LIVETICKER: Olympia-Mannschaftsentscheidung Dressur Tokio 2021

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Liveticker Olympia Tokio 2021, Grand Prix Special (© www.st-georg.de)

Im Liveticker werden wir hier mit kontinuierlichen Updates live aus Tokio aus dem Reitstadion von der Dressur-Mannschaftsentscheidung, dem Grand Prix Special berichten. Immer mal wieder reinklicken!

Liveticker 22.05 Uhr

Jessica von Bredow-Werndl, Dalera, Deutschland

Die Stute ist die Ruhe selbst, Jessi hält noch einmal an, galoppiert dann an. Das Halten hinten leicht offen, 82,143 Prozent. Starker Trab die Nase vor der Senkrechten, schwingende, kadenzierte Traversalen. 84,6 Prozent nach der ersten Traversale, Passage bis zum Punkt. Auch hier Millimeter-genaues Reiten. Die Reiterin still im Sattel, der Wechsel von höchster Versammlung und maximaler Schwungentfaltung, federleicht. 83,077 Prozent sind es vorm starken Schritt. Ganz entspannt im starken Schritt, der am Ende der Diagonalen noch an Fleiß gewinnt. Der versammelte Schritt, dann die erste Piaffe. Wunderbar, dann Passage, dann Gänsehaut, dann zweite Piaffe, dann zweite Gänsehaut, dann Passage. Alles leicht, selbstverständlich und auf höchstem Niveau. Blick zur Anzeigentafel: 84,258 Prozent. Beim Angaloppieren klopft Jessi die „Queen” – Ihre Majestät befindet sich auf dem Weg zur Krönung! Leicht die Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul, geschmeidig die Seitwärtsbewegung in der Traversale. Perfekt bei X der fünfte, der zentrale fliegende Wechsel der neun Zweierwechsel. Und dann: Äppeln zu Beginn der Einerwechsel! Die Queen und ihr Verdauungsproblem bei Championaten! Dennoch liegt die Kombination weiterhin vor Isabell Werth, jetzt aber knapp. Cool reitet Jessi die Prüfung nach Hause: Sichere Pirouette, tolle – verdauungsfreie – Einerwechsel. GÄNSEHAUT. Die letzte Linie – so wunderbar kann der Reitsport aussehen. 84,681 Prozent Gold, Gold, Gold für Deutschland!!!! (vor den USA und Großbritannien).

Liveticker 22 Uhr

Charlotte Dujardin, Gio, Großbritannien
Fleißig und behände kommt Gio die Mittellinie herunter galoppiert. Halten gut 86,429 Prozent – Promibonus. Der starke Trab ist gelaufen, die Traversalen gut kreuzend und gleichmäßig. Die Passage ist ein Hingucker, der versammelte Trab in einer äußerst „freien” Interpretation dieser Gangart angelegt. Aber auch wenn er schnell wird im starken Trab, er fußt drei bis vier Hufbreit über. Das tun nicht viele. 83,077 Prozent sind es bis zum Schritt. Der starke Schritt mit einem Huf Überfußen 80,119 Prozent danach dem versammelten Schritt. In der Piaffe kreuzt der KWPN-Wallach hinten, schafft es aber Fleiß und Takt dabei einigermaßen zu halten. Knapp 79 Prozent stehen für das Paar beim Angaloppieren zu Buche.
Die Galopplektionen gelingen zunächst, aber ein versammelter, mit Tragkraft im Dreitakt gesprungener Galopp sieht anders aus. In den 15 Einerwechseln gibt es einen Fehler. Die Pirouetten und die neun Einerwechsel dazwischen gelingen. Passage und Piaffe zum Abschluss sind Marke Uhrwerk. Ein sympathisches, junges Paar. Die Zukunft kann kommen. 79,544 Prozent, 7723 Punkte für Team GB und damit knapp hinter den USA.

Liveticker, 21.50 Uhr

Sabine Schut-Kery, Sanceo, USA

78,5 Prozent für das Einreiten. Die wunderschön sitzende Sabine Schut-Kery steht definitiv vor dem wichtigsten Ritt ihrer Karriere. Mutmaßlich morgen dann schon wieder. Der Hannoveraner ist leichtfüßig und geht buchstäblich mit einer Anlehnung, die vom Gewicht der Zügel bestimmt wird. Mag es auch im starken Trab keiner sein, der sich von hinten überholt, so schließt er sich in den Passagen wunderbar von hinten heran. Alles schwingt, alles federt, wunderbar! 80,9 Prozent vorm Schritt. Man möchte dem Paar allein für die Anlehnung schon die Zehnen hinterherwerfen. Das Angaloppieren mit eine leichten Schlenker im linken Hinterbein. Man hat den Eindruck, das Stadion sei noch stiller als bei den anderen Ritten. Jeder merkt: A new star is born! Gerade Zweierwechsel, gerade Einerwechsel und eine Reiterin, der wir in der St.GEORG-Redaktinswertung eine 12 für den Sitz und die Harmonie geben. Leicht führt Sabine Schut-Kery den San Remo-Sohn in der Pirouette um das innere Hinterbein herum. Reiten kann so schön sein! Die letzte Piaffe – WAHNSINN. Alles so wie es sein soll! Das Vorderbein im rechten Winkel zum Boden, die Kruppe tief, die Hinterbeine aktiv und die großen Gelenke der Hintergliedmaßen gebeugt. LEHRBUCH!!! 81,596 Prozent, 7477,0 Punkte für das Team. Für die USA ist das eine Medaille – Bronze, Silber, Gold – das klärt sich jetzt.

