Sönke Rothenberger Deutscher Meister in der Kür 2018

Balve – Optimum Deutsche Meisterschaft Dressur und Springen 2018

Sönke Rothenberger und Cosmo sicherten sich heute nach dem Special-Sieg auch den in der Kür bei den Deutschen Meisterschaften der Dressurreiter in Balve 2018. (© www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz)

„Top!“, fasste Bundestrainerin Monica Theodorescu ihren Eindruck vom Finaltag der Deutschen Meisterschaften der Dressurreiter zusammen. Sönke Rothenberger holte seinen zweiten Titel. Die Medaillen machten zwei andere designierte Aachen-Starterinnen unter sich aus.

Als Sönke Rothenberger zum letzten Mal gegrüßt hatte nach seiner Kür mit Cosmo, reckte er einmal die Faust in die Luft. Sicher sein konnte er noch nicht, aber er ahnte wohl schon, dass diese Kür für den Sieg gereicht haben müsste. Und so war es. 88,425 Prozent gaben die Richter dem frisch gebackenen Deutschen Meister in Grand Prix Special und Kür mit seinem elfjährigen Van Gogh-Sohn.

Vor Weihegold und Isabell Werth brauchten die beiden heute keine Sorge zu haben. Die Stute hat nach ihrer Zuchtpause im Mai noch nicht wieder die Kondition, um drei schwere Prüfungen zu gehen. Insofern war der Titelgewinn von Rothenberger und Cosmo ziemlich unangefochten mit mehr als fünf Prozent Vorsprung nach einer Vorstellung, in der die Leichtigkeit, mit der der KWPN-Wallach auch die schwierigsten Lektionen absolviert, einmal mehr begeisterte. Einerwechsel sehen beispielsweise bei ihm aus, als hüpfe ein Schulkind aus reinem Spaß an der Freude von einem Bein aufs andere. Dabei ist Sönke Rothenberger überzeugt, da sei noch Luft nach oben: „Er kann eigentlich jede Lektion für eine 9,5 oder eine 10 gehen. Das gilt es jetzt, auch in der Prüfung umzusetzen.“

In einigen Lektionen gelang ihnen das auch heute schon – den Einerwechseln, dem starken Trab und den Passagen etwa. Von 8,5 bis 9 reichten die Bewertungen in den ebenfalls doppelt zählenden Piaffen. Ebenfalls auf der Haben-Seite: die feine und konstante Anlehnung. Das galt übrigens für alle Paare auf den vorderen Plätzen. Der einzige Patzer, der dem neuen Deutschen Meister heute unterlief, war ein Fehler in den Zweierwechseln, die er dann auf einer Reservelinie, auf der er eigentlich von den Zweiern in die Einer übergeht, noch einmal wiederholte. „Das ist ja das Gute am Kür reiten.“

Nicht so gut an seiner Kür fand er heute selbst, dass er immer etwas hinter der Musik war. Dafür hat er sich das Thema „Live. Die. Repeat.“ aus dem Film Edge of Tomorrow ausgesucht, ein instrumentales Medley mit dezenter Klaviermusik und ganz feinen Streichern zur Piaffe-Passage-Tour, mehr Streichern und Schlagzeug-Akzenten, wenn es nach vorne geht. Die getragene Melodie passt perfekt zu Cosmo. Aber heute „kamen die Emotionen nicht so rüber“ (O-Ton Sönke Rothenberger), weil die Lektionen nicht ganz auf die Musik abgestimmt waren. „Da muss ich die Linien noch besser ausreiten“, hat sich der für den Aachener Nationenpreis bereits gesetzte Deutsche Meister bereits vorgenommen.

Sie haben das Ziel erreicht

Dorothee Schneider, gestern noch Dritte im Grand Prix Special mit ihrem Sammy Davis Jr., hatte sich vorgenommen, die Abwesenheit von Isabell Werths Weihegold auszunutzen: „Mein Ziel war es, Zweite hinter Sönke zu werden.“ Das hat geklappt: Mit 82,975 Prozent holte sie Silber. Ziel erreicht.

