VIELSEITIGKEIT – Die Deutschen verteidigen die Führung, ein Pferd stirbt nach Gelände

Reiter britisch

(© Pauline von Hardenberg)

Nach dem Gelände im französischen Staatsgestüt Haras de Pin ist der WM-Titel für das deutsche Busch-Team wieder ein Stück näher gerückt. Mehr als zwei Abwürfe liegen zwischen den Deutschen und den Briten vor dem morgigen Abschlussspringen. Bei den Briten konnte keine rechte Feierlaune aufkommen: Wild Lone, der 13-jährige Wallach ihres Mannschaftsreiters Harry Meade, brach nach dem Ziel tot zusammen.

Die Reiter von Bundestrainer Hans Melzer und Honorartrainer Chris Bartle liegen mit 177,9 Punkten vor den Briten (186,8) und den Australiern (226,8). In der Einzelwertung führt zur Zeit der Brite William Fox-Pitt auf dem Brandenburger Chilli Morning mit 50,3 Punkten vor der deutschen Dressursiegerin Sandra Auffarth auf Opgun Luovo (52,0) und Titelverteidiger Michael Jung auf Rocana (52.30). „Die Stute war sehr konzentriert, ich habe ihr zwischen den Sprüngen etwas Zeit zur Erholung gegeben, aber am Sprung war sie immer wieder voll da“, sagte Jung nach seinem Ritt zufrieden. Sandra Auffarth: „Es war ein aufregender Ritt, aber alles andere als leicht. Der Boden war sehr kräftezehrend. Die Stimmung war WM-würdig, der Boden nicht.“ Der Reiterin des in der Normandie geborenen Opgun Luovo schlugen wie schon in der Dressur besondere Sympathien der französischen Zuschauer entgegen.
Ingrid Klimke liegt mit 73,6 Punkten auf Platz 21. Zunächst waren ihr 20 Strafpunkte für eine Verweigerung im ersten Wasser angerechnet worden, die aber später wieder gestrichen wurden, da sie sofort auf die Alternative abgewendet und ihre eigene Linie nicht gekreuzt hatte. Das falsche Ergebnis, das plötzlich auf den Listen im Internet auftauchte, sorgte noch zwei Stunden nach Ende der Prüfung für Verwirrung, am Ende blieb es für Ingrid Klimke bei 73,6 Punkten und der Führung der deutschen Mannschaft. Nach der Prüfung durfte Escada noch ein wenig am Rande des Trainingsplatzes grasen, mit ganz klaren Beinen und offenbar bester Dinge. „Wenn es nicht um die Mannschaft gegangen wäre, hätte ich nach Sprung zehn aufgehört“, sagte Ingrid Klimke.
Das Streichergebnis der deutschen Mannschaft lieferte Dirk Schrade, dem inklusive zwei Verweigerungen 135,3 Strafpunkte angerechnet wurden, das bedeutet Rang 53 vor dem morgigen Springen. „Hop and Skip mit seiner hubschrauber-artigen Manier zu springen tat mir fast leid. In dem tiefen Boden ist er regelrecht stecken geblieben. Die beiden Vorbeilaufer passierten, weil er sich vollständig verausgabt hatte“, kommentierte Schrade.
Die Deutschen waren am Ende des Tages das einzige Team, das alle sechs Reiter nach Hause brachte. Auch die beiden Einzelreiter schlugen sich hervorragend, bewältigten das Gelände ohne Hindernisfehler. Andreas Ostholt mit So is et v. Sunlight xx liegt mit 56,7 Punkten zur Zeit auf Platz sieben, Peter Thomsen mit Barny v. Barnaul xx mit 60,3 Punkten auf Rang zehn.
Kein Reiter kam der Bestzeit von 10.30 Minuten nahe, nur drei Reiter bleiben unter elf Minuten, darunter Michael Jung (10.59). Der schnellste Ritt (10.40) gelang der neuseeländischen Einzelreiterin Jonelle Price auf der flinken kleinen Vollblutstute Classic Moet. Sie ist im Moment Vierte vor ihrem Landsmann Andrew Nicholson auf Nereo. Er hat wie sie 52,5 Punkte auf dem Konto, benötigte aber im Gelände acht Sekunden mehr. Das mitfavorisierte neuseeländische Team platzte ebenso wie die Mannschaften aus den USA und Schweden. Wenn eine Mannschaft mehr als zwei Reiter verliert, werden ihr pro Ausfall 1000 Strafpunkte angerechnet, auf diese Weise kann sie rechnerisch in der Wertung bleiben.
Die Ausfälle waren hoch, nur 63 von 91 Pferden erreichten das Ziel, viele von ihnen völlig erschöpft. Das Pferd des britischen Mannschaftsreiters Harry Meade, das auf der Strecke noch recht frisch wirkte, brach auf dem Abreiteplatz beim Trockenführen nach dem Ziel tot zusammen. Die Ursache soll eine Obduktion ergeben, so wie sie in solchen Fällen von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) vorgeschrieben ist. Vermutet wird ein Riss in der Aorta, der massive innere Blutungen verursacht hat. Unter Tränen und um Fassung ringend sagte der 30-jährige Harry Meade, Sohn des Olympiasiegers 1972 Richard Meade: „Ich bin natürlich todtraurig. Es gab keinerlei Hinweise, dass es dem Pferd nicht gut ging, er hat eine wundervolle hindernisfreie Runde hingelegt. Ich denke aber, dass der Tod meines Pferdes nichts mit den Bedingungen der Prüfung zu tun hat und ich fände es sehr schade, wenn dieser falsche Eindruck erweckt würde.“ Meade hatte den Wallach vierjährig ins Training bekommen. „Als er sechs Jahre alt war, habe ich zu meinem Vater gesagt, ich glaube, dass er einmal das beste Vielseitigkeitspferd der Welt wird. Und ich meine, dass er das auch war“, sagte Meade, der mit dem Wallach in diesem Jahr unter ähnlichen Bedingungen in Badminton Dritter wurde und sein WM-Debüt im Sattel des Braunen gab.
Zum abschließenden Springen werden die Pferde nach der Verfassungsprüfung in Haras du Pin morgen ins Hauptstadion in 70 Kilometer entfernten Caen gebracht. Am Nachmittag fällt dort die Entscheidung. Platz eins bis fünf trennen weniger als ein Springfehler.

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