Chipmunk und Michael Jung kein Thema für EM in Luhmühlen

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Michael Jung war nicht der einzige Spitzenreiter, der in Irland zwei Nachwuchspferde ersteigert hat. (© www.toffi-images.de)

Auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) hat Vielseitigkeit-Bundestrainer Hans Melzer heute in Warendorf seine Direktive für die Buschsaison 2019 ausgegeben. Michael Jung und sein Neuerwerb Chipmunk hat er dabei nicht auf der Championatsliste.

Zwölf Reiterinnen oder Reiter kann Deutschland bei den Europameisterschaften in Luhmühlen (28. August bis 1. September) an den Start bringen. Das sieht das Reglement für den Gastgeber vor. Hans Melzer, Bundestrainer der deutschen Vielseitigkeitsreiter, gab sich optimistisch für das Jahr 2019. An den kommenden Wochenenden beginnt das Turnierjahr für die Buschreiter in Luhmühlen und Kreuth.

Keine EM-Planung für Michael Jung und Chipmunk

Nach Platz fünf in der Mannschaftswertung bei den Weltmeisterschaften in Tryon 2018 möchte Melzer in diesem Jahr wieder „vorne mitmischen“. Das Paar, auf das alle gespannt sind, hat Melzer aber nicht auf dem Zettel für die Heim-EM: Michael Jung und Chipmunk, den der Olympiasieger von Julia Krajewski Anfang des Jahres übernommen hatte, sollen sich auf die Olympischen Spiele in Tokio konzentrieren. Was nicht heißen soll, dass das noch junge Paar nicht zusammenpassen würde. „Ich hab bis jetzt nur Gutes gehört. In Kreuth in zwei Wochen werden die beiden erstmals an den Start gehen“, so Melzer. „Dieses Jahr ist die Kennenlern-Phase“. Deswegen sei die Europameisterschaft für das Paar „kein Thema“. „Das Pferd ist zweimal lang gegangen im vergangenen Jahr, in Bramham, wo er gewonnen hat und dann in Tryon. Michi hat das erste Mal ein fertiges Pferd bekommen, das ist eine ganz neue Situation für ihn, bislang hat er alle seine Pferde selbstgemacht. Es braucht ein Minimum von einem Jahr, bis man sich kennt. Unser Fokus ist jetzt so, dass er sich jetzt zusammenrauft, so dass wir dann planen können Richtung Tokio.“

Der Sichtungsweg zur EM in Luhmühlen

Dass Deutschland ein Dutzend Starter zur EM in der Lüneburger Heide schicken darf, hat laut Bundestrainer Hans Melzer eine Motivationswelle im Vielseitigkeitslager ausgelöst. „Das hat viele Reiter beflügelt, sich eine Chance auszurechnen“, so der Luhmühlener Melzer. Es gäbe viele neue junge Reiter und neue Pferde. Für das CHIO in Aachen gibt es zehn Startplätze für Deutschland, so dass in der Soers nicht alle Reiter, die auf der Shortlist stehen, werden reiten können. Das sei aber auch nicht unbedingt nötig, weil einige der potenziellen EM-Pferde in Luhmühlen in der langen, also der nun neuen 5*-Prüfung, gehen sollen. Nach der 5*-Prüfung bzw. der Deutschen Meisterschaft auf 4*-Niveau an dem Wochenende vom 13. bis 16. Juni in Luhmühlen wird der Bundestrainer eine rangierte Longlist aufstellen.

Am Wochenende 8./9. Juli steht ein Longlist-Training in Warendorf auf dem Programm. Externe Trainer, also Nachfolger auf der Position, die lange Jahre erfolgreich von dem Briten Chris Bartle besetzt wurde, soll es nicht geben. Vielmehr sollen erfolgreiche und erfahrene deutsche Reiter, so sie denn nicht selbst für das Championat in Frage kommen, als Coaches eingesetzt werden.

Das Ziel für die EM

„Wir träumen immer von 2011, die ersten vier Einzelplätze plus die Mannschaft“, so Hans Melzer in Erinnerung an die Europameisterschaften, die damals ebenfalls in Luhmühlen stattgefunden hatte. Die EM in Luhmühlen 2019 wird das letzte Championat nach altem Modus sein. Sprich: Es werden vier Reiter im Team starten, von denen einer das Streichergebnis liefert. Richtung Olympia schaut Bundestrainer Melzer mit gemischten Gefühlen nach Tokio. Dort wird 2020 nach dem neuen Olympia-Modus geritten: „Mit drei Reitern ist das schon spannend, gut dass es immerhin den Kompromiss gibt mit einem Reservereiter.“ Taktisch würde das schwerer, so Melzer. Er wird im Sommer 2019 auf jeden Fall auch deutsche Reiter zum Testevent nach Tokio im August schicken.

Ein junger Vielseitigkeitsreiter, Christoph Wahler, im letzten Jahr Sieger in der Serie des U25-Nachwuchsförderpreis, hofft auf eine Teilnahme vor heimischem Publikum: „Das ist schon eine tolle Gelegenheit, ’nen Platz zu ergattern.“ Ihm sei aber vor allem eines wichtig: „Wenn die Pferde Ende des Jahres alle gesund sind und gut drauf sind, das wäre das erste, was mir einfällt“, sagt er nach seinem Wunsch für 2019 befragt.

In Luhmühlen wird fleißig geplant

Die Planungen für den EM-Geländekurs laufen in Luhmühlen auf Hochtouren: Kursdesigner Mike Etherington-Smith, der seit 2017 in der Westergellersener Heide baut, wird zwei neue Kurse präsentieren. Etherington-Smith sei nun „angekommen“ in der Lüneburger Heide. Parcoursdesigner bräuchten erfahrungsgemäß ein paar Jahre, um mit allen Gegebenheiten des Geländeareals vertraut zu sein.

„Drei Jahre brauchen die, um sich einzuleben, die Wege zu kennen,“ sagt auch Julia Otto, Geschäftsführerin der Turniergesellschaft Luhmühlen (TLG). Sie feiert mit der EM ihr 20. Jubiläum in Luhmühlen. Sie weiß: „Es ist eine Herausforderung eine neue, andere Strecke zwei Monate später“ zu präsentieren. Mike Etherington-Smith „bastelt viel, tüftelt viel, teilweise lässt er uns teilhaben“. Eines steht schon fest: Der EM-Kurs wird anders herumgeritten als der DM-Kurs im Juni. „Wenn das erste Wasser das letzte Wasser ist, ist das schon eine andere Optik“, so Julia Otto.

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  1. Horst Müller

    WOHIN GEHT DER WEG IN DER VIELSEITIGKEIT?

    Das ein externer Trainer als Nachfolger des jahrelang erfolgreichen Christopher Bartle nicht gesucht wird, ist Insidern schon lange klar.

    Schließlich läuft der Vertrag des „Leitenden Bundestrainers“ nach Tokio aus und es muss für ihn erst einmal ein Nachfolger gefunden werden.
    Was liegt da nahe, als sich erfolgreicher und erfahrener deutscher Reiter zu bedienen, die nicht selbst für das Championat in Frage kommen.

    Das der „designierte Bundestrainer“ schon längst fest steht, verraten die Berichterstatter nicht.

    Auf jeden Fall erfüllt er das Anforderungsprofil seines Vorgängers in Bezug auf Pferdehandel.

    Leider vergessen die „Offiziellen“, dass ein Nachfolger für Christopher Bartle unverzichtbar ist, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

    Allein mit Optimismus, Schönrederei und Pferdehandel lassen sich keine Championatsmedaillen gewinnen.


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