Liveticker, 21.40 Uhr

Cathrine Dufour, Bohemian, Dänemark
Das Paar zeigt mehr Selbstverständnis, mehr Ruhe als noch im Grand Prix. Das ändert wenig an den leicht gelaufenen Trabverstärkungen. Aber es kommt der Passage zu Gute und auch den gleichmäßigen Trabtraversalen. 81 Prozent sind es zwischenzeitlich, 80,115 vorm Schritt. Da ist der Dunkelfuchs ganz entspannt, der versammelte Schritt des Westfalen ist fleißig und gut herausgearbeitet, die erste Piaffe gut im Gleichmaß. Mit den gut herangeschlossenen Passagen und er zweiten Piaffe ist das Paar bei mehr als 81 Prozent. Das Angaloppieren ist etwas holperig, die Galopptraversalen dann wieder total unter Kontrolle. Das Maul ist häufig etwas offen, aber nie hat man den Eindruck, der Wallach sperre sich gegen die Hand. In den Einerwechseln auf der Diagonale rutscht er aber deutlich mit der Stirnlinie hinter die Senkrechte und der anschließende starke Galopp ist mit angezogener Handbremse, Dann ein superteurer Fehler: Der Wallach springt beim Herausreiten aus der Pirouette um. Pirouette mal zwei – die Wertung nur noch bei 77 Prozent. Das ist auch für die dänischen Medaillenambitionen wohl das Aus. Aber Cathrine Dufour, Sportlerin, die sie ist, kämpft bis zum Schluss und kann dann auch noch auf der letzten Linie mit aktiver Passage und Piaffe Punkte holen, 77,720 Prozent, das dänische Team 7540 – mehr als die Niederländer.

Liveticker 21.30 Uhr
Edward Gal, Total US, Niederlande
Totilas reloaded. Reiterlich und was das Vorderbein anbelangt auf jeden Fall. Edward Gal hatte versprochen, im Grand Prix „mehr” zu reiten. Der Hals, kurzzeitig eng beim Gruß, ist hoch eingestellt wie bei einem stolzen Karossier. Im starken Trab tritt der Hannoveraner einen Huf über. 79,634 Prozent. Das Genick ist häufig der höchste Punkte, die Nase kommt auch vor in den Trabverstärkungen. In der Traversale, die das Pferd schwingend absolviert, ist der Rappe minimal nach rechts verkantet. Dass er in der Passage etwas nickt im Genick, zeigt, dass die Tragkraft des noch jungen Totilas-Sohns nicht im gleichen Maße wie die aktuell zur Schau gestellte Aufrichtung gegeben ist. 82,19 Prozent vorm starken Schritt, der schreitend und mit Übertritt gezeigt wird und zu den besseren des Tages zählt, deutlich! Die Piaffen sind weniger forciert geritten als im Grand Prix der Schweif ruhiger, beim Angaloppieren aus der Passage springt der Rappe etwas verspannt und falsch an und muss wechseln, weiterhin mehr als 81 Porzent. Der Galopp müsste mehr über die Oberline arbeiten, der Takt ist nicht immer da. In den Einerwechseln wird der Rappe eng. Der starke Galopp sieht den Hals in derselben Position wie während der gesamten Prüfung, den Schritt ausgenommen. Auch in der zweiten Pirouette beidbeiniges Drehen im Hinterbein statt dass das äußere, den Charakter des Galoppsprungs erhaltend, im engen Radius im das innere Hinterbein springt. Passage auf Mittellinie im Seitenbild ausdrucksstark, aber Spannung verratender Doublebeat vor der Piaffe und dann eine Stockung im Übergang. 79,894 Prozent, 7479,5 Punkte für die Niederlande insgesamt. Derzeit die Führung.

Liveticker 21.15 Uhr

Beatriz Ferrer-Salat, Elegance, Spanien

Mit guten 72 Prozent hat sich die Spanierin Beatriz Ferrer-Salat im Grand Prix für das Einzelfinale qualifiziert. Dort wie auch jetzt im Grand Prix Special war es vor allem die Passage und die Piaffen des wuchtigen Negro-Sohns Elegance. Dessen Namensgebung wohl auch unter Hoffnungsgedanken stattgefunden hat. Die Trabverstärkungen sind laufend, der starke Schritt im Takt. Die Piaffe gelingt, die Passage mit viel Kadenz, schnelles Schweifschlagen quittiert die Hilfengebung zur zweiten Piaffe. Beim Angaloppieren ist das Paar bei 74 Prozent. Der Galopp ist etwas rollend, aber lektionssicher. Auch Ferrer-Salat ist schon lange im olympischen Sport dabei. Die schmale Reiterin aus Barcelona verleiht dem Wallach etwas Leichtigkeit, die er von Haus aus nicht mitbringt. Die neun Einerwechsel zwischen den Pirouetten sind größer als die 15 auf der Diagonalen. Am Ende der zweiten Pirouette ist die Balance nicht mehr ganz gegeben. Äußerst kadenzierte Passage zum Abschluss. 74,894 Prozent. Spanien liegt mit insgesamt 7198,5 Zählern hinter Schweden.

Liveticker 21.05 Uhr

Therese Nilshagen, Dante Weltino, Schweden

Mit gespitzten Ohren galoppierte der schwarze Hengst die Mittellinie. Das Halten – perfekt. Elastisch und energisch zugleich der versammelte Trab und mit richtig Go über die Diagonale. Kadenziert auch an der kurzen Seite. Gute Traversale, 80 Prozent! Die Passage in guter Selbsthaltung. Der starke Trab eine Augenweide. Die Coronapause scheint dem Paar gut getan zu haben. Pferd und Reiterin im Einklang. Und ein Hinterbein, das dahin fußt, wo das Vorderbein hinzeigt, vorm Schritt liegen der Oldenburger Hengst und Therese Nilshagen bei über 77,5 Prozent. Das ist beinahe knauserig. Die erste Piaffe ist etwas matt, die zweite auch auf Vorsicht angelegt. Aber die Passage und vor allem das Genick, das immer da ist, wo es sein sollte, bedarf einer ausdrücklichen Extra-Erwähnung – es geht halt doch! Dazu ein ruhiger Schweif, nur bewegt von der leichten Brise im nächtlichen Stadion in Tokio. Perfekt eingeteilte Zweierwechsel. Dann die 15 Einer – Klasse, leicht schwankend aber bergauf! Und der starke Galopp Marke Full Power – besser als alle anderen. Gut zentrierte erste Pirouette, gute Einer, kontrollierte zweite Pirouette mit deutlicher Hankenbiegung. Echte Versammlung! Dann frisch gen Mittellinie im starken Trab, die Piaffe, der man wiederum etwas mehr Energie gewünscht hätte, an feinster Zügelverbindung geritten. Schönes Reiten! 75,988 Prozent, 7210 Punkte insgesamt für das Team Schweden

