Erster Umlauf WM-Nationenpreis: Deutschland auf Platz drei, Blum Einzel-Vierte

WEB-pvh-180920-weg tryon-6179_blum-NP1

Platz vier nach zwei Springen in der WM-Wertung: Simone Blum und DSP Alice in Tryon. (© Pauline von Hardenberg)

Mit zwei Ritten ohne Abwurf hat sich die deutsche Equipe nach dem ersten Umlauf des Nationenpreises bei der Weltmeisterschaft der Springreiter in Tryon nach vorn gearbeitet. Die Equipe liegt jetzt auf Rang drei – das wäre Bronze. In der Einzelwertung führt nun der Italiener Lorenzo de Luca (1,19). Simone Blum ist als beste Deutsche Vierte.

Der Tag hatte sehr gut angefangen. Bei gerade noch moderaten Temperaturen hatte Simone Blum mit DSP Alice als neunte Starterin gut vorgelegt. Wie gut ihr Nullfehlerritt sein sollte, das wurde erst deutlich als zu Mittagspause gerade einmal fünf Kombinationen den Parcours ohne Abwurf hinter sich gebracht hatten. Nur zwei, neben Simone Blum noch der Österreicher Max Kühner, hatten es in der Zeit geschafft, die 568 Meter hinter sich zu bringen. Blum rangierte am Ende des langen, warmen Tags auf Platz vier (2,47). Eine kleine Sensation für das deutsche Team.

Ein Nationenpreis für alle

Der Ire Allan Wade hatte einen Kurs gebaut, der ideal war für das Teilnehmerfeld bei der Weltmeisterschaft. Zwar hoch und schwer, aber immer noch so, dass die Reiter aus schwächeren Nationen nicht ihr Gesicht verloren. Laura Klaphake kam mit einem Zeitfehler ins Ziel. Die Stute Catch me if you can sprang überzeugend. Damit schaffte Laura Klaphake einen Riesensatz nach vorn in der Rangierung. Als 18. (6,25) trennt sie ein Springfehler von Platz drei. Die beiden Damen rissen es für das Team Deutschland heraus.

Pauline von Hardenberg

Lura Klaphake und catch me if you can – 18. nach dem ersten Umlauf im Nationenpreis. (© Pauline von Hardenberg)

Die verdammte letzte Linie

Maurice Tebbel hatte als dritter Mannschaftsreiter die ersten zwei Drittel des Parcours souverän gemeistert. An Sprung zehn, einem 1,61 Meter hohen Steilsprung, der nach vier sehr kurzen Galoppsprüngen hinter einem Oxer (1,50 x 1,70 Meter) zu bewältigen war, touchierte Tebbels Hengst Don Diarado mit den Hinterbeinen die hintere Stange leicht. Eine der größten Klippen es Parcours wurde dann auch Maurice Tebbel zum Verhängnis. Bei der letzten Linie mit 1,90 Meter tiefer Triplebarre und der folgenden zweifachen Kombination war der Wurm drin. Maurice Tebbel nahm das Tempo deutlich zurück vor der Triplebarre, der Hengst ging etwas gegen die Hand. „Und dann war die Triplebarre einfach zu weit weg.“ Don Diarado landete mit dem Hinterbein auf der hinteren Stange, Abwurf.

Ein Problem, das sich dann in der Folge noch einmal negativ auswirken sollte. Wie geplant ritt Tebbel die Distanz mit sechs Galoppsprüngen, so wie zuvor schon Laura Klaphake. Den mangelnden Schwung nach dem Fehler konnte Maurice Tebbel nicht vollends kompensieren. Der Einsprung glückte noch, aber nach hinten heraus fehlte es dann an Weite, Abwurf Nummer zwei, zu dem sich dann noch ein Zeitfehler gesellte. Am Ende bedeutete das Platz 57. Entsprechend geknickt fiel die Bilanz des Reiters aus: „Ich hätte gerne auch selbst etwas dazu beigetragen, die Mädels heute morgen waren ja super.“

Auch interessant

Auch Marcus Ehning erwischte es am Ende

Bei Marcus Ehing sah es nicht nur von außen zunächst perfekt aus, es habe sich auch so angefühlt, sagte Ehing nach seinem Ritt. „Er war perfekt bei mir, jeder Sprung gleich“. Allein der Blick auf die Anzeigentafel zeigte: Die Perfektion hatte nicht bis zum Schluss gereicht. Noch über der Triplebarre sah es nach einem Stilspringen aus. Dann aber erwischte es Pret a Tout zunächst am Einsprung der zweifachen Kombination. „Die letzte Linie ist schon sehr delikat, sehr spannend, die muss man erstmal reiten.“ Marcus Ehning meinte, sein französischer Wallach habe möglicherweise kurz in den Wassergraben am Boden des Sprungs geschaut. Die Harmonie und Konzentration waren gestört, Pret a Tout warf auch noch eine Stange des letzten Sprungs ab.  „Zwei sind immer zu viel, vor allem aber einer zu viel“, sagte Ehning zu seinen Fehlern und spielte auf sein Ergebnis an:  Mit 4,37 Punkten hätte er noch auf Platz zehn gelegen, nun ist er 23.

