr. Evi Eisenhardt) und 74,478 Prozent variierten. Im Durchschnitt wurden es 71,915 Prozent für sie. Fünfte wurde die Überraschungszweite von gestern, Laurence Vanommeslaghe (BEL) auf dem hoch eleganten Hannoveraner Hotline-Sohn Havalon (71,745).

Louisdor-Preis

Das Wiesbadener Pfingstturnier war auch eine Station des Louisdor-Preis. Der Kurz-Grand Prix für die Qualifikation zum Finale hatte heute den Tag eröffnet auf dem Viereck vor dem Wiesbadener Schloss. Sieger wurde wie schon in der Einlaufprüfung, der Intermédiaire II, der zehnjährige Hannoveraner Facilone unter Marcus Hermes. Der Fürstenball-Sohn war bereits bei der Qualifikation in Hagen eines der auffälligsten Pferde des gesamten Lots gegeben, musste hier aber Überflieger Fendi von Sönke Rothenberger und dem Vertreter der Gastgeber, Harrods unter Frederic Wandres, den Vortritt lassen. Heute gab es jedoch kein Vorbeikommen an dem elastischen und eifrigen Braunen, den Marcus Hermes schon in Hagen mit sehr viel Gefühl vorgestellt hatte. 74,319 Prozent wurden es trotz einer nicht ganz gelungenen Pirouette, was auch im Kurz-Grand Prix doppelt teuer ist.

Anders als beim Nürnberger Burg-Pokal, wo ja jeweils nur der Sieger das Ticket für das Finale löst, werden bei den Louisdor-Preis Qualifikationen zwei Fahrkarten vergeben. Die heutige zweite wurde zur Beute der neunjährigen Hannoveraner Ampere-Tochter Amanyara M mit Dr. Svenja Kämper-Meyer im Sattel. Mit 73,489 Prozent setzte sie sich klar vor das zweitplatzierte Paar der Intermédiaire II, Evelyn Eger auf der Totilas-Tochter Tabledance. Den beiden wurde erst die große Klippe dieser Aufgabe zum Verhängnis, der Mittelgalopp über die Diagonale mit fliegendem Wechsel bei X und dann schlichen sich auch noch in beiden Wechseltouren Fehler ein. Damit war heute nicht mehr drin als Rang drei.

Grand Prix Kür – Düse siegt zum Abschied

Eines der Highlights für Dressurfans ist in Wiesbaden die Kür unter Flutlicht am Sonntagabend. Wie schon im Grand Prix ging auch hier der Sieg an die „Hamburger Australierin“ Kristy Oatley, die ja in der Nähe der Hansestadt lebt, aber für ihr Heimatland an den Start geht. Ihr 18-jähriger Olympiapartner Du Soleil v. De Niro, genannt „Düse“, strafte sein Alter Lügen und machte seinem Spitznamen Ehre, als er mit 79,430 Prozent und Rang eins von allen Richtern zu einem unangefochtenen Sieg tanzte.

Zweite wurde der belgische Shooting Star dieser Saison, Laurence Vanommeslaghe, mit ihrem Siegerpferd aus Wellington, dem Johnson-Sohn Edison. Dahinter reihten sich Anja Plönzke und Fahrenheit ein (76,615).

Wie heißt es so schön? Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Und so entschied Kristy Oatley sich kurzentschlossen, die festliche Kulisse in Wiesbaden zu nutzen, um ihren langjährigen Erfolgspartner Du Soleil mit diesem Sieg aus dem Sport zu verabschieden.

Das wird Kristy Oatley wehmütig stimmen. Seit sieben Jahren sind sie und „Düse“ auf dem internationalen Dressurparkett vertreten, nahmen an den Olympischen Spielen 2016 in Rio teil, wurden Zehnte beim Weltcup-Finale 2017 und belegten Rang zwölf bei den Weltreiterspielen 2018 in Tryon.

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