10 Dinge über Philipp Weishaupts Aachen- und Spruce Meadows-Sieger L.B. Convall

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Lichtgestalt: Convall unter Philipp Weishaupt beim Training vor der EM in Göteborg. (© Pauline von Hardenberg)

Ein smarter Siegertyp mit Charme – Ryan Gosling? George Clooney? Ganz kalt! Die Rede ist von L.B. Convall, einem Pferd, das mit zehn Jahren schon mehr erreicht hat als die meisten seiner Kollegen im ganzen Leben. Portrait eines Ausnahmepferdes.

Schon als Fohlen ein Hingucker

Schon als Fohlen war L.B. Convall etwas Besonderes. 2007 kam er im Züchterstall von Ernst Carsten Rolfs in Norderwöhrden zur Welt, ein dunkles Holsteiner Hengstfohlen v. Colman aus der Irette v. Cascavelle-Sacramento Song xx. Neben Convall brachte Irette noch zwei weitere Fohlen, von denen auch der zwölfjährige Cartino bis zur schweren Klasse erfolgreich war.

L.B. Convall ist aber Irettes Aushängeschild. Auch züchterisch. 2011 erhielt er die Zuchtzulassung vom Holsteiner Verband. Im selben Jahr machte der Schimmel seinen 30-Tage-Test in Schlieckau mit Spitzenergebnissen: 9,23 lautete die springbetonte Endnote, wobei das Freispringen mit der Idealnote 10,0 bewertet wurde. Die Gesamtnote war mit 8,14 ebenfalls überdurchschnittlich. Inzwischen ist der Hengst auch in Westfalen, Hannover und beim Springpferdezuchtverband Oldenburg International anerkannt. Seine züchterischen Dienste sind aktuell über die Station Beerbaum (www.ludger-beerbaum.de/hengststation/lb-convall) zu beziehen.

Convalls Vater Colman v. Carthago ist eines der Aushängeschilder des Holsteiner Linienbegründers Capitol. Er wirkt auf der Station Völz. Hier wurde man schon früh aufmerksam auf den Sohn des Starvererbers und sicherte sich das viel versprechende Hengstfohlen, das später die schwersten Großen Preise der Welt gewinnen wird.

 Landeschampion, Ausnahmepferd

Holsteiner Verband/Bugtrup

L.B. Convall auf dem Weg zum Holsteiner Landeschampion der sechsjährigen Springpferde in Elmshorn.

Das Einmaleins des Springpferdes hat Convall von Michael Ziem gelernt. Der war damals angestellter Bereiter im Stall Völz. „Ich habe Convall anlongiert und angeritten. Schon als Dreijähriger fiel seine unwahrscheinliche Intelligenz auf. Das merkte man z.B., wenn man ihm Sprünge gezeigt hat. Ich hatte immer das Gefühl, er weiß ganz genau, was er kann.“ Und das ist eine Menge, wie er schon als junges Pferd regelmäßig unter Beweis gestellt hat. In Serie holten er und Michael Ziems Schleifen in Springpferdeprüfungen. Nach Ziems saß für rund ein Jahr auch Michael Fritzsch im Sattel des Hengstes. Unter ihm wurde Convall 2012 Vize-Landeschampion in Schleswig-Holstein hinter Castelan mit Dirk Ahlmann.

Ein Jahr später folgte dann der Titel des Holsteiner Landeschampions der Sechsjährigen, dies wieder mit Michael Ziems. Bis Convall als 23. Pferd der Prüfung an den Start musste, gab es nur einen weiteren Null-Fehler-Ritt. Aber der Schimmel zeigte schon damals, dass es für ihn nach oben keine Grenzen gibt. „,Vermögen kommt nicht aus der Mode!’, sagte der Richter damals“, erinnert sich Michael Ziems. Ein in Holsteiner Züchterkreisen gerne bemühter Satz, der wohl bei kaum einem Pferd so zutrifft, wie bei Convall. „Ich muss sagen, er ist das qualitätsvollste Pferd, auf dem ich je saß. Ein Gefühl wie auf ihm habe ich bislang noch auf keinem anderen Pferd gehabt“, so Ziems. Nicht nur sein Vermögen sei außergewöhnlich. Auch seine Übersicht im Parcours. „Wenn er weiß, was er machen soll, dann tut er das. Er kann alles.“

Der Ruf der Berge

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Christina Liebherr mit ihrem langjährigen Erfolgspferd L.B. No Mercy. (© www.toffi-images.de)

Noch als ganz junges Pferd wechselte Convall erneut den Besitzer. Er wurde an den Schweizer Hans Liebherr verkauft. Zwischen der Station Völz und der Schweizer Familie Liebherr (Baumaschinen, Kühlschränke, Luftfahrt etc.) gibt es schon lange einen guten Kontakt. Schon mehrere Pferde aus dem Stall Völz sind im Sport mit dem Präfix „L.B.“ gegangen, das für den Stall Liebherr steht. Christina Liebherr  ist die Enkelin von Hans Liebherr, der das Firmenimperium gegründet hat. Die 38-Jährige zählt zu den erfolgreichsten Amazonen der Schweiz. Mit L.B. No Mercy holte sie beispielsweise 2005 EM-Silber in San Patrignano, Italien. 2008 gehörten die beiden zum Team, das Bronze bei den Olympischen Spielen in Hongkong gewann. Convall schien das Pferd zu sein, das eines Tages in No Mercys Fußstapfen würde treten können.

