EM Riesenbeck: Deutschland – Silber Europameisterschaften Springreiten, Schweiz siegt

EM Springen, Finale Team, Mannschaft

Deutsches Team Vize-Europameister Riesenbeck 2021 (© von Korff)

Bei den Europameisterschaften im Springreiten in Riesenbeck hat die deutsche Equipe die Silbermedaille gewonnen. André Thieme geht als Zweiter am Sonntag in die erste von zwei Finalrunden um den Einzeltitel. Team-Europameister wurden die Schweizer, Bronze gewannen die Belgier.

Zwei Abwürfe vereitelten in der zweiten Runde des Nationenpreis bei den Europameisterschaften im Springreiten einen möglichen Titelgewinn für die deutsche Mannschaft. Vier Nullfehlerrunden gelangen den Belgiern, die Bronze gewannen. Am Ende war es eine knappe Entscheidung, nachdem der Schweizer Steve Guerdat im letzten Parcoursdrittel einen Abwurf hatte. 9,47 Zähler hatten die Schweizer als neue Mannschaftseuropameister gesammelt, 12,77 die deutsche Equipe.

Es ist die fünfte Goldmedaille bei einer Europameisterschaft Springen für eine Schweizer Mannschaft. Trainer Thomas Fuchs war vor 38 Jahren in der ersten Equipe, die jemals Gold gewann.

André Thieme Zweiter vorm Finale Europameisterschaften Springreiten

André Thieme und Chakaria hatten den Auftakt für Team Deutschland gemacht. Eine weitestgehend souveräne Runde war der gute Einstieg ins Finale. Kleiner Schönheitsfehler: Am Aussprung der Zweifachen Kombination wackelte es ein bisschen – Spannung muss sein. „Nach dem Ziel ist einiges von mir abgefallen, sie fühlt sich an, als habe sie noch einiges im Tank“, schaut Thieme schon in Richtung Sonntag mit seiner Stute Chakaria.

 

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André Thieme und DSP Chakaria, Europameisterschaften Riesenbeck 2021 (© www.toffi-images.de)

Als zweiter Mannschaftsreiter kam Marcus Ehning mit Stargold in die Arena in Riesenbeck. Wie würde der schicke braune Oldenburger sich schlagen? Antwort: super! Zwar machte der Stakkato Gold-Sohn es seinem Reiter nicht immer ganz einfach – mehrfach schmiss er den Hintern zwischen den Sprüngen hoch und „winkte“ auch mal mit dem Hinterbein – aber Ehning ließ sich davon nicht beeindrucken. Er blieb ruhig, hielt den Hengst auf der Linie und schafft es, ihn stets am Sprung wieder fokussiert zu haben.

Auch vor der Zweifachen Kombination, zwei Steilsprünge in den Pastelltönen braun und gelb mit luftigen Unterbauten, war Stargold noch recht „witzig“, erkannte aber rechtzeitig wieder den Ernst der Situation. Null! Der Bocksprung, den der Zehnjährige nach der Ziellinie vollführte, hatte genug Energie, um den unkonzentrierten Auftakt des Championatsdebütanten am Mittwoch vergessen zu machen. Nach dem Zeitspringen zum Auftakt ist eben „die Messe noch nicht gesungen“. Mit 9,33 Punkten sind die beiden aus Borken als 14. auch am Sonntag dabei, so wie alle vier Deutschen.

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Marcus Ehning, Stargold, Europameisterschaften Riesenbeck 2021 (© www.toffi-images.de)

Marcus Ehnings jüngster Sohn Lyas hat heute Geburtstag. „Ich habe ihm heute morgen versprochen, dass ich versuchen werde, heute Abend mit einer Medaille nach Hause zu kommen“. Das hat geklappt, solche Väter wünscht man sich!