Schien dem in Bayern gezogenen Sam Remo-Sohn die Hitze gestern noch ein wenig zu schaffen zu machen, war er heute voll da zu seiner Tango-Kür. In der gesamten Kür setzte er nicht einen Huf falsch. Ein kurzes Atem anhalten in der Rechtspirouette, wo er ihr ein wenig abtauchte, aber es gelang Dorothee Schneider, ihn wieder vor sich zu bekommen und fehlerfrei in die Zweier überzugehen. Tolle Fächerpiaffen – vor allem die zum Schluss – und Passagetouren in hohem Gleichmaß prägten das Bild. Chefrichterin Dr. Evi Eisenhardt bei C zollte dem Paar auf ihre Weise Respekt und vergab eine 10 für die Harmonie.

Eisenhardt war überhaupt rundum zufrieden mit ihrem Arbeitstag heute: „Wir haben heute Weltklassesport gesehen. Auch als abgebrühter Richter sitzt man dann da und hat eine Gänsehaut.“

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Ziel knapp verfehlt und trotzdem happy

Ein weiteres Paar mit Gänsehautfaktor war das auf dem Bronzeplatz: Jessica von Bredow-Werndl mit der frisch in den Championatskader aufgenommenen Dalera BB, die auch in Aachen im Team gehen soll.

Als Dorothee Schneider in der Pressekonferenz meinte, sie habe in der Kür Zweite hinter Sönke werden wollen, warf Jessica von Bredow-Werndl halb im Scherz, halb im Ernst ein: „Meins auch!“ Ganz hatte es nicht geklappt: 82,675 Prozent erhielt die Trakehner Stute v. Easy Game in der zweiten Kür ihres Lebens, für die sie sich die Musik aus dem Film „La La Land“ ausgesucht hatte.

Besonders in der Trabtour punktet das hoch elegante Paar. Elastisch ist das Wort, das einem als erstes in den Sinn kommt, wenn man sie piaffieren und passagieren sieht. Da ist kein Stocken und kein Haken, alle Bewegungen gehen fließend ineinander über. Auch die Wechseltouren klappten heute ohne Fehler. Der Galopp der Stute kommt nicht ganz an die Qualität der Trabarbeit heran. Aber auch dieses Paar besticht durch die Harmonie, die es ausstrahlt.

Wenn Dalera bei der ersten Grußaufstellung nicht stehen will, hat man den Eindruck, das passiere, weil sie es nicht erwarten kann, dass es endlich losgeht. Da ist keine ängstliche Spannung im Pferd, eher eine sichtbare Erwartungshaltung. Ihre Reiterin sagt das so: „Sie ist so selbstbewusst geworden. Ich habe das Gefühl, sie genießt das hier richtig.“

Die weiteren Platzierten

Auch wenn es nicht ganz geklappt hat mit der anvisierten Silbermedaile für Jessica von Bredow-Werndl und Dalera – für das #TeamAubi wie die Werndls ihre Stallgemeinschaft nennen, war die Deutsche Meisterschaft ein Riesenerfolg mit drei Pferden unter den Top fünf.

Mit Zaire hatte Jessica von Bredow-Werndl nämlich noch ein zweites Eisen im Feuer. Die beiden hatten die Kür heute mit einer super Runde eröffnet, die mit 79,750 Prozent belohnt worden war. So entspannt und gelassen wie hier in Balve hat man die KWPN-Stute Zaire selten gesehen. Das war am Ende Rang vier.

