DM Luhmühlen: Turbulenter Geländetag und zweimal Familie Klimke auf Titelkurs

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Ingrid Klimke und Asha P 2019 im Cross von Luhmühlen. (© Thomas Ix)

Deutlicher als erwartet wirbelte die Geländeprüfung die Dressurergebnisse des CCI4*-S, zugleich offene Deutsche Meisterschaft, durcheinander. Die Führung konnte Ingrid Klimke zwar verteidigen, aber nicht mit dem Dressur-Ersten Hale Bob.

Stattdessen zeigte die neunjährige Asha einmal mehr ihr Potenzial. Mit ihr absolvierte Ingrid Klimke den Kurs als letzte Starterin der Prüfung ohne Hindernisfehler mit nur 2,0 Punkten für Zeitüberschreitung. Die Sekunden verlor sie an Sprung 16, an dem sie mit der neunjährigen Askari-Tochter wie die meisten anderen Reiter den längeren Weg wählte. „Das hat ungefähr fünf Sekunden ausgemacht“, sagte Klimke nach ihrem Ritt. „Aber Asha ist mein Zukunftspferd.“ Das ja auch schon Silber bei der DM 2019 in Luhmühlen gewonnen hatte.

Super-Sandra auf Silberkurs

Mit 24,9 Fehlerpunkten liegt sie nun weniger als einen Springfehler vor Sandra Auffarth auf Viamant de Matz, die den Kurs ohne Hindernis- und Zeitfehler bewältigte. An der Hindernisfolge 16 wählte sie mit ihren beiden Pferden den direkten Weg über eine schwierig anzureitende Ecke. Der elfjährige Fuchs v. Diamant de Semilly sprang sicher und motiviert. „Ich bin mehr als zufrieden“, sagte Auffarth, die auch noch mit dem 13-jährigen Let’s Dance v. Lancer II vor dem Springen Vierte ist. „Ich freue mich auf morgen, meine beiden Pferde springen gut.“

Als bester ausländischer Gast konnte sich der australische Routinier Andrew Hoy mit Vassily de Lassos in die Spitzengruppe auf Platz drei schieben. Er war außer Auffarth der einzige Starter, der keine Zeitfehler kassierte. Mit 6:57 Minuten traf er das Zeitlimit punktgenau. Mit einer souveränen Runde bewies das Paar, das es derzeit zu den besten der Welt gehört.

Klimke mit Premiere und einer Überraschung

Hochzufrieden war Ingrid Klimke mit der erst achtjährigen Sienna (32,50 Punkte, Platz 5), die sie als erstes von drei Pferden vorstellte. „Es war ihre erste Vier-Sterne-Prüfung“, sagte sie nach dem Ritt. „Sie hat wirklich eine Menge gelernt, am Anfang wollte sie durch die Hecken nicht durchwischen, sondern hat sie immer sauber übersprungen. Das wurde im Lauf der Strecke immer besser.“ Einen kritischen Moment gab es am Aussprung des Messmer-Teichs, als das Pferd scheinbar außerhalb der Begrenzungsflagge sprang. Das bedeutete elf Strafpunkte, die jedoch nach Auswertung der Videoaufzeichnung wieder zurückgenommen wurden.

Nicht ganz nach Plan verlief der Ritt mit Klimkes 16-jährigem Olympiapferd Hale Bob. Am zweiten Wasserkomplex habe er sich, so seine Reiterin, womöglich an den wassersprühenden Fisch erinnert, der dort vor einigen Jahren gestanden und Bobbys Missfallen erregt hatte. Jedenfalls versuchte er am Hindernis vor dem Wasser stehenzubleiben, der MIM-Sicherheitsverschluss wurde ausgelöst, und Ingrid Klimke konnte ihn über den nunmehr nur noch halb so hohen Sprung drücken. „Ich habe das Hindernis wohl zu entspannt angeritten, und war total überrascht.“, sagte sie später. Der Rest gelang gut, übrig blieb bisher Platz elf.

Bronze in Aussicht

Überraschend auf Platz sechs, das ist vorläufig der Bronzeplatz der DM, landete die Klimke-Schülerin Sophie Leube mit der zehnjährigen Jadore Moi v. Conthargos nach ansprechender Dressur und flotter Geländerunde. Die 33-Jährige betreibt in Hamm einen eigenen Ausbildungsstall. „Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, heute auf Platz sechs zu liegen“, sagt Sophie Leube, „Mein Pferd und ich wir haben uns gegenseitig geholfen, es war doch sehr anspruchsvoll heute.“

Und was machte der Olympiasieger?

Gelassen kommentierte Michael Jung seinen Auftritt in der Heide mit dem zwölfjährigen Chipmunk. Er fiel vom zweiten auf den 21. Platz zurück, weil er an Hindernis 16 einen Zirkel geritten und damit seine eigene Linie gekreuzt hatte. Das bedeutete 20 Fehlerstrafpunkte, hinzu kamen 9,6 Zeitstrafpunkte, insgesamt jetzt 51,19. Das morgige Springen betrachtet er nach eigenen Worten als Trainingsrunde.

Olympiakaderreiter Andreas Dibowski mit Corrida liegt nach fehlerloser, aber nicht besonders schneller -Runde auf Platz zwölf, (38,9). Der Dressur-Dritte Christoph Wahler rangiert nach einem „Vorbeiläufer“ von Carjatan an dem berüchtigten Hindernis 16 auf Platz 24.

Klimke Nummer zwei auf Titelkurs

Die Erfolgssträhne der Familie Klimke setzte sich auch in der Junioren DM fort. Ingrid Klimkes Tochter Greta Busacker konnte mit Scrabble ihre Dressurführung (24,4Minuspunkte) verteidigen, auch die Plätze zwei und drei blieben unverändert. Victoria Weyers (25,8) auf Lariosta und Ben Philipp Knaak auf für Let’s Go (27,6).

In der Dreisterne-Prüfung, zugleich DM Junge Reiter, führt Dressursieger Michael Jung auf Star Connection (21, 0) vor der Europameisterin der Junioren 2019, Anna Lena Schaaf, auf Debby (26,1) und Joelle Celina Selenkowitsch auf Akebys zum Glück (29,2).

Alle Ergebnisse finden Sie hier.