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Christian Kukuk und Mumbai, Europameisterschaften Riesenbeck 2021 (© www.toffi-images.de)

„Heimschläfer“ Christian Kukuk von den Ludger Beerbaum Stables kam mit dem neunjährigen Mumbai als dritter Deutscher in das Stadion. Der Schimmel sprang mit viel Luft über beinahe jedes der Hindernisse. Nur in der Dreifachen Kombination stimmte die Abstimmung nicht: Fehler. Damit rutschte der bislang führende Kukuk auf den achten Rang im Zwischenklassement (5,93). „Ich hatte zwei nahezu perfekt Runden zum Auftakt“, erläuterte Kukuk. Seinen Fehler hatte er schnell analysiert: „Ich war zu dicht an den Oxer in der Dreifachen gekommen. Die Pferde kamen alles sehr zurück in der Dreifachen, da hat es am Ende nach hinten nicht mehr gereicht.“

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David Will und C Vier, Europameisterschaften Riesenbeck 2021 (© von Korff)

Wie würde nun David Will auf seinem ersten Senioren-Championat agieren? C Vier sprang konzentriert über den Kurs. In der Anlehnung ist der Holsteiner nicht ganz einfach, aber am Sprung entfaltete er seine ganze Klasse. Aber dann – der Aufschrei des Publikums dürfte bis nach Marburg, in dessen Nähe Will in Dagobertshausen lebt, zu hören gewesen sein: Abwurf an der Zweifachen Kombination! „Ein Reiterfehler, ich bin einfach zu dicht gekommen. Ich hatte schon erstmal nach dem Ritt den Eindruck, dass ich das Gold verbockt habe“, gab sich Will im Anschluss selbstkritisch. 12,77 Zähler für Deutschland, Steve Guerdat als Schlussreiter der Schweizer konnte sich damit einen Abwurf leisten.

Schweizer siegen, Martin Fuchs führt!

Die bereits nach der gestrigen Nationenpreisrunde in Führung liegende Equipe der Schweiz musste liefern. Erst recht nachdem ihr Auftaktreiter Elian Baumann mit Campari Z gleich drei Fehler hatte. Er hat den Wallach seit fünf Jahren, hat sich hoch gearbeitet ins Team. Bryan Balsiger und Courage, die zweite eidgenössische Kombination, gestern mit einem Abwurf, blieben heute null.

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Martin Fuchs (SUI) und Leone Jei, Europameisterschaften Riesenbeck 2021 (© www.toffi-images.de)

Martin Fuchs plus Schimmel plus Europameisterschaft – das ist eine gute Gleichung! Denn während Fuchs‘ Clooney sich von seinem Oberarmbruch erholt, übernahm Stallkollege Leone jei den Job. „Steve hat mir gerade gezeigt, dass ich ja mit einem Neunjährigen führe. Der Druck war als Titelverteidiger nicht so hoch, ehrlich gesagt. Jetzt werde ich mal versuchen, dass alles am Sonntag liegen bleibt.“

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Der Baltic-Sohn Leone Jei sprang sicher und routiniert. Seine neun Jahre sah man dem Niederländer nicht an. Vielleicht etwas, wenn er mächtige Sätze rausließ, dann wieder sprang er ökonomischer – mit mehr Routine definitiv „one to watch“, sprich ein Pferd, das man im Auge behalten muss. Nicht in ferner Zukunft, sondern schon am Sonntag. Mit 1,31 Punkten liegt Titelverteidiger Martin Fuchs in der Einzelwertung in Front. Drei Schweizer sind in der Top Ten.

Steve Guerdat und Maddox, Sieger im Großen Preis von Donaueschingen, gingen als letztes Paar an den Start. Da hatte C Vier gerade den Einsprung der Zweifachen Kombination mitgenommen. Sicher lenkte Guerdat den Zehnjährigen über den Parcours. Ausgerechnet an Sprung neun, einem grünen Oxer aus einer Linkswendung nach der Stadiondiagonalen, der wenig Paaren Probleme bereitet hatte, patzte Maddox. Nun mussten alle weiteren Stangen in den Auflagen bleiben. Und sie blieben. Auch die Zeit war kein Problem – die Schweizer damit Europameister 2021!

Steve Guerdat nutzte den Titelgewinn, um darauf hinzuweisen, wie wichtig Streichergebnisse sind. „Wären wir nur drei gewesen, es hätte ganz anders ausgesehen“, betonte der mehrfache Weltcupsieger mit deutlicher Anspielung auf das viel diskutierte Format bei den Olympischen Spielen.

Viermal null: Bronze für Belgien

Eine Lehrstunde in Sachen fehlerfreies Parcoursreiten lieferte die belgische Equipe ab. Bei drei Reitern des Quartetts sah es auch noch mühelos und einfach aus. Pieter Devos und Jade van de Bisschop ließen den Kurs von Frank Rothenberger nahezu einfach aussehen. Er machte den Auftakt des belgischen Nullfehler-Festivals an der Surenburg in Riesenbeck: 3,16 Zähler hat der Mannschafts-Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele in Tokio nun auf dem Konto, das ist Rang drei vorm Finale.

