Chaos in Stallzelten – Olympiasiegerinnen melden sich zu Wort

Elisabeth Max-Theurer (links) und Isabell Werth

(© Elisabeth Max-Theurer (links) und Isabell Werth)

Pferde, die in anderen Boxen landen, schwere Verletzungen inklusive – auf internationalen Turnieren scheint es nach der letzten Prüfung nin den Stallungen zuzugehen, wie in den Blockbustern „Nachts im Museum I und II“. Aber Lachen kann darüber niemand, schon gar nicht Isabell Werth, Elisabeth Max-Theurer und Madeleine Winter-Schulze. Sie sagen: Die FEI kennt die Probleme, will aber nicht konstruktiv an einer Lösung arbeiten.

Es sprudelt aus Isabell Werth nur so heraus, „Dortmund Freitagnacht, Falsterbo, St. Gallen … “ Eine Hand reicht nicht aus, um Turnierorte jüngeren Datums aufzuzählen, in denen sich Pferde nachts aus ihren Boxen befreit hatten. Für Schlagzeilen gesorgt hatte der Fall vom Kevin Stauts Stute Quismy des Vaux, die in St. Gallen nachts in ihrer Box von dem Hengst Otello du Soleil schwer verletzt wurde. Was wie ein bedauernswerter Einzelfall klingt, ist offensichtlich aber nur ein besonders schlimmer Fall. Auch Elisabeth Max-Theurer berichtet, dass sichimmer wieder Pferde  nachts aus ihren Boxen befreien würden und dann morgens von den ersten Pflegern, die vor Ort eintreffen, eingefangen werden müssten. „Der Fall in St.Gallen war alles andere als ein Einzelfall“, sagt die Österreicherin. Sie plädiert, genau wie Isabell Werth dafür, dass neben dem Wachpersonal, das vom Veranstalter gestellt wird, zusätzlich ein Pfleger pro Nation oder Stallgasse die Erlaubnis erhaltenn soll, im Stall zu schlafen. Ein Vorschlag, der genauso einfach wie schnell zu realisieren klingt, der aber, so sagen Werth und Max-Theurer übereinstimmend, beim Weltreiterverband (FEI) auf besonders taube Ohren stößt. Man habe ja Wachpersonal.

„Das Wachpersonal besteht meist aus Security-Leuten, wie sie sonst bei Rockkonzerten oder anderen Großveranstaltungen eingesetzt werden. Diese Menschen sind mit der Situation wenn sie plötzlich auf ein freilaufendes Pferd treffen schlicht und einfach überfordert,“ so Elisabeth Max-Theurer. Man sei offen, wie man das Problem angehen könnte, so Max-Theurer, die Rückendeckung von Madeleine Winter-Schulze erhält. „Wenn die Idee mit den Pflegern, warum auch immer, nicht gewünscht wird, kann man ja vielleicht Tiermedizinstudenten oder andere kompetente Menschen für diese Nachtschicht finden“, sagt die Mäzenin von Isabell Werth und Ludger Beerbaum. An der Bezahlung für diese Jobs solle es bestimmt nicht mangeln, so alle drei übereinstimmend. Isabell Werth sagt, die Leichtbauweise der mobilen Boxen würde die „Befreiungskünstler“ unter den Turnierpferden nicht vor all zu große Herausforderungen stellen. Teilweise seien die Leichtmetall-Konstruktionen mit den Plastikplanen derart instabil, dass sie mitunter schon darauf verzichtet habe, für besonders große Pferde zwei Boxen zu mieten und dann die Trennwand zu entfernen. „Dann wird alles einfach viel zu wackelig, das vergrößert die Gefahr für alle Pferde in dem gesamten Stalltrakt“.

Das Verletzungsrisiko in Stallzelten ist hoch, auf einem nationalen Turnier hatte sich der Hengst Don Diamond einmal fast das Bein abgerissen, weil beim Boxenaufbau nicht sorgfältig gearbeitet worden war. Die Veranstalter in St. Gallen hatten in einer Stellungnahme nach dem Vorfall mit den Pferden von Kevin Staut und Romain Duguet daruf hingewiesen, dass Securitypersonal vor Ort gewesen sei, sogar begleitet durch einen Hund.

„Los Bello, geh hin und trenne Hengst und Stute“?

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  1. Anja Korn

    Deswegen haben wir als Stallmeister auch immer Nachts unsere Kontrollgänge eingelegt, damit das Wachpersonal nicht komplett alleine mit den Pferden war. Es kommt immer wieder vor, dass sich ein Pferd befreit oder sich auch mal festlegt. Wir fingen dann den Ausbrecher ein, brachten ihn zurück in seine Box und sicherten diese oder er wurde in eine andere gebracht, wenn Notwendig. Auch verlangten wir immer eine Telefonnummer für den Notfall. Denn, wenn man zu 2 knapp 600 Pferde unterbringen und überwachen soll braucht man so etwas.

  2. Marcus

    Hallo warum macht man es nicht wie in Aachen beim CHIO da gibt es sog. Horse Watcher, die meist aus Tiermedizinstudenten bestehen, welche auch meist einen Pferdebackground haben. Dort gehen alle 2h die Horse Watcher durch die Stallungen, um erstens nach dem Rechten zu sehen, ob ein Pferd eventuell an einer Kolik erkrankt ist oder ähnlichem. Es wird kein Licht angemacht und man geht ruhig durch die Stallungen, bei Verdacht einer Erkrankung wird dann der diensthabende FEI Vet informiert und der Besitzer/Pfleger. Bei einem eventuellen Ausbruch des Pferdes wird es fachgerecht in seine Box verbracht. Es ist also nicht schwer dies zu organisieren. Ich war selbst Horse-Watcher, jetzt Tierarzt. Lg


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