Von Christina Liebherr zu Philipp Weishaupt

Aber Michael Ziems sagt auch, dass der großrahmige Hengst mit seinem extrem raumgreifenden Galoppsprung (der ihm freilich heute sehr zugute kommt, siehe Punkt 10), eher kein Damenpferd ist. Im Mai 2014 ritt Christina Liebherr das erste Turnier mit Convall. Das eine oder andere Mal waren die beiden platziert, aber so recht gefunkt hat es nicht.

So kam Convall 2015 zu Philipp Weishaupt, Stallreiter von Ludger Beerbaum. Die Ansage war, dass Convall bei passender Gelegenheit verkauft werden sollte. Doch es kam anders.

Rasante Karriere

von Korff

Auf dem Weg zu Bronze bei den Deutschen Meisterschaften in Balve 2016.

Weishaupt nutzte die ersten Monate mit Convall, um ihn bei kleineren nationalen Turnieren kennenzulernen. Eines hat er jedoch quasi schon beim ersten Mal im Sattel gemerkt: „Mir war sofort klar, dass er ganz außergewöhnlich ist. Vorsicht, Technik, Vermögen, Herz – er ist das perfekte Pferd!“ Der Durchbruch seien für ihn die Munich Indoors gewesen, sagt Weishaupt: „Da wusste ich , jetzt ist er da, wo ich ihn haben will.“

Die nächsten Meilensteine: Platz fünf im Großen Preis beim Mannheimer Maimarkt-Turnier 2016 und anschließend Bronze bei den Deutschen Meisterschaften in Balve. Dann flogen die beiden über den großen Teich. In Spruce Meadows wollten die beiden sich auf ihren ersten Start beim CHIO Aachen vorbereiten. Das bietet sich an, weil die Plätze sich ähneln – großzügige Grasstadien, die einem Galoppierer wie Convall entgegenkommen. Weishaupt und der Schimmel waren mehrfach gut platziert. Aber vor allem an den Großen Preis erinnert sich Philipp Weishaupt: „Im Parcours stand eine dreifache Kombination mit Wasser direkt vom Ausgang weg. Das war schon fast unfair. Die meisten hatten da Probleme. Convall jedoch sprang.“

Sieger im Großen Preis von Aachen

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Eine Ehrenrunde, die nur ganz wenigen vergönnt ist: die des Siegers im Großen Preis von Aachen.

Eine Woche später waren die beiden beim CHIO Aachen am Start. Der Große Preis hatte es in sich. Vor allem wegen der knapp bemessenen Zeit. Philipp Weishaupt und L.B. Convall waren erstes Paar. Die Stangen blieben alle liegen, aber zwei Zeitstrafpunkte schlugen zu Buche. Mit der versammelten Weltelite hinter sich auf der Starterliste hatte Weishaupt wohl eher nicht damit gerechnet, am Ende auf der Tafel der Besten am Aachen Richterturm verewigt zu werden. Doch die erfolgreichsten Paare der Welt scheiterten an dem Versuch, fehlerfrei und in der Zeit zu bleiben. Lediglich zwei Reiter hatten ebenfalls nur Zeit-, aber keine Hindernisfehler: Martin Fuchs mit Clooney und Gerco Schröder auf Cognac Champblanc.

Im zweiten Umlauf war die erlaubte Zeit deutlich großzügiger bemessen und dementsprechend häuften sich die Null-Fehler-Ritte. Convall ließ den Parcours zu einem A-Springen zusammenschrumpfen und lieferte. Anders die beiden weiteren Kandidaten für Platz eins. Bei Schröder fiel eine Stange, Fuchs’ Clooney quittierte den Dienst vor dem letzten Hindernis. So hießen die Sieger im Rolex Grand Prix von Aachen 2016 Philipp Weishaupt und Convall. Der Reiter: „Convall war damals neun und es war sein erster Start in der Soers. Die meisten Pferde müssen sich an die Dimensionen des Stadions erst einmal gewöhnen. Convall nicht. Der ist so selbstbewusst und cool, den beeindruckt das alles nicht.“ Intelligenz und Übersicht – Attribute, die schon Michael Ziems erkannt hat.