Liveticker 20.55 Uhr
Rodrigo Torres, Fogoso, Portugal

Großrahmig ist der Schimmel mit den iberischen Wurzeln und eher lang als kurz im Rücken. Im Vorderbein kann er sich groß in Pose setzen. Man wünschte ihn etwas mehr Abdruck im Hinterbein in allen Trab-Tempi. Aber das Gleichmaß war immer gegeben. 73,7 Prozent waren es vor dem Schritt. Der war eher knapp, so dass es 71,4 Prozent bei der ersten Piaffe waren – aber das kann der Schimmelhengst! Er kommt auch gut „rein und raus”, sprich punktet bei den Übergängen. Mit über 74 Prozent geht es in die Galopptour. In der Galopptraversale hätte man sich aktiveres Abspringen des Hinterbeins und auch Längsbiegung gewünscht. Die Zweierwechsel waren groß, in den 15 fliegenden Galopwechseln von Sprung zu Sprung sprang der Hengst einmal hinten kurz. Nach frischem starken Galopp zeigte das Paar eine ausbalancierte Pirouetten, fehlerfreie neun Einerwechsel und die zweite Pirouette war dann unkoordiniert, drohte schon fast „überdreht” zu werden. In guter Selbsthaltung kamen die beiden die Mittellinie herunterpassagiert zum Schlussgruß. Sie grüßten und konnten sich sicher sein, für Portugal und für die Lusitanozucht gepunktet zu haben. 74,726 Prozent

Isabell Werth über ihren Ritt

Was überwiegt denn jetzt? Die Freude über die Leistung deiner Stute oder der Ärger darüber, dass es nicht die Prozentpunkte sind, die die Leistung wiederspiegeln?

Ich bin total happy über Bella! Sie hat eine fantastische Prüfung gezeigt. Natürlich würde ich mich über ein paar Punkte mehr auch freuen, aber am Ende des Tages bin ich lang genug im Sport, dass ich mich hier erstmal über das Pferd freue, und warum sollte ich mich ärgern? Sie ging fantastisch und wir werden sehen, was passiert.

Was hat dir heute am besten gefallen?

Ehrlich gesagt war ich unglaublich happy, dass sie so relaxt war. Am ersten Tag war sie natürlich noch sehr eifrig und jetzt war sie richtig zuhause in dem Viereck und hat sich auch in der ganzen Galopptour sehr schön reiten lassen. Ich hatte wieder beim Einreiten, das geht ganz auf meine Kappe, ich hatte leider eine kleine Rechtsparade, und da sprang sie einmal hinten ein bisschen parallel war. Wenn man aus dem starken Schritt kommt, der heute finde ich sehr gut war und dann in den versammelten Schritt und dann geht das so in die Piaffe rein – ich weiß nicht, was sie besser machen muss. Sorry, aber das ist vom Gefühl – ein paar Pferde habe ich ja schon geritten – das kann nicht viel besser sein. Und alle drei Piaffen können nicht besser sein in meinen Augen. Aber gut, ich sitze nicht am Tisch und so ist es eben. Aber es war nicht nur das, auch die Übergänge. Das Ganze fühlte sich heute einfach toll an. Und das ist das allerwichtigste.

Was hast du denn zwischen dem ersten Ritt und heute noch mit ihr gemacht?

Sie hat sich einfach jeden Tag hier auch mehr akklimatisiert und wohler gefühlt und man kann eben manche Sachen auch nur im Viereck finden. Der erste Tag im Viereck war ich auch schon echt zufrieden. Ich wusste ja, dass sie sich dann von Tag zu Tag da hineinentwickeln wird – oder habe es gehofft, wissen tut man es immer erst hinterher – aber ich war fest davon überzeugt. Ich habe heute morgen dann einfach noch ein bisschen Schritt geritten und drei Runden getrabt, einfach ein bisschen locker, das war auch schon sehr gut, gestern Abend dann nochmal zur Zeit trainiert und sie fühlt sich einfach super an, und jetzt schauen wir einfach mal heute.

Wie groß ist die Sorge, dass jetzt noch etwas schief gehen kann?

Naja, also wir bleiben demütig bis zum Ende und ich bin fest davon überzeugt, dass Jessi das Ding souverän schaukeln wird, aber trotzdem bleiben wir bescheiden, bis der letzte Schritt getan ist.

Der letzte Schritt für Sie ist dann morgen wahrscheinlich. Was geht da?

Wir werden versuchen, das Beste zu reiten, was wir reiten können. Ich hoffe, dass Bella sich genauso stark präsentiert und dann fighten wir und dann sehen wir, was rauskommt.

Was war denn heute an Bella anders?

Sie war relaxter, sie war souveräner, auch gerade in der Galopptour habe ich sie ruhig reiten können, es war alles sehr geschmeidig und gut, Piaffe-Passage war auch am ersten Tag keine Frage, aber das war heute so souverän, dass ich gerade schon gesagt habe, ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wie ich’s viel besser machen könnte.

Man hat das Gefühl, dass du mit der Musik immer in das Herzen der Menschen zielen willst, oder in das Herz von Bella. Wie suchst du diese Musik aus?

Wir mussten oder sollten eine Special-Musik mitbringen. Was soll ich für eine wildfremde Musik suchen, sondern ich habe einfach die Teile aus meiner Kür gewählt, weil ich auch finde, dass sie großartig zu ihr passt und ich die Musik liebe und das Lied auch unheimlich trägt und deshalb habe ich einfach Teile aus ihrer Kür genommen und die zusammengebracht. Und das hat jetzt auch super gepasst heute. Es war wirklich auf den Punkt. Es war heute einfach eine rundum gelungene Prüfung.

Liveticker 20.45 Uhr
Dorothee Schneider über ihren Ritt:

„Es hat sich sehr gut angefühlt, ich bin ganz stolz auf mein Pferd. Er war besser vor mir als im Grand Prix, hat über den Rücken in die Hand gearbeitet, schwungvoll, mit viel Kraft aus dem Hinterbein. Das war ein Gänsehaut-Gefühl! Und die Pirouetten waren auch gut! (lacht) Aus der Passage in den Mitteltrab ist er mir einmal angaloppiert, das war natürlich schade. Da hätte ich ihn vielleicht noch mehr am rechten Zügel haben müssen. Aber danach ist er direkt wieder bei mir gewesen, er hat nahtlos weitergemacht, so dass ich heute wirklich total happy bin.

