FEI-Nationenpreisfinale 2021: Sieg an die Niederlande, deutsches Team auf Rang sechs

Longines FEI Jumping Nations Cup Final 2021

Das Team Niederlande feiert sich in der Siegerehrung des FEI-Nationenpreisfinals in Barcelona, Spanien. (© FEI/Lukasz Kowalsk)

Wie das so ist mit guten Leistungen in der Qualifikation und Patzern im entscheidenden Springen, kennen die Deutschen ja bereits von den Olympischen Spielen in Tokio. So ähnlich wiederholte sich das heute und bescherte Deutschland schlussendlich Rang sechs im Finale der FEI-Nationenpreisserie. Nahezu in Perfektion fuhren hingegen die Niederländer souverän den Sieg ein. Den Challenge Cup sicherte sich bereits am Samstagabend das Team aus Großbritannien.

Mit 1,25 Millionen Euro war das Nationenpreisfinale dotiert. Nach 2014 und 2017 konnten sich die Reiter aus den Niederlanden nun zum dritten Mal den Sieg im Finale der prestigeträchtigen Nationenpreisserie sichern. Und das, wo sie doch am Samstag in der Qualifikation mit durchwachsenen Leistungen so gerade eben noch in das große Finale reingerutscht waren.

Starke Niederländer mit makellosem Endergebnis

Heute allerdings spielten die Niederländer ihre Stärken und ihre Erfahrung voll aus. Das Olympia-Paar Maikel van der Vleuten und Beauville Z legten als erste Starter fürs Team Oranje schon gleich mit einer blitzsauberen Runde vor (0/74,86).

Wohl niemand freute sich dann in der Runde der zweiten Starter aller Teams so euphorisch über die tadellose Leistung seines Pferdes wie Willem Greve über die Performance seines Holsteiner Hengstes Carambole, mit dem er fehlerfrei in 75,86 Sekunden ins Ziel kam. Den Dank an sein Pferd bestätigte Greve dann auch im anschließenden Interview. Carambole sei sein bestes Pferd aller Zeiten und er habe ihm viel zu verdanken. Der nunmehr 17-jährige Hengst war in seiner sportlichen Karriere mehrmals verletzungsbedingt ausgefallen und doch immer wieder stark zurückgekommen. So hatte er beispielsweise bereits 2013 am Nationenpreisfinale teilgenommen, damals ebenfalls unter dem Sattel von Greve.

Sanne Thijssen und Con Quidam bekamen einen leichten Hindernisfehler und bildeten damit heute das Streichergebnis (4/74,06). Mit dem Druck umzugehen wusste Harrie Smolders als Schlussreiter dann aber ideal. Er durfte sich keinen Hindernisfehler erlauben, bei einem Zeitfehler wäre es zum Stechen zwischen Irland und den Niederländern gekommen. Doch nichts davon ließen sich Smolders und der zwölfjährige Cassini II-Sohn Monaco zu Schulden kommen. Am Ende stand somit das Idealergebnis 0 Punkte auf dem Konto der Niederländer. 417.000 Euro verdiente sich das Team um den Chef d’Equipe Rob Ehrens somit heute mit dem Sieg im FEI-Nationenpreisfinale 2021.

Irland mit teurem Zeitfehler auf Rang zwei

Ohne Springfehler ins Ziel zu kommen ist gut, war aber heute nicht gut genug, wenn man denn am Ende den Siegpokal in die Höhe recken wollte. Denis Lynch legte mit Cristello v. Numero Uni als erster Reiter des Teams mit einer Nullrunde vor. Eoin McMahon und der Chacco-Blue-Sohn Chacon bekamen dann einen Zeitstrafpunkt. Doch mit acht Strafpunkten bildeten Michael G Duffy und Zilton v. Zirocco Blue als dritter Reiter das Streichergebnis, der Zeitfehler von McMahon zählte also. Daran konnte auch der fehlerfreie Parcours von Darragh Kenny und Cartello v. Cartani nichts mehr ändern. Für Platz zwei gab es für die irische Mannschaft um den Chef d’Equipe Michael Blake aber immerhin noch rund eine Viertelmillion Euro, 251.000 um genau zu sein.

Der dritte Platz ging an das belgische Team unter der Mannschaftsführung des Deutschen Peter Weinberg. Hier ritten Nicola Philippaerts und Katanga van het Dingeshof v. Cardento zu vier Punkten, das gleiche Ergebnis erzielte Teamreiter Nummer zwei der Belgier, Niels Bruynseels mit Delux van T&L v. Toulon. Mit fehlerfreien Runden von Jerome Guery und Quel Homme de Hus, einem Sohn des Quidam de Revel, und Gregory Wathelet mit seinem 13-jährigen Hengst Nevados konnte das Team Belgien den Wettbewerb letztlich mit vier Punkten insgesamt abschließen.

Platz vier wurde es für die schwedische Equipe, wo die Olympiapaare Henrik von Eckermann/King Edward und Malin Baryard-Johnsson/Indiana mit makellosen Runden eigentlich den Druck von den Schultern der anderen beiden Reiter aus ihrem Team nahmen. Doch das schien nicht zu helfen. Angelie von Essen sammelte mit Alcapone des Carmille vier Fehler, Rolf Göran-Bengtsson und Ermindo bildeten mit neun Punkten das Streichergebnis. Somit waren sie zwar punktgleich mit den Belgiern, allerdings insgesamt langsamer im Parcours unterwegs und somit hinter Belgien platziert.