Die Mannschaft liegt aber dank der guten Ritte von Simone Blum und Laura Klaphake auf Position drei (18,09). Die Schweizer führen (11,64, die USA (12,59) sind Zweite. Schweden lauert auf Platz vier.

Gerade einmal fünf „Nuller“ im ersten Nationenpreis-Umlauf

Insgesamt gab es fünf Nullfehlerritte. Der Ire Cian O‘Connor hatte als 96. Starter den dritten Nuller geliefert. Er rangiert mit 2,69 Strafpunkten in der Zwischenwertung auf Platz fünf. Der US-Amerikaner McLain Ward machte es mit der Oldenburger Stute Clinta v. Clinton, die in Aachen so gut gegangen war, spannend. Nahezu aus dem Stand sprang die Schimmelstute über die letzte zweifache Kombination. Die Beine hatte sie weg, die Zeit reichte aber nicht mehr. Auf die 1,08 Strafpunkte aus dem Auftaktspringen kam noch ein Zeitstrafpunkt hinzu. Unterm Strich 2,08 – Platz zwei. Züchter Paul Schockemöhle wird’s gefreut haben. Dahinter hat sich der amtierende Europameister, der Schwede Peder Fredricson, dem die vierte fehlerfreie Runde gelang, mit Christian K v. Namelus (2,16) eingereiht.

Italiener Lorenzo de Luca übernimmt Führung in Einzelwertung

Seine Chance nutzen konnte der vorletzte Starter, Lorenzo de Luca, der für die Stephex Stables in Belgien reitet. Der Italiener ließ die zehnjährige belgische Stute Irenice Horta über den Kurs schnurren, ohne Abwurf, fünfter Nuller des Tages. 1,19 Strafpunkte ließen ihn die Spitze des Klassements erringen. Der Vater der Schimmelstute, Vigo d’arsouilles, war vor acht Jahren unter Philippe Le Jeune Weltmeister in Kentucky geworden war. Vielleicht ein gutes Omen für die kommenden Tage. Irenice Horta war vor kurzem Dritte im Großen Preis bei der Dublin Horse Show.

Favoriten mit Problemen im Parcours

Es gab viele enttäuschte Gesichter beim Herausreiten. Aus dem Schweizer Team erwischte es zunächst Martin Fuchs und Clooney am Aussprung der zweifachen Kombination. Auch hier landete die hintere Oxerstange im Stadionsand. Steve Guerdat sah dann lange wie der sichere fünfte Nullfehlerritt aus. Aber die enge Distanz vom Oxer auf den Steilsprung Nummer zehn, das Hindernis des Titelsponsors Longines, war einfach zu eng für die eifrige Balou du Rouet-Tochter. Fehler, Guerdat rutschte im Gesamtklassement auf Position acht (4,0). Janika Sprunger und Bacardi sind mit 2,96 Strafpunkten Sechste und damit die besten im Schweizer Team, das in Führung liegt.

Rowan Willis, der sympathische Australier, der seit 18 Jahren in Großbritannien lebt und mit Blue Movie gestern Dritter war, hatte zweimal Pech, Platz 22 (8,31). Auch der Brasilianer Pedro Veniss mit dem herrlichen Dunkelfuchshengst Quabri de l’Isle, zum Auftakt Zweiter, musste einen Abwurf hinnehmen. Er ist nun Neunter (4,17). Der Weltranglistenerste Harrie Smolders, der beste Reiter aus dem an fünfter Stelle rangierenden Team der Niederländer, kam mit Don VHP nicht fehlerfrei über den Wassergraben, 4,89, 11. Platz.

Morgen senden nur noch die besten zehn Mannschaften ihre Reiter in den Parcours des zweiten Umlaufs. Außerdem sind die 60 besten Einzelreiter noch im Rennen. Ab 13.30 Uhr Ortszeit (19.30 Uhr in Deutschland) beginnt die Entscheidung um die Mannschaftsweltmeisterschaft 2018. Das heißt, dass morgen gegen kurz vor Mitternacht deutscher Zeit feststeht, welches Team am Sonntag Tryon als Weltmeister verlassen wird.

St.GEORG GRATIS LESEN!

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist! Das bietet der
St.GEORG Newsletter. Jetzt abonnieren und Sie erhalten eine Ausgabe
St.GEORG als ePaper gratis - zum immer und überall lesen.