Die Saison 2017

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Abklatschen mit dem Bundestrainer nach der entscheidenden Nullrunde im Nationenpreis beim CHIO Aachen 2016. (© www.paulinevonhardenberg.com)

Von Spruce Meadows nach Aachen – das Erfolgsrezept funktionierte auch in der Saison 2017. Mehrere Wochen hatten Philipp Weishaupt und Convall in Spruce Meadows verbracht. Wobei dort nicht alles nach Plan verlief. Denn noch ehe es so richtig rund ging mit dem Turnierzirkus, musste der Reiter ins Krankenhaus. Diagnose: Blinddarmentzündung, sofort in den OP. Die Ärzte haben ihren Job ordentlich gemacht. Kurz darauf saß Weishaupt schon wieder im Sattel und wurde mit Convall Zweiter im Großen Preis.

Eine knappe Woche später: Ein Fast-Déjà-vu in der Aachener Soers. Diesmal holten Convall und Weishaupt nicht den Rolex Grand Prix, dafür aber mit dem deutschen Team den Nationenpreis. Ein Erfolg, zu dem sie mit zwei Nullrunden wesentlich beigetragen haben. Das bedeutete die Nominierung für die Europameisterschaften, Weishaupts erstes Championat. Und das von Convall natürlich auch. Der Reiter war schon mehrfach nominiert gewesen für den Jahreshöhepunkt, aber gesundheitliche Probleme des damaligen Pferdes verhinderten unter anderem in London 2012 einen Olympiastart. Nun hatte Convall Philipp Weishaupt das ermöglicht, was der Traum so vieler Reiter ist: im roten Rock für Deutschland bei einer wichtigen Entscheidung an den Start zu gehen.

Göteborg – erst Springpferdeprüfung, dann ein „Nein!“

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Philipp Weishaupt und Convall bei der EM in Göteborg – Überflieger! (© Pauline von Hardenberg)

Philipp Weishaupt war nicht der einzige Debütant im deutschen Team für die EM der Springreiter. Bis auf Marcus Ehning hatte Bundestrainer Otto Becker ausschließlich neue Gesichter in die Mannschaft aufgenommen. Die Mannschaftswertung verlief zufriedenstellend, Rang fünf. Mit seinen Vorrunden war eine Bronzemedaille in der Einzelwertung noch im Bereich des Möglichen für Philipp Weishaupt und Convall. Zum Finale Teil A meinte der Reiter: „Fühlte sich an wie eine Springpferdeprüfung.“ Null Fehler, dem Platz auf dem Treppchen ein Stück näher.

Dann das Finale Teil B. Von Sprung eins auf Hindernis Nummer zwei ging es am Einritt vorbei. Convall stutzte, zögerte und stoppte. Eine Verweigerung. Damit war der Wurm drin. Es fielen auch noch drei Stangen.

In der Rückschau analysiert Philipp Weishaupt: „Convall ist zwar extrem cool, aber auch sehr sensibel. Und in Göteborg hat er die Kutschen gehört, die am Ausgang vorbei kamen. Das hat ihn irritiert.“

Der Traum vom Rolex Grand Slam geht weiter

Rolex

Der Sprung zum Sieg im Rolex Grand Prix von Spruce Meadows. (© Rolex)

Schon nach dem Sieg im Rolex Grand Prix von Aachen waren Philipp Weishaupt und Convall dem Rolex Grand Slam der Springreiter einen Stück näher gekommen, jenem Millionen-Coup, den derjenige gewinnt, der die drei sogenannten „Majors“ in Folge gewinnt, also Aachen, Spruce Meadows und Genf. Diese drei Rolex Grand Prixs gelten als die anspruchsvollsten Prüfungen des internationalen Springsports. Wer sie hintereinander gewinnt, erhält einen Bonus von einer Million Euro. Wer dann auch noch die neu aufgenommene vierte Prüfung in ‚s-Hertogenbosch gewinnt, bekommt noch eine Million mehr, also insgesamt zwei Millionen.

Für Philipp Weishaupt beginnt der Zyklus nun von neuem. Denn sein Convall war im Rolex Grand Prix von Spruce Meadows 2017 einmal mehr das einzige Pferd, bei dem alle Stangen liegen blieben. Der Sieg! Nun hat Philipp Weishaupt nach dem Sieg im Großen Preis von Aachen zum zweiten Mal die Chance, auf den Rolex Grand Slam.

Zukunft nicht mehr ungewiss

Eigentlich wollte die Familie Liebherr nun Ernst machen und Convall wirklich verkaufen. Nachdem die Partnerschaft zwischen Weishaupt und dem Schimmel sich so viel versprechend anließ, hatten die Liebherrs zugestimmt, er könne ihn bis zur EM weiterreiten. Die ist nun vorbei. Es hätte schon Interessenten gegeben, bestätigt Philipp Weishaupt. Auch er hat mithilfe einiger Unterstützer ein Angebot gemacht für den zweifachen Major-Sieger. Doch zunächst sah es nicht so aus als könnte Convall für Philipp Weishaupt gesichert werden. Bis jetzt. Am 21. Dezember 2017 teilten die Ludger Beerbaum Stables mit, dass Hans Liebherr ihnen den Hengst verkauft hat.

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