Das Team aus den Vereinigten Staaten landete auf dem fünften Rang mit insgesamt zwölf Punkten. Lillie Keenan und Skyhorse sammelten neun Strafpunkte und lediglich dem zweiten Teamreiter, Spencer Smith und Quibelle, gelang für die Mannschaft ein Nullfehlerritt. Schuyler Riley und Robin de Ponthual bekamen einen Hindernisfehler, der erfahrenen Laura Kraut und Baloutinue unterliefen dann nochmal zwei Springfehler.

Deutschland nur auf Rang sechs

Für das deutsche Team lief es nach dem Sieg in der Qualifikation am Freitag heute eher bescheiden. Als erstem Starterpaar passierte Daniel Deußer und Killer Queen direkt am ersten Sprung ein ärgerlicher Fehler. Und dann zog die Stute am Einsprung der ersten Zweifachen, einer mächtigen Triplebarre, die Bremse. Natürlich war damit auch die Chance vertan, in der Zeit zu bleiben. Mit elf Punkten kamen die Sieger des Großen Preises von Aachen schließlich ins Ziel.

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Europameister André Thieme und Chakaria hatten also eine kleine Vorentscheidung im Umlauf zu bestreiten. Denn mit elf Punkten sollte Deußer das Streichergebnis bilden. Thieme legte direkt ein flottes Tempo an, um auch innerhalb der erlaubten Zeit zu bleiben. Das nahm Chakaria sehr gut an – und tatsächlich brachten die beiden eine Nullrunde in flotten 75,11 Sekunden ins Ziel! Die Championatserfahrung, die der Mann aus Plau am See und seine Chap-Tochter in dieser Saison sammeln konnten, spielt sich immer mehr aus, hat man so das Gefühl.

Für den dritten deutschen Mannschaftsreiter, David Will im Sattel von C-Vier, gab es wie schon am Freitag heute erneut zwei Springfehler. Am Wasser trat der Wallach auf das Band, bekam aber in der tückischen Dreifachen gegen Ende des Parcours die nötige Weite an beiden Oxern. Die Weite war ja am Freitag bei dem Paar zweimal das Problem gewesen. Nun galt es, noch die Stangen des Schlusssprungs in den Auflagen zu lassen. Hier hatten die Reiter die Wahl zwischen sechs und sieben Galoppsprüngen auf dem Weg. Will entschied sich, sieben zu reiten. Mit seinen Hilfen kam er aber leider überhaupt nicht mehr durch auf dem Weg zum Sprung. Ein Fehler war unvermeidbar. Und Wills Ergebnis musste heute zählen. Insgesamt wurden es also 13 Punkte für das Team um den Equipechef, Bundestrainer Otto Becker. Der tat seine Enttäuschung kund: „Natürlich ist das ein bitteres Ergebnis. Es fing schon sehr unglücklich mit Daniels Fehler an. André war zwar null, aber danach lief nichts mehr. Wir haken das jetzt ab und blicken nach vorne. Das war der Abschluss einer sehr intensiven Saison.“

Das brasilianische Team reihte sich dahinter ein mit 14 Punkten, gefolgt von den Gastgebern aus Spanien mit 26 Punkten.

Challenge Cup an junges Team aus Großbritannien

Bereits am Samstagabend ging es sozusagen im Kleinen Finale um den Sieg im Challenge Cup. Hier trafen die neun Teams aufeinander, die sich am Freitag nicht für das große Finale hatten qualifizieren können. Eine Runde über einen 1,60 Meter-Parcours galt es hier nochmal zu drehen und dabei die Weste möglichst weiß zu lassen.

Am nächsten am Idealergebnis heran kam das Team aus Großbritannien. Unter der Mannschaftsführung von Di Lampard hatten junge Gesichter wie der 22 Jahre alte Harry Charles und die 23-jährige Emily Mofitt den Weg ins Nationenpreis-Team gefunden und wahrlich abgeliefert. Denn beide kamen mit null Fehlern aus dem Parcours. Die vier Fehler der 32-jährigen Holly Smith reichten aus, um den Sieg zu erringen, ohne auf den Altmeister im Team, John Whitaker und Unick du Francport zurückgreifen zu müssen. 70.000 Euro erhielten sie für den Sieg.

FEI/Lukasz Kowalski

Das siegreiche Team Großbritannien im Challenge Cup 2021 in Barcelona, Spanien. V.l.n.r. Jack Whitaker, Harry Charles, Emily Moffitt, Chef d’Equipe Di Lampard, John Whitaker und Holly Smith. (© FEI/Lukasz Kowalski)

Als Zweitplatzierte 65.000 Euro einkassieren konnte das Team aus Frankreich mit insgesamt zehn Strafpunkten, gefolgt von Norwegen auf Platz drei mit 21 Strafpunkten.

Alle Ergebnisse aus Barcelona finden Sie hier.