Es ist unglaublich, dass wir uns auf so kurzem Weg qualifizieren konnten. Erst Herpes, dann kam mein gebrochenes Schlüsselbein. Dadurch kam Showtime sehr spät in den Prüfungsmodus, so dass ich natürlich gehofft habe, dass das noch klappt – aber es ist ja nicht selbstverständlich, dass man sich innerhalb von drei Turnieren für Olympia qualifiziert. Es ist einfach ein grandioses Erlebnis hier noch einmal mit diesem großartigen Team unterwegs sein zu dürfen und mit diesem unglaublichen Pferd hier sein zu können, das mir immer wieder ein tolles Gefühl gibt und mit mir ist. Und dieses „mit mir sein“ ist so besonders! Und es ist natürlich auch sehr emotional nach dem, was mir passiert ist. Ich bin überwältigt!“

Liveticker 20.05 Uhr
Isabell Werth, Bella Rose, Deutschland

Schon beim Hereinreiten wirkt die Stute weniger gespannt als im Grand Prix. Sechs Goldmedaillen hat Isabell Werth von Olympischen Spielen zuhause in Rheinberg. Das Einreiten – perfekt. Das Antraben lockerer als im Grand Prix (82,143 Prozent). Starker Trab mit gut einem Huf Übertritt, die Traversalen schwingender als vorgestern, gebogen, gestellt, kreuzend – Klasse! 82,5 Prozent zeigt die Anzeigetafel. Präziser Übergang vom starken Trab in die Passage bei F, auf den Millimeter, nein den Nanometer genau.
Sehr gut auch die Traversale nach rechts. Auf der linken Hand im starken Trab an der langen Seite tritt die Stute nur in die Spuren der Vorderhufe. Aber diese Lektion geht eben im Grand Prix Special auch nur viermal in einfacher Wertung ins Protokoll ein. An der kurzen Seite dann maximale Kadenz. Der Schritt losgelassen, vom Fleck weg am Ende sehr schön schreitend. Zu ersten Piaffe fährt draußen ein Polizeiauto mit Sirene und Megaphondurchsage vorbei. Na und? Egal! Übergänge zwischen den Passagen und Piaffen, die Gänsehaut bereiten. Vor dem Angaloppieren schnaubt die Belissimo M-Tochter einmal ab: Das klingt aber eher zufrieden als unwirsch, 82,644 Prozent die Wertung beim ersten Galopp. Sichere Traversalen, präzise fliegende Galoppwechel schließen sich an und gute fliegende Galoppwechsel zu zwei Sprüngen. Auch die 15 Einer genau nach Plan. Starker Galopp mit Ausdruck aber dennoch sicher. Und wieder exakt der fliegende Galoppwechsel am Punkt. Mit viel Ruhe geht es in die Rechtspirouette , sichere neun Einerwechsel, dann die zweite Pirouette, die ist etwas – aber wirklich nur etwas – größer als die nach rechts. „Freude schöner Götterfunken” ertönt zum letzten starken Trab, Bella und Bella sind angekommen. Hoch die Beine! Passage und Piaffe auf der Mittellinie. HAMMER! Der Grand Prix als Vorrunde, dann liefern, wenn es notwendig ist. 83,298 Prozent. Deutschland führt und Isabell Werth hat wo möglich schon in zwei Stunden die siebte Goldmedaille ihrer Olympischen Karriere um dem Hals baumeln. Weiter geht es in einer guten Stunde.

Liveticker 19.35 Uhr

Charlotte Fry, Everdale, Großbritannien
Hoch und eng eingestellt im Hals kommt der Hengst Everdale in Stadion. Beim Einreiten schnaubt er mehrfach. Energie hat er für drei, aber seine Sprunggelenke zeigen immer nach oben, selten unter den Körper gen Körperschwerpunkt. 74,6 Prozent für den starken Trab. Nach der ersten Passage galoppiert der Rappe einmal im Übergang zum starken Trab an. In den Verstärkungen bleibt die Halsposition unverändert. Dank der Passagen hat sich das paar vorm Schritt wieder auf 74,49 Prozent hochgearbeitet. Erste Piaffe sicher am Punkt, die Übergänge fließend, so auch die zweite. Damit starte Charlotte Fry mit 76 Prozent in die Galopptour, in der das Sprunggelenk in den Traversalen besser unter den Körperschwerpunkt arbeitet. Die Kruppe wünschte man sich aber etwas tiefer. Die 15 fliegenden Wechsel von Sprung zu Sprung sind gut, der starke Galopp mit viel Ausdruck im Vorderbein. In der zweiten Pirouette fehlen Längsbiegung und Kontrolle, Fry bringt sie aber sicher zu Ende. Die Übergänge Passage-Piaffe-Passage sind im Takt. Und als alle jubeln, galoppiert der Lord Leatherdale-Sohn befreit durchs Viereck nach dem Schlussgruß. 76,854 Prozent, Großbritannien damit vor den USA

 

Liveticker 19.25 Uhr
Carina Cassoe Kruth, Heiline’s Danciera, Dänemark
Das Halten hinten etwas breitbeinig, der Auftakt im Trab dann fließend und gut nach vorne angelegt. Keine Schwebetritte, leichtfüßige Trabtraversale nach links und klar abgesetzte erste Passage mit aktiv abfußendem Hinterbein. Die gut sitzende Reiterin immer im Einklang mit ihrer Fürstenball-Tochter. Die Anlehnung sicher, das Hinterbein aktiv und dynamisch. Sensationelle 79,133 Prozent vor dem Schritt. Das Paar ist dabei, seine persönliche Bestleistung zu überbieten. Nicht ganz selbstverständlich das erste Anpiaffieren, in der zweiten Piaffe hätten es ein paar mehr Tritte sein dürfen.
Auch die Galopptour strahlt die Harmonie zwischen Reiterin und Pferd aus, die man sehen möchte im Dressurviereck. Die Galoppade ist geprägt von Fleiß, ein spektakulär ausgreifendes Vorderbein hat die Stute aber nicht. Dennoch ist es einfach nur schön, die Kontrolle – ohne Kadavergehorsam – zu erleben, die viele Punkte für Präzision im Galopp verschaffen dürfte. Tolle Passage auf der letzten Mittellinie mit Piaffe leicht im Vorwärts. Ihre 77,112 Prozent sind ein Geburtstagsgeschenk zum 37., das sich Carina Cassoe Kruth selbst macht in den angenehmen Temperaturen im Reitstadion in Tokio.

