Zwischenwertung Dressur-EM: Cosmo Zweiter, von Bredow-Werndl nun Sechste

pvh-190820-Grand Prix-1081

Sicherheit vor Effekthascherei: Cosmo und Sönke Rothenberger im starken Trab (© Pauline von Hardenberg)

Deutschland ist auf Goldmedaillenkurs bei der Dressur-EM in Rotterdam. Nach drei von vier Teamresultaten führt Dorothee Schneider nun vor Sönke Rothenberger. Dessen Cosmo hatte ein paar „Patzerchen“, wie sein Reiter zu Protokoll gab. Die Briten liegen an zweiter Position, Carl Hester ist Vierter.

Neue Rangierung bei der  Dressur-EM in Rotterdam. Nach drei Reitern pro Mannschaft liegt Deutschland weiter in Front. In der Einzelwertung führt nach wie vor Dorothee Schneider vor Sönke Rothenberger. Jessica von Bredow-Werndl ist nun Sechste. Die Dänen können die Bronzemedaille gewinnen. Sie haben bereits ein Endergebnis. Selbst bei einem nicht zu erwartenden Totalausfall von Bella Rose und Isabell Werth müsste Charlotte Dujardin als letzte britische Teamreiterin 81,537 reiten. Wie gesagt, ein theoretisches Gedankenspiel, sollte das amtierende Weltmeister-Paar mit weniger als 76,8 Prozent aus dem Viereck kommen.

Cosmo knapp unter 80 Prozent in Teamwertung Dressur-EM

Taktmäßiges Hufgeklapper kündigte das Kommen von Cosmo und Sönke Rothenberger an. In der Passage kam das Paar den kleinen Weg in Richtung Stadion herunter. Äußerlich sah Cosmo cool aus. Auch bei der Runde um das Viereck keine Anzeichen von Spannung.

Das Paar begann in gewohnter Form. In der Form von 2019. Wie schon beim CHIO Aachen stand die Sicherheit wohl im Fokus von Sönke Rothenberger. Der erste starke Trab war taktsicher, aber keiner von der Art, die Neunen bekommt. In der Ecke bei F scheute Cosmo einmal kurz. Sönke hatte seinen Niederländer v. Van Gogh aber schnell wieder bei sich.

Die Trabtraversalen, die gestern Jessica von Bredow-Werndl zum Verhängnis geworden waren, gelangen fließend. Aber auch sie hat man bei dem Paar schon mit noch mehr Ausdruck gesehen. Nach einem leicht auslaufenden Halten trat Cosmo gehorsam rückwärts (7,8). Punkten konnte das Paar dann in der Paradelektion Piaffe (8,6). Am Ende der Diagonale starken Schritts guckte sich Cosmo dann ein weiteres Mal einen Wechselpunkt genauer an. Diesmal war es H. Das drückte sowohl die Note für den starken Schritt (7,0) als auch die für das versammelte Tempo (6,3). Zwischenstand: 79,086 Prozent, keine 80. Die zweite Piaffe (8,4) ließ dann aber die 80 vor der Galopptour in der Zwischenwertung erscheinen.

Die Zweierwechsel, sehr spät begonnen und erst mit Ende der Diagonalen abgeschlossen, wurden hoch beurteilt (8,4). Der starke Galopp war ähnlich wie der starke Trab eher mit angezogener Handbremse geritten (8,1). „Es ist eine extrem lange Woche mit vielen Pausen, da reitet man kräftesparend“, sagte Sönke Rothenberger. In der Zickzack-Traversale geriet der letzte fliegende Galoppwechsel hinten etwas kurz (7,9). Auf der Diagonalen mit den 15 fliegenden Galoppwechseln von Sprung zu Sprung kam Cosmo deutlich hinter die Senkrechte mit der Nasenlinie.

Während die erste Pirouette noch gut gelang, war in der zweiten, der nach rechts, der Wurm drin. Schwungverlust, Balanceprobleme (5,4). So etwas ist teuer. „Da war er selbst etwas überrascht, dass die Pirouette schon kam“, so Rothenberger. Er räumte ein, dass Stellung und Biegung einfach nicht so gewesen wären, wie gewünscht. Der letzte starke Trab (8,0) war wieder im unteren Tempobereich einzuordnen.

