Hagen: Sönke Rothenberger und Cosmo siegen im Grand Prix Special, Emilio mit Patzer Zweiter

Soenke Rothenberger-GER-Cosmo 59-KWPN 2018-04-29 Horses & Dreams meets the Royal Kingdom of Jordan-Hagen a.T.W.-Am Borgberg-Germany-GPS

Sönke Rothenberger und Cosmo werden sich beim CHI Donaueschingen erstmals nach der DM 2018 in Balve wieder der Öffentlichkeit präsentieren. (© Ludwiga von Korff)

Gestern noch beim Rückwärtsrichten mit dem Hinterbein aus dem Viereck, heute voll auf Spur: Sönke Rothenberger und Cosmo siegten vor Isabell Werth und Emilio im Grand Prix Special bei Horses and Dreams in Hagen. Dritte wurde Jessica von Bredow-Werndl mit einer hoch motivierten Zaire.

Sönke Rothenberger fiel es nicht schwer ein Fazit zu ziehen nach seinem Ritt, bei dem es für Passagen und den starken Trab mehrfach die Idealbewertung 10,0 gegeben hatte. „Cosmo war heute viel solider als gestern, aber ich finde es auch bezeichnend, wie schnell er sich dann eingelebt hat. Die Galoppverstärkung habe ich heute aber trotzdem nicht mit vollem Risiko geritten“, so der 23-Jährige. Insgesamt hatte der Mannschaftseuropameister von Göteborg 2017 den Van Gogh-Sohn heute etwas deutlicher an der Hand. „Kontrolle first“, so schien die Devise zu heißen. Nach diversen Fehlern war das Paar gestern im Grand Prix auf Rang drei gelandet. Heute gelang vieles besser, eben kontrollierter. Einmal zuckte der Braune vor einer Trabtraversale, blieb aber bei seinem Reiter. Der legte heute die Piaffen deutlich im Vorwärts an, erhielt aber auch auf diese Lektionen Noten bis zur 9,0. Cosmo ist gut durch die Winterpause gekommen. Hagen war sein erstes Turnier nach dem Triumph in Schweden im vergangenen Herbst. Das eigentlich „Wiedereinsteiger-Turnier“ hätte in Toledo sein sollen, aber dort herrschte Landunter. Deswegen also gleich Hagen, große Bühne mit entsprechend Publikum am Viereck. Trotz der Anspannung schaffte es Rothenberger immer wieder seinen Wallach an leichter Hand zu führen, in vielen, wenn auch noch nicht allen Lektionen, ging Cosmo mit offenerem Ganaschenwinkel als noch zu Beginn der Saison 2017.

Es ist halt doch immer ein Ritt auf einem Vulkan.

Sönke Rothenberger

Cosmos Bewegungsfreude und federnde Elastizität ist noch kraftvoller geworden. Mit 82,255 Prozent erreichte er beinahe seine persönliche Bestmarke, die er beim Gewinn der Silbermedaille in Göteborg 2017 erritten hatte.

Isabell Werth: In Hagen erstmals wieder Grand Prix Special seit neun Monaten

Isabell Werth und Emilio mussten kurz nach dem Ritt von Rothenberger ins Viereck. Und die Weltranglistenerste wusste: Sie musste liefern. In vielen Lektionen gelang ihr das auch. In der Passage und Piaffe war der Ehrenpreis-Sohn leichtfüßig, rhythmisch und dynamisch zugleich. Zehnen für die Passage, Noten bis 9,5 für Piaffen spiegelten wider, warum der Westfale derzeit die Nummer zwei der Weltrangliste ist. „Es fühlte sich super an,“ so Isabell Werth, „gerade im Aushaltemoment in der Passage hat Emilio noch mal an Kraft gewonnen.“

Ludwiga von Korff

Isabell Werth und Emilio, Hagen 2018 (© von Korff)

Besonders beeindruckend ist, wie sehr sich Emilio trotz seines Exterieurs in der Piaffe in den großen Gelenke der Hinterhand  beugt und er dennoch den Takt hält. Lange war das Paar im Bereich zwischen 83 und 85 Prozent unterwegs. Doch dann kam der Galopp. In den neun fliegenden Galoppwechseln von Sprung zu Sprung zwischen den Galopppirouetten kam es zu einem Fehler. In der Galopptraversale nach links hatte es bereits einen leichten Rhythmusverlust gegeben. „Emilio ist seinen letzten Special in Aachen gegangen (Anm. d. Red.: mit 78,275 Prozent Sieg in der CDI-Tour). Seitdem in der Hallensaison nur noch Kür in der Weltcup-Tour. Die mangelnde Routine habe ich heute gemerkt.“ Sie sei zwar im Vorfeld die Linien im Training zuhause geritten, aber nie die komplette Aufgabe. „Schon vor den Zweierwechseln ist er ein bisschen traversartig galoppiert“, das, so die Weltcupsiegerin, sei ein Zeichen gewesen, wachsam zu sein. Mit 81,383 Prozent wurde die Kombination heute Zweite.

Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk für Micaela Werndl

Jessica von Bredow-Werndl und ihr Bruder Benjamin machten ihrer Mutter Micaela, die an diesem Wochenende Geburtstag feierte, am Sonntag ein leicht verspätetes, aber besonderes Geschenk: Beide platzierten sich in dem CDI4*-Grand Prix Special. Jessica mit der KWPN-Stute Zaire, die engagiert und motiviert in der Prüfung von Lektion zu Lektion marschierte. Dabei folgte sie konstant den kaum zu sehenden Hilfen ihrer Reiterin. Zu den Höhepunkten der Runde zählten unter anderem die eifrig und auf kleinstem Kreisbogen gesprungenen Pirouetten. Lediglich die neun Einerwechsel zwischen den Galopppirouetten verliefen nicht ganz nach Plan. 77,872 Prozent bedeuteten Platz drei.

von Korff

Jessica von Bredow-Werndl und Zaire bei den Horses and Dreams 2018. (© von Korff)

Ihr Bruder Benjamin wurde mit Daily Mirror v. Damon Hill mit 72,638 Prozent Sechster. Zwischen die beiden Geschwister aus Aubenhausen setzen sich die beiden Schweden Therese Nilshagen mit dem Oldenburger Dante Weltino, der heute konzentrierter wirkte als im Grand Prix (76,362) und Patrik Kittel mit Well Done (74,170).

Fabienne Lütkemeier landete mit Fabregaz auf Platz sieben (72,00) vor den Dänen Anna Zibrandtsen und Arlando (71,851) und Anders Dahl mit Selten (71,787).

Die Ergebnisse der Prüfung finden Sie hier im Überblick.

Erster Finalist für den Louisdor-Preis aus Dänemark: Blue Hors Veneziano

Drei Kombinationen schafften es in der ersten Qualifikation der Saison zum Louisdor-Preis 2018 die 70-Prozent-Marke zu knacken: Benjamin Werndl und Famoso v. Farewell III, Hubertus Schmidt und Chrysler v. Christ sowie das Dänen-Duo Daniel Bachmann-Andersen und der Deckhengst Blue Hors Veneziano v. Vivaldi. Die Abordnung aus dem Gestüt Blue Hors lag mit 74, 023 Prozent deutlich vor den neun anderen Startern der Prüfung. Somit sicherte sich der Fuchshengst aus Dänemark, dessen Mutter übrigens eine Vollschwester zu Don Schufro ist, dem Hengst, der vor 25 Jahren geboren wurde und vom Gestüt Blue Hors aus zur Nummer eins der Weltrangliste aller Dressurhengste wurde.

Ludwiga von Korff

Daniel Bachmann-Andersen (DEN) und Blue Hors Veneziano, Hagen 2018 (© von Korff)

In den Piaffen funktionierte noch nicht immer alles, das Talent von Veneziano war aber deutlich zu erkennen. Auch jenes für die Passage und die Übergänge, allerdings im aktuellen Ausbildungsstand noch mit reichlich Schweifschlagen als Reaktion auf die treibenden Hilfen, dafür aber gut vom Boden und, gerade zum Abschluss, sicher im Takt. Vor allem konnte der Vivaldi-Sohn in Traversalen und allen starken Tempi sowie der Galopppirouette nach links punkten. Mit 74,023 Prozent setzte er sich deutlich von der Konkurrenz ab.

Ludwiga von Korff

Hubertus Schmidt und Chrysler, Hagen 2018 (© Ludwiga von Korff)

Zweiter wurde Hubertus Schmidt mit Chrysler, einem schicken Bayern v. Christ. Chrysler ist unter anderem unter ukrainischer Flagge sechsjährig in internationalen Dressurpferdeprüfungen am Start gewesen. Achtjährig ist er nun auf Grand Prix Niveau angekommen und darf als Zweitplatzierter auch in Frankfurt kurz vor Weihnachten im Louisdor-Preis sein Glück versuchen. (71,442)

Benjamin Werndl kam mit dem Oldenburger Famoso v. Farewell III, den er seit 2106 unter dem Sattel hat, auf Rang drei. Im Februar hatte Werndl den Braunen erstmals in der Großen Tour, in einer Intermediaire II im österreichischen Ebreichsdorf vorgestellt. Der Wallach, der einst zweieinhalbjährig als Hengst einmal gekört worden war, verfügt über viel Ausdruck im Vorderbein. Dieses leichtfüßig, tänzerische Moment kommt ihm vor allem in der Passage zu Gute. Im Hinterbein wünschte man sich etwas mehr Abdruck. In den Piaffen bekam Famoso seine Beine noch nicht immer sortiert. Die Galopppirouetten gelangen gut zentriert und klar im Takt, 71,116 Prozent. Vierter wurde Ronald Lüder mit dem gekörten Quaterback-Sohn DSP Quantaz (69,767).

Die Ergebnisse im Einzelnen finden Sie hier.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.