Hagen: Schwarze Hengste und persönliche Bestleistungen im Grand Prix Special

Kristina Bröring-Sprehe und Desperados

(© Kristina Bröring-Sprehe und Desperados)

Zwei persönliche Bestleistungen lieferten Kristina Bröring-Sprehe und Jessica v. Bredow-Werndl im Grand Prix Special von Hagen. Während die Damen sich freuen konnten, verlief die Prüfung für Hubertus Schmidt nicht ganz so wie erhofft.

83,824 Prozent im Grand Prix Special, zwei Zehnen für Sitz und Einwirkung, diverse Neunen für Passagen und am Ende für diese Lektion sogar einmal eine Zehn – Kristina Bröring-Sprehe hat derzeit einen Lauf. Sie siegte auch in der zweiten Prüfung der CDIO-Tour in Hagen auf dem Hof Kasselmann. Dabei ging der Hannoveraner Hengst Desperados konzentriert und knüpfte an seine Leistungen von den Deutschen Meisterschaften in Balve und dem Grand Prix in Hagen an.

Video: Desperados und Kristina Bröring-SpreheDer De Niro-Sohn hatte gestern, als die Pferde der CDIO-Tour keinen Wettkampf hatten, ein etwas intensiveres Arbeitspensum. Genaus das richtige Konzept: „Despi war trotz der Wärme spitze drauf. Gestern haben wir etwas mehr gearbeitet, weil er nach dem stürmischen Grand Prix doch im wahrsten Sinne des Wortes etwas durch den Wind war. Das hat sich heute ausgezahlt.“, so die Reiterin, die das erste Mal nach ihrer Hochzeit unter ihrem neuen Doppelnamen an den Start ging. Mit ihrem 14-jährigen Desperados kann sie als gesetzt gelten für das deutsche Dressur-EM-Team, das Mitte August in Aachen vor allem ein Ziel hat: den Gewinn der Goldmedaille in der Mannschaftswertung.

Mit einem Abstand von mehr als drei Prozent landete Jessica v. Bredow-Werndl mit Unee auf Platz zwei. So losgelassen, so geschmeidig und so harmonisch von der ersten bis zur letzten Sekunde hat man noch keinen niederländischen Gribaldi-Sohn im Viereck gesehen. Der Hengst ist athletischer geworden, dynamisch und er achtet auf die Hilfen seiner dezent einwirkenden Reiterin.

Stefan Lafrentz

Jessica von Bredow-Werndl und Unee (© Jessica von Bredow-Werndl und Unee)

„Er fühlt sich jetzt so richtig wohl in seinem Körper. Er ist so fein, er reagiert auf die kleinste Gewichtsverlagerung. Und das allertollste: Er lässt mich in diesen Momenten fühlen, dass da noch viel mehr drin steckt.“ Jessica v. Bredow-Werndl konnte zu Recht stolz sein auf die gemeinsame Leistung. Beide verkörpern das, was man in der Dressur sehen will: Leichtigkeit und Harmonie. Mag Unee die Beine in den Piaffen auch nicht so hochreißen wie andere das tun, so schwingt er dabei, federt durch den ganzen Körper und wird vorne groß. Die Übergänge Passage/Piaffe/Passage bekamen einmal sogar eine Neun. In Sitz und Einwirkung gab es zwar Neunen, aber man fragt sich, was da noch besser hätte aussehen müssen an diesem Tag in der Sonne von Hagen. In der Silhouette stach das Paar alle Mitbewerber aus. Droht der Hengst vorne abzukippen, reicht eine minimale Aufforderung und schon ist das Genick wieder der höchste Punkt und, ja, Pferde sind einfach am schönsten, wenn die Nase leicht vor der Senkrechten steht.

Platz drei ging an Isabell Werth und Don Johnson. Sie war hochzufrieden mit der Leistung ihres Hannoveraner Wallachs, gerade die Galopptour sei verbessert. In den Passagen hätte man sich im Hinterbein aber phasenweise mehr Abdruck gewünscht. Bestechend auch heute: Die Präzision mit der Isabell Werth durch die Prüfung reitet und keinen Punkt liegen lässt. Dass das überhaupt geht, hätte vor Jahresfrist noch niemand gewettet. Don Johnson, der 2013 in Herning erstmals in einer Championatsequipe ging, hat immer wieder seine eigenen Ideen in Sachen Kooperation. Doch in diesem Jahr sieht das anders aus, lediglich in München war der Don Frederico-Sohn ausgestiegen, aber ansonsten ist er jetzt „seriös“, wie Werth es nennt.78,784 Prozent waren Platz drei. Als erfahrenste der drei Reiterinnen auf dem Podium griff Isabell Werth der Entscheidung des Dressurausschuss‘ des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR)„Ich denke ich darf das sagen, ich gehe mal davon aus, dass wir drei uns im Hinblick auf Aachen entspannen können.“

Isabell Werth und Don Johnson

Isabell Werth und Don Johnson (© Stefan Lafrentz)

Und Platz vier? Über den wird morgen entschieden. Hubertus Schmidt, der vierte im Nationenpreisteam, der mit dem noch relativ unerfahrenen Trakehner Imperio v. Connery am Donnerstag im Grand Prix mit einem 5-Minuten-Unwetter zu kämpfen hatte, hatte sich für den heutigen Grand Prix Special vorgenommen, zu zeigen, wie stark sich Imperio verbessert hat. Doch das klappte leider nicht. Ein Angaloppieren im starken Trab zu Beginn der Aufgabe, kleinere Unsauberkeiten und Schwächen plus einmaliges Verreiten ließen das Paar bei 73,627 Prozent landen, Platz acht.

Platz vier in der Konkurrenz ging an die Dänin Anna Kasprzak mit dem Finnen Donnperignon v. Donnerhall (76,843 Prozent) vor der Russin Inessa Merkulova und Mister X (76,647) und Beatrice Ferrer-Salat mit Delgado (75,196) aus Spanien.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

Morgen steht der Grand Prix Special der CDI-Tour auf dem Programm. Hier gehen drei Pferde, die noch Chancen haben, möglicherweise im Aufgebot für Aachen dabei zu sein: Totilas unter Matthias Alexander Rath, Dablino und Anabel Balkenhol und D’Agostino mit Fabienne Lütkemeier. Totilas hatte bei seinem Comeback gestern den Grand Prix gewonnen, Dablino in seinem besten Grand Prix des Jahres war Zweiter geworden und D’Agostino, Mannschaftsweltmeister von Caen 2014, hatte sich im Vergleich zu Balve deutlich verbessert gezeigt. Fünf Pferde, vier plus ein Ersatzpferd, werden in die Aachener Stallungen einziehen. Wer das sein wird, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Die Leistung im Grand Prix Special dürfte dabei hohe Priorität besitzen, aber auch die Fitness nach dem Turnier wird von Bundestrainerin Moncia Theodorescu immer wieder als ein wichtiger Eckpunkt für die Nominierung genannt.

 

 

 

 

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