Liveticker 19.15 Uhr
Steffen Peters, Suppenkasper, USA
Das Pferd mit den größten Füßen zeigt: Auch so kann man leichtfüßig sein. Suppenkasper, einst vom Yahoo-Gründer für Steffen Peters gekauft, steht wie aus dem Lehrbuch. Durch die erste Ecke geht es mit Außenstellung. Der starke Trab ist geschmeidig, die Trabtraversale nach links die beste, die wir bisher gesehen haben. In der Passage das für den Spielberg-Sohn typische leichte ausbalancieren nach links und rechts, aber super herangeschlossen, kadenziert und in guter Haltung. Zwischenzeitlich einmal über 80 Prozent. Und im starken Trab marschieren der Niederländer und der Deutsch-Amerikaner dann richtig los an der langen Seite.
79,331 Prozent nach dem starken Schritt, schwankende erste Piaffe, sicher im Takt, auch die zweite Piaffe mit gut gesenkter Kruppe aber der Tendenz zum seitlichen Ausbalancieren. 77 Prozent vorm Angaloppieren. Die Zweierwechsel sind sicher, am Ende ist das Genick vielleicht etwas tiefer als zu Beginn der Diagonalen. Kontrollierte 15 Einerwechsel, etwas kürzer als die ansonsten großzügige Galoppade des riesigen Wallachs. Starker Galopp frisch nach vorne. Beide Pirouetten zählen zu den Highlights, auch weil sie im Hinterbein aktiv genug gesprungen sind. Das linke Hinterbein kommt mitunter in der Passage weiter unter den Körper als das rechte, das fällt am Ende vor dem Gruß mehr auf als zu Beginn dieser Prüfung, die zu den besten zählt, die das Paar bislang auf Championaten gezeigt hat. 77,766 Prozent.

Liveticker 19.05 Uhr
Hans Peter Minderhoud, Dream Boy, Niederlande

„HP” in der Bahn und es ist wird einem wieder orange vor den Augen. Aber cool, wie das Team Oranje das durchzieht. Der Vivaldi-Sohn schnaubt nach sicherem Halten, 80 Prozent, zweimal ab. Er zieht gut nach vorne. Das Genick ist oben, aber die laufenden Trabverstärkungen drücken die Wertnoten erstmal gen 72 Prozent. Über die Passagen arbeitet sich das Paar schnell wieder nach oben. Die Rechtstraversale ist geschmeidig, Minderhoud super konzentriert, reitet von Punkt zu Punkt. Ein Routinier, der 2008 erstmals bei Olympia am Start war. Zum Schritt sind es gute 76 Prozent. Beim Aufnehmen guckt der schicke Rappe einmal gen kurze Seite. Die Piaffe ist am Punkt, schwankt aber vorne leicht und dürfte hinten aktiver und gleichmäßiger abfußen. Die Serienwechsel gelingen, auch hier könnte das Hinterbein für hohe Noten noch aktiver ab- und unterspringen. Gehorsame Pirouetten zum Ende der Galopptour. Fließende Passage in guter Silhouette auf der letzten Mittellinie mit sicheren Übergängen in die Piaffe und auch wieder heraus. Am langen Zügel geht der Deckhengst aus den Niederlanden entspannt aus der Arena. Hoffentlich fragt nicht wieder jemand nach Zonik. Die Tränen von HP nach dem Grand Prix haben allen weh getan. 76,155 Prozent

Liveticker 18.55 Uhr

Juliette Ramel, Buriel, Schweden

In der Machart ähneln sich die Pferde der Ramel-Schwestern. Kurz in Hals und Rücken, hübsch, mit keckem Gesichtsausdruck. Buriel geht kadenzierte Traversalen in guter Silhouette. Auch er hat manchmal das Maul offen, aber nicht sperrend gegen die Hand. Die Passagen sind gut abgesetzt, die Ohren gespitzt, das Pferd gut im Vorwärts vor den Hilfen von Juliette Ramel. Vorm Schritt liegt das Paar aus Schweden bei über 75 Prozent. Tja, Schritt, eine Diagonale (ca. 63 Meter) kann lang sein. Der Takt ist da, die Schulterfreiheit und der Raumgriff begrenzt. In Piaffen, die zweite nach gutem Ansatz etwas zögernd, und Passagen, punkten die beiden und sind zum Angaloppieren wieder bei 75 Prozent.
Und dann – nanu – so wie man manchmal bei Ikea staunt, so auch hier, die Zweierwechsel gelingen gar nicht so wie in der Anleitung beschrieben. Bei den Einern macht es wieder Klick, wenn auch etwas eng im Hals. Viel Lastaufnahme in den Pirouetten, in der nach links mit der Tendenz zum beidbeinigen Stemmen statt zu springen, in der nach rechts gelingt das viel besser. In den Einerwechseln sieht es so aus, als springe der Wallach die Wechsel nach links im Vorderbein etwas höher als die nach rechts. Schöne gleichmäßige und aktive Passage-Piaffe-Tour mit fließenden Übergängen. 75,714 Prozent