Sein Kollege Jos Verloy musste schon mächtiger drücken, aber der 13-Jährige Varoune v. Verdi strengte sich an und blieb ebenfalls ohne Fehler. Brüderliche Einheit bewiesen dann die Zwillinge Philippaerts: Oivier und Le Blue Diamond van’t Ruytershof ritten großzügige Wege, aber der Plot Blue-Sohn galoppierte räumend und kam ohne Zeitfehler und ohne Abwurf ins Ziel. Bruder Nicola eiferte mit Katanga van het Dingeshof seinem Bruder nach. Null – Oliivier rangiert auf Platz sechs (5,20) , Nicola ist acht Hundertstel Strafpunkte dahinter Siebter (5,28).

Der Parcours

Insgesamt gelang 14 der 45 Starter ein Nullfehlerritt. Was beim Abgehen des Parcours mit seinen 13 Hindernissen und 16 Sprüngen noch technisch kompliziert ausgesehen hatte, erwies sich dann als nicht zu schwer zu reiten. Die Distanz von der Ovalmauer, Hindernis drei, zu Sprung vier, einem Oxer, exakt 4,5 Galoppsprünge, wurde von den meisten Reitern einfach gelöst: stillsitzen und fünf Galoppsprünge reiten. Häufiger fielen Stangen in der Dreifachen und der Zweifachen Kombination, die vom Eingang weg kurz vor Ende des Parcours kam. Außerdem erwies sich auch Sprung elf, der Oxer mit Wassergraben in bunten FEI-Farben als fehlerträchtig. Er stand quasi direkt auf Höhe des Einritts.

Stand vor dem Finale am Sonntag

Nach der Mannschaftsentscheidung liegt André Thieme mit Chakaria und 2,84 Strafpunkten auf Position zwei. Christian Kukuk ist mit dem neunjährigen Mumbai (5,93) Achter.

David Will und C Vier, Sieger der ersten Qualifikation, haben zu dem gestrigen Springfehler, heute weitere vier Strafpunkte addiert, macht runde acht, Position elf.

Die für Maurice Tebbel nach Ausfall von Don Diarado nachgerückten Marcus Ehning und Stargold sind in der Zwischenwertung der Europameisterschaft in Riesenbeck nun mit 9,33 Strafpunkten 14.

Eine Überraschung dieser Europameisterschaft ist die Griechin Ioli Mytilineou mit Levis de Muze v. Elvis ter Putte. Der zehnjährige belgische Hengst liefert unter der 24-Jährigen eine Nullrunde nach der nächsten. Ihre Mutter ritt schon in Athen bei den Olympischen Spielen 2004, sie selbst mit zwölf Jahren in der Children-Kategorie ihre ersten Europameisterschaften. In Rotterdam wurde sie mit zwei Nullfehlerrunden Siebte im Großen Preis. Auch im Winter in Florida war die Griechin schon erfolgreich unterwegs.

Am Sonntag geht es um 14 Uhr in die Finalentscheidung. Wer Riesenbeck als Europameister oder Europameisterin verlassen wird, entscheidet sich in der zweiten Runde ab 16 Uhr.

Schweden im Pech

Olympia-Silbermedaillengewinner und Mannschaftsolympiasieger Peder Fredricson und Catch me not S sind auch weiterhin gut unterwegs. Dank einer weiteren Nullfehlerrunde rangiert das Paar mit 4,46 an Fünter Stelle im Zwischenklassement. Platz 25 ist es für Douglas Lindelöw, nachdem dessen Chacco Blue-Sohn Casquo Blue es zweimal erwischte, an Oxer, Sprung vier, nach der ovalen Mauer und der Zweifachen Kombination am Schluss. Zwei Abwürfe waren es auch für Rolf Göran Bengtsson, jetzt 16. Und schließlich kam auch Angelica Augustsson Zanotelli mit Kalinka van den Nachtingaele mit zwei Abwürfen ins Ziel. Schweden wurde Vierter (27,59) vor den Iren (28,73) und den Franzosen (29,15).

Die Ergebnisse finden Sie hier.