Dahinter landete Jessica Bruder Benjamin Werndl auf dem Westfalen Daily Mirror mit 76,825 Prozent. Der 14-jährige Damon Hill-Sohn ist noch nicht allzu lange im Beritt des 33-Jährigen. Bis Grand Prix ausgebildet worden war er von Holga Finken. Aber so richtig durchgestartet ist er jetzt mit Werndl. So siegten sie dieses Jahr schon zweimal in Wiener Neustadt und waren auch ansonsten gut platziert. Für heute hatte Werndl sich anscheinend einiges vorgenommen. Und vieles gelang auch richtig gut. Man wünschte dem Rappen allerdings insbesondere in der Trabarbeit ein aktiver unter den Schwerpunkt fußendes Hinterbein.

Jan-Dirk Gießelmann und Real Dancer wurden Sechste mit 76,325 Prozent, gefolgt von Kathleen Keller auf einem heute schon etwas müde wirkenden San Royal (75,850) und Anabel Balkenhol mit Heuberger (75,625). Die Plätze neun und zehn gingen an Ingrid Klimke auf Franziskus (75,20) und Victoria Michalke mit Novia (73,0).

Kaderpferde und Ausblicke auf Tryon

Sowohl Jessica von Bredow-Werndl als auch Dorothee Schneider gehören – neben Isabell Werth, bei der das schon länger der Fall ist – seit kurzem mit drei Pferden zum Olympiakader der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Dalera BB und Faustus sind die beiden dritten Pferde der Ausbilderinnen, denen eine Championatsperspektive bescheinigt wird. Wobei Jessica von Bredow-Werndl schon angekündigt hatte, Unee werde über kurz oder lang aus dem Sport verabschiedet. Nur das Wann und Wo stand noch nicht ganz fest.

Seit gestern gehören Benjamin Werndl auf Daily Mirror und Ingrid Klimke mit Franziskus zum Perspektivkader. Darüber freut sich die Bundestrainerin, die allerdings auch zugab: „Die Woche fing nicht so entspannt an, wie sie aufgehört hat!“

Denn in den Tagen vor den Deutschen Meisterschaften folgte eine Hiobsbotschaft auf die nächste: Erst meldete Dorothee Schneider Showtime ab, dann Kristina Bröring-Sprehe Desperados, und schließlich reichte Isabell Werths Emilio kurz vor der Abfahrt nach Balve einen gelben Schein ein, weil er sich über Nacht einen Einschuss geholt hatte.

Der Braune soll Montag schon wieder geritten werden können. Er soll nun eventuell in Fritzens, Östrreich, gehen, verriet die Bundestrainerin. Und dann in der CDI-Tour in Aachen. Für Showtime sei es „auf jeden Fall das Ziel“, ebenfalls die I-Tour in Aachen zu gehen, sagte Dorothee Schneider auf Nachfrage, was das Aufbautraining ihres Mannschaftsolympiasiegers mache.

Da ist das letzte Wort in Hinblick auf die Weltreiterspiele also noch nicht gesprochen. Und Monica Theodorescu kann sich jetzt ohnehin ein wenig entspannen. Deutschland könne auch mit dem Quartett, das jetzt nach Aachen reist, eine super Mannschaft stellen, also Sönke Rothenberger auf Cosmo, Isabell Werth mit Weihegold, Dorothee Schneider und Sammy Davis jr. sowie Jessica von Bredow-Werndl auf Dalera BB.

Und dann ist da ja noch Helen Langehanenberg, die in einer guten Woche ihr zweites Kind zur Welt bringt. Ihr Damsey wurde während der Babypause seiner Reiterin fit gehalten. Und als sie sichin Neumünster verabschiedet hatte, meinte sie, das müssen dann zwar „eine Punktlandung“ werden, aber ausschließen wolle sie einen Start in Aachen und damit bei der letzten Sichtung für Tryon nicht. Dass Monica Theodorescu die Mannschaftsolympiasiegerin von 2014 erwähnt, zeigt ja auch deutlich, dass die Trainer sie mit auf dem Radar haben. Und wie Richterin Evi Eisenhardt sagte: „Wenn der Geburtstermin in zehn Tagen ist, sitzt Helen in elf Tagen wieder im Sattel.“

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