Liveticker 18.45 Uhr

Joao Miguel Torrao, Equador, Portugal 

Auch dieser Mann von der iberischen Halbinsel ist in Sachen Sitz ein Traum, mit der Einwirkung klappte es heute aber nicht so. Sein kleiner Lusitanohengst Equador kann mit viel Ausdruck im Vorderbein traben. Im Seitwärts wünschte man sich, dass Schwung und Kadenz erhalten blieben. Die natürliche, ungekünstelte Trabtour des vor ihm gerittenen Jose Antonio Garcia Mena erreicht Joao nicht. In der Passage schiebt er den Hengst aber zusammen und es gibt erst Ausdruck, dann Spannung und dann einen Fehler beim Übergang zum starken Trab – Galopp. Dort, wo auch Dorothee Schneider das Missgeschick unterlaufen war.
Der Schritt ist sicher im Takt mit wenig Übertritt, damit aus einem 66,2 Prozent-Loch herauszukommen, ist nicht einfach. In der Passage tritt der Hengst hinten rechts häufiger nur hoch aber nicht durch. Dieser nicht losgelassene Rücken zeigt sich auch in einem weiteren Fehler in der Passage vorm Angaloppieren. Und wenn der nó, portugiesisch für Knoten, erstmal drin ist, dann ist er drin. Fehler in den Serienwechseln, Schwungverlust in der Pirouette, das Pferd häufig zu eng. Schade, dass alles heute irgendwie nur fest und erzwungen wirkt. Die letzte Piaffe stimmt versöhnlich. 68,298 Prozent

Liveticker 18.35 Uhr
Jose Antonio Garcia Mena, Divina Royal, Spanien

Der Spanier, der kurz vor dem Special noch auf ein anderes Pferd gesetzt hat, ist nicht zum Sightseeing nach Tokio geflogen. Das macht er sofort klar. Couragiertes Vorwärts mit beispielhafter Rahmenerweiterung im starken Trab, schwungvolle aber nicht in zu hohem Tempo angelegte Traversalen. Der Wechsel zwischen hoher Versammlung und starkem Trab liegt der Stute. Mehr als 76 Prozent vorm starken Schritt. Olé! Kleines Zögern vor der ersten Piaffe, die in der zweiten Hälfte nachlinks ausweicht. Die zweite gelingt etwas ausbalancierter. Das ausdrucksstarke Vorderbein, das schon in der Trabtour ins Auge sticht, gefällt auch hier. Die Zweierwechsel sind flüssig und schön über den Rücken gesprungen, das gilt auch für die 15 Einerwechsel, nach denen der Spanier seine Fuchsstute zweimal klopft! Die Pirouetten sind recht groß angelegt. Die nach rechts immerhin etwas kleiner als die nach links. Ein wenig mehr Bergauftendenz in der gesamten Galopptour würde dem Paar zu noch höheren Bewertungen verhelfen. Herrlich der Sitz des Spaniers, der nach dem Gruß seiner elfjährigen Desperados-Tochter (die das Hinterbein des Herrn Papa geerbt hat) um den Hals fällt und sich gar nicht genug freuen kann. Dass er dabei, weil die Stute einen kleinen Satz beim Jubel von der Teilnehmertribüne macht, beinahe herunterkippt, ist ihm egal. Er freut sich bis er das Stadion verlassen hat. Und das vollkommen zu recht! 73,754 Prozent.

Liveticker 18.20 Uhr
Dorothee Schneider, Showtime, Deutschland

Showi und Doro sehen gut aus, als sie außen herum reiten. Das Einreiten: gut! Kleine Hilfe nach dem Gruß und die Maschine springt hinten an. Schwung Elastizität – alles da, 87,857 Prozent! Der Hannoveraner ist heute super vor den Hilfen, offener im Ganaschenwinkel schon in der ersten Traversale. 84,6 Prozent. Passage, starker Trab, Passage, versammelter Trab, Traversale: 84,2 Prozent. Es läuft für Doro. Aber dann, nein!, ein Angaloppieren beim Übergang aus der Passage in den starken Trab auf der linken Hand. (Mist! Pardon). Aber gleich wieder alles in Ordnung. 80, 275 Prozent. Dann der starke Schritt. Weit aus der Schulter ausgreifend, und anschließend ein richtig guter versammelter Schritt. Zwölf sichere Tritte Piaffe, in der zweiten Piaffe dann etwas mehr Energie als in der ersten. 78,791 Prozent die Zwischenwertung. Im Galopp: Traversalen sicher in Stellung und Biegung. Gut eingeteilte Zweierwechsel, die 15 Einerwechsel gerade und mit nicht zu viel Risiko sicher nach Hause gebracht. Tolle Linkspirouette! Da hatte es ja im Grand Prix den Fehler gegeben, auch die nach rechts super zentriert. Abwenden auf die Mittellinie, die Sonne geht allmählich unter, das Flutlicht lässt das Fell glänzen und Showi glänzt in Passagen wie sie besser, klassischer, kaum sein könnten. Soviel Federkraft! Auch die Piaffe bei X ist lebhafter als die beiden zuvor.
80,608 Prozent
Deutschland geht damit in Führung – vor den Briten und den USA. Nächste deutsche Starterin ist Isabell Werth.

Liveticker 18.10 Uhr
Carl Hester, En Vogue, Großbritannien

Zack!! 80 Prozent fürs Einreiten, Carl der Große liefert. Sein Jazz-Sohn En Vogue folgt kaum sichtbaren Reiterhilfen. In der Trabtraversale ist der Routinier, der 1992 seine ersten Olympischen Siele ritt, noch etwas vorsichtig. Leichtes Aufstützen auf die Hand im starken Trab an der langen Seite, leichter Taktfehler als Resultat. Die Trabtraversale nach rechts geschmeidig.
Schön abgesetzte Passagen. Im Schritt dann schlägt das väterliche Genpotenzial voll zu: Ein Jazz, da ist Schritt Mangelware. Vorher 78 Prozent, danach 76.
Die Piaffe ist am Platz. Das linke Hinterbein fußt häufiger weiter nach außen als das rechte, ohne dass der Takt darunter leidet. Die Galopptour beginnt so kontrolliert mit den Traversalen wie das auch im Trab war. Gleichmäßige fliegende Wechsel zu zwei Sprüngen und von Sprung zu Sprung. Im starken Galopp wenig Risiko, die Pirouetten auf kleinstem Radius gesprungen, die Einerwechsel super. Immer wieder schön, den (Alt-)Meister vom Team GB reiten zu sehen. In der letzten Piaffe etwas ausweichend aber taktmäßig getreten. Hester bringt die Briten definitiv auf Medaillenkurs. 78,344 Prozent