79,084 Prozent, Platz zwei zur Mittagspause. Sönke Rothenbergers Fazit: „Ich bin echt zufrieden. Im Galopp hatte ich ein paar Patzerchen“. Es seien noch Verbesserungsmöglichkeiten, so Rothenberger. Aber: „Es hat sich angefühlt wie in Aachen“, beschrieb er direkt nach dem Ritt seinen ersten Eindruck. Bislang seien alle unter ihren Aachen-Leistungen geblieben. „Die Mannschaft hat Priorität“, ergänzte er noch. Und zur Konkurrenz aus Großbritannien? Zu Charlotte Dujardin? „Freestyle ist ein tolles Pferd.“ Und die Dressur-EM ist erst entschieden, wenn Charlotte Dujardin das Viereck verlassen hat. Ihre Startzeit ist 14.50 Uhr.

Briten sicher auf Silberkurs bei Dressur-EM

Ihr Lehrmeister und Trainer Carl Hester hat dann Zeit, sich um Charlotte zu kümmern. Er zeigte den in Großbritannien gezogenen Hannoveraner Hawkins Delicato v. Diamond Hit im Vergleich zur WM in Tryon deutlich verbessert. Das ganze Pferd ist kraftvoller, geschlossener und damit auch spritziger. Wobei der Wallach nach wie vor durch seine schwungvolle Trabtour mit hohen Bewertungen in der Passage punktete. Auf der Sollseite war das Rückwärtsrichten (6,4) und auch die Übergänge aus der Piaffe waren nicht immer im Zweitakt, zweimal schaltete Delicato erst einmal einen Gang herunter, um dann aus dem Schritt erneut anzupassagieren. Die Passage selbst war sehr kadenziert und gut vom Boden.

Pauline von Hardenberg

Carl Hester und Hawkins Delicato (GBR) – big smile! (© Pauline von Hardenberg)

Seine ganze Erfahrung spielte Carl Hester in der Galopptour aus: Schnurgerade Serienwechsel, immer so eingeteilt, dass der fünfte der neun Zweier- bzw. achte der 15 fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung exakt bei X ausgeführt wurde. Einer sicheren Zickzack-Traversale (8,6) standen weniger gelungene Pirouetten gegenüber. Die legte Hester recht großzügig an, was den Juroren aber gefiel (7,4/7,5). 78,323 Prozent, in der Zwischenwertung Vierter, waren ein wichtiges Resultat für die britische Equipe.

Auch interessant

Pech für Cathrine Dufour

Noch einmal gab es einen Platzregen bei der Dressur-EM. Er setzte ein als Cathrine Dufour und Atterupgaard’s Cassidy ins Stadion kamen. Die Dänen müssen noch ihre Olympiaqualifikation sichern. Dufour war bereits die Abschlussreiterin des Teams.

Schwungvoll gelang der Auftakt. Der Caprimond-Sohn zeigte sehr schön fließende Trabtraversalen. (7,9) Dem Regen trotzend, gelang die erste Piaffe gut mit viel Lastaufnahme, sicher im Takt, aktiv und fleißig. Danach standen runde 80 Prozent in der Zwischenwertung auf der Anzeigetafel. Auch die zweite Piaffe zählte zu den besten der bisherigen Prüfung (8,4). Im Galopp punktete das Paar mit schnurgeraden Serienwechseln und exaktem Reiten, immer auf der Linie. Merke: Selbst im strömenden Regen kann korrektes Reiten schön anzusehen sein!

Vor den Einerwechseln gingen Cathrine Dufour und Cassidy dann laut Zwischenwertung in Führung. Aber dann! Mehrere Fehler in den 15 Einerwechseln (3,8) – doch die Dänin kämpfte! Gut gesetzte auf kleinstem Kreis gesprungen Pirouetten (8,6 für die Rechtspirouette) halfen beiden aus dem Notenloch heraus. Die Passage auf Mittellinie dann abenso. Der Fuchs federte gleichmäßig wie ein Metronom. Aber bei X war dann Schluss. Er piaffierte kaum. Ausgerechnet Cassidy! Das Piaffe-Maschinchen aus der Nähe von Kopenhagen. Mit 77,143 Prozent landete das dänische Duo auf Rang fünf hinter Carl Hester aber vor Jessica von Bredow-Werndl. Dänemark hat ein Endergebnis von 228,541 Prozentpunkten. Für die Bronzemedaille dürfte das reichen, sollte nicht der Schwede Patrik Kittel alle Erwartungen am Nachmittag übertreffen.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.