Liveticker 18.00 Uhr
Nanna Skodborg Merrald, Zack, Dänemark

Nicht immer ganz einig, ob nun Passage oder versammelter Trab angesagt ist sind sich Nanna Skodborg Merrald und Zack. Im Verlauf der Prüfung werden Selbsthaltung, Rahmenerweiterung und Dynamik im starken Trab besser. Die Passage ist gut abgesetzt, der starke Schritt sicher schreitend und der Übergang zum versammelten Schritt gut, das Anpiaffieren vor den Richter an der kurzen Seite ist nörgelig aber ohne groben Widerstand. 73 Prozent die Zwischenwertung. Die zweite Piaffe in der Einleitung schon viel besser, die anschließende Passage gut.
Absolutes Highlight nach der Hälfte der Prüfung: Die Zweierwechsel – dynamisch, gerade, bergauf. Auch die Einerwechsel gut, am Ende vielleicht etwas kurz, starker Galopp nach vorne, die Pirouetten, die Einerwechsel dazwischen – klasse!
Was weniger schön ist: Der Hengst mit seinem mächtigen Hals drückt manchmal gegen das Gebiss, dann ist das Maul deutlich nicht mehr geschlossen. Die letzte Linie eine guter Abschluss für den Hengst, der seit zehn Jahren einer der meistbeschäftigten Deckhengste Europas ist. 74,210 Prozent
Liveticker 17.50 Uhr

Adrienne Lyle, Salvino, USA

2012 ist Adrienne Lyle in London bei den Olympischen Spielen dabei gewesen. Sie galt als beste des US-Teams, aber ihr Grand Prix war der schwächste der drei Reiter.
Wie schon im Grand Prix zeigt der Hannoveraner Salvino vereinzelt ungleiche Tritte im Hinterbein. Vorne ist er großzügig und so schwarz wie sein Vater Sandro Hit.
Die Passagen sind akzentuiert und von hinten besser herangeschossen als im Grand Prix.
Nach der Traversale kommen vereinzelt ungleiche Tritte auch im Vorderbein dazu.
In der Passage vorm starken Schritt einige sehr gute Momente – Selbsthaltung, Aktivität – alles so, wie man es will. Nach dem starken Schritt der Notendurchschnitt bei 74,554 Prozent
Minimal breit in der ersten Piaffe hinten. Die zweite Piaffe ausbalancierter und gleichmäßig, die bisher beste aller in dieser Mannschaftswertung bisher gezeigten Piaffen.
Sichere und kontrollierte Galopptour. Man denkt manchmal, dass man schnalzen muss. Der Hannoveraner macht alles, aber Eigeninitiative und Energie sind nicht so seins. Der starke Galopp erreicht untere Mittelgalopp-Qualitäten, die Pirouetten sind gut gesetzt, die neun Einerwechsel dazwischen ein Highlight und danach trabt Salvino das erste Mal an der langen Seite im starken Trab so, wie er das bei den hochbewerteten Prüfungen in den USA gemacht hat. Auch die Passage und die letzte Piaffe sind ausdrucksstärker.
76,109 Prozent. Der bislang beste Ritt und entsprechend auch die höchste Prozentzahl. USA also „in Führung”.

Liveticker 17.40 Uhr
Marlies van Baalen, Go Legend, Niederlande

Der orangefarbene Frack leuchtet übers Viereck. Für Marlies van Baalen und ihren Totilas-Sohn geht es um jeden Punkt. Die Beine nach vorne gestreckt, der Hals in einer Position festgestellt geht es im straken Trab über die Diagonale. Taktstörung im starken Trab an der langen Seite, die Passagen mit Ausdruck, die Traversale mit kaum erkennbarer Längsbiegung. Auch in den Ecken mitunter die Tendenz zur Außenstellung. Der Wallach fußt mit dem linken Vorderbein mitunter höher. Im Schritt ist das Wort „stark“ eine Herausforderung. Der versammelte liegt dem Wallach mehr. In der Piaffe schwankt er deutlich zu beiden Seiten, um sich auszubalancieren. Dass er nicht zu sehr ins Vorwärts kommt, dafür sorgt die stramme Reiterfaust. Das erkennen auch die Richter. 71 Prozent sind der Durchschnittswert bis hierhin.
Die leicht schwankenden Zweierwechsel und die 15 Einerwechsel, bei denen Go Legend einmal leicht nach dem Sporen kickt aber den Rhythmus nicht verliert, lassen das Paar fast an die 72 Prozent herankommen. In den neun Einerwechseln zwischen zwei kontrollierten Pirouetten springt der Totilas-Sohn einmal kurz im Hinterbein. Ein Stolperer und abstützen auf die Hand vor der letzen Piaffe bei X. In der Passage wünschte man sich den Abdruck im Hinterbein, der seinen Vater damals so berühmt gemacht hat in dieser Lektion. Der zehnjährige Go Legend zählt zu den jüngsten Pferden des olympischen Wettkampfs. 71,206 Prozent

Liveticker 17.30 Uhr
Antonia Ramel, Brother de Jeu, Schweden

Die Schülerin von Patrik Kittel, dem verhinderten Olympiastarter, zeigt eine elastische Trabtour. Der KWPN-Wallach hoch eingestellt im Hals, in der Verstärkung lässt sie ihn etwas vor. Der starke Schritt ist großzügig und taktsicher. Die erste Piaffe ist keine. Das Pferd steigt mehrfach, die zweite gelingt. Die Passage ist gleichmäßig, das Angaloppieren sicher. In den Galopptraversalen findet das Paar wieder zueinander, muss sich nun von 65 Prozent wieder nach oben arbeiten. Gute Zweierwechsel. Zack, da sind wir wieder bei 65 Prozent.
Schön bergauf gesprungene neun Einerwechsel zwischen den beiden sicheren und zentrierten Galopppirouetten. Auf der Mittellinie eine Passage mit guter Silhouette und ein gute Piaffe – ohne (auszu-)Steigen. Der Ungehorsam in der ersten Piaffe wird das schwedische Team teuer zu stehen kommen. Das Maul des Wallachs war häufig offen. Antonia war Reservereiterin, ihre Schwester Juliette kommt in der nächsten Gruppe. 67,447 Prozent

Liveticker 17.20 Uhr
Maria Caetano Fenix de Teneo, Portugal

Schöne geschmeidige Trabtraversalen, in der Passage noch nicht der letzten Ausdruck, dafür im starken Trab über die Diagonale mit deutlichem Überfußen. Bei den weiteren Passagen hat die Reiterin den Lusitanohengst besser vor den Hilfen, diese gelingen mit mehr Ausdruck.
Vom Anfang an gutes Herandehnen an die Hand im starken Schritt. In der ersten Piaffe gerät ihr Fenix de Teneo auf die Hand, die zweite ist besser. In den Einerwechseln kippt der Hengst im Genick ab. Die Folge: mehrere Fehler. Unwirsch im Genick in der Linkspirouette, die nach rechts besser, wenn auch etwas groß.
Letzte Passage dann im Sonnenschein – der Regen hat sich rechtzeitig verzogen – mit Ausdruck. Aber in der dritten und letzten Piaffe kippt er im Hals weit nach vorne ab, bleibt aber artig auf der Stelle – immerhin. 68,693 Prozent

Liveticker 17.10 Uhr
Severo Jurado Lopez und Fendi, Spanien

Eine weitgehend fehlerfreie Runde zum Auftakt. Der Negro-Sohn Fendi neigt, wie das bei dem Reiter Severo Jurado Lopez häufiger der Fall ist, zu passageähnlichen Tritten im versammelten Trab. Die Zweierwechsel sind groß angelegt. 70,152 Prozent

17 Uhr

Neues Reglement überall. Im Grand Prix Special fällt heute die Entscheidung im Mannschaftswettbewerb der Dressur bei den Olympischen Spielen in Tokio. Acht Mannschaften à drei Reiter-/Pferd-Kombinationen gehen an den Start, in drei Gruppen. Nach den beiden ersten Gruppen wird ein Zwischenstand ermittelt. Er entschiedet die Startfolge der letzten acht Reiter, den jeweils besten aus dem Grand Prix, der zum Auftakt der Reiterspiele stattgefunden hat. Im Liveticker aktualisieren wir unsere Eindrücke.

Nach den ersten beiden Gruppen wird es gegen 20 Uhr Ortszeit, 13 Uhr in Deutschland, eine einstündige Pause geben. Nicht nur dieses Reglement ist neu, auch die Regelung, dass die Reiter ihre eigene musikalische Untermalung für das Programm im Grand Prix Special abgeben können. Diese Hintergrundmusik fließt nicht in die Wertung der sieben Richter rund um das Dressurviereck ein.

Die Chance genutzt haben nur zehn Reiter. Die Reiter der Teams aus Deutschland, den Niederlanden und den USA. Außerdem die Dänin Carina Cassoe Kruth. Der Rest muss aber nicht ohne Musik durch das Viereck reiten. Dafür ist der Deutsche Markus Hinzke hier in Tokio vor Ort. Der Musikprofi blickt auf mehrere Olympische Spiele zurück und sorgt dafür, dass auch die anderen 14 Paare mit geschmackvollen und passenden Melodien in dieser Teamentscheidung im Stadion einen glänzenden Eindruck hinterlassen können.

  1. Mona Vogelsang

    Vielen Dank für diese ausführliche und präzise Fleißarbeit, Jan Tönjes! Meine Beobachtungen konnte ich wiederfinden, so schlecht war die Übertragung per Fernseher dann wohl nicht! Leider haben wir ja nicht die aktuelle Punktgebung der Richter, womit wir sonst gern verwöhnt werden und eine Tendenz erahnen können während der Ritte. Sehr besonders, und deshalb mit Sicherheit erwähnenswert, ist der ruhige und üppige Schweif von Dante Weltino OLD, er lenkt fast ab vom sonst auch harmonischen und frischen Auftreten von Therese Nilshagen. – Ich freue mich auf die Einzelentscheidung!

  2. Jan Tönjes

    Danke für die nette Nachricht – es ist schön zu erfahren, wenn man nach drei Stunden Schlaf schon wieder raus muss, dass die Arbeit hier in Tokio vor Ort wertgeschätzt wird. Und den Schweif von Dante werde ich dann wohl heute im Kür-Liveticker noch hervorheben! 😀

  3. Dt. Andrea Rachor

    Lieber Jan! Ich möchte mich dem Dank von Frau Vogelsang gerne anschließen! Mit dem St. Georg, Deinen wie gewohnt tollen Kommentaren und Berichten und ZDF live sind wie fast so gut wie live in Tokio dabei, schauen gespannt, Daumen drückend die Prüfungen. Wir fiebern mit für unsere deutschen Stars und sind vom ersten Ritt an große Fans von dem uns bisher unbekannten , großartigen Sanceo uns seiner fantastischen Reiterin Sabine Schut- Kery. So schön und harmonisch kann Dressur sein! Wir freuen uns auf die Kür!

  4. Andrea Rachor

    Lieber Jan! Ich möchte mich dem Dank von Frau Vogelsang gerne anschließen! Mit dem St. Georg, Deinen wie gewohnt tollen Kommentaren und Berichten und ZDF live sind wie fast so gut wie live in Tokio dabei, schauen gespannt, Daumen drückend die Prüfungen. Wir fiebern mit für unsere deutschen Stars und sind vom ersten Ritt an große Fans von dem uns bisher unbekannten , großartigen Sanceo uns seiner fantastischen Reiterin Sabine Schut- Kery. So schön und harmonisch kann Dressur sein! Wir freuen uns auf die Kür!

  5. Katharina

    Es war so ein toller Bericht, den Sie hier abgeliefert haben, zum Teil sogar mit kurzen Interviews. Hut ab. Ich bin so froh, dass Sie bei Olympia dabei sein und uns Leser so toll an die Hand nehmen. Es ist als wären wir ebenso dort. Ohne euch bei den großen Events wäre es nur halb so spannend, informativ und auch lustig.
    Bei den Blogs von Ihnen und Frau Pochhammer muss ich regelmäßig herzhaft lachen.
    Machen Sie weiter so. Sie leisten eine tolle Arbeit.


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